Editorial
Editorial Ausgabe 58/Februar 2009
Liebe Leserin, lieber Leser!
Beim Vorteile einstecken sind die Verbraucher immer schnell und meist auch bedenkenlos dabei. Solange diese Impulse durch Werbeaktionen angesprochen werden, die einen vorübergehenden Charakter haben, können alle gewinnen: Hersteller, Handel und Konsument. Der Anspruch auf Qualität und Fairness, neuerdings auch Nachhaltigkeit genannt, muss bei kurzzeitig günstigerem Preis für ein Produkt nicht auf der Strecke bleiben. Wo immer nur einer gewinnt, wird dann eine Krise zur Bereinigung fällig.
Fragwürdig ist ein wertvolles Schmuckstück, das günstig oder billig angeboten wird. Da ist dann mit Sicherheit ein Haken dran. Bestenfalls ist es eine Notlage, ein Notverkauf, meist jedoch Übervorteilung, Fälschung und nicht selten Betrug. Ein Produkt wird primitiv hergestellt und ist nicht einmal seinen niedrigen, billigen Preis wert. Was nützt ein Auto, wenn es bald durchrostet? Oder ein undichtes Haus? Gerade noch hinnehmbar wäre ein Schmuckstück aus Blech. Da geht es nur um Eitelkeit.
Was bewirkt ein Lebensmittel, das keines mehr ist? Das bestenfalls noch als Nahrungsmittel durchgeht? Nahrungsmittel sind ungesund und nicht nachhaltig, wenn sie mithilfe vieler Maßnahmen den Bedürfnissen von Vermarktungsfähigkeit und Profit dienen und zu einem billigen Produkt mutiert werden.
Chemie wird eingesetzt als Düngung zur Massenproduktion, angeblich zur Rettung der Menschheit, in Wirklichkeit ausgelegt zur Mehrung von Besitz und Abhängigkeit des eigentlich freien Bauernstandes. Natürliche Düngung oder auch der Freilauf von Hühnern dient diesem System zur Diffamierung. So warnt Stiftung Warentest vor mikrobakterieller Belastung. Wir sollen uns ängstigen vor einer Belastung, an die Menschen in Jahrmillionen dauernder Evolution angepasst sind. Rettung bieten Landwirtschaftschemie und Gentechnik.
Sterilität in der Ernährung ist nicht unbedingt zielführend, Erdstaub an der Kartoffel behindert Fäulnis. Etwas mikrobakteriell belastete Erde an der Karotte ist laut meiner Oma sogar Krankheit vorbeugend. Sicher, die Oma war nicht im akademischen Stand. Sie hat Lebensmittel noch ganz primitiv aus der Erde gezogen. Aber sie war gesund! Hatte keine Allergien und auch keine Psychosen. Ihre Generation war nicht so krank wie die deutschen Weltmeister des Krankseins heute. Aber natürlich ist auch sie gestorben.
Wir werden heute älter als vorhergehende Generationen? Was bleibt von der Behauptung, wenn die Kindersterblichkeit aus dieser Statistik heraus genommen wird? Und wie sieht das Älter werden heute aus? Hat es je so viel Sichtum gegeben? Natürlich soll unsere moderne Medizin jedes Leben erhalten. Aber müssen wir das in eine billige Variante von Lebenserwartungssstatistik einrechnen, um abzulenken von der durchschaubaren Manipulation im Nahrungsmittelangebot? Es gibt eine interessante Grenze im Altern. Die Hochbetagten sind wieder gesund! Wer krank ist, stirbt früher, auch in Zeiten statistisch höherer Lebenserwartung.
Bio schmeckt besser! Das sagen unisono unsere besten Köche. Interessant, dass die Bevölkerung dieser Einschätzung zu folgen scheint. Bio sei gesünder. Auch das findet wachsenden Zuspruch. Der gesunde Volksverstand sieht hier wohl eher eine glaubhafte Alternative zum Grabschen nach billigen Vorteilen und verschmäht Fehlinformationen der Werbung.
Dem aufmerksamen Beobachter entgeht nicht, dass die Haute Cuisine frische und chemiefreie Rohstoffe bevorzugt. Ist das Fürsorglichkeit, gibt hier der Koch alles? Ist das eines seiner Erfolgsgeheimnisse, weshalb die Gäste wieder kommen? Wäre das nicht ein Vorbild für Lebensmittelkaufleute? Nachhaltigkeit erwartet Fairness gegenüber den Erzeugern und Verarbeitern. Sie können gute Lebensmittel bereit stellen, wenn ihnen unsere Achtung als Verbraucher gilt. Und sie können nur Qualität erwirtschaften, wenn sie naturgemäß arbeiten. Dabei müssen sie nicht zum Ochsenkarren zurückkehren.
Auch ökologische Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung muss heute technische Errungenschaften und modernes Wissen einsetzen. Schließlich brauchen wir für 6 Milliarden Menschen auf unserem Planeten eine hohe Produktivität. Der Teig muss nicht mehr mit der Hand geknetet werden. Teig braucht aber wie eh Zeit zum Reifen und keine Prozessbeschleuniger, anstatt Konservierungsmitteleinsatz sind intelligente Rezepte gefragt. Das Bio-Wachstum ist von Erkenntnis und nicht vom Marketing getrieben.
Erich Margrander
Herausgeber







