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Bio-Getreidemarkt auf dem Weg ins Gleichgewicht

Marktanalyse der ZMP

Der Bio-Getreidemarkt dreht sich  weg vom reinen Nachfragemarkt, hin zu einem Markt eher in Richtung Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage, wie die ZMP Marktanalyse im August ergab. Die Getreideernte nähert sich mit Ausnahme des Körnermaises ihrem Abschluss. Nur in Teilen Norddeutschlands und in den Übergangslagen der Mittelgebirge wurde infolge der unsteten Witterungsbedingungen noch bis Ende August Getreide gedroschen. Die Trocknungskosten sind in diesem Jahr nicht ganz unbedeutend. Denn durch die häufigen Niederschläge bzw. immer wieder angekündigten Regenschauer wurde manche Partie geborgen, die noch nicht optimal abgereift war. Die Erträge weisen eine ungewöhnlich hohe Spannbreite auf und werden im Schnitt zwar über den Vorjahresergebnissen bleiben, aber das mehrjährige Mittel unterschreiten.

Nachdem im vergangenen Jahr viele Verarbeiter Mühe hatten, ihren Bedarf zu decken und schließlich im Winter bereit waren, nahezu jeden Preis zu zahlen, sieht die Versorgungslage für das Getreidewirtschaftsjahr 2008/09 etwas günstiger aus. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in den übrigen mittel- und osteuropäischen Ländern stehen wieder größere Mengen an Bio-Getreide zur Vermarktung bereit. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Europaweit fallen die Erträge höher aus als im schlechten Vorjahr. In den osteuropäischen Ländern wurden zusätzlich die Anbauflächen teilweise erheblich erweitert. Hinzu kommen Neueinsteiger in den Bio-Markt wie zum Beispiel Russland und Rückkehrer wie die Ukraine. Dort wurde inzwischen das Exportverbot aufgehoben, das zwischenzeitlich zur Sicherung der eigenen Versorgungslage lange galt.

Damit sind die Käufer nicht mehr bereit, auf jede Preisforderung der Anbieter einzugehen – auch wenn viele Verarbeiter ihren Bedarf nur für die nächsten Wochen bis in den Oktober hinein bzw. Anfang November halbwegs gedeckt haben. Der Eindeckungsgrad zu Beginn der neuen Ernte ist in diesem Herbst deutlich geringer als im Vorjahr, da im Frühjahr wesentlich weniger Vorkontrakte als im Vorjahr abgeschlossen wurden. Dem Handel mit deutscher Ware aus der neuen Ernte fehlt es trotzdem weiter an Schwung und die Preisverhandlungen bleiben äußerst zäh. Die Preise differenzieren sich wieder stärker als im vergangenen Jahr: So werden infolge der sehr heterogenen Qualitäten diese stärker in der Preisfindung Beachtung finden. Aber auch die Preisschere zwischen verbandsgebundenem und verbandsfreiem Getreide wird größer, wie auch die Abschläge für Umstellungsware wieder größer werden. Auch der Preisabstand zwischen Futter- und Konsumgetreide vergrößert sich wieder. Günstige Offerten aus Osteuropa erschweren zusätzlich die Durchsetzung der Preisforderungen für die in Erzeu-gergemeinschaften gebündelte Verbandsware.

Mühlen und andere Verarbeiter, die auf deutsche Verbandsware Wert legen, beziehen aktuell nicht vorkontraktierte Ware eher von unabhängig vermarktenden Landwirten. Oder sie kaufen Partien, die direkt aus der Ernte heraus an-geliefert werden. Mühlen und Verarbeiter können und wollen auf die hohen Preisforderungen für hiesiges verbandsgebundenes Getreide meist nicht eingehen. Die bisher an die Endverbraucher weitergereichten Preissteigerungen machen sich bereits in einer abflauenden Nachfrage bemerkbar. Die weitere Nachfrageentwicklung ist schwer einzuschätzen. Ob die großen Wachstumsraten der letzten Jahre sich weiter fortsetzen, bleibt angesichts der insgesamt gestiegenen Lebenshaltungskosten abzuwarten. Die großen Wachstumssprünge der vergangenen zwei Jahre waren vor allem durch die starke Sortimentserweiterung bzw. verstärkte Einlistung von Bio-Produkten im LEH und bei den Discountern bedingt. Dies scheint noch nicht zum Abschluss gekommen zu sein, beispielsweise startete Aldi mit einer neuen Bio-Offensive.

Erste Panelauswertungen zum Verbraucherverhalten für das erste Halbjahr 2008 weisen auf eine stärkere Diffe-renzierung zwischen den verschiedenen Produktbereichen und Einkaufsstätten hin. Der Absatz von Bio-Brot ist nach ZMP-Analyse auf Basis des Haushaltspanels des Marktforschungsinstituts GfK deutlich rückläufig. Zulegen konnte nur der Bio-Fachhandel. Bei den Discountern kauften die Verbraucher ähnliche Mengen wie im Vorjahr. Alle anderen Einkaufsstätten inklusive der Bäckereien erlitten Absatzeinbußen.

Je nachdem, wie das eigene Absatz-Potenzial für die kommenden Monate eingeschätzt wird, ist man auch mit der Bedarfsplanung im Einkauf der Rohware eher vorsichtig bis abwartend. Verarbeiter und Mühlen, denen die deutsche Herkunft bzw. das Verbandssiegel nicht so wichtig ist, decken sich momentan jedenfalls vielfach mit günstigen Angeboten aus Osteuropa ein. Die Vielfalt der Herkünfte ist dabei groß. Sie reicht von inzwischen schon traditionellen Lieferländern wie Ungarn, Tschechien und der Slowakei bis zu eher neuen wie Rumänien, Russland bzw. auch wieder der Ukraine.

Vorkontrakte zahlen sich aus

Die Preise geben daher inzwischen nach, bleiben aber überwiegend weiter deutlich über den Vorjahreskursen. Anbieter, die sich in diesem Frühjahr trotz der negativen Erfahrungen des Vorjahres wieder auf Vorkontrakte einließen, könnten in diesem Jahr in der Hinsicht auf der Gewinnerseite stehen, dass sie höhere Preise realisieren konnten, als es für die nun zum freien Verkauf stehenden Mengen voraussichtlich möglich sein wird.
Futtergerste und Futterroggen haben bereits fast die Vorjahreswerte wieder erreicht, doch ist hier nicht unbedingt mit weiter absinkenden Preisen zu rechnen. Hier könnten die Kurse sogar wieder leicht anziehen. Futtergerste wird im Bio-Landbau nicht so umfangreich erzeugt wie im konventionellen Landbau, wird für die Schweinemast in der Futtermischung aber durchaus benötigt. Wegen des hohen Bedarfs an Brotroggen im Bio-Anbau dürften auch Fallzahl-schwächere Partien in den Backbereich fließen, die im konventionellen Markt dort keine Abnahme mehr finden würden.

Der Bio-Markt folgt zwar seinen eigenen Gesetzen, kann aber meist nicht ganz vom konventionellen Markt gelöst betrachtet werden. Die in den letzten Monaten oft zitierte starke Volatilität der Preise für konventionell erzeugtes Ge-treide wird aktuell deutlich sichtbar: Nach der Preishausse im vergangenen Wirtschaftsjahr hat sich der Markt in den vergangenen Wochen vollständig gedreht und die Preise sind wieder deutlich zurückgegangen. Die Flächenaus-dehnungen in Deutschland und in anderen Teilen der Welt in Kombination mit höheren Erträgen als im Vorjahr führen zu einem deutlich größeren Angebot. Besonders Futtergetreide hatte in den vergangenen Wochen unter einem starken Preisverfall gelitten, aber auch Brot-Getreide ist inzwischen deutlich billiger als vor Jahresfrist. Je nach Kultur und Qualität werden derzeit 20 bis 70 Euro/Tonne weniger als im Vorjahr gezahlt.

Trotz auch im Bio-Markt nachgebender Preise klafft jedoch die Schere zwischen den Preisen für Bio- und konventionell erzeugtem Getreide immer weiter auseinander. Besonders deutlich wird dies beim Brotroggen: Die Kurse für konventionell erzeugten Brotroggen (frei Erfasser) sind seit ihrem Höchststand im Februar 2008 mit 227 Euro/Tonne auf 138 Euro/Tonne im August zurückgefallen. Ursache dafür ist die spürbar bessere Ertragslage bei rund zehn Prozent größerer Fläche. Bundesweit könnten in diesem Jahr mindestens 3,4 Millionen Tonnen (Vorjahr: 2,7 Millionen Tonnen) geerntet werden, wovon aber nur 900.000 Tonnen als Brotgetreide benötigt werden. Der Rest muss im Futter oder in anderen Bereichen Verwendung finden. Trotz Aufhebung der Stilllegungsverpflichtung überlegen manche Landwirte auf Grenzstandorten, die eigentlich nur den Anbau von Roggen zulassen, ob sie nicht doch wieder Flächen aus der Produktion nehmen, da die Kosten für die Produktionsmittel so kräftig gestiegen sind, dass zu derzeitigen Preisen kein rentabler Roggenanbau mehr möglich ist.

Bio-Roggen hingegen erzielt zwar nicht mehr die Spitzenpreise aus dem Frühjahr 2008, wo zeitweise deutlich über 500 Euro/Tonne erzielt wurden, doch bleiben die Preise für dieses Basisgetreide mit aktuell im Durchschnitt 434 Euro/Tonne noch auf hohem Niveau. Ein deutlicher Preisrückgang ist aus heutiger Sicht nicht unbedingt zu erwarten, auch wenn spätestens Anfang Oktober Polen seine Bio-Ernte verstärkt in Deutschland anbieten könnte, da dort die Lagermöglichkeiten häufig eher bescheiden sind. Doch die Ernte in Polen hat zumindest im Nordwesten ebenso wie in Nordostdeutschland unter der Trockenheit gelitten und dürfte damit keine Spitzenmengen erreicht haben. Damit haben sich die Kurse für Bio-Ware deutlich von denen für konventionell erzeugtem abgekoppelt. Da Bio-Roggen nicht im Überfluss angeboten werden dürfte, besteht kaum Gefahr, dass der Preis für konventionell erzeugten Roggen den für Bio-Roggen nach unten zieht.

Öko-Bodennutzungszahlen für 2007 noch unter Vorbehalt

Das Statistische Bundesamt (destatis) hat Zahlen zur Bodennutzung im Öko-Landbau für 2007 veröffentlicht. Die Zahlen basieren auf der Erhebung im Mai 2007 und erfasst alle Betriebe mit mindestens zwei Hektar Fläche. Die  Zahlen geben einen Überblick über den Anbau wichtiger Ackerkulturen in den einzelnen Bundesländern, sind aber nur beschränkt aussagekräftig. So beziffert destatis die Fläche der Öko-Betriebe mit 861.161 Hektar, was auf den ersten Blick nur geringfügig von den Angaben der BLE (865.336 Hektar) abweicht. Die BLE-Zahlen (Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung) basieren auf den Meldungen der Kontrollstellen. Von den bei destatis angegebenen 861.161 ha werden aber nur 800.442 Hektar, inklusive der Umstellungsflächen, tatsächlich ökologisch bewirtschaftet. Die übrigen rund 60.000 Hektar sind konventionell bewirtschaftete Flächen von teilumgestellten Betrieben. Bei den weiter untergliederten Angaben nach Bundesländern und Kulturart wird diese Unterscheidung aber nicht mehr vorgenommen. Alle weiteren Zahlen beziehen sich auf die Gesamtfläche der Öko-Betriebe, inkl. deren konventionell bewirtschafteten Teilflächen.

Im Vergleich zu den von der ZMP erhobenen Strukturdaten für 2006, die auf den Meldungen der Kontrollstellen basieren, bestätigen sich einige Anbautendenzen. Brandenburg und Bayern sind mit je rund 20 Prozent Anbauanteil die größten Bio-Getreideerzeuger. Fast zwei Drittel des deutschen Bio-Roggens wachsen in Brandenburg und Mecklen-burg-Vorpommern. Ein Drittel der Bio-Weizenflächen bewirtschaften Bayern und Baden-Württemberg. Brandenburg ist mit einem Drittel der Flächen Hochburg im Körnerleguminosenanbau.

Nicht nur bei den von destatis angegebenen Flächen für Weizen dürfte ein hoher Anteil konventionell bewirtschafteter Flächen enthalten sein. Destatis gibt hier 66.061 Hektar an, die ZMP ermittelte für 2006 rund 45.000 ha. Dies ergäbe eine Flächenerweiterung von fast 50 Prozent binnen Jahresfrist. Bei einem Flächenzuwachs  in 2007 laut BLE von nur fünf Prozent scheint dies sehr unrealistisch. Beim Roggen ist die Abweichung mit zehn Prozent hingegen deutlich geringer und könnte den realen Anbauerweiterungen nahe kommen. Die ZMP-Erhebungen zur Bodennutzung im Öko-Landbau für 2007, aus denen sich auch die Veränderungen zum Vorjahr ableiten lassen, werden im September vorliegen.

Antje Kasbohm

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