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Fruit Logistica

Bio auf dem Vormarsch

Fruit Logistica mit 360 Bio-Ausstellern auf Rekord-Kurs

Die Fruit Logistica in Berlin als größte Fach­messe des internationalen Fruchthandels  hat inzwischen eine deutliche biologische Prägung. Auch für  Bio-Obst- und Gemüse ist Berlin die wichtigste Plattform geworden. Vom 7. bis 9. Februar informierten sich rund 50.000 Fachbesucher aus 125 Ländern. 2007 waren es 43.000 aus 120 Ländern. Dies entspricht einem Zuwachs von 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auf  81.000 Quadratmetern Hallenfläche zeigten 2.110 Aussteller aus 68 Ländern ihre Produkte und Leistungen, die die Versorgung der Verbraucher mit frischem Obst und Gemüse zu jeder Jahreszeit an jedem Ort sicherstellen. 360 Unternehmen kamen mit Bio-Produkten; doppelt so viele wie noch vor zwei Jahren. Bio ist nicht aufzuhalten  und im weltweiten Fruchthandel weiter auf dem Vormarsch.


Bio-Bananen sind eine gefragte Ware beim Fruchtring
Der Präsident des Deutschen Fruchthandelsverbandes, Jürgen Boruszewski, äußerte sich zum Auftakt der Messe besorgt über den Rückgang des Obst- und Gemüsekonsums in Deutschland. Seit 2004 ist der Jahresverbrauch pro Haushalt bei frischem Gemüse von 67 auf 63,4 Kilogramm und bei Obst von 94 auf 86 Kilogramm gesunken. Dies sei auch ernährungsphysiologisch be­denk­lich, sagte Boruszewski.

Stark steigend ist nach wie vor das biologische grüne Segment. "Wir könnten noch mehr verkaufen, wenn es mehr Ware gäbe", erzählt Stephan Schlick, Marketing-Leiter des Cobana Fruchtrings in Hamburg. Fünf Prozent Bio-Anteil verzeichnet der Fruchtring inzwischen bei der Banane, der Frucht Nummer eins im Handel. 28 Mitgliedsbetriebe sind bio-zertifiziert, zehn davon betreiben Bananen-Reifereien. Einige schneiden auch Obst und Gemüse für Gastronomie und Handel. Im konventionellen liegt die Convenience im Trend, im Bio-Bereich steckt sie bei den frischen Früchten noch in den Kinderschuhen.

Die Zentrale in Hamburg übernimmt den Import aus Übersee. Bio-Bananen, -Ananas und Zitrus kommen aktuell per Schiff aus Südamerika und Südafrika. Das europäische Sortiment beschaffen die Mitglieder in eigener Regie. Die Standorte sind deutschlandweit verteilt für eine flächendeckende Versorgung von Handel und Gastronomie. Der Fruchtring arbeitet an der Erstellung einer Isotopenlandkarte, um zukünftig exakte Herkunftsprüfungen gewährleisten zu können. Das engmaschige Kontrollnetz wird auch das Vertrauen in Bio weiter stärken.

Die Großmärkte Deutschland hatten wieder einen gemeinsamen Auftritt auf der Fruit. "Großmärkte sind wieder im Kommen. Wir galten eine zeitlang als Exoten", erklärt Frank Willhausen von der GFI, der Interessengemeinschaft der Deutschen Großmärkte. 18 Großmärkte haben sich hier zusammengeschlossen für die Präsentation in der Öffentlichkeit und für die Lobbyarbeit. "Wir stellen einen Bio-Trend fest. Fünf  bis zehn Prozent dürfte der Umschlag auf den Großmärkten betragen", schätzt Willhausen.  Kunden auf dem Großmarkt sind die Wochenmarkthändler, Obst und Gemüse-Fachgeschäfte, der qualitätsorientierte selbstständige Lebensmitteleinzelhandel und die Gastronomie. Der SEH entdeckt die Großmärkte neu und kann auch sein Bio-Sortiment dort aufstocken. 

Der selbständige Edeka-Kaufmann Kirchner aus Alzenau kauft bei einem Großhändler im Frischezentrum Frankfurt Bio-Ware dazu. Er bekam auf der Fruit Logistica zum zweiten Mal hintereinander den deutschen Fruchtpreis in der Kategorie großer Verbrauchermarkt überreicht.

Port international aus Hamburg stellte bei seinem Auftritt die Bio-Mangos, die in Brasilien und Peru beschafft werden, heraus. Neu ist das Port Portal für Kunden, die  sich dort über die Qualität individuell informieren können. Die Ergebnisse der chemischen Analysen und die Zertifikate der Produzenten sind einsehbar. 2007 hatte Port mit Bio-Importen aus der Türkei begonnen. Das Programm brachte nicht den erwarteten Erfolg und wurde wieder zurückgefahren. "Türkei ist schwer zu vermarkten", erklärte Klaus Rehberg. Mehr Spaß hat der Importeur an den Bio- und an den Bio-Fairtrade-Bananen. Hier zählt Port zu den führenden Unternehmen.

Der Fruchtriese Dole vertreibt Bio-Ananas und -Bananen. "Der Name Dole steht für diese zwei Produkte. Das sind die Zugpferde der Marke", erklärt Qualitätsmanager Thies Claußen. Die Bio-Produkte laufen aktuell unter der Zweitmarke "Your Choice" unter anderem bei Alnatura.  Wenn Nachfrage, Verfügbarkeit und Qualität auf Dauer stimmen, sollen es Dole Marken-Produkte werden. "Wir wollen das Potenzial der Marke für Bio nutzen", betont Claußen. Die Bio-Ananas ist nach den Worten des Qualitätsmanagers ein  Exot mit Potenzial. Der Preisabstand der beiden Bio-Artikel soll bei zehn bis 15 Prozent liegen. Die empfindliche Ananas stammt aus den Mittelamerika. Die Bananen wachsen in Südamerika. Die Produkte sind mit einem eigenen Bio-Logo ge­kenn­zeichnet. Der Verbraucher kann auf www.doleorganic.com nach dem von Nature & More bekannten System nachschauen, wo seine Bio-Banane  ihren Ursprung hat.

Lehmann Natur importiert weltweit und vertreibt national im klassischen LEH. Avocados der eigenen Finca in Spanien bis zu Zitronen aus Italien werden von den 50 Mitarbeitern gehandelt. Mit den Bedeutung des Bio-O+G-Sortiments im LEH wächst auch Lehmann natur. Aktuell entsteht in Mönchengladbach ein Logistikzentrum mit 10.000 Quadratmeter Fläche. Im Herbst soll es fertig gestellt sein. "Wir stellen gerade auf kompostierbare Verpackungen um", sagte Karin Lehmann. Die Produkte sind dann innen wie außen ökologisch.

Auch zu den Neuheiten auf dem Fruchtmarkt trägt die Bio-Branche bei. Beim Innovationspreis landete die biologisch angebaute Ur-Gurke aus den Niederlanden auf dem zweiten Platz. Zehn neue Produkte wetteiferten um die Trophäe. Die Ur-Gurke wurde von Enza Zaden gezüchtet. Mit rund 350 Gramm wird sie geerntet. Rund 250 Gramm haben die aktuell auf dem marktbefindlichen Bio-Gurken. Die Ur-Gurke enthält weniger Wasser und ist im Geschmack intensiver. Eosta vertreibt die zwei Stück für 1,99 Euro. Damit ist die Ur-Gurke auch preislich attraktiv.

Unter den zehn Bewerbungen war auch  Frujis von Naemo aus Bozen in Italien. Die Frucht-Chips aus Südtiroler Bio-Äpfeln und Bio-Ananas aus Sri Lanka wurden speziell für Kinder entwickelt. Durch ein schonendes und schnelles Trocknungsverfahren erhalten die Früchte ihren Geschmack und Duft sowie die knusprige Konsistenz. Die patentierte und wieder verschließbare Dose sorgt für den Schutz des Aromas. Eine Dose mit 28 Gramm Äpfeln entspricht zwei Äpfeln, eine Dose mit 36 Gramm Ananas entspricht einer Zwerg-Ananas.

Die Klimaverträglichkeit beim Transport wurde ebenfalls diskutiert. "Im Vergleich zu anderen Lebensmitteln hat Obst und Gemüse die beste Klimabilanz aller Frischwaren", betonte Verbandspräsident Boruszewski. Der weite Weg der Früchte lohnt sich.

Anton Großkinsky



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