Start / Ausgaben / BioPress 41 - November 2004 / Bio-TK im Supermarkt

Bio-TK im Supermarkt

In Bio-Tiefkühlkost liegen ungenutzte Chancen

Das Potenzial für Bio im LEH ist vorhanden. Das machten viele Zahlen und Aussagen auch beim 1. Bio Handels-Forum in Köln deutlich. Immerhin vermarktet der LEH bereits 35 Prozent des Bio-Angebots – mit wachsender Tendenz. Und mit Tiefkühlkost könnte er einen weiteren Gewinner ins Boot holen: Der Absatz aller TK-Produkte im LEH wird bis Jahresende gegenüber 2003 voraussichtlich um fünf Prozent gestiegen sein.

Der Tiefkühlmarkt wächst wieder kräftig. Das Deutsche Tiefkühlinstitut erwartet, dass bis Ende des Jahres das Mengenplus bei 4,2 Prozent liegen wird – das wären 2,98 Millionen Tonnen, die die Bundesbürger 2004 vertilgt hätten. Auch der voraussichtliche Umsatz kann sich sehen lassen: Die Branche rechnet mit 3,8 Prozent Zuwachs und insgesamt 9,27 Milliarden Euro.

Im LEH (einschließlich Heimdienste und Discounter) liegt das geschätzte Mengenplus bis Ende 2004 bei fünf Prozent. Laut Deutsches Tiefkühlinstitut sind hier vor allem die Tiefkühl-Backwaren mit knapp zweistelligem Absatz- und Umsatzwachstum die Renner. Erfreulich entwickele sich auch Tiefkühlfisch und die Angebote aus dem Kartoffelbereich (Mengenanteile siehe Tabelle).

Wichtige Faktoren: Qualität und Vielfalt

79 Prozent der deutschen Frauen zwischen 14 und 64 Jahren finden es gut, „dass es ein immer abwechslungsreicheres Angebot an TK-Produkten gibt", zitiert das dti eine Untersuchung der Zeitschrift „Brigitte". Interpretiert wurde das Ergebnis so, dass Qualität und Vielfalt die Ursachen für den anhaltenden Trend zu der bequemen Alternative am heimischen Herd sind.

Und wer Bio-Qualität haben möchte, schaut in die Röhre – oder sieht sich gezwungen, in ein Naturkost-Fachgeschäft zu fahren? Das muss nicht sein. Neben den Private Labels der LEH-Zentralen gibt es mittlerweile viele Herstellermarken auch für den LEH. Und bei einer Marktausweitung dürften die Mengen in Bio-Qualität ebenfalls kein Problem sein. „Die Struktur unserer Bio-Geflügel-Linie würde uns einen rapiden Einstieg im TK-Bereich des LEH ermöglichen", sagt zum Beispiel Jeanine Friese, die den Vertrieb des französischen Unternehmens Bodin & Fils in Deutschland führt.

TK-Geflügelprodukte für Kinder

Einer, der mit seinen Produktneuheiten voll auf den LEH setzt, ist die Bertros Feinkost GmbH & Co KG, Schöneck. Sie stellte im September auf der Düsseldorfer InterMeat ihre „BioNini"-Range vor – derzeit vier Geflügelprodukte für die Zielgruppe Kinder (Geflügel-Frikadellen, -Nuggets und -Bällchen sowie Hähnchen-Schnitzel). Die verarbeiteten Tiere stammen aus Bio-Vertragsmast.

„Entstanden aus der stetig wachsenden Nachfrage nach Geflügelprodukten einerseits und dem Mangel an ökologischen Convenience-Produkten andererseits, erfüllt die neuartige Linie alle Voraussetzungen, um zum Kassenschlager der Supermärkte zu werden", ist sich Berthold Franzsander vom BioNini-Vertrieb sicher.

Beim Verkauf hilft ein echter Fernsehstar mit: Käpt’n Blaubär, der seit zwölf Jahren Kinder (und Erwachsene) mit seinen Abenteuern erfreut. Er und seine Freunde schmücken die Packungen, es gibt Gewinnspiele, Geschichten und Mitmach-Aktionen.

Andere gute Beispiele von Unternehmen, die auf Bio im LEH setzen: die GWE Bio-Feinkost GmbH, die TK-Bio-Hähnchen und -Puten vertreibt, oder die Deutsche See mit Bio-Lachs und Garnelen.

Gemüse –immer der TK-Hit

Gemüse steht auf Platz eins beim TK-Verkauf. Im konventionellen Bereich gut positioniert, überträgt Frosta seine Markenbekanntheit auf Bio (siehe auch den Beitrag über das 1. Bio Handels-Forum „Die Marke macht Bio stark" in dieser Ausgabe, Seite 48). Mit Karotten, Sommer-Gemüse, jungen Brechbohnen, jungen Erbsen, Blumenkohl, Kürbisgemüse und jungem Spinat – alles im 750-Gramm-Beutel und unter dem Logo „Frosta Bioland Gemüse" – erzielt das Unternehmen bereits zehn Millionen Euro im Jahr (Gesamtumsatz 2003 der Frosta AG: 262 MillionenEuro). Auf 1.000 Gramm berechnet, ist die Ware nicht teurer als die des Marktführers, heißt es aus Bremerhaven. Zu den Kunden zählen die großflächigen Vertriebslinien des LEH ebenso wie der qualitätsorientierte Einzelhandel. Und die Antwort auf die immer wieder spannende Frage nach der Platzierung lautet: In der Warengruppe.

Bei Frosta sorgt der Anbauverband Bioland im Produktnamen für klare Verhältnisse. Bei der Demeter Felderzeugnisse GmbH, Alsbach, steht ein anderer auf der Packung. Und weil der Demeter-Verband beschlossen hat, dass nicht nur Naturkost-Fachgeschäfte, sondern auch der qualitätsorientierte LEH beliefert werden dürfen, der die Demeter-Kriterien erfüllt (bioPress 38/Februar 2004), kann er nun auch das gesamte Bio-Tiefkühlsortiment der Felderzeugnisse beziehen: Obst, Gemüse, Fertig- und Kartoffelprodukte, Fisch, Pizza, Eiskrem und Fleisch. „Für die Belieferung des übrigen LEH steht auch eine Siegelvariante zur Verfügung, auf die bei genügend Interesse zurückgegriffen werden könnte. Bisher gab es aber kaum Nachfrage von dieser Seite, sodass sich für uns die Frage nicht ernsthaft stellt", so Lazaro Campuzano vom Marketing.

Trendprodukt TK-Backwaren

Bereits heute ein zweistelliges Wachstum bei Backwaren hat Siegfried Schedel aus dem fränkischen Ebensfeld-Unterneuses, der schon in seinem Firmennamen „Der ökologische Backspezialist" stehen hat und seit 1999 nur noch Bio-Qualität aus Bioland-Rohstoffen herstellt. Er führt ein riesiges Angebot an Brot, süßem und salzigem Gebäck vor allem für Großverbraucher und Bäckereien. Für den Endverbraucher hat Schedel Bio-Buttercroissants, Bio-Laugenbrezen und Bio-Baguettebrötchen im Programm. Derzeit laufen sie noch unter der Bezeichnung „Banzgauer"; ab Februar 2005 werden sie unter „Schedel" geführt.

Siegfried Schedel sieht im LEH gute Chancen für seine Herstellermarke, weil sie eine Botschafterin auch für „Kultur" ist – für Geschmack, Genuss und Qualität ohne Gentechnik und Aromen. Wichtig ist für ihn, dass die Kunden probieren können – und das ist in seinem Service inbegriffen.

Kompetenzpartner mit großem Angebot

Hier ein bisschen Bio, dort ein bisschen Bio – das ist für den Einstieg der richtige Tipp. Wer jedoch gelegentliche (Bio-) Kunden zu Stammkunden machen möchte und sich vom Discounter abheben will, muss mehr tun. Auch im TK-Bereich. Das ist das Stichwort für Ökofrost Naturtiefkühlkost, einem Bio-Großhändler in Berlin. Der Löwenanteil der Lieferungen geht zwar an den Naturkostfachhandel, an Reformhäuser und die Großverpflegung, doch kommen zirka fünf Prozent der Kunden aus dem konventionellen Bereich.

Es sind selbstständige Lebensmittelhändler (SEH). Im Unterschied zu den Filialen der großen Ketten haben sie Freiraum bei der Gestaltung ihres Sortiments und können sich eigene Lieferanten suchen, wenn das Angebot ihrer Zentralen nicht ausreichend ist.

Im Bio-TK-Bereich bietet sich Ökofrost als Partner an. Der Großhändler sorgt nicht nur für Sortimentsbreite und -tiefe, sondern legt auch großen Wert auf intensive Betreuung und darauf, dass Kompetenz vermittelt wird. Und so kann der SEH Produkte, die üblicherweise nur im Naturkost-Fachhandel zu finden sind, über Ökofrost bekommen. Das Berliner Unternehmen spricht dies mit den Herstellern ab. Wenn der SEH Demeter-Ware beziehen möchte, muss er natürlich die Kriterien des Verbandes erfüllen. Doch sei es kein Problem, so Annette Mörler von Ökofrost, auch Alternativen anzubieten, zum Beispiel Ware nach EU-Zertifizierung.

Wer die Bestellliste für den SEH sieht, muss nicht mehr glauben, dass es „doch nichts gibt":

  • Gemüse, Beeren und Kräuter kommen von Natural Cool, Bioline, Ökoland,

  • Convenience von Hänsel & Gretel, Natural Cool, Lutosa,

  • Fisch und Garnelen von Green Aqua, Bio Bavaria und Wild Only,

  • Fleisch und Geflügel von Bakenhus, Bodin und Salomon,

  • Fertiggerichte von Ökoland und Natural Cool,

  • Backwaren von Moin,

  • Pizza und Flammkuchen von Wagner, Öko Carle und Sole Mio,

  • Eis von Loverendale, D’Ice und Tofutti

Wie für jeden Lieferanten, der Bio in den konventionellen LEH verkauft, ist es für Ökofrost wichtig, dass „die Bio-Produkte nicht nur reingestellt werden". Das Verkaufspersonal muss die wichtigsten Eigenschaften von Bioprodukten kennen, und mit der Präsentation sollte für die Verbraucher klar werden, was an Bio besonderes ist. Dies erfordert gute Kennzeichnung, Werbematerial und Verkostungen. Als ideal sieht Ökofrost eine eigene Bio-TK-Truhe an, in der ein breites, deutlich sichtbares Bio-Sortiment angeboten und leichter angenommen wird.

Ilse Raetsch

Neues Soja-Eis in Bio-Qualität

Ende August kam die Meldung, dass das belgische Unternehmen Alpro den Vertrieb seiner Bio-Soja-Eissorten Vanille, Schoko und Erdbeere der Marke „Provamel" in Europa eingestellt hat.

Bio-Soja-Eis ist in zweierlei Hinsicht interessant: Zum einen möchten es Menschen kaufen, die unter einer Milcheiweiß-Allergie leiden, sich streng vegetarisch ernähren (also auch ohne Milch und Eier) oder auf ihren Cholesterinspiegel achten.

Zum anderen gehört Soja zu den Rohstoffen, bei denen die Bio-Qualität gentechnische Veränderungen ausschließt.

Die Lücke füllt mittlerweile „Organic Tofutti" – die Bio-Range der bereits bekannten konventionellen Marke Tofutti.

Es gibt das Soja-Eis in den Geschmacksrichtungen Vanille und Schokolade (seit August 2003), Strawberry und Mango & Passionsfrucht (seit Februar 2004). Für den Einzelhandel ist das Eis in 750-ml-Bechern erhältlich.


Ticker Anzeigen