Nachhaltigkeit
Biozyklisch-vegan vom Feld bis zum Markt
Jakob Mannherz über Moosfeld Gemüse und die Markteinführung von Vegan Farmers
Pflanzenbasierte Ernährung gewinnt weiter an Bedeutung – gleichzeitig rückt die Frage nach einer konsequent nachhaltigen, tiernutzungsfreien Landwirtschaft stärker in den Fokus. Einer der Betriebe, die diesen Ansatz bereits seit Jahren praktisch umsetzen, ist die Moosfeld Gemüse GmbH am Bodensee. Geschäftsführer Jakob Mannherz stellte zur Biofach 2026 das neue Projekt Vegan Farmers vor – im Rahmen des Messeauftritts des Förderkreises Biozyklisch-Veganer Anbau e. V. in der Experten-Lounge des Meetingpoints BIOimSEH. bioPress hat mit ihm über seinen Betrieb, den biozyklisch-veganen Anbau und neue, handelsspezifische Vermarktungswege gesprochen.
bioPress: Herr Mannherz, wie sind Sie zur biozyklisch-veganen Landwirtschaft gekommen?
Jakob Mannherz: Ich bin gelernter Gärtner und Diplom-Ingenieur mit Schwerpunkt Maschinenbau und seit 2021 Geschäftsführer der Moosfeld Gemüse GmbH. Unser Betrieb wirtschaftet seit über 30 Jahren ökologisch. Die konsequente Weiterentwicklung hin zum biozyklisch-veganen Anbau ist für uns ein logischer Schritt, weil wir landwirtschaftliche Kreisläufe vollständig pflanzenbasiert schließen wollen – ohne tierische Betriebsmittel und ohne Abhängigkeit von der Tiernutzung.
bioPress: Was unterscheidet den biozyklisch-veganen Anbau vom klassischen Bio-Anbau?
Mannherz: Der wesentliche Unterschied ist der vollständige Verzicht auf tierische Betriebsmittel wie Gülle, Mist oder Hornprodukte. Stattdessen bauen wir Bodenfruchtbarkeit über pflanzliche Komposte, Gründüngung, Leguminosen und vielfältige Fruchtfolgen auf. Das stärkt langfristig die Böden und erhöht die Resilienz der Betriebe – und ist damit auch ein Beitrag zur langfristigen Sicherung der Ressourcen für den Handel.
bioPress: Wie ist Ihr Betrieb aktuell aufgestellt?
Mannherz: Wir bewirtschaften knapp 40 Hektar und bauen je nach Saison 50 bis 70 verschiedene Gemüsekulturen an. Die Vermarktung erfolgt überwiegend regional über den Bio- und Naturkosthandel sowie über Direktvermarktung.
bioPress: Auf der Biofach 2026 stellten Sie das Projekt Vegan Farmers vor. Worum geht es dabei konkret?
Mannherz: Vegan Farmers ist eine innovative Internet-Plattform, die biozyklisch-vegane Betriebe und Verarbeitungsunternehmen mit Verbraucherinnen und Verbrauchern verbindet. Unter dem Motto ‚Vegan ab Feld direkt zu dir‘ bietet sie 100 Prozent saisonales Bio-Gemüse und -Obst aus biozyklisch-veganem Anbau an – frisch, regional und ohne Umwege. Das Konzept steht allen Interessierten offen und ermöglicht es Landwirtschaftsbetrieben, ihre Produkte über zwei zentrale Schienen zu vermarkten:
1. Direktvermarktung über Veggie-Boxen: Kunden erhalten im Abonnement regelmäßig vorkonfektionierte Gemüsepakete aus biozyklisch-veganem Anbau bequem nach Hause geliefert. Diese Pakete enthalten eine bunte Mischung an saisonalem Bio-Gemüse, die für jeden Tag geeignet ist.
2. Veggie-Bags für den Naturkosthandel: Vorgesehen für den Handel sind vorkonfektionierte, klar gekennzeichnete Gemüsepakete, die sich ebenfalls im Abo vorbestellen lassen oder einfach in bestehende Sortimente integrierbar sind und eine planbare, größere Vermarktung ermöglichen.
Zusätzlich werden unter der Marke Vegan Farmers erste Fertigprodukte wie Tomatenpüree und Gemüsebrühe angeboten. Diese bilden den Auftakt einer wachsenden Produktpalette: Mit jedem neuen Erzeuger- und Verarbeitungsbetrieb, der sich dem Konzept anschließt, können weitere Produkte hinzukommen. Diese Erweiterung macht das Konzept besonders marktfähig.
bioPress: Wie funktioniert das Modell der Veggie-Bags genau? Was ist die Idee dahinter?
Mannherz: Die Veggie-Bags sind ein neues Abo-Konzept für den Naturkosthandel: Sie werden nicht direkt an Kunden verschickt, sondern über den Großhandel an Naturkostläden geliefert. Dort können sie von der Kundschaft abgeholt werden – ähnlich wie bei einem Abhol-Abo. Das hat mehrere Vorteile:
1. Einfache Integration in bestehende Sortimente: Die vorkonfektionierten, klar gekennzeichneten Gemüsepakete lassen sich problemlos in das Sortiment der Naturkostläden aufnehmen.
2. Planbare, größere Vermarktung: Die Läden erhalten regelmäßige Lieferungen, was die Bestellplanung für sie vereinfacht und eine kontinuierliche Verfügbarkeit für Kunden sicherstellt.
3. Gewinnung neuer Kunden für den Handel: Viele Kunden, die zunächst nur die Veggie-Bags abholen, entdecken dabei das gesamte Sortiment des Ladens und kaufen zusätzlich andere Produkte ein. Das kann zu einer Steigerung des Umsatzes und einer Erweiterung der Kundschaft führen.
4. Niedrigschwelliger Einstieg: Das Konzept ist besonders attraktiv für Neukunden, die bisher noch keine Berührungspunkte mit biozyklisch-veganem Gemüse hatten.
Gerade diese Verbindung aus direkten Abo-Lieferungen einerseits und Großhandelslogistik mit lokaler Abholung andererseits macht das Konzept besonders zukunftsweisend. Es zeigt, wie biozyklisch-vegane Landwirtschaft und Handel zusammenarbeiten können, um nachhaltige und wirtschaftliche Synergien zu schaffen.
bioPress: Welchen Mehrwert sehen Sie in den Vegan Farmers für die Bio-Branche?
Mannherz: Wir wollen damit klarstellen, dass biozyklisch-vegane Landwirtschaft nicht nur ökologisch sinnvoll ist, sondern auch marktfähig. Mit Vegan Farmers schaffen wir eine Plattform, welche die Landwirtschaft der Zukunft mit Verbrauchern verbindet – und dabei Ressourcen schont, Nährstoffkreisläufe rein pflanzlich schließt und wirtschaftliche Perspektiven eröffnet.
Gleichzeitig geht das Konzept bewusst über die reine Vermarktung hinaus: Mit Vegan Farmers unterstützen wir aktiv den Tierschutz. Ein Teil unseres Umsatzes fließt in Lebenshöfe, also Orte, an denen Tiere aus der landwirtschaftlichen Nutzung in Sicherheit leben können. Mit jeder verkauften Kiste wird diese Arbeit konkret mitgetragen – und es entsteht ein solidarischer Zusammenhang zwischen Landwirtschaft, Konsum und Tierschutz.
Das Konzept steht allen Landwirtschaftsbetrieben und Verarbeitungsunternehmen offen, die ihre Produkte über diese Vertriebsschiene oder unter dem Label Vegan Farmers vermarkten wollen.







