Start / Ausgaben / BioPress 50 - Februar 2007 / Grünes Bio-Sortiment wächst und gedeiht

Grünes Bio-Sortiment wächst und gedeiht

ZMP Obst- und Gemüseforum stellte hohe Zuwachsraten in der Biovermarktung fest

Das grüne Sortiment ist auf dem wachsenden Bio-Markt die wichtigste Warengruppe. Das ZMP Obst- und Gemüseforum im November 2006 in Berlin mit rund 150 Teilnehmern behandelte das Thema unter dem Aspekt „Mehrwert durch Vielfalt" auch biologisches O+G. Der Bio-Fruchtmarkt verzeichnet hohe zweistellige Zuwachsraten. Von wirklicher Vielfalt lässt sich allerdings noch nicht sprechen. Oft ist die Zahl der Bio-Früchte in den Supermärkten noch einstellig und die Umsätze werden mit wenige Artikeln getätigt.

Die positive Entwicklung am Markt für biologisch erzeugte Lebensmittel hat sich im Jahresverlauf 2006 fortgesetzt, wie Paul Michels, Leiter der ZMP-Abteilung Marktforschung, auf dem ZMP-Obst- und Gemüseforum in Berlin mitteilte. Der Markt sei in dieser Zeit zweistellig gewachsen.

Vier Kulturen machen laut Michels bei Bio-Obst drei Viertel der Menge aus: Bananen (30 Prozent), Äpfel (23), Zitronen (14) und Orangen (9). Die Bio-Gemüsenachfrage konzentriert sich stark auf Möhren. Sie hatten 2005 einen Anteil von 40 Prozent an den Einkaufsmengen, gefolgt von Tomaten mit zehn Prozent und Zwiebeln mit fünf Prozent. Möhren und Äpfel sind die Kulturen, die im deutschen Obst- und Gemüseanbau die größte Bedeutung haben.

Bio-Markt muss noch geschaffen werden

Der positive Nachfragetrend aus 2005 setzte sich auch im ersten Halbjahr 2006 unvermindert fort. Die Verbraucher steigerten laut Gfk-Haushaltspanel, ihre Einkaufsmenge bei Bio-Obst um 69 Prozent.

Die Bananenabsätze verdreifachten sich im Vergleich zum ersten Halbjahr 2005, sie haben damit Äpfel als bedeutendste Obstart endgültig abgelöst. Äpfel haben aber, auch durch die Saisonalität im Angebot, noch eine deutlich höhere Bedeutung als Orangen, die nur von November bis Mai wirklich bedeutsam sind, während Äpfel das ganze Jahr gut nachgefragt werden.

Bezogen auf die Gesamtnachfrage hat Bio-Gemüse im ersten Halbjahr 2006 einen Anteil von 4,5 Prozent und Bio-Obst einen Anteil von 3,6 Prozent. Die Anteile schwanken von Produkt zu Produkt: Bei Möhren betrug der Bio-Anteil beispielsweise 19 Prozent, bei Äpfeln 2,4 Prozent und bei Bananen sieben Prozent.

Allerdings ist Bio kein Selbstläufer, wie Christina Badenhop von der Blaubeergarten GmbH feststellte. Seit dem Jahr 2000 bietet dieser norddeutsche Betrieb Bio-Blaubeeren an. Inzwischen werden auf 50 Hektar Anbaufläche rund 300 Tonnen im Jahr geerntet.

In Deutschland insgesamt wird die Bio-Blaubeerfläche auf 200 Hektar geschätzt. Zwar stieg die Nachfrage nach Bio- Blaubeeren in 2006, trotzdem konnte nur ein Drittel auch als Bio-Ware verkauft werden. Diese Vermarktungsprobleme haben alle größeren Bio-Heidelbeer-Erzeuger. Hier muss der Bio-Markt erst noch geschaffen werden. Der LEH zeigt sich zunehmend an Bio-Ware interessiert, die Discounter haben die Blaubeeren aber noch nicht entdeckt.

Über die Rentabilität entscheidet auch der Erzeuger

Auch bei der Behr AG war Bio nicht von Anfang an eine Erfolgsgeschichte, wie Mathias Bartels berichtete. Bereits 1998 begann man auf 60 Hektar Bio-Gemüse anzubauen und musste die Fläche dann mangels Nachfrage reduzieren, ehe es wieder in die Expansion ging. 2005 wurde der Anbau auf 141 Hektar ausgedehnt. Rund acht Prozent der Gesamt-Gemüsebaufläche der Behr AG wird ökologisch bewirtschaftet. Salate, Blumenkohl und Brokkoli sind die Hauptkulturen.

Etwas provokant formulierte Mathias Bartels die marktwirtschaftlichen Gesetze, die auch für den Bio-Markt gelten: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Wer danach kommt, muss billiger sein. Wer schon da war und nicht wächst, hat nicht aufgepasst! Rentabilität hänge nicht nur allein von den Preisen, die der LEH zahle ab, sondern auch von den Rahmenbedingungen rundum. Dies müsse der Erzeuger in eigener Verantwortung abschätzen.

Das Risiko von Totalausfällen ist im Bio-Anbau stärker als im konventionellen Bereich und die Produktionskosten sind definitiv höher. Daher dürften die Preise nicht an den konventionellen Markt gekoppelt sein. In der Praxis entscheide aber der Verbraucher, welche Preisdifferenz er bereit ist zu akzeptieren. Die Verbraucher sind bereit einen Mehrpreis zu zahlen, wenn sie einen Mehrwert erkennen. Ob die Erzeuger an dieser Wertschöpfung teilhaben können, hängt von der Kostenstruktur im Betrieb und dem Geschick des Produzenten ab, führte Mathias Bartels aus.

Nach den Worten von Philipp Ackermann von der Campina Verde in Spanien, einer Exportagentur, ist die Nachfrage nach ökologisch erzeugtem Obst- und Gemüse in Mitteleuropa gerade durch den Einstieg des LEH rasant angestiegen. Viele Erzeuger würden in der ökologischen Landwirtschaft eine lukrative Alternative sehen. Besonders in Spanien werde dies durch eine besonders starke Ausdehnung der biologisch bewirtschafteten Fläche deutlich.

Im Gemüsesektor sei dort, so Ackermann, ein besonders starker Aufschwung auf der Angebotsseite zu spüren. Vor wenigen Jahren wurden hauptsächlich Zitrusfrüchte aus Südspanien geliefert, der heutige Schwerpunkt liege auf Tomaten und Gurken. Durch die neuen Absatzmöglichkeiten im LEH stiegen jedoch auch die Anforderung an die Qualität und Aufmachung der Produkte. Darauf könne man heutzutage nur mit umfangreicher Qualitätssicherung reagieren. Davon profitiere die Bio-Branche aber durchaus; sie sei insgesamt professioneller geworden. Das wiederum führe zu neuen und attraktiveren Produkten. Darüber hinaus nehme die Liefersicherheit im Bio-Bereich stetig zu.

Das Kind muss noch wachsen

Die wachsende Nachfrage interessiert zunehmend auch große konventionelle Fruchthandelsunternehmen. Die Atlanta AG aus Bremen ist mit einem Jahresumsatz von 1,45 Milliarden Euro Deutschlands Branchenriese. Der Bio-Umsatz ist zwar derzeit, gemessen am Gesamtumsatz, noch klein, aber zeigt mit 50 Prozent Zuwachs pro Jahr eine hohe Steigerungsrate. Ben Horsbrugh, für das Bio-Sortiment zuständig, sieht zwölf Hauptprodukte für den LEH. Wenn diese im Absatz gut laufen, kann das Sortiment erweitert werden.

Um möglichem Preisdruck auszuweichen, sieht Horsbrugh nur eine Möglichkeit: Den Wandel vom Fruchthändler zum Dienstleister. Nur für klar definierte Leistungen kann der Großhandel einen Mehrwert erzielen. Dazu gehören Beratung, technische Unterstützung, die Qualitätssicherung, Innovation und Marketing.

Auch bei der Edeka ist das Bio-O+G-Sortiment stetig gewachsen. Bis 2003 blieb der Zuwachs im einstelligen Bereich. 2004 sprang die Rate auf 28, 2005 sogar auf 43 Prozent und auch für 2006 wurde ein überproportionales Wachstum erreicht. Damit ist das Bio-Sortiment der „Krabbelstube" entwachsen und zu einem strategischen Geschäftsfeld aufgestiegen, wie Klaus Haak vom Edeka-Fruchtkontor erläuterte. Bio-Obst und -Gemüse wird bei der Edeka unter der Eigenmarke Bio-Wertkost gehandelt.

Aufsteiger Bio-Gurke

Salat-Gurken zeigten mit einem Zuwachs von 254 Prozent 2005 die größte Wachstumsrate. Sie waren vorher aber nicht gelistet, da der Preis für die Bio-Ware zu hoch erschien. Doch zeigte sich 2005, dass dies kein Hinderungsgrund für gute Nachfrage war. Das Absatzplus bei Bananen von 78 Prozent erklärt sich vor allem aus Preissenkungen. Zeitweise waren Bio-Bananen günstiger als konventionelle Marken-Bananen.

Das starke Absatzplus von 52 Prozent bei Äpfeln wurde vor allem durch Sortimentserweiterungen möglich. Außerdem wurden einige Artikel aus der Verpackung befreit und lose angeboten. Das hat den Absatz angekurbelt.

Denkbar ist, Randprodukte wie Rote Bete, Pastinake oder Wurzelpetersilie nur aus Bio-Anbau anzubieten. Stark zugelegt hat auch Paprika. Hier haben wieder Negativ-Schlagzeilen über Pestizid-Rückstände bei herkömmlicher Ware die Verbraucher stärker sensibilisiert. Prinzipiell zeigt sich, dass die größten Zuwachsraten bei Produkten erzielt wurden, die roh verzehrt werden.

Aus deutschem Anbau bietet die Edeka vor allem Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln und Äpfel an, als Nischen-Produkte auch Rote Bete, Salate und Kürbisse. Bei den Tomaten kommen immerhin neun Prozent aus Baden-Württemberg, bei den Gurken sind 95 Prozent der Angebotsmengen ausländischer Herkunft. Die Edeka strebt ein Basissortiment von acht bis neun Bio-Artikeln in jeder Filiale an, die in absatzstarken Märkten mit Saisonware und leicht verderblichen Artikeln ergänzt werden.

Insgesamt stehen, auch durch unterschiedliche Angebotsformen, 220 Bio-Artikel innerhalb eines Jahres zur Auswahl. Der Bio-Anteil schwankt je nach Region zwischen zwei und sieben Prozent. Bei Möhren liegt der Bio-Anteil bei 22, bei Blaubeeren erreichte man 2006 sogar 35 Prozent. Entscheidend für den Erfolg im Laden sei auch das Wissen der Mitarbeiter.

Antje Kasbohm


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