Start / Ausgaben / BioPress 50 - Februar 2007 / Ganzheitliche Schönheit mit Naturkosmetik

Ganzheitliche Schönheit mit Naturkosmetik

Mandelmilch, Sanddorn, Himbeersamenöl, Mangobutter… Dies könnten Rezeptzutaten für ein feines Dessert sein, doch in diesem Fall handelt es sich um einige typische Inhaltstoffe von Naturkosmetik. Stammen die Pflanzenstoffe zudem aus kontrolliert biologischem Anbau oder zugelassener Wildsammlung und werden sie so schonend wie möglich gewonnen und verarbeitet, stehen sie für echte Naturkosmetik.

Die Kosmetikbranche stellt mit pflegenden und dekorativen Produkten einen wichtigen und lukrativen Wirtschaftsfaktor dar. An der Spitze des konventionellen Marktes stehen L’ Oréal, Beiersdorf, Procter & Gamble, Schwarzkopf & Henkel und Unilever. Während der konventionelle Kosmetikmarkt jedoch kaum noch wächst, boomt Naturkosmetik. Die Verbraucher suchen verstärkt nach naturbelassenen, hautschonenden bzw. hautverträglichen Produkten.

Ganzheitliche Schönheit ist nicht nur bei den sogenannten LOHAs oder Hollywoodstars wie Julia Roberts und Brad Pitt angesagt. Eine wesentliche Rolle spielt sicher auch die Tatsache, dass immer mehr Menschen mit Allergien und Hauterkrankungen zu kämpfen haben.

Um stolze acht Prozent konnte dieser Markt im Jahr 2005 zulegen; der Anteil am gesamten Kosmetikmarkt wird hierzulande bei etwa vier Prozent angesiedelt, was rund 450 Millionen Euro entspricht. Kein Wunder, dass der konventionelle Branchenriese L’Oréal die Firma Laboratoire Sanoflore übernahm, um am Erfolg teilzuhaben. Zudem kauften sie im März 2006 die britische Kette The Body Shop, die zwar mit ökologisch korrektem Verhalten wirbt, aber nicht mit echter Naturkosmetik handelt.

Die vier größten Naturkosmetik-Hersteller sind Dr. Hauschka, Weleda, Laverana und Logocos. Daneben bieten noch zahlreiche kleinere oder jüngere Unternehmen hochwertige Produkte an.

Im Gegensatz zu den Anfangszeiten lässt die Angebotspalette keine Wünsche mehr offen. Nicht nur schonende Pflegeprodukte für jung und alt finden die Verbraucher, sondern auch moderne Produkte wie Lipgloss und Hair Conditioner. Aktuelle Trends wie Männerkosmetik, Anti Aging oder sinnlich duftende Duschlotionen hat die Branche gleichfalls längst aufgegriffen.

Naturkosmetik mit Siegel

Die Kunden von heute sind anspruchsvoll. Sie wünschen sich hautfreundliche Qualitätsprodukte hoher Funktionalität, die zugleich Wellness versprechen und Markencharakter aufweisen. Mit Naturkosmetik ist das möglich. Doch was versteht man genau darunter? Der Begriff ist (noch) nicht gesetzlich geschützt, sondern es existieren bislang nur sogenannte „Anforderungen an Naturkosmetik" aus dem Jahr 1992 vom Bundesministerium für Gesundheit. Eine Überarbeitung dieser Anforderungen wäre dringend vonnöten und wird offenbar auch angedacht.

Echte Naturkosmetik ist „theoretisch essbar", umschreibt es Laverana-Sprecherin Sabine Kästner-Schlemme. Selbst wenn diese Aussage nur mit Einschränkungen zutrifft, so drückt sie doch den Wert der Produkte aus. Eine reelle Orientierung gibt das im Jahr 2000 eingeführte BDIH Siegel kontrollierte Naturkosmetik des Bundesverbands deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel und Naturwaren: zwei stilisierte Blätter mit einem darüber liegenden Blütenkopf.

Die zugehörige Richtlinie listet die erlaubten Inhaltsstoffe in einer Positivliste auf, stets unter Berücksichtigung des Artenschutzes. Rohstoffe müssen soweit wie möglich aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) stammen. Wo der Anbau aus klimatischen Gründen nicht gelingt, kann eine Wildsammlung unter der Kontrolle unabhängiger Institute erfolgen (kbW). Die Verarbeitung geschieht schonend, Gentechnik und Bestrahlung sind verboten. Außerdem werden die Artikel umweltverträglich verpackt, zum Beispiel in leichten, bruchsicheren PET-Flaschen mit anerkannter Ökobilanz.

Keine Tierversuche

Auch Tierversuche bei der Rezepturentwicklung sind generell tabu. Es dürfen keine Substanzen verwendet werden, zu deren Gewinnung Tiere gequält oder getötet werden, zum Beispiel Bärengalle, Frischzellen oder Nerzöl. Manche Hersteller stellen sogar rein vegane Kosmetika her und verzichten völlig auf tierische Rohstoffe, wie Cochinillerot oder das Wollfett Lanolin. Unternehmen, die im Internationalen Herstellerverband gegen Tierversuche in der Kosmetik e.V. IHTK Mitglied sind, führen auf ihren Produkten zusätzlich das Siegel mit einem Kaninchen unter schützender Hand.

Die Firmen müssen das BDIH-Siegel für jedes Produkt einzeln beantragen und die Gültigkeit nach einem Jahr durch eine Nachprüfung bestätigen lassen. Mittlerweile ziert es zirka 2.500 Produkte von fast 60 Unternehmen, mit einem beachtlichen Auslandsanteil.

In der deutschen Bioszene findet das Siegel zwar große Anerkennung, doch konventionelle Käufer können es teilweise nicht von den Phantasie-Logos der Pseudo-Naturkosmetika unterscheiden. Denn naturnah positionierte Marken nutzen einzelne Aspekte geschickt in ihrer Kommunikation.

So stapeln sich reichlich Kosmetika im Regal, die nur ein paar Tropfen Pflanzenöl oder Aroma neben einer langen Liste chemischer und synthetischer Substanzen wie Tenside, Konservierungsmittel und Duftstoffe enthalten. Daher wird vielfach, unter anderem von der ehemaligen Verbraucherschutzministerin Renate Künast, ein einheitliches, international anerkanntes staatliches Label für Naturkosmetik mit hohem Standard gefordert. Der Weg dahin ist weit, denn die EU-Gesetzesmühlen mahlen langsam….

Seit 2002 gibt es neben dem BDIH-Siegel das gleichfalls etablierte Siegel von der französischen Kontrollorganisation für Öko-Produkte Ecocert, die in mehr als 80 Ländern weltweit tätig ist.

Ecocert unterscheidet zwei Standards: Bei „Ökologische und biologische Naturkosmetik" müssen die Inhaltsstoffe zu mindestens 95 Prozent (bezogen auf die Gesamtheit der Inhaltsstoffe, also auch Wasser) natürlichen Ursprungs sein und mindestens 95 Prozent der pflanzlichen Stoffe aus biologischem Anbau stammen. Das Label „biologische Kosmetik" können Produkte erhalten, bei denen mindestens die Hälfte der pflanzlichen Inhaltsstoffe aus kbA stammen.

Demeter, der Anbauverband für biologisch-dynamische Qualität, vergibt sein Markenzeichen auch für Kosmetika, und die Neuform labelt Naturkosmetika aus den Reformhäusern. Ihr Logo mit dem dreitürmigen Haus bekommen Produkte, die zwar ähnliche Kriterien wie beim BDIH-Label erfüllen, bei denen allerdings mehr Hilfsstoffe erlaubt sind. Außerdem, wenn auch seltener, findet man das Prüfsiegel von Cosembio, Soil Association und AIAB.

Mehrwert, der sich fühlen lässt

In vielen Naturkosmetika kommen traditionelle Heilpflanzen wie Calendula, Aloe Vera oder Augentrost zum Einsatz. Um sie vor Ort ökologisch zu kultivieren und erntefrisch zu verarbeiten, haben manche Unternehmen eigene Gärten mit Ringelblumen, Birken, Stiefmütterchen und Co. angelegt. Hersteller wie Wala (Dr. Hauschka Kosmetik) und Weleda bauen die Pflanzen entsprechend ihrer Unternehmensphilosophie biologisch-dynamisch nach den Regeln des Demeter-Verbandes an.

Sheabutter, Arganöl und andere Rohstoffe stammen von Pflanzen, die in unseren Breitengraden nicht oder nicht in ausreichender Menge gedeihen und werden daher importiert. Sie unterliegen ebenfalls strengen Auflagen bei Anbau und Ernte sowie bei der Qualität. In der Regel haben die Firmen einen Stamm von festen Lieferanten, mit denen sie viele Jahre zusammenarbeiten. Nicht selten verbinden die Bio-Firmen den Anbau in den Herkunftsländern gezielt mit Entwicklungshilfeprojekten.

Wala unterstützt zum Beispiel in Burkina Faso ein Sheabutter-Projekt. Sheabäume liefern in ihren Nüssen ein begehrtes Fett für After Sun Lotionen, Gesichtscremes oder Körperöle und wachsen nur in dieser Region Afrikas. In den Dörfern stellen einheimische Frauen die wertvolle Butter auf traditionelle Weise her und können sie dann zu gerechten, überdurchschnittlichen Preisen verkaufen. Das sichert ihren Lebensunterhalt und verhilft zu mehr Unabhängigkeit. Weleda ist in dieser Richtung aktiv, indem sie unter anderem mit dem Bio-Rosenanbau in der Türkei beteiligten Bauern die Sicherheit eines selbstständig erarbeiteten Lebensunterhalts gibt. Ähnliche Projekte unterhalten noch einige andere, durchaus auch kleinere Unternehmen.

Funktionalität und Sicherheit als Qualitätsfaktoren

Kosmetikprodukte sollen leicht anzuwenden sein, sich beispielsweise gut auf Haut und Haar verteilen oder rasch einziehen. Oft, besonders bei den Pflanzenölen, bewirkt erst die natürliche Komposition aus Fettsäuren, Lecithin, Vitaminen und Vitalstoffen eine hohe Effektivität.

Um sie hundertprozentig zu nutzen, müssen manche Stoffe in mühsamer Handarbeit gewonnen werden, etwa der Blütennektar von Fackellilien. Öle werden teilweise mit einer sanften, aufwändigen Kaltpressung hergestellt oder mazerisiert. Schonende Wasserdampfdestillation oder rhythmisches Verschütteln der anthroposophisch arbeitenden Firmen sind weitere Beispiele, wo noch reichlich menschliche Mithilfe gefordert ist.

Damit die Herstellung ohne großen Chemieeinsatz und ausreichender Haltbarkeit gelingt, bedarf es zugleich innovativer Techniken. Den Verzicht auf synthetische Konservierungsstoffe erarbeiten sich die Unternehmen durch absolute Hygiene bei der Produktion. Manchmal wirken auch Weingeist oder Vitamin E-reiche Öle als natürliche Antioxidantien.

Emulsionen oder Shampoos lassen sich ebenfalls nicht einfach ohne chemische Emulgatoren, wie die hautdurchdringenden Polyethylenglykole, herstellen. Hersteller von Naturprodukten schaffen das trotzdem. Sie verbinden Öl und Wasser mit Hilfe von Palmöl und Rohrzucker oder pflanzlichem Glycerin und natürlichen Fettsäuren aus Kokosöl oder Lanolin.

Moderne Verfahren und pflanzeneigenes Lecithin machen es manchmal sogar möglich, ganz auf weitere Emulgatoren zu verzichten.

Schwieriger sieht es bei den waschaktiven Stoffen oder Tensiden aus, die in Shampoos und anderen Produkten enthalten sind. Der BDIH akzeptiert für Naturkosmetik nur wenige dieser in der Regel hoch verarbeiteten Stoffe. Viele Hersteller verwenden alternative Substanzen und verzichten auf den Schaum, andere bieten sowohl zertifizierte tensidfreie als auch ungesiegelte Shampoos an.

Innovationsmotor Naturkosmetik

Sonnenschutzmittel werden schon seit längerem zu einem großen Teil in Naturkosmetik-Qualität gekauft, denn die chemischen UV-Filter sind zu Recht in Verruf gekommen. Mit ihrem Anspruch eines ganzheitlichen Hautschutzes hat die Bio-Branche durch intensive Forschung die mineralischen Pigmente Titandioxid und Zinkoxid als Alternative entdeckt. Diese winzigen Teilchen reflektieren die gefährlichen Sonnenstrahlen sofort und werden durch pflegende Pflanzenöle ergänzt. Dank der verbraucherfreundlichen Anwendungsformen sprechen sie auch Neukunden an. Mittlerweile führen viele Hersteller neben Sonnencreme oder Milch auch Sprays, Selbstbräuner sowie spezielle Lippenstifte und Tages- oder Handcremes mit natürlichem Lichtschutzfilter.

Auch und gerade, weil es sich um Naturprodukte handelt, lassen die Unternehmen kostenintensive dermatologische Wirksamkeits- und Verträglichkeitsstudien bzw. Gutachten in unabhängigen Hautkliniken durch- führen.

Statt an Tieren, werden die Kosmetika in Zellkulturen und im Endstadium mit Unterstützung von freiwilligen Versuchspersonen getestet. Weleda konnte beispielsweise vermelden, dass dermatologische Tests mit Neurodermitikern die Verträglichkeit ihrer Mandelgesichtspflege bestätigt haben.

Die verschärften Gesetze bei möglicherweise allergen wirkenden Duftstoffen bedeuten zwar einen Mehraufwand für die Firmen, doch kein Hindernis. So verströmen zum Beispiel Pflaumenkernöl oder andere ätherische Öle einen zarten Duft, ohne zu Irritationen zu führen.

Altnernativ finden Allergiker und Asthmatiker komplett parfümfreie Serien, unter anderem von der dänischen Firma Urtekram. Die auch hierzulande erhältlichen Produkte entsprechen neuerdings alle den Ecocert-Kriterien. Die garantierte Produktsicherheit hat der Naturkosmetik den Weg zu einer weiteren Distributionsschiene geebnet, den Apotheken. Besonders im Bereich Hautpflegemittel oder Mundhygiene kommen viele Kunden mit Problemen unter fachlicher Beratung hier zum ersten Mal in Kontakt mit Naturkosmetik.

Das Karussell der Eigenmarken kommt in Fahrt

Fast jede dritte Frau kauft ihre Körperpflegeprodukte beim Discounter (Quelle: Gruner& Jahr Kommunikationsanalyse 2004). Dabei haben Marken, nach der Brigitte Kommunikationsanalyse 2006 (steht für eine Befragung von über 25 Millionen Frauen), bei Bekanntheit, Sympathie und Verwendung aufgeholt. Nun steigt auch der konventionelle Handel vermehrt in das Geschäft mit den natürlichen Kosmetika ein.

Einerseits finden die Verbraucher in einigen Märkten separate Kosmetik-Shops. So hat die Drogeriemarktkette Budnikoswsky ein Shop-in-Shop System aufgebaut, bei dem etablierte Marken wie Lavera, Logona, Weleda oder Primavera in einem entsprechenden Ambiente angeboten werden. Andererseits steigt der Handelsmarkenanteil für Gesichts- und Körperpflege und wird laut AC Nielsen mittlerweile bei rund 40 Prozent angesiedelt.

Obwohl preiswerter, schnitten diese qualitätsmäßig zumindest in Ökotest-Untersuchungen nicht unbedingt schlechter ab als Markenware. Hergestellt werden sie entweder von spezialisierten Firmen oder von bekannten, zweigleisig fahrenden Naturkosmetik-Unternehmen.

Einige von ihnen sehen die Handelsmarken als Einstiegsmarken, um Kundinnen und Kunden den Zugang zur Naturkosmetik zu erleichtern. Die Drogeriekette dm hat zum Beispiel die Eigenmarke Alverde im Regal. Hergestellt wird sie von der CEP Cosmetic Entwicklungs- und Produktionsgesellschaft, die ein Tochterunternehmen von Logocos ist. Daneben produziert Logocos die Marke Alterra für die Rossmann-Drogeriemärkte. Einige Alverde-Artikel und alle Alterra-Erzeugnisse tragen das BDIH-Logo.

Bei Tegut und Budnikowsky finden sich unter dem Namen Alviana 27 Gesichts-, Körper- und Babypflege-Artikel, produziert von Alnavit mit Alnatura-Inhaber Götz Rehn als Geschäftsführer. Die Ulmer Drogeriekette Müller hat ihr Naturkosmetik-Sortiment im Jahr 2005 auf die eigene Marke Terra Naturi umgestellt. Über 20 Produkte gibt es mittlerweile, die vegan und gleichfalls gelabelt sind.

Der Discounter Plus führt seit März letzten Jahres die Pflegeserie Blütezeit. Die 14 Produkte werden von der Firma Naturkonzepte aus Hannover vertrieben, deren geschäftsführende Gesellschafter Laverana-Chef Thomas Haase und Klara Ahlers sind. Die Produktion findet im Hause Laverana statt, woher zudem die nature friends Produkte der gleichnamigen Firma stammen.

Als Naturkosmetika für den Lebensmitteleinzelhandel werden sie zunächst für Edeka bzw. für den Bio-Fachhandel hergestellt. Im klassischen Bio-Vertriebsweg führt nature friends vorab einen Testmarkt durch. Nature friends umfasst ein Grundsortiment mit Calendula für die tägliche Pflege sowie Bodylotion und Duschgel als Aromapflegeprodukte.

Chance oder Risiko?

Ein Argument für den Einstieg der Fachhandelsfirmen ist die Überlegung, dass sie durch die Produktion von Handelsmarken ihre Produktionsanlagen besser auslasten. Die erhöhte Auftragslage fördert außerdem allgemein Betriebsinvestitionen. Bei Laverana heißt es in dem Zusammenhang, dass die Vertriebsschiene der Handelsmarken völlig losgelöst von dem der Fachhandelsmarken Lavera und Laveré zu betrachten sei. Letztere gingen den klassischen Bio-Vertriebsweg über Naturkostläden, Naturkosmetikfachgeschäfte, Reformhäuser, Apotheken, bzw. einige Versandhändler und Internetanbieter.

Klara Ahlers erklärt den günstigeren Preis der selbsterklärenden Produkte mit einer schmaleren Kalkulation und Logistik, sowie unterschiedlichen Inhaltsstoffen, die dennoch BDIH gerecht seien

Die Geschäftsleitung passe sich den aktuellen Marktbedürfnissen und somit den Verbraucherwünschen an. „Wir können den Markt nicht verhindern, aber wir können ihn mitgestalten", sagt sie.

Die dreifache Geschäftsführerin versteht insofern die Marke Blütezeit als Wegbereiter für Bio-Einsteiger. Zur Zusammenarbeit mit Plus kam es ihren Angaben nach, durch Gespräche auf der BioFach 2005.

Andere Hersteller bleiben aber bei ihren Qualitätsmarken. Bei Weleda heißt es zum Beispiel, Handelsmarken in genau gleicher Qualität wie die eigene Marke wären nicht kostendeckend, da die benötigten wertvollen Rohstoffe einfach nicht zu einem geringeren Preis zu beschaffen seien.

Während Naturkosmetik im Ausland schon häufiger im konventionellen Handel zu finden, wird die Entscheidung pro oder contra Handelsmarken hierzulande also offenbar sehr emotional geführt.

Parallel entstehen weitere interessante Vermarktungskonzepte, wie Naturkosmetik-Shops und ganze SPA-Konzepte. In zahlreichen Wellnesshotels und Day-SPAs werden fachmännische Behandlungen mit Naturkosmetik angeboten, um dem Bedürfnis nach einer ganzheitlichen Behandlung Rechnung zu tragen. Manche Hersteller bieten daher auch Ausbildungen an, so Dr. Hauschka, Primavera Life, Pharmos Natur oder Martina Gebhardt Naturkosmetik.

Die hohe Qualität von Naturkosmetik entspricht dem Lebensstil einer weltweit wachsenden Zielgruppe, der auch Aspekte wie Gesundheit und Nachhaltigkeit wichtig sind.

„Die Verbraucher wollen nicht nur Lebensmittel kaufen, die frei von Pestiziden und Rückständen chemischer Düngemittel sind. Es gibt zunehmend die Tendenz, dass Frauen an die Kosmetik, die sie kaufen, vergleichbar hohe Ansprüche stellen", hat Tautropfen-Chefin Daniela Lindner festgestellt.

Bettina Pabel

 

Kriterien des BDIH-Siegels

1. Pflanzliche Rohstoffe soweit wie möglich aus kontrolliert-biologischem Anbau (unter Berücksichtigung von Qualität und Verfügbarkeit). Alternativ aus kontrolliert-biologischer Wildsammlung

2. Tierschutz: Tierversuche weder bei Herstellung noch bei Entwicklung oder Prüfung der Endprodukte. (Rohstoffe, die vor dem 01.01.1998 noch nicht im Markt vorhanden waren, dürfen nur dann verwendet werden, wenn sie nicht im Tierversuch getestet worden sind. Außer Betracht bleiben hierbei Tierversuche, die durch Dritte durchgeführt wurden, die weder im Auftrag noch auf Veranlassung des Auftraggebers gehandelt haben, noch an diesen gebunden sind.) Einsatz von Rohstoffen toter Wirbeltiere ist nicht gestattet.

3. Mineralische Rohstoffe: anorganische Salze und mineralische Rohstoffe sind grundsätzlich erlaubt. Ausnahme s. Punkt 5.

4. Rohstoffe mit beschränktem Einsatz: Bestandteile, die durch Hydrolyse, Hydrierung, Veresterung, Umesterung oder sonstige Spaltungen und Kondensationen aus folgenden Naturstoffen gewonnen werden: Fette, Öle und Wachse; Lecithine; Lanolin; Mono-, Oligo- und Polysaccharide; Proteine und Lipoproteine. (konkrete Regeln in einer aktuellen Positivliste)

5. Bewußter Verzicht auf: organisch-synthetische Farbstoffe, synthetische Duftstoffe, ethoxilierte Rohstoffe, Silikone, Paraffine und andere Erdölprodukte Zulassungskriterium für natürliche Riechstoffe ist die ISO-Norm 9235.

6. Konservierung: neben natürlichen Konservierungssystemen nur bestimmte naturidentische Konservierungsmittel zugelassen (Benzoesäure, ihre Salze und Ethylester; Salicylsäure und ihre Salze; Sorbinsäure und ihre Salze; Benzylalkohol). Zusatz: „Konserviert mit..." erforderlich

7. Keine radioaktive Bestrahlung von organischen Rohstoffen und Endprodukten gestattet.

8. Kontrolle: Die Einhaltung der Kriterien ist durch ein unabhängiges Prüfinstitut gewährleistet und durch das verbandseigene Prüfzeichen dokumentiert.

Weitere Zielsetzungen:

Rohstoffe: Transparenz bei der Herstellung mit durchschaubaren Verfahren und konsequente Verbraucheraufklärung.

Aktiver Einsatz gegen Genmanipulation

Ökologische Verträglichkeit

Soziale Verträglichkeit


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