Start / Ausgaben / BioPress 50 - Februar 2007 / Qualität im Höhenflug

Qualität im Höhenflug

Bio-Geflügel hebt ab und entwickelt sich - trotz hohen Preisabstands - prächtig im Handel

Das Geflügel aus kontrolliert biologischer Erzeugung ist eine Nische für Feinschmecker und Bio-Liebhaber. Bio-Geflügelhaltung ist aufwändig und damit teuer. Das war bisher eine Marktbremse. Aber im sich differenzierenden und entwickelnden Bio-Markt gewinnt das liebe Federvieh an Bedeutung. Der Franzose Bodin ist seit den 80-er Jahren auf dem Markt. Die deutsche Branche ist gerade mal etwas mehr als ein Jahrzehnt alt. Bio-Geflügel Mecklenburg begann erst 2004. GWE startete 2001 als Zerlegebetrieb. Die Freiland Puten Fahrenzhausen feiern dieses Jahr zehnten Geburtstag und Roberts ist seit 1994 erfolgreich im Geschäft. Unter den Anbietern sind Geflügelspezialisten, Fleischanbieter und Convenience-Hersteller mit Geflügel-Produkten, reine Bio-Unternehmen, aber auch Mischbetriebe.

GWE (Grünes-Weser-Ems) aus Emstek in Niedersachsen, der Hochburg in der Geflügel-Wirtschaft, konzentzriert sich auf Hähnchen und Pute. Der Naturland-Verarbeiter, bezieht seine Tiere von Vertragsbauern, die von einer eigenen Futtermühle versorgt werden. Als einer der wenigen Vermarkter hat GWE den Vertriebsschwerpunkt im LEH. Metzger, Großverbraucher wie Caterer und Mensen sind noch unter den Kunden. Im Naturkosthandel ist der Betrieb nur schwach vertreten. Das Vertriebsgebiet ist Deutschland; der Exportanteil ist verschwindend gering. 60 Prozent der Menge ist Hähnchenfleisch, 40 Prozent Pute.

Qualität ist bezahlbar

Die jährlichen Wachstumsraten liegen im hohen zweistelligen Bereich. Ganz genau lässt sich Geschäftsführer Bastian Wefer nicht in die Karten schauen. Das noch junge Unternehmen ist nach Schätzungen bei der Menge bereits die Nummer eins unter den Bio-Geflügel-Vermarktern in Deutschland. Trotz eines gewaltigen Preisabstandes von Faktor drei zum herkömmlichen Produkt, war Wefer im Weihnachtsgeschäft ausverkauft: „Es gibt genügend Leute, die bereits sind für Qualität mehr zu bezahlen. Menschen, die sich an Wellness orientieren, gesund leben und leichte Kost bevorzugen, greifen zu". Die großen Festtage sind immer Höhepunkt in der Nachfrage. Die nächste Spitze wird zu Ostern erwartet. Besonders beliebt sind Teilstücke für das SB-Regal. Sie werden unter modifizierer Atmosphäre verpackt (MAP). Ganze Tiere und Bedienungsware ist der kleinere Teil.

Roberts aus Schöneck in Hessen wartet mit einem Bio-Geflügel-Vollsortiment für die Selbstbedienung und die Theke auf. Der von Berthold und Roswitha Franzsander 1994 ins Leben gerufene Betrieb gilt als Bio-Geflügel-Pionier. Vermarktet werden ganze Tiere, Teilstücke, Convenience und Wurst. Als Bioland-Verarbeiter verzichtet der Hersteller bei Wurst auf den Einsatz von Nitritpökelsalz. „Wir erreichen trotzdem eine Farbe und einen Geschmack wie bei herkömmlicher Wurst", betont Martin Bauer zuständig für Marketing und Vertrieb. Als weiteres Qualitätsmerkmal werden nur Rohgewürze eingesetzt, keine Extrakte. Dem Endverbraucher wird das in die drei Worte „Natur hat Gechmack" übersetzt.

Die Marke Roberts wird im Naturkostfachhandel und in Bio-Metzgereien vertrieben. Sei dem vergangenen Jahr läuft das Geschäft mit der Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung. 26 Prozent Umsatzsteigerung meldet Bauer für 2006.

Freiland Puten vertraut auf besondere Rasse

Freiland Puten Fahrenzhausen in Bayern vermarktet jährlich rund 50.000 Puten von Vertragsbauern in Deutschland. Der Biokreis-Betrieb vertraut auf die Kelly Bronze Pute aus England, eine langsam wachsende, robuste Rasse mit bronzefarbenem Gefieder und hervorragender Fleischqualität. Das Unternehmen bietet ein Sortiment für den Fachhandel, Großverbraucher und Verarbeiter.

Es umfasst frische und TK-Produkte. Die Wurst wird in 125 Gramm-, 200 Gramm- und 2,5 Kilo-Därmen ohne Nitritpökelsalz gemacht. Im vielfältigen Sortiment sind zum Beispiel Mortadella, Schinkenwurst, Fleischwurst, Gelbwurst, feine Leberwurst, Wiener, Bratwurst und Lachsschinken. Für Großverbraucher werden fünf Kilo oder zehn Kilo Beutel frisch oder in TK angeboten. Das starke Wachstum der letzten Jahre hinterlässt zufriedene Gesichter.

Seit 2004 ist die BIO Geflügel Mecklenburg GmbH mit Puten und Hähnchen auf dem Markt. Schlachtung und Zerlegung übernimmt der Vertragspartner Mecklenburger Landpute, ein 1990 gegründeter Geflügel-Betrieb. In Kooperation mit Fahrenzhausener wird die Kelly Bronze Pute eingesetzt. „Diese dunkle Rasse ist etwas Außergewöhnliches. Damit kann man sich absetzen vom Konventionellen. Unser Schwerpunkt sind Hähnchen; 40.000 haben wir 2006 gemästet, Puten waren es 10.000", berichtet Geschäftsführer Krämer. Der Naturkostgroßhandel, Metzgereien und Hersteller von Babynahrung sind aktuell die Kunden. Das Hauptvertriebsgebiet ist der Norden der Republik. Großverbraucher wie Kantinen sind vereinzelt dabei. Die Gastronomie war bisher wenig aufgeschlossen. „Mit dem LEH sind wir noch nicht im Gespräch, aber wir hoffen, dass das noch kommt", blickt Krämer in die Zukunft. „Die Logistik können wir gewährleisten", fährt der Geschäftsführer fort. Frisches Fleisch und Wurst für Selbstbedienung und die Theke werden angeboten. Das Hauptgeschäft machen heute die Teilstücke aus.

Jean Bodin aus Ste. Hermine in Westfrankreich beschäftigte sich bereits 1970 mit Freiland-Geflügel. Er baute mit seinen Söhnen Marcel und Yves die erste komplette Bio-Linie auf: Aufzucht, Futtermittel, Schlachthof und Vertrieb aus einer Hand. Seit 1983 ist das Unternehmen auf dem deutschen Markt vertreten. Seit 1997 gehört Bodin zur Geflügelgruppe Gastronome. Die angegliederte Futtermühle Bio Nutrition Animale mischt nach eigenen Rezepturen in immer gleicher Zusammensetzung, um eine einheitliche Fleischqualität zu erreichen. Die Franzosen bieten die ganze Bandbreite von Hähnchen, Pute, Ente, Gans und Perlhuhn. Sogar ein TK-Suppenhuhn in Bio-Qualität ist im Programm. Das hat außer Bodin fast niemand. Bodins Beste, ein schwarzes Hähnchen, wird 91 Tage, zehn Tage länger als von den Bio-Richtlinien vorgeschrieben, gemästet. Außerdem werden weiße Hähnchen und ein Mais-Hähnchen erzeugt. Ein Kapaun, der 150 Tage gefüttert wird, ist ebenfalls im Programm. „Hähnchen sind unsere Spezialität", erläutert Jeanine Friese von Naturkost aus Frankreich. Ganze Tiere und Teilstücke werden frisch und tiefgekühlt geliefert. Die Gans gibt es allerdings nur ganz. Bodin ist auf dem deutschen Markt überwiegend im Naturkostfachhandel mit der Marke Le Picoreur zu finden. Dem LEH wird das Premium-Geflügel unter der Marke Nature de France offeriert. „Preiswert ist nicht unsere Strategie. Wir haben eine hochwertiges Image", erläutert Friese die Firmenphilosophie.

Teilstücke für die schnelle Küche

Daneben gibt es eine Reihe von Fleischverarbeitern, die Bio-Geflügel in ihrem Programm haben. Die tegut-Tochter kff aus Fulda bietet auch externen Kunden ganzjährig Hähnchen und Puten an. Das Wassergeflügel Ente und Gans wird saisonal verkauft. Wie im konventionellen geht die Tendenz zu den Teilstücken, wie Qualitätsmanager Sven Euen erklärt. Ganze Tiere sind etwas für Feinschmecker und Hobby-Köche geworden. Die Zubereitung kostet Zeit, die niemand mehr zu haben glaubt.

Das weiß auch Salomon Hitburger in Großostheim. Fingerfood für die schnelle Küche, darunter drei Geflügelprodukte, bringt das Misch-Unternehmen in die Tiefkühltruhen des Handels. Der Bio-Fleisch-Spezialist Chiemgauer hat in seinem nationalen Fleisch- und Wurst-Sortiment für den Fachhandel auch Geflügelprodukte. Ebenso hat die Metzgerei Bühler aus Steinhausen in Baden-Württemberg im Fürstenwalder Bio-Sortiment Geflügelwurst.

Der regionale Fleisch-Anbieter Thönes aus Wachtendonk am Niederrhein führt eine Bio-Range, in der ebenfalls ein Vollsortiment an Wurst und Fleisch vom Geflügel enthalten ist. Hähnchen, Pute, Ente und Gans sind zu haben. Ganze Tier und Teilstücke werden geliefert. Überwiegend werden entsprechend der heutigen Haushaltsgrößen Teilstücke verlangt. „Unsere Kernleistung ist Frische", beschreibt Marketing-Berater Elmar Damke das Konzept. Thönes bietet Produkte für die Selbstbedienung und die Fleischtheke an. „Geflügel hat angefangen als Ergänzung zum Fleisch. Inzwischen ist es eine eigenständige Linie geworden. Wir haben Kunden, die nur Geflügel abnehmen", betont Damke. Bio-Geflügel setzt zum Höhenflug an.

Anton Großkinsky


Ticker Anzeigen