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Biofach im Sommer: treffen, vernetzen und Lust auf Neues

Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel in Präsenz und digital

Biofach im Sommer: treffen, vernetzen und Lust auf Neues © NuernbergMesse / Thomas Geiger
Riechen, fühlen, schmecken und Zufallsbegegnungen: Durch die Verschiebung in den Sommer erhofft sich die Biofach eine Rückkehr zur Normalität mit den gewohnten Besucherströmen. 

Vom 26. bis 29. Juli wird die erste Summer Edition der Biofach in Nürnberg stattfinden. Aufgrund der kritischen Pandemielage haben sich die Veranstalter entschieden, das normalerweise im Februar abgehaltene Bio-Branchentreffen zu verschieben. Jetzt herrscht Vorfreude auf eine Präsenzmesse mit digitaler Unterstützung: eine verbesserte App für Smartphones, Streaming-Angebote im Kongress und Klimaschutz in Aktion mit den Themen Unverpackt und Bio-Vegan.

„Egal ob es uns schwer oder leicht gefallen ist – die Verschiebung war erforderlich“, erklärt Biofach-Direktorin Danila Brunner. Die Pandemie bestimme nach wie vor das Messeleben und aufgrund der Omikron-Variante habe es im Dezember viel Verunsicherung und Skepsis gegeben. Durch die überwiegende Zustimmung der Aussteller im Rahmen eines Votings im Vorfeld sehen sich die Veranstalter in ihrer Entscheidung bestätigt. Vom neuen Termin im Juli erhofft man sich nun mehr Planungssicherheit.

War die Biofach 2021 eine erste rein digitale Ausgabe – mit neuen technischen Chancen, aber auch den verbundenen Tücken – soll das nächste Branchentreffen sich wieder durch alles auszeichnen, was eine Präsenzmesse ausmacht: riechen, fühlen, schmecken und Zufallsbegegnungen. „Das kann eine digitale Messe nicht ersetzen!“, meint Brunner.

Internationales Klassentreffen

Um die 2.500 Aussteller aus über 80 Ländern würden zur Biofach erwartet. Darunter sind die üblichen Top 5: Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien und Belgien, aber auch Länder wie Uganda, Honduras, Nepal, Sambia, Tunesien, Ghana, Taiwan oder Südkorea. Viele Interessenten stünden momentan noch in den Startlöchern. Eine aktuelle Ausstellerliste kann bereits online eingesehen werden.

Erwartet werden wieder Akteure aus der gesamten Wertschöpfungskette der Bio-Lebensmittelbranche: Lieferanten von Rohwaren, Verarbeiter, LEH, Großhandel und Fachhandel, Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung.

Präsenz-Neustart mit digitaler Ergänzung

Zur 2021 erstmals verwendeten Digital-Plattform talque habe es von den Nutzern sehr unterschiedliches Feedback gegeben, meint Danila Brunner. Viele Einkäufer hätten das digitale Angebot im Vorfeld verwendet. Etwa fünf bis zehn Arbeitstage vor Messestart befassten sich Interessierte mit der Planung ihres Besuchs.

Nach den Erfahrungen der ersten digitalen Ausgabe soll es dieses Jahr zahlreiche Optimierungen geben: Gut funktionierende Filteroptionen nach Produktgruppen, vegan/ koscher/halal oder Lieferkanälen zum Beispiel. Das Problem, bei einer Suche mit dem Zurückbutton wieder auf Start zu landen, sei von den Programmierern behoben worden. Auch die teils aufgetretenen Schwierigkeiten beim   digitalen Onboarding und Ticketerwerb sollen nicht mehr vorkommen.

  • © NuernbergMesse
„Als Erweiterung im Verständnis des Zusatznutzens“ sieht Biofach-Direktorin Danila Brunner die digitale Plattform, welche die Sommer-Messe ergänzt.

Die Online-Suche verspricht den Besuchern, verschiedene Querschnittsthemen nach individuellen Präferenzen zu kombinieren. Als Excel-Datei exportieren ließe sich das Ergebnis zwar nicht, an der Möglichkeit einer persönlichen Laufliste werde aber gearbeitet. Ob die Option rechtzeitig bis Juli realisiert werden kann, sei momentan noch nicht abzusehen.

Der Messekatalog im Print-Format ist für die Biofach passé. Er sei nicht nachhaltig genug, meint die Presseleitung. Dafür soll eine explizit für Smartphones gestaltete App den Besuchern den Zugang zu talque auch unterwegs ermöglichen und die Orientierung in den Hallen erleichtern.

Die Profile aus 2021 können Aussteller nicht übernehmen. Seit Dezember hätten sie jedoch bereits die Möglichkeit, ihre Inhalte neu einzupflegen. Allen Teilnehmern soll über die Matchmaking-Funktion der Plattform die direkte Kontaktaufnahme und das Netzwerken mit Kunden, Geschäftspartnern oder neuen interessanten Unternehmen erleichtert werden.

Die Onboarding-Termine sind für den Juni festgesetzt:

  • Aussteller: 22. Juni 2022
  • Medienvertreter: 28. Juni 2022
  • Besucher: 29. Juni 2022

Kongress vor Ort – erweitert durch Streaming und Aufzeichnungen

Was den Kongress angeht, so soll auch hier der Fokus dieses Jahr wieder auf den Aktivitäten vor Ort liegen. 70 bis 90 Prozent der Veranstaltungen sollen zumindest im Nachhinein als on-demand-Angebot zum Nachschauen zur Verfügung stehen. So können Besucher Überschneidungen im Programm umgehen. Einige ausgewählte Events werden im Livestream übertragen.

Dazu seien auch rein digitale Veranstaltungen nicht ausgeschlossen: Aussteller hätten dann die Wahlfreiheit, ob sie wie bei früheren Ausgaben einen Raum für Präsentationen vor Ort mieten, ein Live-Streaming dazubuchen oder wie 2021 zu einem rein digitalen Roundtable einladen.  Für alle Variationen sollen Räumlichkeiten auf dem Messegelände zur Verfügung stehen, die bei Bedarf von den Ausstellern angemietet werden können.
„Digital als Erweiterung im Verständnis des Zusatznutzens – und nicht als Alternative“, so erklärt Danila Brunner die Devise des hybriden Biofach-Angebots. Dass man in der technischen Umsetzung noch keine Perfektion erreicht habe, sei den Veranstaltern bewusst: „Die Ärmel bleiben hochgekrempelt.“

Brennpunkt Klimaresilienz

Als Schwerpunktthema des diesjährigen Branchentreffens haben der Biofach-Schirmherr IFOAM – Organics International und der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft, (BÖLW), die Bedeutung von Bio für ein resilienteres Landwirtschafts- und Ernährungssystem bestimmt. Unter dem Motto ‚Organic.Climate.Resilience‘ soll ein vielfältiges Kongressprogramm aufgestellt werden, das sowohl Konsumentenerwartungen als auch Inspirationen für Hersteller und Handel sowie politische Rahmenbedingungen in den Blick nimmt.  

Die Kombination von Bio und pflanzlicher Ernährung bleibt für die Messe eine bedeutende Entwicklung. In den letzten Ausgaben hätten bereits 30 bis 50 Prozent der Aussteller auch vegane Produkte im Sortiment präsentiert. Mit der Erlebniswelt vegan, Kochshows und begleitenden Vorträgen will man dem Trend zu bio-vegan Rechnung tragen.

Der Weg zur eigenen Unverpackt-Station

Mit dem Thema Verpackung und Abfallvermeidung im Blick wollen die Veranstalter der Nachhaltigkeitsdebatte auch über reine Produktvorstellungen hinaus gerecht werden. In Kooperation mit dem Verein Unverpackt e.V. wird es erstmals einen gebündelten Themenbereich rund um Zero Waste geben, auf dem Anbieter ihre verschiedenen Unverpackt-Lösungen präsentieren können. Gestützt durch Vorträge und Präsentationen soll es dem Handel ermöglicht werden, sich einen Überblick zu verschaffen und praktische Fragen zur Installation des eigenen Unverpackt-Bereichs zu klären.

Bio kommunal und im Blick der Politik

Beim Kongress StadtLandBio, veranstaltet zusammen mit der gastgebenden Stadt und Europäischen Metropolregion Nürnberg, wird in diesem Jahr ebenfalls der Klimaschutz im Fokus stehen. Wie kann Bio auf kommunaler Ebene dazu beitragen? Wie schafft man mehr Bewusstsein beim Verbraucher? Welche Wege gibt es zu einer regionalen Lebensmittelstrategie und welche Best Practices werden von den Akteuren bereits umgesetzt? Bio-Städte aus ganz Deutschland sind eingeladen, ins Gespräch zu kommen und praktische Leitlinien für die Gemeinschaftsverpflegung auszuarbeiten.

Zur Biofach-Eröffnung kann sich die Branche über die Zusage der höchsten politischen Ebene freuen: Landwirtschaftsminister Cem Özdemir und Janusz Wojciechowski, EU-Kommissar für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, wollen Begrüßungsansprachen halten und das Messegelände in medial begleiteten Rundgängen durchqueren.

Lena Renner

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