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Bio-Böden, Klimalabel und Kooperation

IV. Öko-Marketingtage beleuchten Wege zu einer klimafreundlichen Ernährungswirtschaft

Bio-Böden, Klimalabel und Kooperation
„Einkäufer müssen ihr Verhalten ändern“, erklärte Jan Plagge in der Abschlussdiskussion der Öko-Marketingtage: weg von der Orientierung an Wettbewerbern und hin zur Orientierung an Folgekosten. (v.l.n.r.) Moderator Wolfgang Köhler, Journalist SWR; Jan Plagge, Präsident IFOAM Organics Europe; Georg Schürmann, Geschäftsleiter Triodos Bank; Matthias Kollmann, Geschäftsführer Bohlsener Mühle; Udo Gattenlöhner, Geschäftsführer Global Nature Funds; und Patrick Müller-Sarmiento, Senior Partner Roland Berger GmbH

Die Wichtigkeit von Klimaschutz und CO2-neutralem Wirtschaften ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Wie weit sind Bio-Hersteller auf diesem Weg und wie können sie ihre Leistungen besser kommunizieren? Was muss der Handel tun, um die Agrarwende zu ermöglichen? Gibt es Alternativen zum Machtkampf um den billigsten Preis? Wo liegen die Qualitätsansprüche der Konsumenten? Und welchen Einfluss können Banken auf die Ernährungswirtschaft nehmen? Die IV. Öko-Marketingtage am 8. und 9. Dezember 2021 spannten einen weiten Bogen rund ums Thema Klima entlang der gesamten Lebensmittel-Wertschöpfungskette.

Zu gut 30 Teilnehmern, die sich unter 2G plus-Regeln vor Ort im Rittersaal der Akademie Schloss Kirchberg einfanden, gesellten sich knapp 60 Zuschauer, die die Veranstaltung im Livestream digital verfolgten und sich mit Fragen via Chat einbringen konnten. Auch die vier verschiedenen Workshops, bei denen die Teilnehmer ein Thema ihrer Wahl vertiefen konnten, wurden für alle im hybriden Format angeboten.

Zu Beginn der Veranstaltung schilderte Rudolf Bühler, Vorsitzender der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall und der Stiftung Haus der Bauern, eindrücklich eine Erfahrung seiner Ghana-Reise, die er für den Bio-Anbauverband Ecoland unternommen hat. Auf einem Foto, das er zeigte, präsentieren Fischer der besuchten Gemeinde ihren Tagesfang – einen Berg voll Plastikmüll. „Ich habe mich geschämt“, so Bühler. „Unser Wohlstand basiert auf der Ausbeutung der Natur auf dem Rücken der Menschen im Süden.“ Es sei daher unsere Verantwortung, zukunftsfähige Wege zu einer klimapositiven Ernährungswirtschaft zu finden.

Zwischen Bewusstseinswandel und Schneckenhaus

Von Gefahren und Chancen des aktuellen Nachhaltigkeitstrends erzählte Stephan Grünewald, Mitgründer des Marktforschungsinstituts rheingold. Einem positiven Bewusstseinswandel hin zu gesünder, nachhaltiger und langsamer, der durch das Innehalten in der Pandemie verstärkt wurde, stünde die Gefahr der Selbstbezüglichkeit und des rein regionalen Fokus‘ gegenüber. Erschlagen von der Fülle der Probleme, zögen sich die Leute ins „private Schneckenhaus“ und das direkte Umfeld zurück. Dabei dürfe man bei allem positiven Wirken vor Ort die globale Perspektive nicht vergessen.

Um Verbraucher zu erreichen, plädierte Grünewald für ein einladendes Entgegenkommen mit überschaubarem Aufwand, Selbstwirksamkeitserfahrung und persönlichem Nutzen statt Verzicht. Früher hätten Bio-Käufer für viel Geld eine „verschrumpelte Vernunft-Askese“ mit mickrigem Gemüse praktizieren müssen, erinnerte sich der Diplom-Psychologe. Heute sei Bio katholischer geworden und könne durch Genuss als sekundärem Gewinn mehr Menschen erreichen.

Die Perspektive der bereits bewussten Konsumenten kennt Dr. Meike Gebhard, die als Geschäftsführerin der Nachhaltigkeitsplattform utopia seit vielen Jahren mit nachhaltigkeitsinteressierten Lesern in Kontakt steht. „75 Prozent sehen Klimaneutralität als wichtigstes Nachhaltigkeitsziel“, erzählte die promovierte Umweltökonomin.

„Über 50 Prozent würden die Klimabilanz gerne auf einen Blick erkennen“, fügte Anja Schwengel-Exner, Ernährungsberaterin bei der Verbraucherzentrale Bayern, hinzu. Aktuell erfinde jedes Unternehmen sein eigenes Siegel. Ein Klimalabel bräuchte transparente, einheitliche und verständliche Kriterien und müsse von einer breit angelegten Informationskampagne begleitet werden. „Je unabhängiger, desto mehr Vertrauen“, so Gebhard.

Bio zu den Kunden bringen

Solange noch kein solches Klimalabel etabliert ist, helfen Bio-Siegel bei der Kaufentscheidung. „Wer Bio kauft, betreibt aktiven Klimaschutz“, betonte Kathrin Jäckel, Geschäftsführerin des Bundesverbands Naturkost Naturwaren e.V. (BNN). Ideen zu frechen Bio-Marketingkampagnen brachte Volkert Engelsman, Gründer des größten europäischen Bio-Importeurs und -Großhändlers Eosta, ein: Seien es Spiegel im Einkaufswagen für Momente der Selbstreflektion im Supermarkt oder die Platzierung von konventionellen Trauben neben Kloreinigungsmitteln – „Gift zu Gift“.

„Wieso haben wir eine Mehrwert- und nicht eine Minderwertsteuer?“, fragte Engelsman provokant. Wer Probleme schafft, Ressourcen verbraucht und die Umwelt verschmutzt, solle dafür auch besteuert und von Einzelhändlern weniger beworben werden. Er wünscht sich für die Ernährungswende mehr Transparenz und einen weniger anonymen Markt. Einfache Ampelfarben für den ökologischen Fußabdruck der Produkte könnten den Konsumenten die Entscheidung erleichtern. Für ihre Verbrauchermarke Nature & More verwendet Eosta bereits eine Nachhaltigkeitsblume, auf deren Blättern die Produktionsauswirkungen für Klima, Biodiversität, Boden und mehr erfasst werden. „Wir müssen die Leistungen der Landwirte im Markt versilbern“, so Engelsman.

Auch im Einzelhandel gibt es Bewegung: Von Edekas Naturkind-Konzept erzählte Bio-Produktmanager Robert Poschacher. Sind unter dem Namen seit 2019 zwei reine Bio-Läden der Einzelhandelskette tätig, so soll Naturkind jetzt auch als Shop-in-Shop-System in bestehenden Edeka-Märkten weitere Verbreitung finden. Der Anfang wurde Ende November bereits mit der ersten Naturkindwelt auf einer Fläche von 100 Quadratmetern in Jena gemacht, in zahlreichen anderen Märkten liefen gerade entsprechende Umbaumaßnahmen.

„Der Bio-Anteil im Handel liegt aktuell bei rund zehn Prozent“, merkte Alexander Gerber, Vorstand von Demeter Deutschland, an. In den nächsten zehn Jahren müsse das Angebot verdreifacht werden, damit das Ziel von 30 Prozent Ökolandbau bis 2030 realisiert werden kann. „Machen wir es den Kunden leicht!“, so Gerber. Die Händler sollten den Kunden durch die Umgestaltung ihrer Sortimente ohne erhobenen Zeigefinger den Zugang zu mehr Bio ermöglichen, und die Bio-Verbände ihren Mehrwert einfach und transparent kommunizieren und darauf Lust machen.

Trendwort klimaneutral – Greenwashing oder echter Impact?

Die Werbeexperten Bernd Eberle und Hassaan Hakim beschrieben die Probleme dabei, die Klima-Leistungen von Bios von denen konventioneller Hersteller und Händler abzugrenzen. „Der Begriff ‚klimaneutral‘ wird inzwischen inflationär verwendet“, mahnte Eberle. Das Alleinstellungsmerkmal von Bio gerate dadurch in Gefahr. Auch wenn es zu begrüßen sei, dass Aldi, Lidl & Co sich durch Kompensationszahlungen engagierten, könne Ablasshandel alleine das Klimaproblem nicht lösen.

„Bio muss die Klimathemen aus den eigenen Wurzeln heraus besetzen“, riet Eberle. Durch den Begriff ‚klimapositiv‘, definiert durch eine klimafreundliche Wirtschaftsweise, gute Insetting-Projekte und eine Überkompensation von mindestens zehn Prozent, könnten sich Bios von Greenwashern absetzen. Während Eberle den Bio-Herstellern vorschlug, sich auf ein Label mit guten Kriterien zu einigen, stehen für Hakim sinnstiftende Marken im Vordergrund, die Verbrauchern das Gefühl geben, Teil einer Bewegung zu sein.

Bio-Verarbeiter: Daten, Know-How und Investitionen

Wie sich Bio-Hersteller aktuell in der Praxis behaupten, zeigten drei Geschäftsführer von verschiedenen Verarbeitungsunternehmen. Für den Getreideverarbeiter Jan-Peter Bauck kommt der nachhaltigen Landwirtschaft eine Schlüsselrolle auf dem Weg zur Klimafreundlichkeit zu. 50 Prozent der CO2-Emissionen ihrer Produkte entstehen laut einer Datenerhebung der Bauck GmbH  in der landwirtschaftlichen Erzeugung. Über die Hälfte der dortigen Emissionen würden wiederum durch den Boden und dadurch hauptsächlich durch Düngung verursacht. „Klimaneutralität braucht vor allem Investitionen in Know-How, Technik und Prozesse“, stellte Bauck fest.

Ganz ohne Offsetting-Maßnahmen gehe es momentan nicht, das bestätigte auch Joachim Weckmann für die Berliner Lieferbäckerei Märkisches Landbrot, die bereits Klimapositivität erreicht hat. Auch sie hat auf dem Weg dorthin auf Datenerhebung und Reporting-Instrumente gesetzt. Schon 1992 wurde die erste Ökobilanz erstellt, seit 1995 verwendet die Bäckerei das Umweltmanagementsystem EMAS. Mittlerweile kennt sie den CO2-Fußabdruck aller Produkte, hat grüne Energiequellen etabliert und bezieht über 90 Prozent des verwendeten Getreides aus einem Umkreis von 100 Kilometern.

Von der Initiative KlimaBauer der Andechser Molkerei erzählte schließlich Geschäftsführerin Barbara Scheitz. Allen teilnehmenden Bauern zahlt Andechser zehn Euro pro Tonne eingespartem CO2. Mit wissenschaftlicher Unterstützung wird für jeden Landwirt ein individueller Einsparungsplan mit verschiedenen Klimaschutzmaßnahmen erstellt und die Durchführung einmal im Jahr ausgewertet. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Humusaufbau zur CO2-Bindung, aber auch andere Maßnahmen wie die Stickstoffspeicherung durch Untersaaten und die Förderung von Biodiversität setzen die Klimabauern um.

Klimaschutz im Fokus von Banken und Versicherung

Dass sich auch die Finanzwirtschaft langsam in Richtung Klimafreundlichkeit bewegt, zeigte Thomas Jorberg, Vorstandssprecher der GLS Bank, in seinem Vortrag. „Wir werden einen kompletten Wirtschaftsumbau haben“, ist er überzeugt. Die Banken hätten Riesenberge an Geld auf Kosten der Umwelt angehäuft, die sie jetzt wieder an die nachhaltigen Entwicklungsziele zurückgeben müssten. Wenn wir nicht sofort handeln, sei noch vor 2040 ein kompletter Shutdown nötig, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Die GLS-Bank berechnet für ihre Unternehmenskunden bereits die jeweilige 1,5-Grad-Kompatibilität und berät sie, welche Investitionen getätigt werden müssen, um im vorgesehenen Rahmen zu bleiben.

Aber auch die Bankenaufsicht habe mittlerweile die Nachhaltigkeitsrisiken erkannt: „Die Klimakrise wird auch zur Finanzkrise werden.“ Das Bundesamt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) erwartet von Banken inzwischen, das physische Risiko (etwa durch Wetterextreme) sowie das transitorische Risiko (durch nicht mehr zeitgemäße Leistungen) ihrer Kunden zu messen. Spätestens ab 2023 werde diese Vorgabe verpflichtend werden, so Jorberg. Dazu komme die heiß diskutierte EU-Taxonomie, nach der wirtschaftliche Investitionen festgelegten Umweltzielen nicht widersprechen dürfen. Die Rechtsakte in Bezug auf den Klimaschutz treten bereits ab Januar 2022 in Kraft.

Einen weiteren Einblick in den Wandel des Finanzmarkts gab Tobias Bandel, Mitgründer der Nachhaltigkeitsberatung Soil & More Impacts. Vor zwei Jahren hat die Allianz-Versicherung in ihrem Leitfaden über Messung und Management von Umweltbelastungen die Risiken durch industrielle Landwirtschaft und die Erschöpfung des Naturkapitals festgehalten: etwa den Verlust der Speicherfähigkeit des Bodens durch Überdüngung und die höhere Anfälligkeit für extreme Umwelteinflüsse. Wer diesbezüglich große Risiken mitbringt, kann demnach nur sehr teuer versichert werden. „Ökologie und Ökonomie müssen zusammengedacht werden“, so Bandels Fazit.

Weniger Fleisch, aber ohne Labor

Auf die Notwendigkeit einer pflanzlicheren Ernährung für den Klimaschutz kamen die Referenten bei einer Podiumsrunde mit verschiedenen Generationen zu sprechen. „60 Kilogramm Fleisch isst aktuell jeder Deutsche pro Jahr“, bemängelte Biokreis-Geschäftsführer Josef Brunnbauer. „Zwei Drittel der Säugetiere der Erde sind Land- und Nutztiere“, fügte Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Ehrenpräsident des Club of Rome, hinzu. Es herrschte jedoch Einigkeit darüber, dass weniger Fleischkonsum nicht die Abschaffung jedweder Tierhaltung zugunsten eines künstlichen Fleischersatzes bedeutet.

„Der Mehrwert muss auch beim Landwirt landen, nicht nur im Chemie-Labor!“, so Weizsäcker. Auch Brunnbauer hält Laborfleisch in den Händen von zentralistischen Großkonzernen für keine gute Idee. Amelie Riedesel, Programm-Managerin bei der Innovationsplattform ProjectTogether, sieht eine Riesenpolarisierung zwischen Hardcore-Veganern und Landwirten, die viel Herzblut in die Tierhaltung stecken. „Wir müssen diese Fronten aufbrechen und gemeinsame Lösungen finden“, wünscht sie sich.

Globale Probleme brauchen globales Denken

Zurück zur globalen Perspektive führte Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Franz Josef Radermacher, Leiter des Forschungsinstituts für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung, mit einem scharfen Vortrag über die internationale und deutsche Klimapolitik. „Zehn Milliarden Tonnen CO2 im Jahr stoßen manche Kohlekraftwerke aus – das ist drei Mal der Emissionsumfang der EU!“, so Radermacher. Fragen der Machtmechanik und die obsessive Beschäftigung mit der eigenen Situation stünden der Lösung des Weltklimaproblems entgegen. Eine ehrlichere Kommunikation – dass das 1,5-Grad-Ziel global gar nicht mehr zu erreichen ist – könnte allen den Ernst der Lage verdeutlichen. Um die drastischen Konsequenzen für alle möglichst gering zu halten, seien große Geldflüsse von den reichen in ärmere Länder nötig: sodass ihnen CO2-Filter an Kohlekraftwerken und eine nachhaltige Landwirtschaft zur Ernährungssicherung ermöglicht werden.

„Auch wenn alle Regierungen ihre angekündigten Zusagen umsetzen, kommen wir noch auf 1,8 Grad Erwärmung“, bestätigte Patrick Müller-Sarmiento, Senior Partner des Unternehmensberaters Roland Berger. Mit einer wachsenden globalen Mittelschicht mit höheren Ansprüchen steige auch die CO2-Belastung. Über Satellitenauswertungen der NASA zeigte Müller-Sarmiento zudem eindrücklich den steigenden CO2-Gehalt in den Monaten der intensiven Landwirtschaft.

Klimabilanz als Entscheidungsparameter

„Wir können nicht auf die Politik warte!“, mahnte Jan Plagge, Präsident von Bioland und IFOAM Europa, in der Schlussrunde der Öko-Marketingtage, in der sich ein angeregter Austausch entspann. Mit Volkert Engelsman, der eine Unternehmensallianz für eine klimapositive Landwirtschaft vorgeschlagen hatte, wünscht sich auch Plagge unbedingt eine überverbandliche Zusammenarbeit.

Als elementar für einen Systemwandel sieht er eine gesamtbetriebliche Klimabilanzierung sowie staatliche und privatwirtschaftliche Honorierungsmodelle, die das Engagement nachhaltigkeitsorientierter Unternehmer belohnen. „65 Milliarden Euro umweltschädliche Subventionen vergibt Deutschland im Jahr“, meinte Udo Gattenlöhner, Geschäftsführer des Global Nature Funds. Die Agrarwende wäre mit Blick darauf nicht zu teuer, sondern gut finanzierbar.

„Die umstellungswilligen Landwirte brauchen Hilfe“, betonte Mathias Kollmann, Geschäftsführer der Bohlsener Mühle. Es gebe davon unglaublich viele, aber sie hätten zu wenige Ansprechpartner, die sie bei dieser existenziellen Entscheidung unterstützen könnten. Die Umstellungsberatung solle deshalb in die Landwirtschaftskammern gebracht werden.

Einkäufer müssen ihr Verhalten ändern

„Ihr müsst höhere Preise zahlen, dann stehen sie Schlange“, kommentierte Bioland-Präsident Plagge. Das Problem seien hierbei jedoch die Einkäufer, die – gefangen im System – von ihren Lieferanten eine unrealistische Preisstabilität oder sogar -senkung forderten. Auch sie müssten lernen, die Folgekosten ihrer Entscheidungen einzukalkulieren und von der ausschließlich am günstigsten Preis bemessenen Lieferantenwahl wegzukommen. Die Orientierung an den Wettbewerbern führe zu einem Teufelskreis und so treffe die aktuelle Rohstoffknappheit auf ein umbauresistentes Marktumfeld.

„Die Einkäufer brauchen eine belastbare Information über die Preisrealität“, erklärte Plagge. Im regulativen Rahmen fehle Transparenz über die wahren Kosten von Nachhaltigkeit und Klimaschutz – bis hin zur Kommunikation zum Verbraucher. Bios sollten sich zur Abhilfe zunehmend auch in Wirtschafts- und Handelspolitik statt nur in der Agrarpolitik engagieren und neue Allianzen schaffen.

Patrick Müller-Sarmiento erinnerte sich, wie er als CEO von real und Einkaufschef von Metro noch vor fünf Jahren dafür angefeindet wurde, Artikel von Demeter und aus Permakultur ins Sortiment aufzunehmen. „Wir sehen eine Demokratisierung des Angebots“, so der Handelsexperte. Mit der wachsenden anspruchsvollen Mittelschicht steige auch die Nachfrage der Leute, die vernünftig essen wollen. „Aber wir sind die Inverkehrbringer, wir müssen auch vorangehen!“ Der Handel sei dafür verantwortlich, ein Umfeld zu bauen, in dem Kunden gerne zu nachhaltigen Produkten greifen, und so die „Software der Menschen“ zu transformieren.

„Es gibt keine Endlösung, nur ein ständiges Ringen“, fasste Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, Vorsitzender des Aufsichtsrats des World Future Councils und neuer Leiter der Akademie Schloss Kirchberg, in seinem Schlusswort zusammen. Es gelte, Spannungen auszuhalten und gemeinsam belastbare Wege zu gestalten. Der „Macherinnen-Spirit“ sei auf den IV. Öko-Marketingtagen ein weiteres Mal geweckt worden. „Wir hier im Westen sind nicht die Gutmenschen – wir sind die Verursacher und aufgefordert, es besser zu machen“, kam Rudolf Bühler auf sein Eingangsstatement zurück und entließ das mit viel Inspiration gefüllte Publikum aus einem gelungenen Kongress.

Lena Renner
 


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