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Österreich: Mehr Bio in der AHV

Die biologische Gemeinschaftsverpflegung in Österreich ist im Aufwind

Österreich: Mehr Bio in der AHV © FRANK HELMRICH PHOTOGRAPHIE
Gemeinsam kochen beim ‚Kitchen Club‘ – einer Netzwerkveranstaltung von OekoBusiness Wien

Schon seit den frühen 1990er Jahren hat die Förderung der biologischen Landwirtschaft in Österreich einen hohen Stellenwert. Bereits 2016 hatte der Staat einen Ökoflächenanteil von 22 Prozent. 2017 wurden 4,9 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche von der Gemeinschaftsverpflegung in Anspruch genommen. Im Durchschnitt setzen öffentliche Einrichtungen in Österreich heute schon mindestens 30 Prozent Bioprodukte ein.

Nach einer Studie bei Entscheidungsträgern der österreichischen Gemeinschaftsverpflegung werden von 95 Prozent bereits Bioprodukte verwendet – und nur von 40 Prozent, weil sie gesetzliche Vorgaben erfüllen müssen. Das Hauptargument für den Einsatz von Bio bleibt die Qualität, gefolgt von der persönlichen Überzeugung oder der Betriebsphilosophie. Die Bioumstellung erfolgt am häufigsten bei Milchprodukten – danach kommen Gemüse, Fleisch und Trockenwaren.

Eigene Zertifizierung für Wien

Seit 2018 bietet die Stadt Wien im Rahmen des Projekts ‚OekoBusiness Wien‘ Gastronomiebetrieben die Zertifizierung ‚Natürlich gut essen‘ an. Bronze gibt es für mindestens 30 Prozent Bio, Silber für 70 und Gold für 100 Prozent. Die Auszeichnung wird durch die Kontrollstelle ‚Austria Bio Garantie‘ einmalig verliehen und im Rahmen einer unangekündigten, jährlich wiederkehrenden Kontrolle laufend verlängert.

Bioland Burgenland

Nach dem 2019 verabschiedeten 12 Punkte Plan ‚Bioland Burgenland‘ der burgenländischen Landesregierung soll der Bio-Anteil in Landesküchen 2021 bei 50 Prozent und 2024 gar bei 100 Prozent liegen. Das Gleiche ist für die Versorgung in Kindergärten und Landesschulen geplant. Um das ökologische Bewusstsein zu fördern, soll in Volksschulen eine ‚Bio-Stunde‘ pro Monat eingeführt werden. Wissenschaftlich begleitet werden alle Maßnahmen vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL).

Biopionier Lampert

Zu den wichtigen Wegbereitern für Bio in Österreich gehört der Biopionier Werner Lampert, der sich bereits in den 1970er Jahren intensiv mit biologischem Anbau beschäftigte. „In der Zeit war Bio noch etwas Sektenähnliches“, erinnert sich Lampert. 1994 gründete er die Bio-Marke ‚Ja! Natürlich‘ für den Lebensmitteleinzelhändler Billa; 2006 folgte die Bio-Marke ‚Zurück zum Ursprung‘ für die Handelskette Hofer.

Als Beratungsunternehmer wirkt Lampert an der Entwicklung und Einführung von Bio-Produkten und Nachhaltigkeitssystemen mit. So beriet er die österreichische Mensen GmbH an der Johannes Kepler Universität Linz, die 2019 auf regionale und Bio-Produkte umstellte. Im selben Jahr bekam er als Anerkennung für seine Dienste vom Bundespräsidenten den Berufstitel Professor verliehen.

Bio Austria für 60 Prozent Bio

Der Verband Bio Austria fordert bis 2025 einen Bio-Anteil von 60 Prozent in den öffentlichen Einrichtungen. Dafür sei es nötig, Küchenkräfte durch Schulungen in Theorie und Praxis für das Thema Bio zu sensibilisieren, so Claus Holler, der bei Bio Austria für die Bereiche Gesundheit, Ernährung und Gemeinschaftsverpflegung zuständig ist.

Bio-Austria-Obfrau Gertraud Grabmann wünscht sich zudem klare politische Prioritätensetzungen, ähnlich dem dänischen Modell. „Es geht letztlich darum, der Bevölkerung bestmögliche Verpflegung und Zugang zu qualitativ hochwertigen, ökologisch nachhaltigen, gesunden Lebensmitteln zu ermöglichen“, betont Grabmann. Laut einer Studie des FiBL kann man davon ausgehen, dass sich der Markt für biologische Lebensmittel in Österreich weiterhin in der Wachstumsphase befindet.

Lena Renner


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