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Der italienische Biomarkt wächst weiter

Sieben Prozent mehr Bio-Einkäufe in 2020

2019 ist die Gesamtfläche für den Öko-Landbau in Italien um 35.000 Hektar auf zwei Millionen Hektar angewachsen. Das ist eine Steigerung von fast zwei Prozent gegenüber 2018. Der Gesamtumsatz italienischer Bioprodukte auf dem heimischen Markt lag nach Zahlen vom August 2020 bei über 4,3 Milliarden Euro im Jahreszeitraum.

Nach den SINAB-Daten (Nationales Informationssystem für Öko-Landbau) des italienischen Ministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Forstpolitik haben Italiens Öko-Landbauflächen in den letzten zehn Jahren um 79 Prozent zugenommen. Damit stehe Italien in Europa an dritter Stelle hinter Spanien und Frankreich.

Bezogen auf den Prozentanteil von ökologisch bewirtschafteter Fläche an der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche des jeweiligen Landes liegt Italien mit fast 16 Prozent vor Spanien (10,1 Prozent) und Frankreich (8,1 Prozent). Der EU-Durchschnitt lag bei nur 7,5 Prozent in 2018.

12.000 Hektar mehr Bio-Ackerflächen in 2019

Die Bio-Ackerflächen haben um etwas mehr als 12.000 Hektar zugenommen: Hartweizen um sechs Prozent, Gerste um drei Prozent, Reis um 12 Prozent, Sonnenblumen um 26 Prozent, Soja um 15 Prozent, Luzerne um acht Prozent, Tomaten um 21 Prozent und Hülsenfrüchte um 13 Prozent. Bei den Dauerkulturen wuchsen vor allem die Flächen von Oliven, Reben und Zitrusfrüchten, genauso gab es Steigerungen bei Äpfeln und Birnen.

Parallel steigt die Zahl der Bio-Unternehmen, die 2019 bei 80.643 lag: ein Plus von zwei Prozent gegenüber 2018. Fast 60.000 davon sind landwirtschaftliche Betriebe, deren Zahl aber im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig ist. Am stärksten stieg die Zahl der verarbeitenden Erzeuger (14 Prozent), während es etwa drei Prozent mehr Bio-verarbeitende Unternehmen gab. Mit 527 Bio-Importeuren konnte auch hier ein Wachstum von 12 Prozent verzeichnet werden.

Bio-Gesamtumsatz von 4,3 Milliarden Euro in 2020

Der Gesamtumsatz italienischer Bioprodukte auf dem heimischen Markt - unter Berücksichtigung aller Vertriebskanäle - überstieg laut dem im Oktober 2020 veröffentlichten Sana Observatory im Jahr 2020 die 4,3 Milliarden Euro (Jahreszeitraum mit Ende August 2020). Fast vier Milliarden Euro davon entfallen auf den Verbrauch zu Hause, hier zeigt sich ein Plus von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Einen erheblichen Umsatzeinbruch erlebte die Außer-Haus-Verpflegung. Die knapp 500 Millionen Euro Umsatz entsprechen einem Minus von 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dies wird auf die mit der Corona-Krise verbundenen Auswirkungen zurückgeführt – etwa Ausgangssperren, Restaurantschließungen und Heimarbeit.

Insgesamt bestätigt der Inlandsmarkt die wachsende Aufmerksamkeit der italienischen Verbraucher für Bio-, lokale und nachhaltige Produkte. So nahm auch die Zahl der Haushalte zu, die Bioprodukte kaufen: Nach einer Umfrage von Nomisma (2020) haben 88 Prozent der italienischen Haushalte im Jahr 2020 mindestens einmal ein Bioprodukt gekauft – 2012 waren dies erst 53 Prozent. Der Anteil der Bioprodukte im Einkaufskorb ist 2020 auf 3,6 Prozent gestiegen.

Zwei Milliarden Euro Bio-Umsatz über den LEH

Der Lebensmitteleinzelhandel ist mit knapp über zwei Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2020 (bis August) der führende Vertriebskanal für Bio in Italien. Über ihn laufen 53 Prozent des inländischen Bio-Umsatzes, das sind fünf Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres (Quelle Nielsen).

Ein enormes Wachstum zeigte der E-Commerce: Inzwischen sieben Prozent des gesamten Online-Lebensmittel-Umsatzes machen Bio-Produkte aus. Nach einem Boom, der während der Zeit des Lockdowns in Italien (17. Februar bis 3. Mai 2020) verzeichnet wurde, setzte der Verkauf von Bioprodukten im E-Commerce seine hohe Wachstumsrate fort und entwickelte sich mit einem Wachstum von plus 182 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2019 besser als andere Lebensmittelprodukte. Der allgemeine Online-Lebensmittelhandel legte nur um 172 Prozent zu.

Umsatz des italienischen Fachhandels

Über den Fachhandel - sowohl Ketten als auch unabhängige Einzelhändler – lief in Italien etwa ein Viertel des Bio-Umsatzes auf dem Inlandsmarkt. Mit 920 Millionen Euro im Zeitraum 2020 (bis August) verzeichnete er einen Aufschwung von acht Prozent. 22 Prozent des Bio-Inlandsmarktes entfielen auf weitere Vertriebskanäle, zu denen zum Beispiel Apotheken, Minimärkte, Einkaufsgemeinschaften und Erzeugerkollektive gehören. Sie zeigten mit 836 Millionen Euro im Jahr 2020 ein Wachstum von zehn Prozent.

Innerhalb des Lebensmitteleinzelhandels standen beim Umsatz die Discounter an der Spitze. Sie verkauften elf Prozent mehr Bioprodukte als im Vorjahr. Bei den kleineren Supermärkten waren es nur drei Prozent, bei den großen Supermärkten und Hypermärkten vier Prozent.

Die Entwicklung der einzelnen Verkäufe während der drei Phasen (vor/während/nach dem Lockdown) zeigt bei den kleinen Supermärkten eine Neukanalisierung nach dem Lockdown, während dem sie einen Spitzenwert von plus 22 Prozent verzeichneten. In den Discountern dagegen sei das Wachstum des Bio-Umsatzes konstant geblieben.

Acht Prozent mehr Bio-Exporte für 2020 erwartet

Auch die Entwicklung der italienischen Bio-Exporte war positiv. Schon 2019 wurden für 2.425 Millionen Euro Bio-Produkte ausgeführt, ein Wachstum von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig wuchsen die gesamten Agrarnahrungsmittelexporte nur um vier Prozent.

Für das Jahr 2020 rechnet Nomisma damit, dass die Exporte von Bioprodukten etwa 2.619 Millionen Euro erreichen. Das wäre ein weiteres Wachstum von acht Prozent gegenüber 2019.

Elke Reinecke


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