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Bio-Rohstoffe vom Fuße des Himalaya

Taj Food exportiert Reis, Trockenfrüchte und Sesamsaat aus Pakistan

Bio-Rohstoffe vom Fuße des Himalaya
Taj Food auf der Biofach 2019: Azam Kadeer (re.) mit seinem Sohn Hassieb (li.) und Anabela Alves vom Verkaufsbüro Anabela Food.

Im Jahre 1991 gründete der pakistanische Einwanderer Azam Kadeer in New Jersey die Firma AKC Commodities und begann, Reis aus seiner Heimat in die USA zu importieren. Zwei Jahre später baute er sein eigenes Herstellungsunternehmen Taj Food in Pakistan auf und konzentrierte sich zur Jahrtausendwende auf Bio-Anbau. Heute kommt an dem Familienunternehmen niemand vorbei, der aus dem kleinen Nachbarland Indiens Bio-Reis, Trockenfrüchte oder Sesamsaat beziehen möchte. Der größte Lieferant für pakistanische Bio-Waren exportiert inzwischen zirka 13.000 Tonnen Bio-Produkte im Jahr.

Drei Viertel des Bio-Angebotes besteht aus der Vielzahl von Bio-Reissorten: von Langkorn, Rund- und Mittelkorn bis zu Rotem und Basmati-Korn, auch Parboiled Reis wird geboten. Immerhin 15 Prozent macht das breite Sortiment an Bio-Trockenfrüchten aus. Hier gibt es Grüne-, Sultana- und Thompson-Rosinen, Aprikosenkerne, entsteinte Aprikosen und Datteln. Die restlichen zehn Prozent der Produktion sind natürliche und geschälte Bio-Sesamsaat.

Taj Food als Hersteller in Pakistan

Etwa 20 Millionen Dollar im Jahr setzt das Unternehmen mit seinen Bio-Waren um. Hersteller ist die in Pakistan ansässige Tochterfirma Taj Food, die von Azam Kadeer im Jahre 1993 gegründet wurde und in der dessen Söhne Ahsan und Hassieb Kadeer nun in leitenden Positionen arbeiten. Azam Kadeer setzte als Erster auf Bio in Pakistan und seit 1999 konzentriert sich Taj Food auf den ökologischen Anbau.

Im eigenen Land bleibt von den Rohstoffen nichts, der Exportanteil beträgt die ganzen 100 Prozent. Bei AKC Commodities zuständig für den Verkauf ist Hassieb Kadeer, der zweite Sohn von Azam Kadeer. Der nordamerikanische Vertrieb erfolgt über AKC Commodities, der europäische Vertrieb läuft über das Verkaufsbüro Anabela Foods in Hamburg. Anabela Foods agiert als Verbindungsstelle zwischen den Produzenten von Bio-Rohstoffen und Importeuren und begleitet AKC Commodities seit der ersten Stunde.

Momentan werden die Produkte in alle westeuropäischen Länder vertrieben. Außereuropäisch werden die USA, Kanada, Neuseeland, Saudi-Arabien und Südafrika beliefert.

Vielzahl von Zertifizierungen

Die Bio-Qualität der Produkte ist durch eine Vielzahl von Zertifikaten bestätigt. Schon seit 2003 besitzen die Waren die NOP-Zertifizierung, die für den amerikanischen Bio-Markt notwendige Zertifizierung des National Organic Program und das Bio EU Siegel.

Taj Food ist stolz darauf, der erste biozertifizierte Hersteller mit IFS-, Fairtrade- und Sedex-Zertifizierung in Pakistan zu sein. Noch heute gäbe es im ganzen Land nur noch zwei weitere Firmen, die nach IFS-Standard zertifiziert seien.

Anbau in Punjab, Sindh und dem Hunzatal

Ansässig ist Taj Food in Lahore, der Hauptstadt der ostpakistanischen Provinz Punjab. Etwas über zwei Dutzend größere Anbauer und einige Kleinbauern aus dieser Provinz sowie aus Sindh beliefern das Unternehmen. Dazu kommen noch Lieferanten aus dem mitten im Himalaya-Gebirge befindlichen Hunzatal.

Dieses Tal erstreckt sich bis auf 3.500 Meter über Meer, umgeben von den bis zu 8.000 Meter hohen Bergen. An den Steilhängen unterhalb der Gebirgszüge liegen teils Jahrhunderte alte Terrassen auf denen die Einwohner, die Hunzakuts, ihre Lebensmittel kultivieren. Hier werden vor Ort etwa Wildaprikosen getrocknet, die dann zu Taj Food transportiert werden. Und auch Grüne Rosinen, Walnüsse und Maulbeeren direkt aus diesem ursprünglichen Tal kann Taj Food bieten.

Kontrollierte Reis-Trocknung

Beim Reis von Taj Food gibt es keine Pestizidrückstände, dafür sorgen die ursprünglichen Anbaugebiete und die Bio-Qualität des Reis. Weiterhin hat Taj Food die Produktion auf einen niedrigen Arsen- und Aflatoxingehalt optimiert.

Der Gehalt des krebserregenden Schimmelpilzgifts Aflatoxin kann vor allem durch sorgfältige Kultivierung und sachgerechte Trocknung und Lagerung der Produkte reduziert werden. Taj Food setzt für die Trocknung des Reis grundsätzlich Trockenkammern ein, so dass eine kontrollierte Umgebung geboten ist.

Mit einem besonders niedrigen Gehalt an anorganischem Ar­sen werden bei Taj Food mehrere Reissorten ausdrücklich beworben: Rundreis, Kurzkorn­reis, Langkornreis und Basmatireis enthalten nach Angaben des Unternehmens maximal 0,1 Milligramm pro Kilo, meist einiges weniger. Damit entspricht dieser Reis den für Lebensmitteln für Säuglinge und Kleinkinder geltenden besonders strengen Richtlinien der EU.

Weniger Schadstoffe durch nachhaltigen Anbau

Der Arsengehalt von Reis ist von Wasser und Boden der Anbauregion, der Anbaumethode und der Reissorte abhängig. Der allgemein niedrige Arsenwert bei Taj Food wurde unter anderem dadurch erreicht, dass unternehmenseigene Beschaffungsteams Farmen ausfindig gemacht hätten, in denen der Arsenspiegel in Wasser und Bo­den vergleichsweise gering sei.

Das erste dieser Teams wurde im Jahre 2006 gebildet. Die Familie Kadeer befürchtete damals, die Farmer könnten verstärkt zum konventionellen Anbau überredet werden und habe dem entgegenwirken wollen. Inzwischen sind es 25 Angestellte, die in Zweier-Teams zusammenarbeiten. Sie sind jeweils auf Reis, Trockenfrüchte oder Sesamsaat spezialisiert.

Sie bilden die Farmer aus und unterstützen sie bei der Anwendung ökologischer Anbaumethoden. Dass die Kleinbauern nachhaltige Methoden des Reisanbaus betreiben, wirkt sich direkt auf den Arsengehalt aus. Techniken wie der 2016 von Taj Food in Pakistan eingeführte Trockenanbau und Direktsaat sorgen für einen geringeren Wasserverbrauch der Reispflanzen und damit auch für eine reduzierte Arsenaufnahme.

Soziales Engagement der Taj Welfare Foundation

Seiner sozialen Verantwortung entspricht Taj Food nicht nur mit seiner Fair Trade-Zertifizierung. Im Jahre 2011 wurde die ebenfalls in der Nähe von Lahore ansässige Taj Welfare Foundation gegründet, eine gemeinnützige Gesellschaft, unterstützt von Inhabern, Angestellten und verbundenen Unternehmen von Taj Food.

Die Stiftung unterstützt zahlreiche Projekte: Die Bereitstellung von sauberem Wasser für ländliche Gemeinschaften wird gefördert, nachhaltige Landwirtschaft unterstützt, Bildungseinrichtungen und andere Infrastrukturen aufgebaut, die Kindern, Jugendlichen, Waisenkindern und Erwachsenen zu Gute kommen, und benachteiligten Bevölkerungsgruppen der Zugang zu Gesundheitsdiensten ermöglicht. Die Stiftung leiste auch Notfallhilfe bei Wetter- oder Umweltkatastrophen.

Die Zukunftspläne von Taj Food sind ehrgeizig und die momentanen Zahlen stärken die Zuversicht: In 2019 habe sich die Produktion von Reis von 8.500 Tonnen auf 10.000 Tonnen gesteigert, statt 1.000 Tonnen Trockenfrüchten würden 1.500 Tonnen umgesetzt und mit 800 Tonnen hätten sich die Sesamsaaten verdoppelt. Dem entsprechen die neuen Investitionen.

Ausbau von Produktion und Lager

Im Jahre 2015 bauten AKC und Taj Food eine neue, moderne Verarbeitungsanlage für Reis mit einer Kapazität von 20.000 Tonnen im Jahr und inklusive Kohlendioxid- und Wärmebehandlungskammern und einer Vakuum-Verpackungsmaschine. Schon seit drei Jahren besitzt Taj Food außerdem eine 100 Prozent rostfreie Produktionsanlage für Parboiled Reis, die einzige in Pakistan.

In 2019 wurden vier neue Reis-Trocknungssysteme in Betrieb genommen. Das Lager sei stark erweitert worden: Zusätzliche 2.000 Tonnen Ware könnten jetzt untergebracht und mit Hitze oder Kohlendioxid behandelt werden. Neu gebaut wurde auch eine etwa 1.400 Quadratmeter große Trocknungsanlage für Obst; damit sei man den wachsenden Mengen gewachsen.

In einem Zeitraum von fünf Jahren möchte das Unternehmen seine Produktion noch einmal fast verdoppeln. 25.000 Tonnen Bioprodukte wie Reis, Datteln, Sesamsaatgut sollen dann verarbeitet werden – oder am besten noch mehr, meint Hassieb Kadeer.

Elke Reinecke

 

Reis und Arsen
Anorganisches Arsen ist von Natur aus in der Erdkruste vorhanden, gelangt zusätzlich durch Pestizideinsatz, Phosphatdüngung oder das Ausbringen von Klärschlamm in die Umwelt und kann über das Grundwasser Nahrung und Trinkwasser belasten. Reis, der auf unter Wasser stehenden Feldern angebaut wird, nimmt über die Wurzeln besonders viel des Schadstoffes auf.
In der Europäischen Union gelten daher seit 2016 Grenzwerte für anorganisches Arsen in Reis:
- maximal 0,3 Milligramm pro Kilogramm in Reiswaffeln
- höchstens 0,25 Milligramm pro Kilogramm in Parboiled Reis und geschältem Reis
- maximal 0,2 Milligramm pro Kilogramm in poliertem oder weißem Reis (nicht parboiled)
- Für Lebensmittel für Säuglinge und Kleinkinder gilt ein besonders strenger Höchstwert von 0,1 Milligramm pro Kilogramm
 

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