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Die Welt der Kräuter und Gewürze

Kräuter Mix: Vom kleinen Familienbetrieb zum internationalen Produzenten

Seit fast 100 Jahren stellt Kräuter Mix in Abtswind pflanzliche Rohstoffe her. Mittlerweile verarbeitet das Familienunternehmen in dritter und vierter Generation Kräuter und Gewürze aus 70 Ländern für den Handel, die Lebensmittel- und Pharmaindustrie. Seit über 30 Jahren auch in Bio-Qualität. Der Kurs steht weiterhin auf Erfolg: 2016 betrug der Umsatz erstmals über 110 Millionen Euro.

Es duftet nach Küchenkräutern und Gewürzen, genauer nach Rosmarin, Thymian und Pfeffer. In den Produktionshallen unweit der Verwaltung veredelt Kräuter Mix seine pflanzlichen Rohstoffe. „Wir produzieren in erster Linie für die verarbeitende Industrie“, sagt Geschäftsführer Christoph Mix, dessen Großvater 1919 mit der Produktion von Heilkräutern und Kräutertees für Apotheken begann. Heute würden Küchenkräuter und Trockengemüse die Hälfte der verarbeiteten Rohstoffe ausmachen, je ein Viertel entfielen auf Kräuter- und Früchtetees sowie auf Arzneipflanzen.

Von den insgesamt 600 Produkten seien über 100 Bio-zertifiziert. „Das bedeutet eine Produktion von 1.700 Tonnen Bio-Rohstoffe pro Jahr. Unser Bio-Anteil hat sich in den letzten zwei Jahren verdoppelt. Mittlerweile macht er einen Anteil von acht bis neun Prozent unseres Gesamtumsatzes aus“, sagt er.

Axel vom Berg ist täglich vom Duft der Küchenkräuter, Trockengemüse und Gewürze umgeben. Als Produktionsleiter behält er den Überblick über die verschiedenen Bearbeitungsstufen wie Zerkleinern, Mahlen und Mischen. „Wir veredeln unsere Rohstoffe durch Beseitigung von Schwer- und Leichtgut wie Steinchen, Erde oder Schalenteilen. Standardmäßig kommen Magneten und Detektoren zum Einsatz, um Metallpartikel zu entfernen“, erklärt er.

Hinter einer der vielen Türen im Produktionsgebäude befindet sich die Kaltvermahlung, bei der die Produkte unter Einsatz von Stickstoff bei hohen Minustemperaturen gemahlen werden, um die ätherischen Öle im Endprodukt zu erhalten. In weiteren Räumen werden Früchte- und Kräutertees auf verschiedene Weise gemischt. Bruchempfindliche Mischungen durchlaufen zum Beispiel den Flachbettmischer, der die Ware schonend verarbeitet. Vom Berg zeigt auf das nächste Tor: „In diesem Raum findet die Keimreduzierung statt. Hier handelt es sich um eine natürliche Behandlung mit Wasserdampf. Keimreduzierte Ware wird immer gefragter.“

Kamillentee sei seit jeher von den Teeherstellern gefragt, sagt Christoph Mix. Die wichtigsten Bio-Rohstoffe seien aktuell auch Pfefferminze, Verbene, getrocknete Zwiebeln, Knoblauch, Koriander, Ingwer und Wacholderbeeren. „Wir exportieren weltweit über 50 Prozent unserer Produkte. 80 bis 90 Prozent stammen von internationalen Lieferanten.“ Aus Deutschland beziehe Kräuter Mix unter anderem Petersilie, Schnittlauch und Pfefferminze.

„Jede Charge wird nach Anlieferung geprüft, Bio-Ware umso strenger“, so der Geschäftsführer. „Wir erhalten immer wieder Rohstoffe, die durch Abdrift von Nachbarfeldern mit Pestizidrückständen kontaminiert sind.“
Eine größere Herausforderung als Pestizide seien jedoch Pyrrolizidinalkaloide, auch PA genannt, die hauptsächlich in Unkräutern wie Jakobskreuzkraut vorkommen. „Die Pflanzen nutzen diese

sekundären Pflanzenstoffe zur Abwehr gegen Insektenfraß. Da Landwirte immer weniger Pflanzenschutzmittel einsetzen dürfen, gibt es inzwischen wieder mehr Beikräuter“, erklärt er. Höchstgrenzen gebe es bisher für Arzneimittelrohstoffe. Für Lebensmittelrohstoffe bestünden kundenindividuelle Anforderungen.

Team Nachhaltige Versorgung

Mit diesem Thema beschäftige sich seit einigen Jahren das Team Nachhaltige Versorgung. „Es begleitet unsere Einkäufer in die Rohstoffländer, um Lieferanten persönlich zu beraten und zu schulen. Außerdem erstellt es Informationsmaterial, wie Produzenten PA-Pflanzen erkennen können“, sagt Einkaufsleiter Steffen Mix, der mit seinem Bruder Bernhard in der vierten Generation im Unternehmen mitarbeitet. Mittlerweile seien vier Personen für den Bereich zuständig, unter anderem auch eine Biologin und ein Agraringenieur.

In Ägypten habe das Team ein Projekt zur Verbesserung der Bodenqualität in der Wüste durchgeführt, um dort den Anbau von Kräutern wie Majoran und Basilikum zu ermöglichen. Dazu sei lokal produzierter Qualitätskompost eingesetzt worden, erklärt Steffen Mix. Zuvor habe es Projekte in Albanien und der Türkei gegeben, welche die nachhaltige Wildsammlung von Schlüsselblumen und Enzian förderten.

Zweites Lager in Wiesentheid

Mit Engpässen werde Kräuter Mix selten konfrontiert, denn die Rohstoffe würden immer für ein bis zwei Ernten in Abtswind und seit 2005 zusätzlich in Wiesentheid gelagert. Die 23.000 Quadratmeter große Fläche im Nebenort bietet seit der letzten Vergrößerung vor zwei Jahren über 45.000 Palletten-Stellplätze. Damit Heilkräuter nicht den Geruch von Zwiebeln und Knoblauch annehmen, würden sie getrennt aufbewahrt, erklärt Axel vom Berg. In diesem Jahr sei neben neuen Produktionsanlagen in Abtswind eine weitere Lagerhalle in Wiesentheid geplant.

Trend: Bio-Tierfutter

Die Nachfrage nach Bio steige, so Christoph Mix. Der Trend gehe auch dahin, dass Produkte von Kräuter Mix vermehrt im Tierfutterbereich zum Einsatz kämen – von Pferden über Hunde bis hin zu Mäusen und Hamstern. Auch Gesundheitstees für Tiere, zum Beispiel gegen Husten oder zur Förderung der Verdauung, seien gefragt.

„Seit 2016 spielt die Tierfutterindustrie eine größere Rolle für uns, weil wir das Zertifikat GMP+ erhalten haben. Es steht für höchstes Hygiene- und Sicherheitsniveau. Interessant ist, dass die gesetzlichen Auflagen für Tierfutter teilweise strenger sind als für Lebens- und Arzneimittel“, sagt er.

Handelsmarke LebensMix

Eine untergeordnete Rolle spiele hingegen die Handelsmarke LebensMix, die das Unternehmen für Naturkost- und Kräuterläden produziert. Das Sortiment im neuen Design besteht aus rund 200 Tees, Kräutern und Gewürzspezialitäten in konventionell und Bio. „Wir wollen unseren traditionellen Kunden keine Konkurrenz machen, deshalb findet man unsere Produkte nicht in Supermärkten und Discountern“, so der Geschäftsführer.
100 Prozent Bio?

Komplett auf Bio umstellen kann Christoph Mix seine Produktion schon aufgrund gesetzlicher Vorgaben nicht. „Kein zugelassenes Arzneimittel darf ein Bio-Siegel tragen, selbst wenn Bio-Zutaten enthalten sind.“ Doch er ist sich sicher, dass der Bedarf an seinen Bio-Produkten auch in Zukunft weiter wachsen wird.

Sina Hindersmann


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