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Kompetenzzentrum

Bio-Kompetenz auf der Anuga

Vorträge zu Trends und Entwicklungen in der Bio-Branche

Im Anuga Bio-Kompetenzzentrum von bioPress und der Koelnmesse wurden Trends wie vegane und vegetarische, Bio-, Free-From- und regionale Produkte aufgegriffen sowie Entwicklungen des Bio-Markts, Wachstumsstrategien für Händler und Kommunikationspotenziale für Unternehmen vorgestellt, vertieft und mit viel Interesse verfolgt.

Bio-Markt

Rebecca Schröck hat über die Preiselastizität am Biomarkt promoviert und legte dar, dass Bio in den letzten 15 Jahren eine durchschnittliche Wachstumsrate von zehn Prozent aufweise. Der konventionelle Markt stagniere.

Durch das Ausweiten von Bio-Supermärkten, das Einführen von Bio-Handelsmarken, Sonderpreisaktionen im Bio-Sortiment und beginnende Innovationen zeige sich, dass die ursprünglich für den konventio- nellen Markt entwickelten Verkaufskonzepte zunehmend auch auf den Bio-Markt übertragen würden. Das Verbraucherverhalten auf beiden Märkten nähere sich immer stärker aneinander an und auch der Bio-Markt entwickle sich zu einem reifen Markt.

Preisaktionen bei Bio-Produkten seien für Verbraucher- und Supermärkte sowie Discounter sinnvoll, um neue Kunden zu gewinnen. Zudem eigneten sie sich für Warengruppen mit einem geringen Marktanteil an Bio-Produkten, wie Fleisch oder TK-Ware sowohl für Bio-Stammkäufer als auch für Gelegenheitskäufer.

Fleischersatz­produkte

Die Nachfrage nach fleischlosen Produkten steigt. Schätzungsweise neun Prozent der Deutschen ernähren sich vegetarisch oder vegan, 66 Prozent sind Flexitarier und essen selten oder maximal an drei bis vier Tagen pro Woche Fleisch. 41 Prozent können sich vorstellen, vegane oder vegetarische Wurstersatzprodukte zu kaufen – diese Studien-Ergebnisse des Markt- und Meinungsforschungsinstituts YouGov präsentierte Holger Geißler, Psychologe und Vorstand von YouGov Deutschland.

Der am häufigsten angegebene Grund von Verbrauchern, die keine Fleischersatzprodukte kaufen, sei der schlechte Geschmack der Produkte. Daraus lasse sich ableiten, dass sie grundsätzlich zu überzeugen seien. Am meisten nachgefragt seien fleischlose Mortadella, Leberwurst und Fleischwurst.

Doch was erwarten Kunden von fleischloser Wurst? Über 60 Prozent wollten keine künstlichen Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe, aber einen fleischähnlichen Geschmack. Hochwertige Zutaten würden immer wichtiger, so Geißler. Immer mehr Verbraucher seien offen für vegetarische und vegane Produkte. Seine Prognose: Die Ernährung werde abwechslungsreicher, während die Nachfrage nach Fleisch weiter abnehme. Die Anzahl der Veganer werde nach seiner Einschätzung aber nicht stark ansteigen.

Wachstumsstrategien für Bio-Unternehmer

Roland Schön, Strategieberater für Bio-Unternehmen, referierte über Erfolg versprechende Wachstumsstrategien für Bio-Unternehmer und wagte einen Blick in die Zukunft: Der Bio-Markt werde in den nächsten Jahren dynamisch weiter wachsen und biete eine große unternehmerische Chance für innovative Hersteller, Händler und Landwirte. Der aktuelle Bio-Umsatz von acht Milliarden Euro werde seiner Ansicht nach in 2025 über 20 Milliarden Euro betragen.

2030 werde Bio für alle bezahlbar und zu guten Qualitäten zu bekommen sein. Das Bio-Angebot im klassischen Handel werde mehr als 2.000 Produkte betragen. Auch der Naturkostfachhandel werde seine Berechtigung behalten, sagte er. Er werde vor allem im Frischebereich und bei Nischenprodukten weiter wachsen. Der klassische LEH werde Ende 2020 mehr als 70 Prozent des Umsatzes mit Bio machen, 30 Prozent blieben im Fachhandel.

Bio-Unternehmer sollten ihren Kunden Qualität und Service bieten und ihren Werten treu bleiben. Verbraucher würden in Zukunft noch mehr Wert auf fair gehandelte Produkte und Auskunft über die Wertschöpfungsketten legen. Das Markenversprechen müsse unbedingt aufrechterhalten werden.
Wer erfolgreich am Bio-Markt teilnehmen will, sollte sich auf einen Bereich spezialisieren. Allrounder würden in Zukunft wenig Chancen haben. Eine Mehr-Marken-Strategie im konventionellen und Fachhandel sei ebenfalls problematisch, da der Kräfteaufwand sehr hoch sei.

Trend: gesunde und leistungsbezogene Produkte

Clemens Reif, Geschäftsführer von Naturlogistik, stellte heraus, dass es seit der Jahrtausendwende einen Trend zu einer gesunden und leistungsbezogenen Ernährungsweise gebe. Dieser sei nicht homogen, vielmehr stünden verschiedene globale Bewegungen nebeneinander, etwa Paleo, vegan, Rohkost, Superfood oder Free From.

Vegan sei aktuell die stärkste Bewegung. Dadurch, dass die Bandbreite gesunder und leistungsbezogener Produkte zunehme, eröffne sich den Händlern die Chance, sich in diesem Bereich von Mitbewerbern abzusetzen.

Die Kunden, die dem Supertrend folgten, seien qualitäts- und nicht preisorientiert. Durch den Supertrend könnten sich Bioläden neue Kompetenzfelder erschließen. Denn eine Differenzierung mit Bio sei heute kaum noch möglich, da es längst im Mainstream angekommen sei. Findige Gründer könnten Gesundheitszentren eröffnen, die nicht nur ein Ernährungsangebot bieten, sondern ein ganzheitliches Angebot, etwa mit Yogakursen, Ernährungsberatung oder spirituellen Aspekten.

Ist regional das neue Bio?

Helmut Hübsch vom Marktforschungsunternehmen GfK resümierte in seinem Vortrag ‚Der Bio-Markt in Zahlen – kann regional das neue Bio sein?‘, dass der Bio-Markt 2015 eine enorme Dynamik erlebt habe und von einer treuen Fangemeinde geprägt sei. So stünden die Bio-Bewussten (28 Prozent) für 80 Prozent des Bio-Umsatzes. Diese Gruppe kaufe überproportional Marken und regionale Handelsmarkenkonzepte – am liebsten Bio und regional, wie es bei Äpfeln und Tomaten gut zu beobachten sei.

Ist regional also das neue Bio? Seine Antwort: Eher nein. Die Bio-Bewussten wollten Bio aus der Region und die Bio-Zufallskäufer seien nicht so sehr an regionalen Produkten interessiert. Die Kombination aus regional und Bio hätte eine Chance zum Premium.

Mehrwert von Bio

Verbraucher haben hohe Erwartungen an biologische Lebensmittel: Sie sollen pestizidfrei, geschmackvoll und gesund sein, umweltschonend und sozialverträglich produziert. Die Qualität von Lebensmitteln müsse demnach den gesamten Prozess vom Anbau bis zum Teller mit einschließen, sagte Regula Bickel, Lebensmittelingenieurin beim Forschungsinstitut für ökologischen Landbau im schweizerischen Frick. Qualität und Nachhaltigkeit seien eng miteinander verbunden.

Verschiedene Studien hätten ergeben, dass Bio-Lebensmittel weniger Nitrat, Pestizidrückstände und Schwermetallgehalte sowie mehr Omega-3-Fettsäuren und Antioxidantien enthalten. Ungünstiger seien die Ergebnisse beim Bio-Getreide ausgefallen: Im Gegensatz zu herkömmlichem Getreide fielen die Gehalte von Proteinen und Ballaststoffen geringer aus. Durch den Verzicht von mineralischen Dünger habe Bio-Getreide einen geringeren Glutengehalt, weshalb der Teig beim Backen nicht so gut aufgehe.

Dafür sei der Einsatz von Zusatzstoffen bei Bio-Lebensmitteln sehr stark eingeschränkt. Die EU-Bio-Verordnung lasse zurzeit 48 verschiedene Stoffe zu, Demeter lediglich neun.

Beispiel Öko-Shrimps

Beim Kauf von importierten Delikatessen wie etwa Garnelen (Shrimps) achten Verbraucher neben guter Sensorik zunehmend auf eine ökologisch und sozial verträgliche Herkunft, so wie es das Naturland-Siegel garantiert. Doch was und wer steht hinter den Naturland-Shrimps? Wie kann die große Herausforderung an eine nachhaltige Produktion gewährleistet werden? Wie kann sich der Handel beteiligen? Auf diese Fragen gingen Dr. Stefan Bergleiter von Naturland, Theo Jansen von Wechsler Feinfisch und René Diers von Ristic in ihrem Vortrag ein.

Erläutert wurden zunächst die Kriterien einer Naturland-Aquakultur, die von einem Verbot der Mangrovenlandschaft bis zu einer ökologisch sinnvollen Besatzdichte reicht. Wie Jansen bestätigte, weisen Bio-Garnelen einen besseren Geschmack und eine bessere Textur auf – für Wechsler Feinfisch ein entscheidender Grund, sie ins Portfolio aufzunehmen.

Naturland-zertifizierte Bio-Garnelen produziert zum Beispiel Ristic, die diese außerdem in Costa Rica selber verarbeitet. Mit Gründung der Clean Shrimp Initiative hat das Unternehmen sein ökologisches und soziales Engagement weiter ausgebaut. Dazu gehört nicht zuletzt die Aufforstung des wertvollen Mangrovenwaldes vor Ort, der bis Anfang der 90er Jahre für den Salzabbau vernichtet wurde.

In Kooperation mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und begleitet von Umweltverbänden sowie NGOs, wird aktuell eine vertraglich geschützte Fläche von zehn Hektar renaturiert, was Ristic jedoch verzehnfachen will. Clean Shrimp stellt für den Handel mehr als kontrollierte Qualität und Sicherheit für Kunden dar: Er kann auch selbst aktiv werden.

So will zum Beispiel Alnatura das Mangrovenschutz-Projekt unterstützen und wird vom Verkaufserlös jeder Packung Öko-Garnelen einen Teil dem Wiederaufforstungsprojekt zukommen lassen.

Beispiel regionale Nutztierrassen 

Dem Trend zu veganer Ernährung zum Trotz, steigt die Beliebtheit von Produkten aus regionalen Tierrassen seit einigen Jahren an. Sebastian Winkel von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) sieht darin gerade für Bio-Betriebe eine Marktchance. Die Haltungsbedingungen seien deutlich artgerechter, zugleich kämen regionale Rassen besonders gut mit Öko-Anforderungen wie der extensiven Haltung zurecht. Nicht zuletzt entspreche dieser Weg der grundsätzlichen Forderung, einheimischen Rassen den Vorzug zu geben.

Ergänzend nannte Winkel die Förderung der biologischen Vielfalt, natürliche Landschaftspflege und regionale Verankerung der Ökobetriebe als wichtige Kaufgründe. Wie die ‚Rote Liste einheimischer Nutztierrassen in Deutschland‘ der BLE belegt, sind Rassen wie das Deutsche Schwarzbunte Niederungsrind, Angler Rind oder Leicoma Schwein allerdings zum größten Teil gefährdet. Das endgültige Aus kann durch eine Nutzung gestoppt werden, wie das Erfolgsbeispiel des Roten Hornviehs zeigt.

Veganer Lebensstil

Christian Vagedes, Vorsitzender der veganen Gesellschaft Deutschland, sagte, dass hierzulande von den eine Million Veganern 85 Prozent ethisch motiviert seien. Ihr verantwortungsbewusstes Handeln habe Konsequenzen für Mensch, Tier und Umwelt. Sie verzichteten etwa auf Lederschuhe, die oft durch Kinderarbeit unter gesundheitsschädlichen Bedingungen her­gestellt würden. Für vegane Produkte müss­ten zudem keine Tiere aus­gebeutet und getötet werden.

Die Landwirtschaft, die notwendig sei, um zehnmal mehr Pflanzenproteine für die Tierhaltung herzustellen, brauche zehnmal mehr Chemikalien und setze auch auf Gentechnik. Diese Art der Massenproduktion von Getreide für Tiere habe zur Folge, dass die Bodenfruchtbarkeit nachlasse und Böden zerstört würden.

Um die Natur nicht zu zerstören, müsse von konventioneller auf Bio-Landwirtschaft über­gegangen werden. Es gehe nicht nur um das Überleben von Tieren, sondern um das Überleben der Biosphäre.

Ethische Einkaufsimpulse wie Bio, Fair Trade und sozialverträgliche Preise sollten nicht mehr getrennt voneinander betrachtet, sondern verbunden werden. Die neue Ethik wen­de sich von der anthropozentrischen zur biozentrischen Sichtweise. Damit die Menschen überleben, müssten sie in eine verantwortungsbewuss­te Führung für das Ganze übergehen.

Die überwiegende Mehrheit der Deutschen sei bereit, über ihren Konsum nachzudenken und sich neu zu ernähren. Vegane Produkte sollten hochwertig und vollwertig sein und gut schmecken. Wenn das gelinge, gebe es ein großes Potenzial, dass sich noch mehr Menschen vegan ernähren. 2016 wird Vagedes die Veganfach das erste Mal mit der Kölnmesse in Köln veranstalten.

Supermarktkette Veganz

Jan Bredack, der 2011 in Berlin die vegane Supermarktkette Veganz eröffnete und heute deutschlandweit mit insgesamt zehn Märkten vertreten ist, legt seinen Fokus auf den Großhandel. Weil seine Kunden eine Nahversorgung erwarten, begann Bredack vor eineinhalb Jahren seine Produkte im Einzelhandel zu platzieren. 2015 ging er Kooperationen mit Globus, Kaiser‘s Tengelmann, Metro und Edeka ein und hat heute rund 2.000 Distributionspunkte. Veganz-Kunden legten viel Wert auf Tierrechte, Umweltethik und Gesundheit.

Bei der Produktauswahl achteten Verbraucher veganer Produkte auf den Gesundheitswert, Geschmack, die Eignung zum Kochen oder Backen und ideelle Werte wie eine faire Herstellung. Aktuell seien etwa sojafreie Produkte ohne Zusatzstoffe gefragt. Allein für das erste Quartal 2015 hätten vegane Produkte im Lebensmittelsektor eine Wachstumsrate von 27 Prozent verzeichnet.

Neben Veganz setzten auch weitere Händler bei veganen Artikeln stark auf Eigenmarken. Fast alle Produkte der vor einem Jahr eingeführten Marke Veganz hätten Bio-Qualität. Bredack steht seinen Partnern auch als Berater zur Seite. Er empfiehlt zum Beispiel, mit veganen Produkten im Block zu starten, um sie hervorzuheben.

Vegane Frischetheken

Inga Bruns, die zusammen mit Vagedes eine Produktlinie entwickelt und am Markt platziert hat, sagte, dass sich das vegane Sortiment in den letzten zwei Jahren im Handel deutlich ausgeweitet habe. Veganer suchten wie Vegetarier Alternativen zu tierischen Produkten. Das Angebot für eine vegane Frischetheke reiche von Käsealternativen über Aufstriche, Feinkostsalate bis hin zu Fleisch- und Wurstalternativen.

Wichtig sei, dass der vegane Bereich in der Frischetheke getrennt von Fleisch und Käse präsentiert werde. Wie im Bio-Bereich brauche es etwa eine eigene Schneidemaschine und Schalen. Unabdingbar sei auch geschultes Personal, das den Kunden Informationen geben kann, zum Beispiel über die richtige Zubereitung.

Edeka Südwest sei im März 2015 als erster Händler in Deutschland mit Vegitheken in sieben Märkten gestartet – sechs Monate später sei die Zahl auf 70 gestiegen. Zudem habe Rewe in Hamburg eine vegane Frischetheke eingeführt und teste diese in weiteren Filialen. Im Moment gebe es in Deutschland noch keinen Zertifizierer für vegane Frischetheken.

Kommunikationspotenzial: Fairness und Nachhaltigkeit

Biofaire Wertschöpfungsketten in der Region führen zwar zu einer höheren Wertschätzung von Produkten, aber nicht unbedingt zu einer Kaufentscheidung.

Der BioFairVerein, ein Zusammenschluss von Akteuren aus der Bio-Branche, hat jetzt eine Kommunikationskampagne gestartet, die das komplexe Thema mit Hilfe des Internets und Maßnahmen am POS greifbarer machen will.

Bei der Projektvorstellung gab Jochen Mansberger einen Einblick in die biofairen Aktivitäten der Bio-Safterei Voelkel. Dadurch, dass ein großer Teil der Rohstoffe aus Deutschland bezogen wird,  haben rund 200 Mitarbeiter  eine feste Stelle. Davon profitieren unter anderem auch Spediteure und Techniker. Voelkel unterstützt soziale Projekte in der Region und sucht aktiv nach neuen Bio-Erzeugern.

Anschaulich soll auch die neue Website www.biofair-vereint/regional die Wertschöpfungskette von Bio-Produkten darstellen. Neben einem kurzen Info-Zeichentrickfilm finden Besucher zahlreiche Reportage-Videos über Bio-Unternehmen.

Im Rahmen des vom Bundesprogramms ökologischer Landbau (BÖLN) geförderten Projektes sollen weitere moderne Möglichkeiten zur Bewusstseinsbildung erarbeitet und dabei der Dialog mit Multiplikatoren, potenziellen Nachahmern und Verbrauchern gesucht werden.

BNN: nachhaltigbio.de

Der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) hat mit Unterstützung durch das BÖLN ebenfalls eine Kommunikationskampange zur Förderung des ökologischen Landbaus gestartet. In diesem Fall geht es darum, die Nachhaltigkeitsleistungen der Branche erlebbar zu machen.

Die entstandene Website www.nachhaltigbio.de zeigt in sechs Nachhaltigkeitskategorien Praxisbeispiele. Zum einen sollen Hersteller, Groß- und Einzelhändler sich und ihre Leistungen hier öffentlich präsentieren können. Zum anderen können Besucher der Seite Fragen stellen, die ein BNN-Redaktionsteam ausführlich beantwortet und wiederum online stellt.

Initiative mehrbio

Deutsche Kartoffeln und andere heimische Bio-Waren sind gefragt, aber längst nicht selbstverständlich. Um die Schere zwischen Verbraucherwunsch und Angebot zu schließen und so zugleich den ökologischen Landbau zu stärken, muss das Bewusstsein der Bevölkerung für die Werte von deutschen Bio-Waren wachsen. Genau das ist das Ziel der Initiative mehrbio, zu der sich Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette zusammengeschlossen haben, vom Bio-Kartoffel Erzeuger Verein über Großhändler wie Böhmer bis zu Rewe und anderen Handelsketten.

Bei Kartoffeln könnte man den Markt gut mit deutscher Bio-Ware decken, was zum Beispiel die Rewe für ihre Märkte zum Ziel hat. Doch ansonsten wird vor allem die Nachfrage im Frühjahr meist mit Frühkartoffeln aus Ägypten oder Israel bedient, während hierzulande die Anbauflächen stagnieren. Jetzt präsentierte mehrbio einen Werbeclip des Berliner Produzenten Jakob Grunert, der auf kurzweilige Art neugierig auf die Vorteile deutscher Bio-Kartoffeln machen soll (zu sehen auf Youtube). Anstelle von konkreten Erläuterungen wird darin auf die Internetseite mit Hintergrundinfos verwiesen:
http://www.mehrbio.deSchonende

Bio-Verarbeitung

Das, was auf dem Teller landet, sollte ohne Zusatzstoffe und zugleich schonend produziert worden sein. – Soweit der Wunsch vieler Verbraucher. Doch noch fehlen für viele Produkte entsprechende Verfahren, ebenso wie eine Definition des Begriffes ‚schonend‘. Kirsten Buchecker vom Technologie-Transfer-Zentrum Bremerhaven und Renate Dylla von der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller berichteten in diesem Zusammenhang von den Aktivitäten des Netzwerkes Natfood und einem entsprechenden Bewertungsschema.

Dazu wurden für die Dimensionen Produktqualität und Umweltauswirkungen Indikatoren festgelegt. Entstanden ist eine umfangreiche Liste, die etwa bei der Produktqualität Nährstoffgehalt und -dichte, Hygienestatus, Eiweißdenaturierung, Geruch, Geschmack, Aussehen, Textur und vieles mehr umfasst.

Hersteller sollen diesen Leitfaden individuell nutzen können, indem sie je nach Lebensmittel unterschied­liche Indikatoren als besonders relevant herausgreifen. Das bietet sich einerseits zur Produktentwicklung an, andererseits zur Kundenkommunikation, um Waren mit konkreten und transparenten Qualitätsmerkmalen zu bewerben.

Das vom Wirtschaftsministerium geförderte Projekt will zugleich klären, inwieweit sich ernährungsphysiologisch und technologisch interessante Reststoffe aus der Lebensmittelherstellung verwerten lassen und wie man lebensmitteleigene Substanzen intensivieren könnte.
www.natfood-netzwerk.de

Bettina Pabel,
Sina Hindersmann
 


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