Tegut

Tegut im Wandel

Nach dem Migros-Einstieg zeigt sich das Fuldaer Unternehmen in neuem Glanz

Seit Tegut 2013 von der Genossenschaft Migros Zürich gekauft wurde, hat sich einiges getan: Mittlerweile wurden über 50 Nahversorger und 46 Supermärkte modernisiert. Bis 2017 sollen jährlich 30 weitere Märkte folgen. Das Sortiment wurde um zehn Prozent reduziert, dafür sollen das regionale und Bio-Angebot weiter ausgebaut werden. Bio-Produkte machen 25 Prozent des Netto-Gesamtumsatzes von 970 Millionen Euro in 2014 aus.

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Thomas Gutberlet, Enkel des Tegut-Gründers Theo Gutberlet, leitet das ehemalige Familienunternehmen seit 2009. Er ist verantwortlich für rund 280 Supermärkte im Stammgebiet Hessen, Thüringen und Nordbayern sowie in Göttingen und Mainz. In den letzten zwei Jahren expandierte Tegut nach Erlangen und Stuttgart. Die baden-württembergische Landeshauptstadt soll vorerst der südlichste Standort bleiben.

„Wir eröffnen Tegut-Supermärkte außerhalb unseres Stammgebiets zunächst nur auf viel frequentierten Plätzen. Einkaufszentren wie das Stuttgarter Milaneo oder der Ludwigsburger Marstall sind ideal, um die Leute auf uns aufmerksam zu machen. Erst, wenn wir uns dort einen Namen gemacht haben, können wir weitere Standorte dazu nehmen.“

Zwar seien seit der Übernahme durch Migros 34 Filialen mit einer Gesamtfläche von 10.000 Quadratmetern geschlossen und 25 neueröffnet worden. Aber Gutberlet zeigt sich zuversichtlich: „2016 stehen elf Neueröffnungen an, allein drei in Frankfurt.“ Um wieder auf der Erfolgswelle zu schwimmen, brauche es etwas Zeit.

Neues Ladenkonzept – Beispiel Ludwigsburg

Der Ludwigsburger Markt im Einkaufszentrum Marstall ist der dritte Tegut im Stuttgarter Raum und wurde im Herbst 2015 mit dem neu entwickelten Ladenkonzept eröffnet. „Früher wirkten die Märkte sehr offen, sodass die Kunden Schwierigkeiten hatten, alle Artikel zu finden. Jetzt haben wir das gesamte Lebensmittelsortiment umgebaut und zum Teil mit neuen Artikeln versehen“, erklärt Gutberlet.

Im Gegensatz zur Migros, die für den Begriff ‚PLF‘ – Preis-Leistungs-Führerschaft – stehe, sei für Tegut die Leistungs-Preis-Führerschaft wichtig. „Der Preis muss stimmen, aber die Leistung ist das Entscheidende.“

Tegut habe sich sowohl im konventionellen als auch im Bio-Bereich von Dubletten getrennt. Ergänzend zum Alnatura-Basissortiment soll es nur noch einen höherwertigen Artikel zur Auswahl geben. Durch die Maßnahme sei das Sortiment um zehn Prozent entschlackt worden. Dennoch habe Tegut seinen Bio-Bereich tendenziell leicht ausgebaut. Und er soll künftig weiter wachsen.

„Für eine bessere Sichtbarkeit sortieren wir die Produkte in den Warengruppen nach Marken und stellen sie dort breiter zur Schau. Vor allem Schnelldreher bekommen mehr Platz. Außerdem haben wir größere Beschriftungen an die Regale angebracht“, erklärt Gutberlet. Für eine warme Atmosphäre sorgen Boden- und Wandfarben in Erdtönen.

Tegut bietet mittlerweile 3.500 Bio-Produkte

Auf den 2.300 Quadratmetern Verkaufsfläche im Ludwigsburger Markt stehen rund 17.000 Produkte, davon 3.500 in Bio-Qualität. Allein im Frischebereich Obst und Gemüse gibt es 460 Produkte, von denen 160 – also 35 Prozent – Bio-Qualität haben. Zum Beispiel samenfeste Rodelika-Möhren, Kartoffeln, Tomaten, Äpfel und Birnen von regionalen Anbauern. Viele Produkte im gesamten Sortiment sind mit der Eigenmarke ‚Tegut Bio‘ gekennzeichnet. Diese sei immer Verbandsware von Bioland, Naturland oder Demeter und gebe Auskunft über den Erzeuger, so Gutberlet.

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Die regionalen Landwirte lieferten ihre Produkte oft direkt in die Filialen. Je südlicher die Märkte, desto größer seien die Anteile regionaler Lieferanten. Das restliche Sortiment werde über das Zentrallager in Fulda oder Seebergen bei Gotha verteilt.

Auch zu den Erzeugern von Bio-Obst und -Gemüse aus anderen europäischen Ländern bestehe ein persönlicher Kontakt. „Unsere Mitarbeitenden kennen die Landwirte, durch die wiederum neue Kontakte zu anderen Anbauern entstehen. Daher können wir die Zitrusfrüchte unserer Eigenmarke bald ausschließlich in Demeter-Qualität anbieten“, sagt er stolz.

Neben dem regionalen Obst und Gemüse sollten auch Raw-Food, vegane und vegetarische Produkte weiter ausgebaut werden. Zurzeit werden die Super- und Raw-Foods in Blöcken präsentiert, um sie hervorzuheben. Später sollten die Artikel dann den Warengruppen zugeordnet werden.

Im Eingangsbereich neben dem Obst und Gemüse stehen Truhen mit Convenience-Produkten. „Das Bio-Angebot ist schwach, da müssen wir uns noch weiterentwickeln“, sagt Gutberlet. Vor allem innerstädtisch sei die Nachfrage groß. Auf dem Land griffen Hausfrauen mehr zu den Zutaten, um selbst etwas zu kochen.

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Die SB-Backstation zeigt hingegen viel Bio. Die meiste Ware stammt von der herzberger Bäckerei, die vor dem Kauf durch die Migros noch zu Tegut gehörte. Bei den Zwiebäcken haben die Kunden die Auswahl zwischen Alnatura und Erdmannhauser. Kakao gibt es von Gepa, Naturata und Biovegan.

Die Auswahl an veganen und vegetarischen Brotaufstrichen von Vitam und Alnatura ist groß. „Wir hatten schon früher einen hohen Anteil fleischloser Produkte und nehmen eine steigende Nachfrage wahr. Gerade Veganer und Vegetarier wollen nicht immer dasselbe von einer Marke essen“, sagt Gutberlet.

Kunden schätzen Käse-Angebot

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In der Fischtheke gibt es ausschließlich Bio- oder MSC-zertifizierte Produkte. „Leider ist die Vielfalt begrenzt, weil nicht so viel Ware in dieser Qualität verfügbar ist.“ Daneben befindet sich die Käsetheke mit rund 30 Bio-Sorten von Andechser und Söbbeke. „Die Kunden können sich jeden Käse beliebig schneiden lassen. Das wird sehr geschätzt“, sagt er. Wie beim Obst, Gemüse und Fleisch werde auch hier viel Wert auf regionale Produkte gelegt.

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Die Wursttheke bietet viele Bio-Produkte von der ehemaligen Tegut-Tochter Kff, aber auch regionale Ware. Im SB-Tisch liegen Hackfleisch, Minutensteaks und Schweinerücken von BioLust sowie Tegut-Qualitätsfleisch von LandPrimus, der Erzeugergemeinschaft aus dem Vogelsberg und der Röhn. Seit einem Jahr führt Tegut das von der Kff entwickelte Schweinefleisch-Programm fort.

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„Mit der BESH machen wir jetzt auch viel“, sagt Gutberlet und zeigt auf die Dosenwurst. „Vielleicht haben wir das Fleisch der Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall bald auch in der Theke. Wir wollen weiterhin mehr regionale Produkte ins Programm nehmen.“

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Das Milchangebot umfasst Bio-Produkte von der Gläsernen Molkerei, Schrotzberg und Alnatura. „Die Bio-H-Milch ist sehr beliebt, deshalb platzieren wir sie direkt auf Paletten“, sagt Gutberlet. Joghurts gibt es von Schrotzberg, Andechser und Söbbeke.

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Im Convenience-TK-Regal finden die Kunden unter anderem Ricotta-Spinat von Tegut Bio sowie Maultaschen von Natur Gourmet und Isana. Unter dem TK-Gemüse gibt es Produkte von Demeter-Felderzeugnisse, Jütro und Alnatura. Bis auf Pizzen und Großgeflügel, die in Truhen platziert sind, stehen alle Produkte in Kühlregalen an der Wand. „Das spart viel Platz“, so Gutberlet.

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Der gegenüberliegende Gang führt vorbei am Superfood-Regal mit Proteinpulvern von JoyFoods und Konfekten von Govinda.
Die Alnatura-Marke Alnavit ist mit Knusper- und Reisbrot vertreten, während Soßenbinder, Schnellbrote und Pizzateig von Bauck kommen. Reis gibt es in verschiedenen Sorten von Davert und Lau. Erdmannhauser liefert Bulgur und Dinkel.

Veganer, die auf der Suche nach schnellen Gerichten sind, werden ein Regal weiter bei Produkten von Biovegan, Beltane und Naturata fündig. Gewürze gibt es von Herbaria, Eintöpfe im Glas von Kff und NaBio. Weitere Fertiggerichte wie Gemüseburger werden von Bauck bezogen.

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Abwechslungsreich ist das Angebot der Bio-Schokolade von Zotter, Maestrani, Gepa und Alnatura. Die weitere Auswahl an Süßwaren fällt mit Keksen von der Bohlsener Mühle, Löffelbiskuits von Tegut Bio und Fruchtgummis von Ökovital gering aus. Gutberlet: „Es gibt leider nicht so viele Bio-Anbieter in diesem Bereich.“

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Im Regal dahinter können die Kunden zu Knabbergebäck von Mayka Bio und Brezeln von Huober und Alnatura greifen. Auf Augenhöhe finden sich Lisa’s Kartoffelchips, Mayka Bio Chips und Gemüse-Kesselchips von Demeter.

Getränke

Direkt gegenüber befindet sich der Getränke-Bereich. Im Regal stehen Bio-Weine von Fachwerk, Demeter, Zähringer, Lebenshilfe, Mureda und Landlust. Größer ist die Auswahl an regionalen Weinen, etwa von Herzog von Württemberg. Glühweine gibt es von Alnatura, der Biomanufaktur ELM, Dornfelder und Beutelsbacher. Sekt wird von Tegut Bio angeboten.

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Neumarkter Lammsbräu ist mit seiner now Bio-Limonade vertreten. Sehr beliebt sei der Energy Drink ‚Alpen Yod’l‘, so Gutberlet. Eistee gibt es von Ti. Verschiedene Sorten Sirup liefern Beerenobst und Holderhof. Säfte kommen von Beutelsbacher, Rotbäckchen und Grünland.

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Im Eis-Regal vor den Kassen schließt eine Auswahl von Rachelli, sandro’s, Alnatura, Schrotzbergers Frozen Yogurt, Belnatura und Dedert den Einkaufsrundgang.

Ausweitung des neuen Konzepts auf Drogerie-Sortiment

2016 wird auch das gesamte Drogerie-Sortiment überarbeitet. Bisher wird eine breite Auswahl an Naturkosmetik von Weleda, alva, Santé, Kneipp und i + m geboten. Beim Shampoo können die Kunden zwischen Lavera und Santé wählen. Zahncremes werden von alviana, Weleda und Santé angeboten. Waschmittel gibt es von ecover, Reiniger von Sonett und Spülmittel von Sodasan. Yarrah ist mit seinem Tierfutter vertreten.

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Auch an die Kinder ist gedacht: Badespaß verspricht Badeschaum von Tinti. Gegenüber stehen Kekse von Mogli, Sesamstraße, Alnatura und erdbär. Für die Kleineren finden Eltern Windeln von Naty.

Gutberlet zeigt sich zuversichtlich, dass Tegut unter dem Dach von Migros Zürich den Weg zu mehr Bio und regionalen Produkten weiterverfolgen kann: „Unsere Bio-Affinität ist ganz im Interesse von Migros. Wir müssen gegenseitig voneinander lernen und wachsen so langsam zusammen“, sagt Gutberlet.

Sina Hindersmann
 



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