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Bio-Bilanz der Stiftung Warentest

Ein Kommentar von Elke Röder

Besser, umfassender, differenzierter? Leider nein. Die Stiftung Warentest schaut bei ihrer „Bio-Bilanz“ stur auf die eigenen Zahlen, Zusammenhänge verliert sie aus dem Blick.

Bei den deutschen Verbrauchern genießt die Stiftung Warentest (StiWa) hohes Ansehen und Vertrauen. Sie wird als Instanz wahrgenommen, deren Rat man sucht und deren Urteil man traut. Umso kritischer muss die „Bio-Bilanz“, die die StiWa in ihrer Dezemberausgabe zieht, beurteilt werden. Dort wird zwar darauf hingewiesen, dass Bio bspw. in den Bereichen Obst und Gemüse sowie Fleisch „klar stärker“ sei, die finale Botschaft laute aber: „Es steht unentschieden“. Wie kann das sein?

Ein Ergebnis kann immer nur so genau sein wie seine Einzelteile

Eine Antwort liegt in der Methode, mit der StiWa seine „Bio-Bilanz“ erstellt hat. Nach eigenen Angaben habe man 50 Lebensmitteltests seit 2010 ausgewertet. Es handelt sich also nicht etwa um einen neuen Test, sondern eine Querschnittssumme vorheriger StiWa-Ergebnisse. Bereits bei früheren Testreihen war jedoch zu monieren, dass der Fokus zu eng gefasst ist. Die angelegten Bewertungskriterien erlauben üblicherweise lediglich Aussagen über einen unmittelbaren, individuellen Nutzen. Was fehlt, ist der Blick auf die Zusammenhänge.

Ein Thema wie bspw. Gesundheit kann nicht auf ein einzelnes Produkt und seine unmittelbaren Auswirkungen im menschlichen Körper reduziert werden. Was ist mit Aspekten, wie wertgebende Inhaltstoffe, Ernährungsverhalten oder Ein- und Auswirkungen auf und durch das Ökosystem? Die vielen Vorzüge von Bio fallen bei dem eingeschränkten Blick der StiWa unter den Tisch. So bedeutet Bio bspw. aktiven Umweltschutz, indem es die Biodiversität fördert, Humus aufbaut und das Grundwasser schont. Alles Vorteile, die sich nachhaltig und vielfältig wiederum auf die Gesundheit auswirken.

Noch deutlicher wird der Mangel an Überblick, schaut man sich die von StiWa empfohlenen Warenkörbe an. Obwohl selbst die Stiftung nicht umhin kommt, Biofleisch aufgrund von Qualität und Tierschutz als die bessere Alternative anzuerkennen, könne man Käse, Milch, Schokolade und Eis – alles Produkte, die tierische Bestandteile enthalten – bedenkenlos ohne Biosiegel kaufen. Hier wird eindeutig zu kurz gedacht.

Eine Frage der Darstellung

Auch kann und muss berechtigte Kritik an der unausgewogenen Art der Darstellung geübt werden. Während die Stiftung den Akteuren des Biomarktes mehrfach den gut gemeinten Rat erteilt, ihrem Weg treu zu bleiben, unterlässt sie (verständlicherweise) eine solche Empfehlung an die Konventionellen. Denn das würde auch nach StiWa-Ergebnissen mehr Pestizide und weniger Tierwohl bedeuten.

Eine Organisation, die eine solch breite Akzeptanz in der Gesellschaft genießt und deren Aufgabe nach eigener Auffassung darin besteht, „dem Verbraucher eine unabhängige und objektive Unterstützung zu bieten“, dürfte sich ihrer Verantwortung bewusst sein.

Fazit: Es wäre wünschenswert, dass die StiWa-Tests umfassender angelegt und ihre Ergebnisse differenzierter dargestellt werden. So wären Verbraucher besser beraten.

Elke Röder, Geschäftsführerin BNN e.V.


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