Start / Ausgaben / bioPress 85 - Oktober 2015 / Bio ist bei uns eine gelebte Größe

Bio ist bei uns eine gelebte Größe

Münchener V-Markt Kaes setzt auf ein breites Bio-Sortiment

An den Wochenenden strömen bis zu 10.000 Kunden in den V-Markt im Euro-Industriepark in München-Schwabing. Mit 17.000 Quadratmetern Verkaufsfläche inklusive V-Baumarkt ist er der größte von 40 Märkten des Familienunternehmens Georg Josef Kaes. Mehr als 1.300 Bio-Lebensmittel führen zu einem Umsatz von über 500.000 Euro.

Thomas Große (Zentraleinkaufsleiter Food) und Marktleiter Robert Schmidt

Seit drei Jahren ist Thomas Große Zentral-Einkaufsleiter Food. „Bio ist für uns eine gelebte Größe. Wir ordnen die Produkte soweit es geht den Warengruppen zu“, sagt der gelernte Edeka-Einzelhändler. Grüne Etiketten an den Regalen vereinfachen die Suche nach Bio-Artikeln im über 14.000 Quadratmeter großen Lebensmittelbereich. Regionales ist durch blaue Schilder gekennzeichnet. Große ist auch als Geschäftsführer für die Einkaufsgenossenschaft Privates Handelshaus Deutschland mit Sitz in Hamburg verantwortlich, der die größten inhabergeführten Handelsunternehmen Deutschlands – Kaes, Klaas & Kock sowie Bartels-Langness – angehören.

Der Schwabinger V-Markt wurde 2010 eröffnet. „Der Standort wächst von Jahr zu Jahr, auch im Bio-Sortiment“, sagt Robert Schmidt, der seit November Marktleiter in Schwabing ist. Schon beim Gang zum Tee- und Kaffeeregal wird eine breite Bio-Vielfalt deutlich: Dort stehen Tees von Gepa, Stick & Lembke, Krüger, Sanddorn Storchennest, Bünting, Dallmayr und Kräutergarten Pommerland. Daneben reihen sich verschiedene Kaffeesorten von Dallmayr, Caffè Agust, Murnauer Kaffeerösterei und J. J. Darboven aneinander – sowohl in 100-Gramm- als auch 1-Kilo-Beuteln. Kaffeesahne gibt es von Saliter.

Schmidt, der zuvor lange Jahre bei Real, Wal Mart und Wertkauf als Marktleiter arbeitete, weiß die Vorteile eines inhabergeführten Unternehmens zu schätzen: „Bei V-Markt haben wir eine andere Sortiments-, Regal- und Personalstruktur, ein ganz anderes Credo als die großen Konzerne. Hier gibt es flache Hierarchien, Kommunikation auf Augenhöhe und ich kann selbst Entscheidungen treffen.“ Den respektvollen und kollegialen Umgang untereinander spürten auch die Kunden.

Die V-Märkte Kaes, deren Standorte sich im Gebiet zwischen Ulm, Füssen und München befinden, bieten seit über 15 Jahren Bio-Lebensmittel an. Einer großen Beliebtheit erfreuten sich aber vor allem regionale und lokale Waren. „Wenn wir zum Beispiel einen Bio-Artikel aus Norddeutschland und ein vergleichbares Produkt eines regionalen, lokalen Herstellers haben, das nicht Bio-zertifiziert ist, verkauft sich dieses besser“, so Große. Vor allem die Landbevölkerung schätze diese Lebensmittel.

Bei der Sortimentswahl spielten die Verbraucher eine wichtige Rolle: „Wir hören auf unsere Kunden und gehen auf ihre Anregungen ein. Einer berichtete uns zum Beispiel von den selbstgemachten Produkten eines Kochs aus dem Hotel Diehm in Krumbach. Seine Dosenprodukte stehen jetzt in den Regalen und werden rege gekauft, auch wenn sie über einen Euro teurer sind als andere“, sagt Große.

„Wir haben gute Beziehungen zu allen Bio-Herstellern. BioGourmet und BioZentrale decken bei uns als Großlieferanten ein breites Sortiment ab. Seit dm seine eigene Bio-Lebensmittelmarke eingeführt hat, sind wir auch daran interessiert, Alnatura-Produkte anzubieten. Das Problem ist, dass Geschäftsführer Götz Rehn dem nur zustimmt, wenn wir das gesamte Alnatura-Sortiment – das sind 1.200 Artikel – in die V-Märkte integrieren. Diese große Anzahl in unser Zentrallager zu bringen, ist für uns unmöglich. Selbst 700 Artikel als erster Schritt sind zu viel für den Anfang. Ich hoffe, dass Herr Rehn und sein Team das noch einmal überdenken“, so Große.

Im Bio-Block der Trockensortimente sind die Marken Seitz mit Backmischungen und Müslis, Linusit mit Leinsamen, Frusano mit Marmeladen, Schokoladen und weiteren Süßwaren, Probios mit Nudeln sowie Bio-Zentrale und Schneekoppe mit Reiswaffeln vertreten. Neben ihnen stehen Marmeladen von Fiordifrutti, Münchner Kindl Senf, Grüntees von Bio Matcha, Honige, Marmeladen und Nuss-Nougat-Cremes von Rigoni di Asiago. Rinatura liefert Brotaufstriche, Bratlinge, Flocken, Weizen- keime, Linsen und Zucker, während Bio-Zentrale ein breites Sortiment aus Müslis, Couscous, Knäckebroten, Pasta, Hirse, Mehl, Puddings und Soßen bietet.

„Besonders nachgefragt werden unverarbeitete Bio-Lebensmittel wie Getreide“, sagt Schmidt. Zu den Randsortimenten zählten Tee, Kaffee, Schokolade und Getränke. Einige Getreide-Artikel findet man auch den Warengruppen zugeordnet: Im Müsli-Regal stehen Produkte von Bio-Zentrale, Seitenbacher und Kölln. Bei den Backwaren finden sich Brote von Mestemacher, Baguettes von Ibis sowie Pflanzen- und Olivenöle von Bio-Zentrale, Seitenbacher und Creta Vital. Im Gewürz-Regal findet der Kunde Bio-Produkte von Edora, Raoul Rousso und eine breitere Auswahl von Goutess.

Bio-Eier stammen von Axvitalis und Klausenhof. „Unsere günstigsten Bio-Eier liegen bei 2,29 Euro“, so Große. „Wir versuchen schon, dass Nachhaltigkeit und Bio aus der Region für uns bezahlbar sind. Unsere Bio-Artikel sollen keine Sortimente querfinanzieren. Jedes Produkt muss sein eigenes Geld verdienen. Dabei orientieren wir uns natürlich auch am Wettbewerb.“

In der Getränke-Abteilung stehen Capri-Sonne Schorly und Fruit Snack, Bionade, naturtrüber Apfel- und O-Saft von Pfanner, Apfelsaft von Kumpf (1 Liter für 1,65 Euro) sowie Amecke Bio-Tomatensaft. Schorlen von Adelholzer gibt es in 1-Liter-Flaschen für 1,46 Euro. Von Neumarkter Lammsbräu werden Edelpils (1 Liter für 2,42 Euro) und Hefeweizen (1 Liter für 1,98 Euro) in Einzelflaschen und als 10er Pack (Edelpils: 1 Liter für 0,88 Euro; Hefeweizen: 1 Liter 1,80 Euro) angeboten.

In der Käsetheke findet man Produkte von den Käserebellen, in den SB-Kühlregalen Käse-, Joghurt- und Quark-Produkte von Andechser. In der Fleischtheke werden Rinder-Produkte vom Bio-Allgäuhof und Schweine-Produkte von Altdorfer Biofleisch angeboten. „Wir haben in der Vergangenheit auch mal Bio-Wurst in der Theke angeboten, aber die Nachfrage war gering. Dafür haben wir das Sortiment im SB-Bereich ausgebaut“, so Große. Hier können die Kunden zwischen Rostbratwürstchen und anderen Wurstprodukten von Altdorfer, Geflügelwurst von Wittmann und Mini-Frikadellen von Zimmermann wählen.

Die Kühltruhen sind gefüllt mit Bio-Gemüse von Frosta, Garnelen von Escal, Steinofen-Pizza Vegetaria und zwei Sorten Flammkuchen von Wagner. Die Auswahl an Bio-Fertiggerichten im vegetarischen Kühlregal besteht aus Green Schnitzel, Tofu Queen und Tofu Wurst von Veggie Life sowie Aufschnitt, Aufstrichen und Tofu von Berief Soja Fit. Veganen Frischkäseersatz gibt es von Bio Risella, Reis-Dessert von Probios.

Der Frischebereich ist unter der Woche mit einer Auswahl an Paprikas, Zwiebeln, Kartoffeln, Knoblauch, Bananen, Äpfeln und Feldsalaten ausgestattet. „Am Wochenende werden Obst und Gemüse-Produkte aufgestockt. Insgesamt sind es dann 20 bis 30 Artikel“, so Große.
Die Logistik wird über folgende Wege abgewickelt: Ein 10.000 Quadratmeter großes Zentrallager mit 30.000 Artikeln – darunter das gesamte Trockensortiment, Obst und Gemüse – befindet sich in Mauerstetten. Für die Logistik der meisten Frischeprodukte sind Bauer aus Wasserburg und Heiderbeck aus Mauerstetten zuständig. Die Tiefkühllogistik übernimmt Okle aus Singen. Der Food-Umsatz der V-Markt-Gruppe beläuft sich auf insgesamt 360 Millionen Euro.

Seinen Ursprung hat der V-Markt im 1865 von Babette Kaes gegründeten Großhandelsbetrieb, der Spezerei- und Landesprodukten-Handlung in Kaufbeuren. Unter der Leitung von Helmut Hermann verlagerten sich die unternehmerischen Prioritäten auf den Einzelhandelsbereich. 1963 eröffnete er den ersten C&C-Markt in Kaufbeuren-Hirschzell. Seit 1980 ist Horst Hermann in der fünften Generation im Unternehmen tätig. Unter seiner Regie werden zusätzliche Geschäftsbereiche mit Baumärkten, Tankstellen und Waschstraßen entwickelt. Seit 1997 befindet sich der Firmensitz in Mauerstetten im Allgäu.

Sina Hindersmann 
 


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