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kff ist breit aufgestellt

Fleischwaren-Hersteller bedient alle Vertriebswege einschließlich Online

Die kff kurhessische fleischwaren GmbH in Fulda erwarten weiteres Wachstum auf dem Bio-Fleischmarkt. Die kff ist im Außer-Haus-Markt, Großhandel, SEH, bei Fachgeschäften wie Metzgereien und sogar im Weinhandel vertreten. Künftig können über den Online-Shop nicht kühlpflichtige Produkte bestellt werden. Das Unternehmen aus Fulda in Hessen ist deutscher Marktführer bei Bio-Fleischwaren mit einem Voll-Sortiment.

Für die kurhessische fleischwaren GmbH haben sich die Vorzeichen gewandelt. Bis 2012 war das Unternehmen eine tegut...-Tochter. Nach dem Verkauf des Lebensmittelfilialisten an die Migros Zürich wurde die kff vom Fleischwerk zum Lieferanten des Handelsunternehmens. Die anderen Vertriebswege haben seitdem stark an Bedeutung gewonnen.

Das Unternehmen führt die Marken kff, Rhöngut und Buchonia. Rhöngut ist die Premium-Marke für rohe Fleischwaren ohne Nitritpökelsalz (NPS). Die Hälfte des Sortiments wird  durch Lufttrocknung, die andre Hälfte durch Räuchern veredelt. Seit 2002 reifen die Kurhessen Schinken und Salami in Frankenheim im Biosphärenreservat Rhön auf 811 Meter Höhe in einem Klima wie in einem Natursteinkeller.

Luftgetrocknete Wurst ist eine Domäne der Mittelmeer-Länder. In Deutschland waren die Hessen ein Vorreiter in dieser Disziplin. „Bei unserem Bio-Schinken wird jeder Vegetarier rückfällig. Mit diesem sind wir auf Augenhöhe mit dem Parmaschinken“, erklärt Geschäftsführer Erich Michel.

Konzerte für die Wurst

Sonntags finden in Frankenheim regelmäßig Konzerte statt. Alle Würste und Schinken werden während ihrer Reifezeit mindestens einmal von einem Quartett junger Philharmoniker mit klassischer Musik bespielt. Bis zu zwölf Monate entwickeln sie dort in dem idealen Klima ihre Aromen.

Die Marke Buchonia mit 30 SB-Artikeln ist für den Groß- und Einzelhandel bestimmt. Die Wurst wird mit wenig Nitritpökelsalz (NPS) hergestellt und erfüllt das vorherrschende Bild der Verbraucher von der Optik einer Wurst. Allerdings gibt es auch hier Produkte ohne NPS.

Brühwurst, Würstchen, fettarme Produkte und Schinken zählen zur Linie. Die Produkte mit einem Fettgehalt von nur zehn Prozent enthalten Bio-Jogurt. Hier bewies die Produktentwicklung Innovationskraft und Kreativität.

Die kff verfügt über eine eigene Produktionsstätte für Convenience. Unter der Marke kff „köstlich fertig frisch“ stellt das Unternehmen seit dem Jahr 2000 Bio-Fertiggerichte, -Feinkostsalate und -Suppen in Gläsern und Schalen her.

„Convenience ist die Zukunft“, prognostiziert Vertriebsleiter Mario Michel und deutet auf rustikale Bügelgläser mit Sauerbraten in Sauce, Rindfleisch in Meerrettichsauce, Rindfleisch in Gemüsefond und Rindfleisch in Rotweinsauce. Diese neue Premium-Linie hat das Unternehmen auf der BIOFACH vorgestellt.

kff bedient Private-Label

Das Unternehmen bedient alle Vertriebskanäle vom Naturkostgroßhandel bis zu Cash & Carry. Im späten Frühjahr startet der Hersteller mit einem Online-Shop für Endverbraucher und Handelspartner, die nur kleinere Mengen abnehmen, wie Vertriebsleiter Mario Michel mitteilt. Über diese Plattform werden nicht kühlpflichtige Produkte in Paketen geliefert.

Seit 2009 betreibt die kff  Teilstückhandel. Verarbeiter, die keine Schweinehälften, sondern nur Teile brauchen, können in Fulda ihren Bedarf decken. Nach dem jeweiligen Standard des Kunden werden die Teilstücke zugeschnitten und durch den firmeneigenen Fuhrpark ausgeliefert.

Das Unternehmen zählte zu den ersten Bio-Fleischverarbeitern in Deutschland. Geschäftsführer Erich Michel, seit 42 Jahren im Unternehmen, erinnert sich an die Anfänge. Bio diente der Ausbildung der Lehrlinge. Metzgermeister Michel brachte ihnen das ursprüngliche Handwerk bei vom Schlachten, Zerlegen bis zum Wursten. Die einzelnen Arbeitsschritte finden heute in der Regel getrennt voneinander in verschiedenen Betrieben statt.

kff beliefert tegut... auch mit konventioneller Ware. „Bio ist weiter entwickelt als konventionell und ist bei den Rahmenbedingungen der goldene Standard“, urteilt Michel. „1983 haben wir angefangen. Fleisch und Bio ging damals gar nicht. Bio war vegetarisch. Wir wurden sogar belächelt“, erinnert sich Michel. Der erste externe Kunde war Alnatura.

„Heute ist rund 50 Prozent der Menge in Bio. Das ist bemerkenswert viel. Unser heutiger Endkunde will sich etwas Gutes gönnen. Bio hat für ihn einen Genuss-Aspekt und ist hochwertig“, urteilt Geschäftsführer Michel.

Bei diesem Typ von Konsument geht Qualität vor Quantität. „Er isst weniger, aber dafür hochwertigeres Fleisch. Zuviel ist nie gut, egal ob beim Wein oder beim Fleisch. Jeden Tag Fleisch auf dem Tisch ist unvernünftig. Einmal in der Woche ein gutes Stück ist sinnvoll“, rät Michel.

Die kff ist der größte Biofleisch-Verarbeiter der Republik. 124 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete das Unternehmen 2013. Rund die Hälfte davon mit Bio-Produkten.

Die kff bieten ein Vollsortiment: Schwein, Kalb, Rind, Lamm, Ziege und Geflügel kann der Hersteller liefern. Frisch-Fleisch, Schinken, Wurst und Convenience sind im Sortiment. Die Artikelzahl geht aufgrund der Private Labels, die ebenfalls produziert werden,  in die Hunderte. Im externen Handel verkauft die kff zu mehr als 80 Prozent Bio-Fleisch und -Wurst.

Den Rohstoff Fleisch bezieht der Hersteller zum Teil von Vertragslandwirten, die Mitglied bei den Anbauverbänden sind. Acht bis neun Monate stehen die Schweine beim Bio-Bauer. Die Schlachtgewichte liegen bei 105 bis 110 Kilo.

Im herkömmlichen bringen die Schweine wesentlich weniger auf die Waa­ge. Die kff hat auch das XXL oder Geburtstagschwein mit einer Mastdauer von einem Jahr und Schlachtgewichten bis 180 Kilo. Diese werden für Spezialitäten des Rhöngut Sortiments verwendet.

kff betreibt eigenen Schlachthof

Die kff bevorzugt den Transport der Tiere zum Schlachthof durch den Landwirt. Dies ist viel stressfreier für die Schweine und Rinder und trägt neben langen Ruhezeiten vor der Schlachtung zu einer hohen Fleischqualität bei. Die Tiere werden ins eigene Schlachthaus in Fulda gefahren.

Der Schlachtprozess dort orientiert sich am Tierwohl. „Wir wollen keine Hochgeschwindigkeit“, macht Michel klar. 400 bis 500 Schweine und 30 bis 40 Rinder verarbeitet die kff wöchentlich. Lamm und Ziege sind Saisonprodukte mit insgesamt kleinem Anteil.

Das eigene Schlachthaus und die eigene Zerlegung ermöglicht die Warmverarbeitung von Schweinefleisch für die Rhöngut-Linie. Das Fleisch von weiter entfernten Schlachthöfen müsste gekühlt transportiert werden.

Michel hat die Wertschöpfungskette im Blick: „Der Landwirt muss von uns leben können. Wir müssen der Urproduktion einen guten Preis bieten“. Niedrigpreise machen den Geschäftsführer generell stutzig: „Dann hat jemand seinen Lohn nicht bekommen. In der Regel ist es das schwächste Glied in der Kette“. Dann ist man schnell wieder beim Bauer.

Die kff verzeichnet nach wie vor Wachstum bei rückläufigem Pro-Kopf-Verzehr. Aktuell liegt er nur noch bei 64 Kilo Fleisch pro Jahr. In Spitzenzeiten waren es 80 Kilo. Vertriebsleiter Mario Michel ist dennoch optimistisch: „Bio wird weiter wachsen zu Lasten des konventionellen. Die Verbraucher haben heute ein anderes Bewusstsein und eine andere Lebenseinstellung“.

Anton Großkinsky

 


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