Start / Business / Themen / Marketing / Naturland beschließt Geflügel-Reform

Tierhaltung

Naturland beschließt Geflügel-Reform

Industrielle Landwirtschaft soll wieder bäuerlich werden

Missstände im Öko-Geflügelbereich in den letzten Monaten haben zu einer heftigen Diskussion bei Verbrauchern, Bauern, Politik und Wissenschaft geführt, welche Art von Landwirtschaft gewünscht und machbar ist. Im Fokus der Diskussionen stehen Geflügelbetriebe, die auch Naturland zertifiziert sind beziehungsweise waren. Kündigungen, zusätzliche Kontrollen, gesonderte interne Inspektionen und die Aktualisierung der Tierwohl-Checkliste waren sofort umgesetzte Maßnahmen, die weiter geführt werden. „Als weiteren Schritt haben wir eine Reform beschlossen, um bäuerliche Betriebe zu stärken: Ein selbstständiger Landwirt trägt die Verantwortung und sorgt für Transparenz auf dem Betrieb. Das hat Konsequenzen für Strukturen, die dem nicht entsprechen“, erklärt der Naturland Präsidiumsvorsitzende Hans Hohenester.

Darüber hinaus erfolgt eine Überarbeitung der Richtlinien, die von den als Delegierte gewählten Naturland Bauern verabschiedet werden. Dabei geht es insbesondere um folgende Punkte: Obergrenze von Tieren und Ställen, Auslauftiefe, Auslaufgestaltung, Kontrolle und Qualifikationsanforderungen für die Betriebsleiter.

Unabhängig von Missständen oder Verstößen stellt sich Naturland der Tatsache, dass auch unter den Naturland zertifizierten Geflügelbetrieben industrielle Strukturen entstanden sind, die den Qualitätsanforderungen des Öko-Verbandes nicht mehr entsprechen. Hier setzt der Reformprozess an, indem diese Strukturen umgebaut werden. Ziel ist es, die Betriebe in die Hand von eigenständigen, unmittelbar selbstverantwortlichen und in ihren Entscheidungen unabhängigen Personen zu überführen. Der Umbau hin zu bäuerlichen Betrieben muss in spätestens fünf Jahren vollzogen sein, nachprüfbare Zwischenziele werden festgeschrieben.

Bäuerliche Betriebe sind weltweit das Rückgrat der Landwirtschaft, so das klare Votum der Naturland Delegiertenversammlung als höchstes Entscheidungsgremium des Verbandes. Die Herausforderung der Abgrenzung zwischen bäuerlich und industriell will Naturland mit dem Umbau der Großstrukturen angehen.

Die Ausweitung der Öko-Sortimente in allen Vertriebskanälen, vom Direktvermarkter über den Naturkostfachhandel bis in den konventionellen Lebensmitteleinzelhandel führte zu starken Wachstumsraten im Öko-Markt. Je mehr Verbraucher mit Öko-Produkten erreicht werden, desto eher ist ein nachhaltiger Wandel in der Ernährungsbranche möglich. Gleichzeitig stieg allerdings der Anteil an Importen von Bio-Lebensmitteln, da die Umstellung auf Bio in Deutschland durch vielerlei Gründe nur schleppend voran ging. Das ist das Anliegen des Naturland Projektes: die Selbstversorgungsquote mit Bio-Produkten muss mit bäuerlichen Betrieben und gleichzeitig in hochwertiger Verbandsqualität erreicht und gesichert werden.

[ Artikel drucken ]

Ticker

Das könnte Sie auch interessieren

Bio-Verbände fordern mehr Planungssicherheit

Naturland-Delegiertenversammlung sendet gemeinsamen Appell mit Bioland

Bio-Verbände fordern mehr Planungssicherheit © Sabine Bielmeier/Naturland

Die Bio-Nachfrage im Handel steigt seit Jahren kontinuierlich an, dennoch stellen kaum Betriebe um. Die Verbände Naturland und Bioland machen dafür die politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen verantwortlich, die „von großen Unsicherheiten“ geprägt seien. Für die notwendige Ökologisierung der Landwirtschaft brauche es eine klare strategische Perspektive – insbesondere mit Blick auf die Bio-Tierhaltung sowie die europäische Agrarförderung ab 2028.

22.05.2026mehr...
Stichwörter: Tierhaltung

BESH präsentiert ‚Climate Fair Pork‘ bei Agrarforschungsallianz

Projekt zur klimaresilienten Fleischerzeugung erzielt CO2-Reduktion von fast 56 Prozent

BESH präsentiert ‚Climate Fair Pork‘ bei Agrarforschungsallianz © BESH

Bei der Jahrestagung der Deutschen Agrarforschungsallianz (DAFA) in Berlin hat die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH) am Montag die Ergebnisse des Projekts ‚Climate Fair Pork‘ zur klimaresilienten Fleischerzeugung vorgestellt. Laut BESH konnten die CO2-Emissionen, die bei der Produktion des ‚Schwäbisch-Hällischen Qualitätsschweinefleischs g.g.A.‘ anfallen, im Vergleich zu deutschem Standardfleisch mittlerweile um fast 56 Prozent reduziert werden.

23.04.2026mehr...
Stichwörter: Tierhaltung

Aldi Süd baut Angebot aus höheren Haltungsformen weiter aus

60 Prozent des Eigenmarken-Frischfleischs mindestens aus Haltungsform 3

Aldi Süd baut Angebot aus höheren Haltungsformen weiter aus © Aldi Süd

Aldi Süd erhöht den Anteil von Fleischprodukten aus höheren Haltungsformen in seinem Sortiment. Inzwischen stammen nach eigenen Angaben (mit Ausnahme von Spezialitäten und bezogen auf den Umsatz in Deutschland) 60 Prozent des Eigenmarken-Frischfleischs von Rind, Schwein, Hähnchen und Pute aus den Haltungsformen 3, 4 und 5. Bei gekühlten Fleisch- und Wurstwaren sind es 35 Prozent des Eigenmarken-Sortiments. Gleichzeitig verzichtet der Discounter bei den genannten Produkten bereits vollständig auf die Haltungsform 1.

09.04.2026mehr...
Stichwörter: Tierhaltung