20 Prozent Bio-Anteil: Der Weg zu mehr regionalen Bioprodukten in Bayern
Bioland-Forum zur Verdoppelung des Ökolandbaus in Bayern bis 2020
Augsburg/Berching, 05. Februar 2013. Im Kloster Plankstetten fand ein Gespräch mit Vertretern aus Verarbeitung, Handel, Bildung, Forschung und Beratung statt: Es gibt viel zu tun! Die Nachfrage nach regionalen Bio-Produkten ist ungebrochen. Wie kommen wir zu mehr regionalen Bioprodukten in Bayern? Diese Frage diskutierten gestern 100 Bioland-Bauern aus ganz Bayern gemeinsam mit Experten aus Verarbeitung, Handel, Bildung, Forschung und Beratung. Das Bioland-Forum fand im Rahmen der „Bioland-Wintertagung“, der jährlichen Weiterbildungswoche für Bioland-Erzeuger in Bayern, im Kloster Plankstetten statt.
Die Nachfrage nach regionalen Bio-Produkten ist ungebrochen. Kunden fragten Bio-Produkte in den letzten 10 Jahren um bis zu 300 Prozent mehr nach. Im gleichen Zeitraum stieg jedoch die biologisch bewirtschaftete Fläche nur um ein Drittel. Die derzeit rund 6.500 biologisch wirtschaftenden Betriebe in Bayern können die wachsende Nachfrage der Verbraucherinnen und Verbraucher nur unzureichend decken. „Trotz der Verdopplung des Ökologischen Landbaus in Bayern in den letzten 10 Jahren“, so Bioland Landesvorsitzender Josef Wetzstein, „reicht die regionale Bio-Produktion derzeit noch nicht aus.“
Staatsminister Helmut Brunner erkennt das Marktpotential und die Chancen, die im Biolandbau stecken – mal ganz abgesehen von den ökologischen Vorteilen des Biolandbaus für Mensch und Natur. Deshalb stieß er zusammen mit Bioland und den anderen Bio-Anbauverbänden im Sommer letzten Jahres die Initiative „Bio-Regio Bayern 2020“ an. Mit dieser Initiative „Bio-Regio Bayern 2020“ verfolgt der Staatsminister die politische Zielvorgabe, den Ökolandbau in Bayern von 6 auf 12 Prozent bis zum Jahr 2020 zu verdoppeln. Damit kommt er den Bio-Anbauverbänden entgegen, die seit Jahren ein Landesprogramm für den Ökolandbau fordern. Brunner und die Bio-Anbauverbände ziehen nun gemeinsam an einem Strang, um den Biolandbau in Bayern weiter voranzubringen.
Aus diesem Grund lud Bioland am gestrigen Montag zu einem Forum ein, das sich mit der Verdopplung des Ökolandbaus in Bayern auseinandersetzte. Konrad Schmid, Leiter der Abteilung Grundsatzfragen beim bayerischen Staatsministerium, stellte die Beweggründe der Staatsregierung zur Initiative „Bio-Regio Bayern 2020“ vor. Das Bioland-Forum richtete den Blick nach vorn und beleuchtete die erforderlichen Entwicklungsschritte, um den Ökolandbau in Bayern langfristig voranzubringen. Wie kommen wir zu mehr regionalen Bioprodukten in Bayern? Was sind die wichtigsten Eckpunkte, damit die Verdopplung der Bio-Produktion in Bayern bis 2020 gelingen kann? Die Referenten zeigten, dass es in den Bereichen Bildung, Beratung, Forschung, Handel und Verarbeitung noch einiges zu tun gibt.
Bildung: Wissen ist eine grundlegende Ressource für den Ökologischen Landbau. Deshalb solle Ökolandbau Pflichtfach an allen Landwirtschaftsschulen und deutlich stärker in Fachschulen sowie in Universitäten und an Fachhochschulen unterrichtet werden. Aber auch der Unterricht zum Thema Ökolandbau an allgemeinbildenden Schulen müsse etabliert und ausgebaut werden. Eine frühzeitige Aufklärung der Verbraucherinnen und Verbraucher und eine grundlegende Bildung in den Bereichen Ernährung und Lebensmitteln schon von Kindheit an seien unabdingbar.
Beratung: Bei der Frage, wie man Landwirte für die Umstellung auf Biolandbau gewinnen kann, wurde deutlich, dass interessierte Landwirte gerne zunächst einen Einblick in einen Bio-Betrieb gewinnen möchten. Hier eigne sich ein Netzwerk von landwirtschaftlichen Praxisbetrieben, die ihren Kollegen ihren Bio-Betrieb vorstellen. Weiterhin elementar seien Informationsangebote zum Ökolandbau an allen Landwirtschaftsämtern und eine professionelle Umstellungsberatung.
Forschung: Es wurde ebenfalls diskutiert, auf welche Forschungsfragen der Ökolandbau eine Antwort braucht und wie Forschung für den Ökolandbau strukturell unterstützt werden kann.
Handel und Verarbeitung: Die Referenten aus dem Naturkostgroßhandel und der Bio-Verarbeitung unterstrichen, dass die Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen für bayerische Bio-Produkte dringend weiter ausgebaut werden müssten und wünschten sich Unterstützung bei Marketingmaßnahmen für bayerische Bio-Produkte.
Josef Wetzstein erklärt: „Im Hintergrund der ‚Initiative Bio-Regio Bayern 2020’ steht auch die wichtige Frage, welche Landwirtschaft in Bayern zukunftsfähig ist und welche Landwirtschaft Bayern in Zukunft ein Gesicht geben wird.“ Es gebe viele Argumente für den Biolandbau: er erbringt viele gesellschaftlich relevante Dienstleistungen wie Erhalt fruchtbarer Böden, Bodenerosionsschutz, Gewässerschutz, Erhalt der Artenvielfalt und Klimaschutz.
Der Biolandbau stellt Lebensmittel ökologisch und ressourcenschonend her und schafft einen Mehrwert für alle Menschen. Wetzstein unterstreicht: „Die Initiative ´Bio-Regio Bayern 2020´ ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Ökologisierung der Landwirtschaft.“ Die Initiative könne laut Wetzstein die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass sich der Ökolandbau weiter entwickeln kann.
Es gibt also viel zu tun für Minister Brunner. Die Teilnehmer des Bioland-Forums bekräftigten, Minister Brunner bei seiner Arbeit zu unterstützen. Sie erwarten nun, dass den Ankündigungen auch Taten folgen. Das wird sich bereits am kommenden Mittwoch zeigen, wenn Minister Brunner Zwischenergebnisse der Evaluation über den Ökolandbau in Bayern vorstellt, aus deren Ergebnissen er geeignete Maßnahmen ableiten will.
Weitere Informationen zur Initiative „Bio-Regio Bayern 2020“ finden Sie auf www.bioland.de/lv/by und auf www.lvoe.de.







