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Saatgut

Grenzwerte: Versteckte Gentechnik im Saatgut gefährdet Pflanzenzüchtung

IG Saatgut veröffentlicht Bericht zur Folgenabschätzung

Wird es auch in Zukunft gentechnikfreies Saatgut für den ökologischen Landbau geben? Öko-Züchter warnen: Die Erzeugung von gentechnikfreiem Saatgut wird durch versteckte gentechnisch veränderte Organismen (GVO) im Saatgut gefährdet. Seit langem gibt es auf der EU-Ebene Vorstöße, die Nulltoleranz für GVO im Saatgut aufzuheben, ob durch Schwellenwerte für die Kennzeichnung zugelassener GVO im Saatgut, oder wie aktuell durch einen Grenzwert für niedrige GVO-Vorkommen für nicht zum Anbau erlaubte GVO. Danach dürfte Saatgut, das geringe Mengen nicht erlaubter GVO enthält, ausgesät werden.

Öko- Züchter und -Vermehrer der Interessengemeinschaft für gentechnikfreie Saatgutarbeit (IG Saatgut) hatten eine Untersuchung der Risiken von GVO-Grenzwerten nicht zugelassener GVO im Saatgut beauftragt. Diese zeigt: Es gibt erhebliche Lücken bei der Umsetzung der rechtlich vorgeschriebenen Nulltoleranz für GVO beim Saatgut. Gentechnikfrei arbeitende Saatguterzeuger müssen auf eigene Kosten in allen Phasen der Saatguterzeugung Vorsorge zum Schutz der Gentechnikfreiheit ihres Saatgutes treffen. Die geplante Zulassung geringer Verunreinigungen (LLP = Low Level Presence) würde die Erzeugung gentechnikfreien Saatguts gefährden, da immer ein Kontaminationsrisiko besteht.

„Es ist zu erwarten, dass dann mehr GVO-haltige Saatgutpartien Nachkontrollen passieren und ausgesät werden. Jede Fläche mit einkreuzungsfähigen Arten würde dann für Landwirte und Züchter zu einem zusätzlichen Risiko. Der Aufwand zum Schutz vor GVO-Kontaminationen würde deutlich steigen und es gäbe dennoch keine wirkliche Sicherheit“, kritisiert Gebhard Rossmanith, Vorstand der Bingenheimer Saatgut AG. Kontaminationsfälle würden zunehmen, ein existenzielles Risiko für Züchter und Vermehrer, insbesondere kleinerer Betriebe. Gerade bei Öko-Gemüse aber sicherten viele kleinere Züchter die Vielfalt.

Der Vorstand des Demeter-Verbands, Stephan Illi, fordert von der Politik, das Verursacherprinzip bei der Agrogentechnik endlich durchzusetzen: „Es kann nicht angehen, dass die Vorsorge zum Schutz vor unerlaubter Gentechnik den Züchtern und Erzeugern aufgebürdet wird, bzw. durch die Kosten für Kontrollbehörden der Allgemeinheit. Wer gentechnische Konstrukte in die Welt setzt, muss sich an den Zusatzkosten gentechnikfreier Produktion beteiligen.“ Die biodynamischen Demeter-Gemüse- und -Getreidezüchter sind Pioniere der ökologischen Züchtung. Demeter-Hersteller können in ihrer Produktauslobung auf die biodynamische Züchtung ihrer Rohware hinweisen, so dass Verbraucher wählen können. 

Die in der IG Saatgut zusammengeschlossenen Züchter und Saatgutanbieter fordern weitere dringende Verbesserungen: eine strikt umgesetzte Null-Toleranz für zugelassene und nicht zugelassene GVO im Saatgut mit wirksamer Kontrolle vor der Aussaat. Sie sind für ein Moratorium für den Anbau von GVO und den Stopp weiterer Zulassungen von GVO. Der Bericht „Saatgut sichern, Schwellenwerte verhindern“ ist auf der Webseite der IG Saatgut verfügbar: www.gentechnikfreie-saat.org .
 


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