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Pflanzenschutzmittel

Re-Äpfel für Mitteldeutschland

Resistente Sorten einfacher im Anbau

Wer sich zwischen einem gespritzten und einem ungespritzten Apfel entscheiden soll, wählt mit großer Wahrscheinlichkeit den ungespritzten. Doch Schädlinge, Apfelschorf, Mehltau oder Feuerbrand machen es den Bauern unmöglich, ihre Bäume nicht zu behandeln. Bio-Bauern greifen nicht zur Chemiekeule, sondern setzen zugelassene Pflanzenschutzmittel auf Basis natürlicher Wirkstoffe ein.

Eingefleischten Bio-Bauern wie Axel Senst von Obstbaubetrieb Plößnitz  in Sachsen-Anhalt ist das immer noch zu viel. Deshalb hat er vor zwei Jahren begonnen, seine Apfelbäume durch resistenzstarke Züchtungen zu ersetzen. „Ich muss nur noch halb so viele Pflanzenschutzmittel einsetzen als bisher. Das ist für mich absolut überzeugend“, sagt der Experte. Er pflanzt Sorten wie Reanda, Rewena oder den Kinderapfel Resi. Unter den sogenannten Re-Sorten gibt es an die 20 verschiedene Arten.

In der Vermarktung haben es die Bio-Obstbauern nicht leicht. „Leider gestaltet sich der Verkauf nicht so gut wie der Anbau. Die Äpfel sind eben nicht ganz so süß wie Elstar oder Jonagold“, sagt Mike Scharzbach, im Stadtgut Görlitz für den Obstbau verantwortlich. Was die Verbraucher nicht wissen: bei Sorten wie Elstar, Jonagold oder Gala  müssen die Obstbauern bis zu 30 Mal und mehr durch die Plantagen fahren und spritzen. Dadurch entstehen neben den Pflanzenschutzmitteln zusätzliche Kosten durch den Verbrauch an Dieselkraftstoff, der zusätzlich die Umwelt belastet.

„Re-Sorten sind Züchtungen der jüngeren Vergangenheit, die angepasst an die regionalen Verhältnisse in Pillnitz bei Dresden entwickelt wurden und einen sehr stabilen gesunden Zustand aufweisen“, sagt Bio-Bauer Christoph Müller von der Helene-Maier-Stiftung in Sachsen. Das Augenmerk liegt auf der Kombination von Qualität, Ertrag und Resistenz. „Norddeutsche Sorten wie Boskop oder gar neuseeländische Äpfel wie Gala brauchen in unseren Breiten extrem viel Pflege, um gesund zu gedeihen. „Hier stehen Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis“, sagt Biobauer Senst. Die Re-Sorten sind auf mitteldeutsche Verhältnisse angepasst und haben sich hier bewährt.

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