Start / Ausgaben / BioPress 72 - August 2012 / Sonderangebote verbannt

Sonderangebote verbannt

Edekaner Schmitt setzt auf Qualität von Demeter

Der Selbstständige Einzelhändler (SEH) Marco Schmitt hat im E-Center in Fürth nach dem Umbau 2011 ein neues Konzept umgesetzt. Der Kaufmann widmet sich verstärkt dem qualitätsorientierten Handel mit einem Bio-Sortiment einschließlich Demeter. Er verkauft hochwertig und nachhaltig. „Manche Schnäppchenjäger habe ich als Kunden verloren. Auch einige Mitarbeiter haben Identifikationsprobleme bekommen“, bilanziert der Selbstständige.

Kaufmann Schmitt hat sich früh selbstständig gemacht. Schon 1998 mit 21 Jahren führte er seine erste 450 Quadratmeter Kleinfläche. Inzwischen betreibt er einen E-aktiv Markt in Nürnberg und das E-Center in der Nachbarstadt Fürth. Der Mitdreißiger zählt zu den jungen Rebellen unter den Edeka-Kaufleuten. Schmitt nimmt den Begriff Selbstständiger Einzelhändler wörtlich und lässt sich ungern von der Großhandlung an der langen Leine führen.

Bio, regionales Bio und Demeter sind zentrale Elemente seiner Qualitätsstrategie. Von den 25.000 Artikeln in Fürth sind rund 2.500 Bio. Der Umsatz macht etwa sechs Prozent aus. Um hier ein ausgezeichnetes Sortiment zusammenzutragen reicht die Edeka-Großhandlung nicht. Allein 20 Bio-Lieferanten fahren das E-Center auf Strecke an. Ein Naturkost-Großhändler trägt wesentlich zu einem attraktiven Bio-Angebot im Fürther E-Center bei. „Natürlich habe ich Mehraufwand für eigene Lieferanten“, räumt er ein. Aber um ausschließlich Industriesortimente zu vertreiben, braucht es keine selbstständigen Kaufleute.

Schmitt schätzt regionales Bio

Allerdings bilden Industrie- und Handelsmarken die absolute Mehrheit der Artikel. 75 Prozent bezieht er von der Edeka Nordbayern, die Schmitt als leistungsfähige Vorstufe schätzt. Aber zu Zweitplatzierungen für Coca-Cola lässt er sich nicht bewegen. 35 Prozent weniger Umsatz mit der braunen Limonade nimmt er in Kauf.

„Als kleiner Einzelhändler muss ich nicht für die weltweite Ernährungsindustrie werben“, meint der Kaufmann. Stattdessen hat der Franke das regionale Bio-Bier von Weissenoher Klosterbräu im Regal. Damit hebt er sich von den konkurrierenden Discountern und Regiemärkten in der Umgebung ab. „Ich will ein Sortiment haben, das Sinn macht“, nennt er den eigenen Anspruch.

Die Zahlen stimmen: 8,6 Millionen Euro Umsatz hat er 2011 auf der Fläche von 2.300 Quadratmetern erzielt. „Damit gebe ich mich aber nicht zufrieden. Auf zehn Millionen möchte ich hier kommen“, wirft er einen Blick in die Zukunft.

Das E-Center hat einen Demeter-Handelsvertrag. Damit darf er Produkte mit dem Demeter-Warenzeichen führen. Im April hat der Demeter-Verband eine Schulung für die Mitarbeiter gemacht. Von der Qualität der bio-dynamischen Lebensmittel ist Schmitt überzeugt: „Wir haben mit 13 Leuten eine Blindverkostung von Milch gemacht. Demeter lag klar vorn.“ Allerdings ist nach wie vor die Verfügbarkeit nicht immer gegeben. Ein Moproregal in Kopfplatzierung für Bio-Milchprodukte weist Fehlartikel auf.

Demeter unterscheidet sich von anderen Formen der Lebensmittelherstellung. In der Milchverarbeitung lassen die Richtlinien keine Homogenisierung und keine H-Produkte zu. Mopro zählen zu den Stärken von Demeter. Die Molkerei Schrozberg aus dem angrenzenden Baden-Württemberg hat Schmitt unter anderem im Sortiment. Roy´s Naturkost bringt die Ware in den Markt.

Regionales Bio im E-Center

Mit Obst und Gemüse wird der E-Center-Kunde empfangen und trifft sofort auf 65 Bio-Artikel. Neben dem Edeka Fruchtkontor wird Schmitt von Roy’s Naturkost vom Nürnberger Großmarkt und Gemüsebau Hofmann aus Nürnberg beliefert. 25 Obst und 40 Gemüseartikel sind in Bio-Qualität vorhanden. Bananen haben als meistverkauftes Produkt den größten Aufbau beim Bio-Obst. Bio-Zitronen gibt es im Stück und im Beutel. Die Orangen sind sogar in Demeter-Qualität. Bio-Obst ist eine Import-Angelegenheit. Mango aus Burkino Faso. Trauben aus Ägypten und Italien, Pflaumen aus Spanien.

Beim Bio-Gemüse setzt der Edeka-Händler regionale Akzente. Bio-Topfkräuter liefert Dworschak-Fleischmann aus Nürnberg. Die Früh-Kartoffeln lose und in der Papiertüte, Salat-Gurken, Staudensellerie, Broccoli, Radieschen und Rettich sind ebenfalls auf deutschen Äckern gewachsen. Der Bio-Broccoli ist preisgleich mit dem konventionellen. Tagesfrische Salate bilden mit Kopfsalat, Salatherzen, Batavia, Eisberg, Ruccola und einer geschnittenen Mischung eine reichliche Auswahl.  

Der Hauptlauf geht weiter mit Frühstück, vorbei an einer breiten Auswahl an Bio-Kaffees. Gepa, Darboven, Edeka Bio und die regio­nalen Röstereien Fortezzo aus Cadolzburg und Rösttrommel aus Nürnberg zeigen Kompetenz. Die regionalen Anbieter arbeiten nach den Regeln der Deutschen Röstergilde mit langer Dauer und niedrigen Temperaturen. Bei den Großröstereien ist es umgekehrt: schnelles Rösten bei hoher Temperatur. Der Kunde kann sich Freitags und Samstags bei Kaffee-Verkostungen informieren. Im Markt liegen Faltblätter aus.

Überzeugte Mitarbeiter sind nötig

Für qualitätsorientierten Handel braucht es überzeugte und geschulte Mitarbeiter. Die Verkäufer im Lebensmittelhandel haben aber in den vergangenen Jahrzehnten gelernt, immer billiger zu werden, nicht besser und sie empfehlen das Sonderangebot bei der Wurst, nicht die edle Bio-Salami. „Die Mitarbeiter muss ich mitnehmen. Das ist wichtig“, sagt Schmitt.

Eine Metzgerei-Verkäuferin war im European Cheese Center (ECC bei Ruwisch & Zuck) in Hannover. „Wir brauchen mehr Qualität, Herr Schmitt“, verlangt die Fachverkäuferin bei ihrer Rückkehr. Das will Schmitt hören.

In der Käsetheke hat sich das niedergeschlagen. Mit 30 Bio-Käsen ist das Angebot vielfältig. Die Dorfkäserei Geifertshofen ist mit ihrer Spezialität Kaffeekäse und Trollinger-, Schwarzbier- und Weinbauernkäse vertreten. Die 2011 gegründete Handelsfirma Chäs Plus AG liefert Bio-Hartkäse aus der Schweiz. Bio-Ziegenkäse von Andechser und Bastiaansen aus Holland sprechen Käse-Liebhaber an.

Bio-Fleisch in Bedienung hat das E-Center nicht. Stattdessen bietet der Verbrauchermarkt das  SB-Programm der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH) mit Rind und Schwein. Bio-Geflügel in Teilstücken kommt vom LEH-Lieferanten BioFino in Niedersachsen. Das biologische Dosen-Programm der BESH steht den E-Center-Kunden ebenfalls zur Verfügung.

Bio-Süßwaren ist ein Thema, das im LEH nur eine kleine Rolle spielt. Schmitt engagiert sich hier überdurchschnittlich. Das Gepa-Schokoladen-Sortiment ist längst selbstverständlich geworden. Er hat zusätzlich Zotter breit und auffällig platziert. „Das funktioniert seht gut“, freut sich Schmitt. Der Aufbau wirkt edel und hochwertig.

Mit Gebäcken der Bio-Zentrale und Sesamstraße der Bohlsener Mühle zeigt er Bio-Kompetenz. Rösner Vertrieb aus Straubing ist mit Fruchtgummis und Bonbons präsent. Knabbergebäck von Praum, Dr. Karg und Huober prägen das anspruchsvolle Bio-Sortiment des Supermarktes. 

Bio-Teetrinker kommen nicht zu kurz

Die Bio-Teetrinker können auf ein breites und tiefes Sortiment von Yogi, Fruteg, Sonnentor und Lebensbaum zugreifen. Heiße Schokolade von Naturata ist ebenfalls erhältlich. Müsli ist das legendäre Bio-Frühstücksprodukt. Kölln, Bauck, Spielberger und Davert sorgen für ein reichhaltiges Angebot. Marmelade gehört auf den deutschen Frühstückstisch. Biologisch geht es mit der Premium-Marke Rigoni aus Italien. BioGourmet und Allos können die Kunden des E-Center in Fürth neben einigen weiteren Anbietern ebenfalls wählen.

Reiswaffeln sind in Bio ein wichtiges Produkt. Aus Bio-Zentrale, Edeka Bio und Byodo besteht die Auswahl. Bei den Brühen und Soßen gibt es die Würfel und Pulver von BioGourmet, Erntesegen und Feinfix.

Mit Bio-Tomatenprodukte von  Edeka Bio, La Selva, BioGourmet und Bio-Zentrale ist der Markt gut aufgestellt. Die mediterrane Pesto gibt es von BioGourmet, LaSelva und Byodo. Bio-Feinkost wird gut abgedeckt. Bei den Sauerkonserven ist die Industriemarke Hengstenberg mit ihren Bio-Artikeln vertreten, aber auch ein Demeter-Produzent wie Schweizer.

Teigwaren in Demeter-Qualität kommen von Seitz aus Baden-Württemberg. Von La Selva und di Gennaro führt der Markt conveniente Rissotto-Mischungen mit Gemüse. Backzutaten für die Heimbäckerei gehören zu einem runden Bio-Sortiment. Mehle und Griese sind Pflicht. Spezial-Produkte wie Reis-, Buchweizen, Kichererbsen und Sojamehl ermöglichen ein biologisches Backvergnügen für Allergiker.

Wein ist Vorzeige-Abteilung

Eine Vorzeigeabteilung ist der Wein mit 100 Bio-Tropfen. „Vor fünf Jahren haben wir angefangen, die Weinabteilung nach unseren Vorstellungen aufzubauen. Als Supermarkt mussten wir regelrecht Vorstellungsgespräche bei den Weingütern absolvieren, damit sie uns eine Kiste verkauft haben. Heute klopfen sie bei uns an“, erinnert sich Schmitt. Ähnlich ergeht es ihm mit Bio noch heute. Nicht alle und jeder will ihn beliefern. Auch da hofft er auf ein Umdenken der Lieferanten.  

Tiefkühlkost ist das Wachstumssegment der vergangenen Jahrzehnte im LEH. In den Supermärkten nimmt TK einen breiteren Raum ein. Für die Bio-Hersteller bedeutet das eine Chance, Platz zu bekommen. Im Fachhandel ist TK meist nicht so breit aufgestellt. Bio-Fisch von Deutsche See ist in den Truhen. Wagner Bio-Pizza hat sich etabliert. Die TK-Brötchen von Coppenrath & Wiese sind da.

Demeter Felderzeugnisse wird demnächst eingeführt. Bizzice war ein neues Produkt, das auf Anhieb erfolgreich war. Das hochwertige handgemachte Bio-Speiseeis wird in Frankfurt hergestellt. „Das ist prima, was die machen. Alle vier Wochen bestellen wir nach“, verrät der Inhaber.

Sommerzeit ist Getränkezeit. Biologisch können die Kunden des Fürther E-Centers ihren Durst mit Bionade aus der Rhön löschen. Ein regionales Produkt aus Franken. Die Now Limo von Neumarkter Lammsbräu hat keinen weiten Weg nach Fürth. Die sortenreinen Bio-Apfelsäfte von van Nahmen sind ebenso erhältlich wie die Rotbäckchen Säfte des Haus Rabenhorst. Mit den Beutelsbacher Fruchtsäften hat Marco Schmitt einen werbewirksamen Aufbau für Bio-Getränke gemacht.

In dem barrierefreien Markt macht der Bio-Einkauf Spaß. Schmitt hat ein überzeugendes Bio-Sortiment für den Supermarkt zusammengetragen.

Anton Großkinsky


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