Start / Ausgaben / BioPress 72 - August 2012 / Abo-Kisten perfekt organisiert

Abo-Kisten perfekt organisiert

Aarstiderne bringt flächendeckend Bio-Lebensmittel in dänische Haushalte

Svend Daverkosen ist Agrarökonom bei Aarstiderne, dem dänischen Abo-Kisten-Lieferanten. „Meine Aufgabe ist die Vermarktung“, umreißt Daverkosen seine Position. Sein Arbeitsplatz ist auf Gut Barritskov. 26.000 Kisten werden wöchentlich mit Bio-Lebensmitteln gepackt und nach ganz Dänemark verschickt. Das ist eine logistische Meisterleistung. 40.000 Kunden in Dänemark und 5.000 in Schweden stehen in der Datenbank des Unternehmens. Das System ist einmalig und sucht in dieser Dimension Vergleichbares auf dem deutschen Markt. Immerhin macht Aarstiderne auf dem kleinen dänischen Markt mit 5,5 Millionen Menschen einen zweistelligen Millionenumsatz in Euro. 

Zu Barritskov gehören 570 Hektar Wald und 300 Hektar Ackerland. Thomas Hartung übernahm das Gut 1984. Der Agrarökonom stellte sofort den Wald auf ökologische Bewirtschaftung um. Hartungs Bäume waren der erste FSC zertifizierte Wald im Königreich Dänemark. Irgendwann fragte sich der Gutsherr: „Warum kann ich das nicht auch auf dem Acker haben?“ So stellte er 1996 die Landwirtschaft um.

Bei einem Besuch in Riverford in England hatte er ein Abo-Kisten-System kennen gelernt. Dieses Modell hat der Argrarökonom auf Dänemark übertragen. Die Kunden mussten die Kisten allerdings auf Barritskov selbst abholen. Verkauft wurde das eigene Bio-Gemüse von Barritskov. Nach zweieinhalb Monaten war die dänische Gemüsesaison jedes Jahr vorbei und das Geschäft mit den Kisten ebenso.

Der Ökonom in Hartung sah, dass dieses Modell nicht trägt. „Was auf dem Hof produziert wird, reicht nicht. Wir müssen dazu kaufen, wenn wir gut sein wollen“, sagte er seinen Mitarbeitern. Zudem kaufte er einen Lastwagen und begann 1999 auszuliefern. 400 Kisten pro Woche fuhr das Gut in der Umgebung aus. 1.500 Kunden wollte Hartung für die Gemüse-Kisten begeistern. 2001 verließen bereits 20.000 Kisten pro Woche die Packstelle und reisten quer durch das Königreich. 2002 waren es bereits 24.000. „Dann hatten wir Gott sei Dank Stillstand. Heute sind es 26.000 Kisten“, berichtet Daverkosen.

Auf drei Höfen wird in der Zwischenzeit Gemüse angebaut. In Billeslund und Barrit in Jütland und in Krogerup auf Seeland nahe der Stadt Humlebäk. Das Packen der Kisten geschieht zentral in Barritskov. Von Sonntag bis Mittwoch wird in Barritskov Ware angeliefert. Am Freitag sind die Läger geräumt.

Aus 49 Ländern stammen die Produkte. Tomaten aus Spanien, Orangen aus Griechenland, Äpfel aus Südtirol, Erdbeeren aus Baden-Württemberg und Spargel aus Dänemark und aus Niedersachsen. Die Hälfte des Gemüses wird auf den eigenen Flächen von Aarstiderne angebaut. 95 Prozent der Ware stammt direkt von den Erzeugern.

„Die Großhändler arbeiten für Supermärkte. Für uns ist es besser, direkt von den Bauern zu beschaffen“, erklärt Daverkosen. 50 Gemüse-, 30 Obst-Sorten, Fleisch von Rind, Schwein und Geflügel sowie Milchprodukte sind im Sortiment. 100 Trockenprodukte von Teigwaren über Hülsenfrüchte bis Fleisch sorgen für einen abwechslungsreich gedeckten Tisch.

45 Standard-Kisten werden gepackt

Aus 45 Standard-Kisten kann der Kunde auswählen. Es gibt eine dogmatische Kiste, nur mit dänischen Produkten. Die reine Gemüsekiste wird traurige Kiste genannt. „Das ist wenig sexy“, meint Daverkosen. Es gibt eine Fruchtkiste nur mit Obst. Die gemischte Kiste enthält Obst, Gemüse und Trockenprodukte. Die Mahlzeiten Kisten enthalten Zutaten für komplette Gerichte. Die Rezepte werden mitgeliefert. Aus der schnellen Kiste kann in zwanzig Minuten ein Essen auf den Tisch gezaubert werden. Aarstiderne verpackt umweltfreundlich in Holzkisten. Die kühlpflichtigen Produkte werden in Styroporkisten mit Eis verpackt.

Die Größe der einzelnen Kisten ist verschieden und reicht von einer bis vier Personen für ein bis drei Tage. 30 Prozent sind heute Mahlzeiten-Kisten. Vor zwei Jahren waren es nur sechs Prozent. Die Preise beginnen bei 15 Euro für eine kleine Gemüsekiste  und gehen bis 90 Euro für eine Mahlzeiten-Kiste für mehrere Personen.

Acht Kühllager sind über das Land verteilt. Selbstverständlich befindet sich eines davon in der Hauptstadt Kopenhagen. Vom Barritskov geht die kommissionierte Ware zu den einzelnen Lägern und von diesen Plattformen wird sie dann an die Haushalte verteilt. Zu 60 Prozent beinhalten die Abokisten Fleisch, zu 40 Prozent pflanzliche Nahrung. Aarstiderne wünscht sich einen Kunden, der zu 80 Prozent pflanzliche Nahrung bestellt. Die Essgewohnheiten der Bio-Verbraucher in Dänemark sind aber etwas anders.

Die Kisten sind aus umweltfreundlichem Holz, wie es sich für ein Unternehmen mit Waldbesitz geziemt. Nach mehreren Umläufen werden die alten Kisten per Pyrolyse verwertet. Gas und Kohle entstehen bei dem Verbrennungsprozess mit 1.200 Grad. Mit dem Gas wird geheizt und aus der Wärme mit einem Stirling-Motor Strom erzeugt. 65 Prozent des Eigen-Bedarfs erzeugt Aarstiderne selbst. Das ganze System ist eine runde Sache und wirkt nahezu perfekt.

Eigener Anbau mit tollem Hofladen

In Humlebäk auf  Seeland betreibt Aarstiderne das öffentlich zugängliche Gut Krogerup. 45.000 Besucher pilgern jährlich auf den Bio-Hof. „Dort wird Bio zelebriert“, sagt Daverkosen. Es wird nicht nur Obst und Gemüse angebaut. Informationen und Wissen über biologische Landwirtschaft wird weitergegeben. 50 Gärten für Kinder sind angelegt. 41 Schulen und sechs Kindergärten beteiligen sich an dem Programm.

Die Schüler haben Unterricht im Freien, bauen Gemüse an, ernten es und nehmen es mit nach Hause. In den Tüten bekommen sie Kochrezepte mit. „Die Kinder lernen sehr gut, wenn sie draußen sind“, berichtet Mogens Biune, Marketing-Berater von Aarstiderne. Thomas Hartung informiert hier anschaulich über Ökologie. „Hartung will die Welt verbessern. Aber trotzdem gelten die Gesetze der Wirtschaftlichkeit. Hier wird Geld verdient, aber keine Gewinnmaximierung betrieben“, erläutert Mogens Biune das System. Rund 25 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet das Unternehmen jährlich.

Ein Aushängeschild ist die Gardbutik (Hofladen) von Krogerup (u.). Der Laden ist ein wahres Gemüseparadies. Frische und Aussehen verblüffen. Die Präsentation ist einfach, übersichtlich und wirkungsvoll. Die Früchte des Feldes sprechen für sich ohne Spiegel und Beleuchtungseffekte. Die Atmosphäre ähnelt einem überdachten Wochenmarkt. Möhren werden im Bund mit dem Grün verkauft. Das wirkt natürlicher als in Plastikschalen.

Betriebsleiter Frank van Beek zeigt im Hofladen die grüne Kompetenz des Unternehmens. Auf 50 Hektar wird Gemüse angebaut. Natürlich kommt nicht alles im Laden vom Hof. Bio-Lieferanten wie Brio aus Italien oder Eosta aus den Niederlanden sorgen für Ware, die in Skandinavien nicht wächst oder aktuell keine Saison hat.

Anton Großkinsky


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