Start / Ausgaben / BioPress 72 - August 2012 / Gute Gründe für Bio in Dänemark

Gute Gründe für Bio in Dänemark

bioPress im Interview mit dänischer Landwirtschaftsministerin

Anlässlich der bioPress Redaktionsreise zur dänischen Vermarktungsgesellschaft Bio aus Dänemark hat die dänische Landwirtschaftsministerin Mette Gjerskov im Interview mit bioPress-Herausgeber Erich Margrander interessante Einsichten in die dänische Bio-Seele offenbart.

bioPress: Bio-Lebensmittel werden ausschließlich im Ökolandbau (außer Fisch) produziert. Im Ökolandbau gibt es keinen Einsatz von chemischen Düngemitteln, weil nach gängiger Meinung dadurch das Bodenleben nachhaltig gestört und die Bodenerosion begünstigt wird bis hin zur Unfruchtbarkeit der Böden und Rückstände der Agrarchemie in den Lebensmitteln die Gesundheit der Bevölkerung schädigen. Wie stark ist das Bewusstsein über diese Fragen bei den dänischen Verbrauchern verankert?

Mette Gjerskov: Es gibt noch keine detaillierte Analyse des dänischen Verbraucher-Bewusstseins für diese Themen. Ich bin jedoch der Überzeugung, dass, wenn ein dänischer Verbraucher ein Bio-Produkt wählt, insbesondere die folgenden Gründe eine wichtige Rolle spielen:

  • Bio-Bauern verwenden keine Chemikalien in der Landwirtschaft, welche die    Umwelt schädigen können.

  • Bio-Lebensmittel enthalten keine Rückstände von Pestiziden und Antibiotika.

  • Bio-Tiere erfreuen sich eines besseren Wohlergehens als konventionelle Tiere.

Wenn man Bio-Produkte kauft, so ist das die beste Garantie gegen GVO.

bioPress: In Dänemark gibt es - unserer Kenntnis nach – traditionell keine Düngemittel-Produktion. Somit müssen Düngemittel eingeführt werden. Wie groß ist der Einsatz von Düngemitteln in der dänischen Landwirtschaft?

Und ist die frühe Hinwendung zur Bioproduktion in Dänemark auch dem Umstand zu verdanken, dass die Düngemittel eingeführt werden müssen?

Mette Gjerskov: Der jährliche Verbrauch mineralischer Dünger in Dänemark liegt bei etwa 850.000 Tonnen. Fast alles wird importiert. Man ist nicht der Ansicht, dass die Herkunft der Düngemittel die Entscheidung über die Umstellung auf ökologischen Landbau beeinflusst (hat).

bioPress: Dänische Lebensmittel haben den Ruf besonders guter Qualität und sind daher auch ein Exportschlager. Gibt es Wechselwirkungen zwischen Qualitätsanspruch und Bioprodukten aus Dänemark?

Mette Gjerskov: Dänemark ist ein Bauernland und hat eine lange Tradition der Produktion hochwertiger Lebensmittel und auch eine umfangreiche Erfahrung im Lebensmittel-Export, vor allem bei Fleisch-und Milchprodukten. Bio-Lebensmittel aus Dänemark stehen im Einklang mit dieser Tradition. Der Markt für Bio-Lebensmittel spiegelt den hohen Marktanteil von sieben Prozent im Einzelhandel wider und auch, dass Bio-Lebensmittel nicht länger ein Nischenprodukt sind, sondern ein gut etablierter Teil des Sortiments in den dänischen Supermärkten. Damit zeigen sich auch die hohen Erwartungen der Bio-Verbraucher und dass Bio-Produkte Seite an Seite im Wettbewerb mit konventionellen Alternativen stehen.

bioPress: Bio-Produkte sind im dänischen Lebensmittelhandel (Supermärkten) flächendeckend präsent. Wurde die Zusammenarbeit für Bioprodukte zwischen Landwirten, Herstellern und Handel moderiert oder hat sich der Markt von allein ausgebildet?

Mette Gjerskov: Es hat eine einzigartige Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren auf dem Markt einschließlich der Behörden gegeben mit dem Ziel, die biologische Landwirtschaft zu entwickeln. Die erste nationale Verordnung für den ökologischen Landbau geht zurück auf die 1980er Jahre, und die Strategie war eine marktorientierte Entwicklung des Bio-Sektors. Bestimmte Teile des Einzelhandels bevorzugten die Bio-Produkte bei ihren Vermarktungsstrategien in den 1990er Jahren.

Ein Supermarkt zum Beispiel startete eine Kampagne für Bio- Produkte, wo der Gewinn umverteilt wurde, um neue Bio-Bauern zu unterstützen. Heute werden Bio-Produkte stark von den meisten Supermärkten vertrieben, um ein grünes Image zu schaffen, und die Verbraucher erwarten auch, dass sie Bio-Produkte vorfinden dort, wo sie normalerweise einkaufen. 

bioPress: Gibt es irgendwelche Erzeugergemeinschaften mit starken Verhandlungspositionen?

Mette Gjerskov: Die Struktur besteht aus vielen kleinen Bio-Produzenten, die ihre Produkte direkt an die Supermärkte verkaufen und aus ein paar großen Produzenten wie Arla und Danæg.

bioPress: Sind (Bio-/Öko-) Verbände daran beteiligt?

Mette Gjerskov: Die Bio-Bauern sind gut in verschiedenen Organisationen organisiert; die größte ist Organic Denmark, die deren Interesse im Allgemeinen repräsentiert. Es gibt eine sehr enge Zusammenarbeit zwischen den Behörden und den Bio-Bauern, was für eine dynamische Entwicklung wichtig ist. Aber sie sind auch in den großen von Produzenten betriebenen Molkereien und Schlachthöfen mit einbezogen.

bioPress: Wird staatliche Unterstützung für Vermarktungsprojekte geboten?

Mette Gjerskov: Es gibt Unterstützung für verschiedene Maßnahmen im Hinblick auf die allgemeine Entwicklung des Bio-Landbaus, auf die Export-Aktivitäten und neue Bio-Bauern. Der Schwerpunkt liegt immer auf einer fairen und marktgerechten Entwicklung des Bio-Sektors, was bedeutet, dass wir keine bestimmten Produkte oder Betriebe fördern. Aber durch gezielte Projekte und Initiativen von größerem Ausmaß geben wir Unterstützung und versuchen, allseitig die Motivation für einen weiteren Anstieg der Nachfrage nach Bio-Produkten zu bewirken.


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