Start / Ausgaben / BioPress 72 - August 2012 / Relaunch von Rinatura zahlt sich aus

Relaunch von Rinatura zahlt sich aus

Rila Bio-LEH-Marke mit modernem Gesicht

Rila aus Stemwede-Levern in Nordrhein-Westfalen ist mit der Marke Rinatura ein bedeutender Bio-Lieferant für den LEH. Die Dachmarke bietet dem Lebensmitteleinzelhandel aktuell 154 Artikel. Ursprünglich ein Reformhaus im Supermarkt wandelte sich Rinatura zum Bio-Sortiment für den LEH. 2010 erlebte die Marke einen Relaunch: Aus Rinatura Bio-Vollwertkost wurde Rinatura Bio. Die Umsatzzahlen schnellten um zehn Prozent in die Höhe.

Levern, Ortsteil der Gemeinde Stemwede in Ostwestfalen, liegt Mitten in einer grünen Landschaft. Am Ortsrand erhebt sich der Industriebau von Rila. Hier sitzen die Verwaltung und die Logistik, Herz und Kopf des Unternehmens.

940 Produkte aus aller Welt werden per LKW angeliefert und an den deutschen Lebensmitteleinzelhandel verteilt. Das Familienunternehmen betreibt Produktionsstandorte in Kaltenkirchen/Schleswig-Holstein, Griechenland und Chile.

Rila beschafft überwiegend Ländersortimente für den LEH. Lebensmittel aus Griechenland, Spanien, Italien, Frankreich und Indien werden unter anderem importiert.

Von Vollwert zu Bio entwickelt

Schöpferin Ursula Richter hat 1983 mit Rinatura das Reformhaus für den Supermarkt entwickelt. Im Lauf der Jahre stellten die Westfalen immer mehr Produkte aus Bio-Rohstoffen her. Mehr mediterrane Produkte, Feinkost und Convenience gesellten sich dazu. So wie es dem heutigen Kaufverhalten entspricht. Das Sortiment ist vegetarisch außer der gekörnten Bio-Hühnerbrühe im Glas.

Optisch war Rinatura in die Jahre gekommen und wirkte ein wenig verstaubt. 2010 kam der neue Auftritt. Aus Rinatura Bio-Vollwertkost ist  Rinatura Bio geworden. Die Verpackungen wurden neu gestaltet. Rinatura macht mit markanter Typografie auf sich aufmerksam. Ein Charakteristikum des Produkts wie handgemacht wird auf dem Etikett genannt. Ein kulinarisches Foto signalisiert die  Ausrichtung.

Mit einem neuen Design trifft Rinatura wieder den Zeitgeist des aktuellen Supermarkt-Kunden. Sahen die Verpackungen vorher nach gesunder vegetarischer Reformkost aus, steht die neue Anmutung für Bio. „Im Mittelpunkt von Rinatura Bio steht der Genuss“, teilt Richter mit. Der Relaunch hat sich ausgezahlt. „Der neue Auftritt kommt gut an bei den Kunden. Die Marke hatte 2011 zehn Prozent Umsatzplus zu verzeichnen.

Produkte für den ganzen Tag

Das Trockensortiment deckt einige Warengruppe ab. Öle sind eine Stärke von Rila. Bei den Ölen gibt es einige nicht Bio-Produkte. Kaltgepresst sind alle. Preisgrenzen und Verfügbarkeit setzen hier im LEH Grenzen. Aufstriche, Pesto, Teigwaren zählen zu den Stärken im Sortiment. Zu Frühstück, Mittagessen, Zwischenmahlzeit und Abendbrot passen Rinatura-Produkte. Dazu gibt es Desserts.

Müsli decken das Frühstück ab. Neben den Standard-Sorten wie Schoko-,  und Basis-Müsli bietet Rinatura auch Crunchy, gebackenes Müsli an. Das Früchtemüsli weist 40 Prozent Fruchtanteil auf. Gegenüber 30prozentigen ist ein höherer Preis für wertvollere Zutaten gerechtfertigt. Das Basis-Müsli kann mit Trockenfrüchten wie Rosinen, Pflaumen, Datteln, Apfel, Kokos und Banane selbst verfeinert und mit Ahorn-Sirup, Agaven-Dicksaft und Birnen-Dicksaft alternativ gesüßt werden. Brotaufstriche wie zum Beispiel Erdnuss-Creme bereichern den Frühstückstisch.

Für den Mittagstisch gibt es die Suppen Weißkraut und Tomate. Tomaten und Basilikum-Pesto geben zusammen mit den Teigwaren einen Gang. Getreidebratlinge sind ebenso erhältlich. Backwaren sind Pflichtbestandteil eines Bio-Trockensortiments süß bis herzhaft führt Rinatura, etwa das Knusperbrot mit Käse und Kürbiskernen.

Bei den Süßmitteln setzt Rinatura auf Alternativen zum weißen Zucker. Vollrohr und Birnen-Apfel-Kraut sowie Rüben-Apfel-Kraut sprechen den ernährungsbewussten Verbraucher an. Die Sirupe können auch als Aufstrich verwendet werden.

Regelmäßig führt das Unternehmen neue Produkte ein. Zur BioFach kamen die zwei Gebäcke Butter-Mandel und Kokos-Ingwer aus Dinkel-Vollkornmehl im 100-Gramm-Standbeutel auf den Markt. Das Dauergebäck versüßt die Kaffeepause. „Reiswaffeln zählen nach wie vor zu den Rennern. Bei Brotaufstrichen sind wir stark und bei den Ölen“; nennt Richter die Schnelldreher.

Rinatura hält mit 154 Artikeln einen zweistelligen Anteil am Rila-Umsatz von 75 Millionen Euro. 19 der 154 Bio-Produkte stammen aus eigener Produktion. Das entspricht zwölf Prozent. 

Rila vertreibt auch die Marke Johann Lafer. Mit einem italienischen Olivenöl hat der Sternekoch ein Bio-Produkt in sein Sortiment aufgenommen. „Johann Lafer nimmt das ernst und kümmert sich persönlich um die Produkte“, teilt Richter mit. Das Olivenöl extra nativ aus dem Südosten von Sizilien hat beim bioPress Top25 Olivenöl-Test gut abgeschnitten: Erste Qualitätskategorie (ab acht Punkte).

Zu den Besonderheiten von Rinatura zählt die Warenkunde auf einen Blick mit Piktogrammen. Sie stehen für glutenfrei, lactosefrei, eifrei, ohne Nüsse, ohne Zuckerzusatz und vegetarisch. Kalorienbewussten wird der Wert angezeigt. Ballaststoffe werden ebenfalls mit einem Zeichen ausgewiesen. Diese leicht verständliche Kennzeichnung erfand Rila vor 20 Jahren. Ernährungsbewusste bekommen ohne langes Studium von Zutatenlisten einen schnellen Überblick.

Bio profitiert von rationeller Logistik

Für den LEH gibt es genügend Sortimente in Bio-Qualität. Oft scheitert der Marktzugang an der  Logistik, weil der Weg in den Handel fehlt. Rila verfügt über eine mächtige Logistik am Sitz in Stemwede. Das Gros der Ware kommt auf Palette. Aus Übersee wird im Container angeliefert und dann im Lager auf Palette umgepackt. Ein voll durchdachter Automatismus vereinnahmt die Paletten ins Hochregal-Lager. 6.800 Paletten-Stellplätze stehen zur Verfügung.

Stapler-Roboter fahren unbemannt auf vorgegebenen Straßen und beachten alle Hindernisse selbstständig. Die Software ist ausgeklügelt bis ins Detail. So wird häufig benötigte Ware nach dem ABC-System vorne platziert, seltener benötigte auf den hinteren Plätzen. Die Software selbst errechnet den A, B oder C-Status der Artikel. Eine Fehlerstatistik gehört ebenfalls dazu. Ein Lieferant der öfter falsch packt, wird so ausgemacht.

Ausgelagert wird ebenfalls wieder automatisch zur Kommissionierung. Zuerst liefert der Roboter die Paletten in einer Vorkommissionierung ab. Die Lagermitarbeiter bekommen hier die Aufträge über Kopfhörer. Pick-by-Voice heißt das System. Die Kartons laufen dann auf Förderbändern an die Packstationen. Die Reihenfolge ist automatisch festgelegt. Schwere Kartons laufen zuerst auf und landen so auf der Palette unten.

An 21 Stellplätzen wird die vorkommissionierte Ware in Handarbeit auf Paletten gepackt. Auch hier führt der Automatismus die Regie, die Mitarbeiter folgen der vorgegebenen Logik und erreichen dabei eine hohe Produktivität. Lieferschein Drucken und Aufkleben, sowie Verpacken in Folie erledigt dann ein Automat. Die Fehlerquote liegt bei  traumhaften 0,01 Prozent.

Auf Zentrallager und auf Strecke liefert das Familienunternehmen. Streckenlieferung ist die anspruchsvollere Variante. Da gibt es keine sortenreinen Paletten wie zum Teil für die Zentralläger. Die Schnelldreher nimmt der Handel ins Zentrallager. Die Spezialitäten gehen auf Strecke. Mit einer Mischung aus eigenem Fuhrpark und Spediteuren geht die Ware auf die Reise.

Rinatura Bio ist in die Logistik integriert. Somit kann Rila den deutschen LEH flächendeckend mit seinem Bio-Sortiment beliefern. Die rationelle Logistik der Westfalen hält die Kosten in Grenzen. Der Kunde zahlt nicht die aufwändige Struktur, sondern die Ware. „2002 haben wir das hochtechnisierte Logistikzentrum eröffnet. Wir haben 5,5 Millionen Euro reingesteckt. Das war die größte Investition in der Firmengeschichte“, berichtet Geschäftsführer Bernd Richter.

Auf dem Firmengelände können Besucher Rila Erleben. So heißt das Besucher-Zentrum, das Firmengründer und Gärtner Helmut Richter geschaffen hat. Der Weg zum Eingang führt die Besucher durch einen japanischen Garten. Im Erdgeschoss wird im Werksverkauf die Rila-Feinkostwelt einschließlich Rinatura Bio in Szene gesetzt. Neben dem Werksverkauf gibt es auf zwei Ebenen Gastronomie. Ein gemütliches Restaurant im Keller und ein nobles in der ersten Etage.

Im Obergeschoss hat das Restaurant Rontondo an sechs Tagen der Woche geöffnet. Gekocht wird dort auf gehobenem Niveau. Der Rundbau mit Glas-Fronten gewährt Aussicht  auf die Landschaft  und die Gärten vor dem Gebäude. Firmengründer Helmut Richter hat  hier Gärten der Sinne erschaffen. Die Besucher erleben Italien, Griechenland und Afrika. Der griechische Garten beherbergt ein Amphitheater für 200 Personen. Ein Kinderpark macht die Gärten auch für den Nachwuchs interessant.

Anton Großkinsky


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