Start / Ausgaben / BioPress 72 - August 2012 / Bio-Erfrischungsgetränke

Bio-Erfrischungsgetränke

Erfrischend, prickelnd, modern und mit Mehrwert

Das Angebot an alkoholfreien Bio-Erfrischungsgetränken reicht von Schorlen, Limonaden und Fermentgetränken über Eistee bis zu Energy­-drinks. Immer mehr Verbrauchergruppen werden angesprochen. Neben einer wachsenden Zahl an fermentierten Erfrischungsgetränken kommen auch vermehrt Cola-Varianten auf den Markt.

Während sich konventionelle alkoholfreie Erfrischungsgetränke noch oft als reine Mixturen aus Zucker und Aromastoffen entpuppen und teils mit Chinin, Taurin und ähnlichem aufgepeppt werden, haben bei Bio-Produkten echte Fruchtsäfte, Extrakte oder Tee Priorität. Gesüßt wird zwar ebenfalls, doch meist mit Rohrzucker oder mildem Agavendicksaft.

Bei eventuell zugesetzten Aromen handelt es sich in der Regel um hochwertige, gentechnikfrei hergestellte Bio-Aromen. Den Markt teilen sich Keltereien und Brauereien, die in Bio-Erfrischungsgetränken eine stimmige Ergänzung zum übrigen Sortiment gefunden haben, sowie eine Gruppe spezialisierter Unternehmen.

Fermentierte Erfrischungsgetränke sind in

Es waren Brauer, die Malz nicht nur als perfekt geeignet für die Bierproduktion, sondern auch für die Herstellung von leicht herben, kohlensäurehaltigen  Erfrischungsgetränken entdeckten. Bei Verbrauchern sehr beliebt, gibt es heute ebenso im Bio- wie im konventionellen Bereich ein wachsendes Angebot. Vollreif geerntete Früchte aus ökologischem Anbau klar nachvollziehbarer Herkunft und ehrliche Rezepturen sprechen für Bio.

„Erfrischungsgetränke für bewusst konsumierende Verbraucher, die auf Nachhaltigkeit und gesunde Erfrischung Wert legen, liegen im Trend“, stellte  auch Roland Tobias, Paulaner Brauerei Gruppe, anlässlich der Vertriebsausweitung der Marke Bios auf ganz Deutschland fest.

Während die Nordmann Unternehmensgruppe als Markeninhaber die alkoholfrei gebrauten Erfrischungen weiterhin in den nördlichen Bundesländern vertreibt, übernimmt die Paulaner mit ihrer Tochterfirma Bios Süd die Versorgung des übrigen Bundesgebietes.

Zur Auswahl stehen die Geschmacksrichtungen Holunder Traube, Lemon Grass, Apfel und Ingwer, über Nordmann zusätzlich die neue Sorte Cola. Im Gegensatz zu den meisten Mitbewerbern wird bei den fruchtigen Sorten vollständig  auf einen Zusatz von Zucker verzichtet.

Die fruchtige Süße entstammt allein den Biofrüchten – der Fruchtanteil beträgt bis zu 38 Prozent – und dem Malz, womit Bios sogar als kalorienarm bezeichnet werden darf.

Ebenso wie Bios liegt auch den Marken Seezüngle und Bionade eine Vollfermentation zugrunde. Bio-Gerstenmalz und Saft werden also tatsächlich statt mit Hefe durch bestimmte Bakterienkulturen biologisch fermentiert.

Die beiden Marken lassen sich zugleich als Beispiel für eine verantwortungsvolle Beschaffung der Zutaten heranziehen. So setzt die traditionsreiche Brauerei Clemens Härle in Leutkirch für ihre drei Sorten SeeZüngle (Träuble, Kirsche und Birne) gezielt heimische Früchte vom Bodensee,  oberschwäbische Gerste und Wasser der Adelegg ein.

Für zusätzliches Vertrauen sorgt das Bioland-Siegel, das auch auf den originellen Bügelflaschen abgebildet ist. Vor allem in den konventionellen Vertriebskanälen habe sich der Absatz gut entwickelt. Rund zwei Drittel vertreibe man bereits über den LEH, Getränkefachhandel und Gastronomie, heißt es bei Härle.

Eine ähnliche Philosophie verfolgt  Bionade. Das Vertriebsnetz ist noch breiter. Für die Geschmacksrichtung Holunder, Kräuter oder Quitte, will das Unternehmen vor Ort den ökologischen Landbau fördern und bezieht daher möglichst viele Rohstoffe aus der Rhön und dem angrenzenden Unterfranken. Die weiteren kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränke mit Malzwürze im Regal stellen eher aromatisch abgestimmte Mischungen dar. Nicht nur optisch ist der Übergang zu Limonaden fließend.

Modern präsentieren sich die drei neuen Pure-Getränke der Riedenburger Brauerei. Die schlichten Etiketten auf den typischen schlanken Longneckflaschen verraten die Bio-Qualität erst bei genauerem Hinsehen. So will die Familienbrauerei, die wie Härle Bioland-Partner ist, ihren Anspruch nach Authentizität verdeutlichen.

Zu den Besonderheiten der Pure-Getränke gehört, dass Braumeister Krieger wertvolles Dinkelmalz einsetzt und das Aroma der Sorten Holunder-Ingwer, Kirsche-Aronia und Bitter-Orange mit Agavendicksaft und Saftkonzentraten abrundet.

Schorle und Limo – jetzt inklusive Cola

Klassische Schorlen und Limonaden bilden weiterhin den Schwerpunkt im Bio-Bereich, unabhängig vom Erfolg der Fermentgetränke. Hier sind es vor allem die Saft-Keltereien, die damit weitere, nicht zuletzt jüngere und sportorientierte Zielgruppen ansprechen. Teilweise richtet sich das Angebot primär an Kinder, wie bei den seit April 2012 auf dem Markt befindlichen Bio-Erfrischungsgetränken Now clever.

Neumarkter Lammsbräu arbeitet bei den kalorienarmen Getränken ohne Kohlensäure und süßt nur mit Agavendicksaft. Zur Auswahl stehen derzeit ­die Geschmacksrichtungen Orange Mango und Apfel-Aronia, die zum einen in der 0,33 Liter Glas-Mehrwegflasche  und für unterwegs im handlichen TetraPack angeboten werden.

Now clever ergänzt die bisherigen now-Erfrischungsgetränke mit Kohlensäure. Derzeit sind sieben Geschmacksrichtungen erhältlich, zwei weitere verspricht Lammsbräu spätestens zur BioFach.

Es fällt auf, dass immer mehr Bio-Anbieter eine Cola oder Cola-Mixgetränke in ihr Sortiment aufnehmen: Bios und Now, aber auch Beutelsbacher, Naturfrisk aus Dänemark, Isalpa aus Italien, Vitamont aus Frankreich und andere. Phosphorsäure ist bei Bio generell tabu, ansonsten gibt es bei der Rezeptur je nach Hersteller durchaus Unterschiede.

Die zwei Cola-Getränke von Neumarkter Lammsbräu enthalten Coffein aus der Guarana-Liane. Zusätzlich verwenden sie etwas Cola-Aroma, welches auch bei den koffeinfreien Varianten von Bios und Naturfrisk zum Einsatz kommt. Besonders aufwändig gestaltet sich die Rezeptur der Isis-Cola von Beutelsbacher, wo neben Guarana noch Limette, Vanilleschote, Zimt, Muskatnuss und Colanüsse zum klassischen Geschmack beitragen. Insgesamt bietet die etablierte Kelterei sechs prickelnde Sorten mit Kohlensäure sowie zwei stille Eistees unter der Marke an.

Abgefüllt sind sie in Longneckflaschen mit Schraubverschluss, ein Großteil zusätzlich in großen Flaschen. Erfrischung garantieren außerdem vier abwechslungsreiche Direktsaft-Schorlen, beispielsweise Frizzante Quitte oder Birne Rosé, sowie Kombucha. Das mit dem Kombucha-Pilz fermentierte Teegetränk ist als Vital- wie als Wellness-Erfrischungetränk etabliert.

Breit aufgestellt bei Schorlen und Limonaden ist der Holderhof aus der Schweiz. Landwirt Christof Schenk hat vor einigen Jahren mit Holunderblütenwein für Restaurants in der Umgebung begonnen, sein Sortiment aber rasch ausgeweitet. Zum Sortiment zählen diverse Erfrischungsgetränke, Eistees und Schorlen in PET-Flaschen. 

Beim Holderhof findet man neben der bekannten Apfel-Schorle auch die intensiv fruchtige, dunkle Sorte Cassis-Himbeer und eine aparte Rhabarber-Schorle. Die verwendeten Früchte, Blüten und Kräuter, vor allem natürlich der Holunder, wachsen überwiegend auf eigenen Feldern. Unter anderem stammen die Rewe Bio-Schorlen in Naturland-Qualität vom Holderhof. Schenk schätzt, dass rund 70 Prozent seiner Bio-Getränke nach Deutschland gehen, zum Beispiel zu Feneberg, Rewe oder tegut.

Die allseits beliebten Mixgetränke aus Mineralwasser und Fruchtsäften gehören auch zum Angebot von Voelkel, deren fünf Sorten alle auf heimischen Äpfeln basieren. Mit der sogenannten „Lieblingsschorle“ aus geschmacksintensiven roten Früchten (55 Prozent Fruchtsaftgehalt) unter der Marke Rotbäckchen richtet sich Rabenhorst gezielt an Kinder beziehungsweise de-ren Eltern.

In diesem Jahr begeht der Rotbäckchen-Kindersaft seinen 60.Geburtstag. In diesem Zusammenhang macht das Unternehmen mit Aktionen wie Gewinnspielen oder TV-Spots auf sich aufmerksam.
Daneben gehören auch die Erfrischungstränke der Marke Bioborn zum Portefolio von Rabenhorst. Anders als die Rotbäckchen-Schorle sind die in Braunglasflaschen abgefüllten Bioborn-Getränke bislang nicht im konventionellen LEH zu finden.

Neu und Fair

Immer mehr Verbraucher möchten gesunden Genuss mit sozialem Engagement verbinden. Diese sind bei Le­-mon­Aid und Baobab Social Business an der richtigen Stelle. Die prickelnden Boala-Erfrischungsgetränke von Baobab stellen zugleich eine wahre Innovation auf dem europäischen Markt dar, da sie als Hauptzutat Extrakte der afrikanischen Baobab-Frucht enthalten. Den fruchtig-herben Geschmack runden je nach Sorte mal Mango und mal Kirschsaft ab.

Die Früchte des Affenbrotbaumes stellen in Afrika schon seit Jahrtausenden eine wichtige Nährstoffquelle dar. Jetzt könnte sich daraus auch eine ökonomische Chance entwickeln, hofft man bei Baobab Social Business. Die Organisation setzt sich einerseits für faire, ökologische und nachhaltige Handelsformen in Ländern mit Entwicklungsbedarf ein. Andererseits betreibt sie Aufklärungsarbeit bei Produzenten oder Konsumenten und informiert über die Ziele des fairen Handels.

Das Start-Up Unternehmen LemonAid Beverages will gleichfalls durch den Verkauf von fairen Limonaden und jetzt auch Eistees den sozialen Wandel aktiv mitgestalten. Von daher stammen die Direktsäfte für die beiden Le­­monAid-Sorten (Limette, Passionsfrucht, Mango und Maracuja) ebenso wie der Rohrzucker aus fairem Handel. Die Rohstoffe für die drei ChariTeas sind Schwarzer-, Grüner- und Rooibos-Tee sowie Agavendicksaft oder Honig. Mit dem Gewinn unterstützt LemonAid Projekte in den Ursprungsländern Brasilien und Paraguay sowie Sri Lanka und Südafrika.

Flexibilität bei den Verpackungen

Die Vielfalt in punkto Angebotsform nimmt zu. Nach wie vor überwiegen Mehrweg-Glasflaschen, die zugleich eine negative Beeinflussung des Geschmacks verhindern. Viele Hersteller füllen ihre Erfrischungsgetränke dabei in modernen 0,33 Liter Longneckflaschen  ab. Andere sorgen mit einer ungewöhnlichen Flaschenform für den Wiedererkennungswert.

Daneben finden sich zunehmend auch leichte PET-Flaschen (pfandfrei u.a. bei Rotbäckchen- und Holderhof-Schorlen), TetraPacks (Now clever) oder wiederverschließ­bare, pfandfreie Trinkpacks, wie sie die Deutsche SiSi Werke bei ihrer Capri-Sonne Bio-Schorle einsetzt.

Bisher im Bio-Bereich wenig erfolgreich, kommen jetzt sogar einige Erfrischungsgetränke in schlanken Aluminiumdosen in den Handel. Da­zu zählen unter anderem der Energydrink Alpenyod’l vom Holderhof, die Marke IXSO von Bodengraf aus Österreich oder die fünf kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränke von Whole Earth.

IXSO gehört zu den anfangs erwähnten Getränken aus Gerstenmalz, Fruchtsaft und Rohrzucker. IXSO kommt nach eigenen Angaben mit weniger als ein Prozent Rohr- zucker zum Süßen aus. Ne­ben der Sorte für Erwachsene mit natürlichem Koffein­aro­ma, bietet Bodengraf auch die koffeinfreie Variante IXSO Kids an. So könnten auch Kinder in den Genuss eines cool aussehenden, aber natürlichen Erfrischungsgetränks kom­men, heißt es.

Die Abfüllung in der Aluminiumdose begründet Bodengraf damit, dass das Metall leicht und recyclebar, luft- und lichtdicht ist. Ebenfalls nicht zu vernachlässigen ist die Tatsache, dass Dosen genau wie PET gute Mitnahmeartikel sind. So wird der Alpenyod’l Bio-Energy Drink nicht nur im Lebensmittelhandel, sondern auch bei Tankstellen angeboten. Ein neuer Markt für Bio-Erfrischungsgetränke?

Bettina Pabel


Ticker Anzeigen