Start / Business / Themen / Events / Bio-Bauern begutachten Sortenversuch

Getreide

Bio-Bauern begutachten Sortenversuch

Ertrag und Qualität sind bei Getreide und Leguminosen gefragt

Rund 100 Bio-Bauern aus den Regionen Hohenlohe und Franken trafen sich, um die aktuellen Ergebnisse der Öko-Landessortenversuche zu erfahren und sich über Ertrag und Qualität verschiedener Getreide- und Körnerlegminosen- Sorten auszutauschen.

Auf den Feldern des Demeter-Betriebs von Johanna Faure in Crailsheim-Beuerlbach stehen die vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) und von Reiner Schmidt vom Beratungsdienst Ökolandbau Schwäbisch Hall. angelegten Sortenversuche mit Sojabohnen, Futtererbsen, Ackerbohnen, Winterweizen, Dinkel, Roggen, Einkorn und Emmer. Bereits seit 20 Jahren werden diese Sortenversuche auf Demeter-Betrieben in Hohenlohe durchgeführt. Auf den Flächen von Johanna Faure stehen die Versuche im dritten Jahr.

Ziel dieser Versuche ist es, herauszufinden, welche Sorten unter dem System des Ökolandbaus die besten Ergebnisse hinsichtlich Ertrag und Qualität erzielen. Dazu wird jede Sorte in vier Parzellen à 15 Quadratmetern angebaut. Die vom LTZ-Augustenberg koordinierten Öko-Landessortenversuche stehen noch an weiteren drei Standorten in Baden-Württemberg.

 „Es geht nicht nur darum dass die Sorten den Ansprüchen der Biobauern im praktischen Anbau genügen, sie müssen auch den Qualitätsansprüchen im Ökobereich gerecht werden“, betonte der Berater vom Ökolandbau Schwäbisch Hall.  Auf einer gemeinsamen Feldbegehung führte Reiner Schmidt durch die verschiedenen Sorten der einzelnen Kulturarten und erläuterte anhand der Ergebnisse der letzten drei  Jahre Stärken und Schwächen: Zum Beispiel ist beim Weizen neben dem Ertrag die Backqualität von besonderer Bedeutung. Oft ist ein hoher Weizenertrag mit einer schlechteren Backqualität verbunden. Hier zeigten vor allem die biodynamischen Züchtungen sowohl gute Erträge als auch sehr gute Backqualitäten.

Auf  besonderes Interesse der Bauern stieß die Winterhärte der einzelnen Sorten, da sie in diesem Jahr den Weizen wegen der Kahlfröste im Winter neu aussäen mussten. Hier zeigten sich deutliche Unterschiede: Besonders die Sorten des biodynamischen Züchters
Harmut Spieß vom Dottenfelderhof bei Frankfurt vertrugen diese extremen Kahlfröste im Februar am besten. Für die Bauern ist zudem das optische Bild der einzelnen Sorten ein wichtiges Kriterium – wie lang ist die Pflanze, ist sie begrannt oder unbegrannt, sind die Ähren gesund und wie sehen sie aus.

Beim Weizen, Dinkel und Roggen stehen nicht nur die aus konventioneller Zucht stammenden Sorten im Sortiment, sondern auch jene aus biodynamischer Züchtung. Die Züchter stellten ihre unter den Bedingungen des Ökolandbaus gezüchteten Sorten vor. Neben dem Leistungsvermögen im Ertrag stehen hier die im Ökolandbau gewünschten Qualitätsansprüche im Vordergrund. Diese Ansprüche erfüllten die meisten biodynamischen Sorten und wenige konventionelle Sorten beim Getreide.

„Die biodynamischen Züchtungen zeigten in den letzten Jahren vor allem in der Qualität deutlich bessere Ergebnisse als die geprüften konventionellen Züchtungen“, lautete das Fazit von Reiner Schmidt nach dem diesjährigen Treffen. Im Anschluss an den Feldrundgang gab es weitere Informationen auf dem Betrieb von Johanna Faure. Thomas Leibinger von der Bioland- Handelsgesellschaft Baden-Württemberg stellte das Angebot an Bio-Saatgut für die Herbstaussaat vor. Die Bauern unterstrichen die Bedeutung der biodynamischen Züchtung und forderten eine finanzielle Unterstützung durch ihre Bio-Verbände.

[ Artikel drucken ]

Ticker

Das könnte Sie auch interessieren

Zahl der Mühlen sinkt weiter

Dinkelvermahlung so hoch wie nie

Die Zahl der Handelsmühlen in Deutschland ist 2024/25 im Vergleich zum Vorjahr um vier Mühlen auf insgesamt 170 gesunken. Vor zehn Jahren gab es noch 213 Mühlen. Der Rückgang liege einerseits an Kleinbetrieben, die unter die Meldegrenze von 1.000 Tonnen verarbeitetes Getreide im Jahr fallen, andererseits an einer Zunahme der Großbetriebe mit einer Vermahlung von über 100.000 Tonnen. Die neuen Daten hat das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) in der ‚Struktur der Mühlenwirtschaft 2024/2025‘ zusammengefasst.

01.10.2025mehr...
Stichwörter: Getreide

Alb-Gold investiert in regionale Bio-Hartweizenprojekte

Züchtung und Anbau am Bodensee

Alb-Gold investiert in regionale Bio-Hartweizenprojekte © ALB-GOLD Teigwaren GmbH

Der schwäbische Nudelhersteller Alb-Gold will auch im Bio-Segment vermehrt auf regionale Zutaten setzen. Während die konventionelle Spätzle- und Nudelproduktion bereits zu 100 Prozent aus heimischem Getreide erfolge, bleibe die Rohstoffversorgung im Bio-Bereich eine Herausforderung: Hartweizen, die wichtigste Zutat für Nudeln, gedeihe im ökologischen Anbau in Süddeutschland unter schwierigen Bedingungen. Deshalb investiert das Familienunternehmen in zwei Projekte, die den Bio-Hartweizenanbau auf der Schwäbischen Alb und am Bodensee etablieren sollen.

22.08.2025mehr...
Stichwörter: Getreide

Getreidebranche gründet Agrarökologische Praxis Allianz

Schulterschluss von Getreideverarbeitern, Erzeugern und Bäckern

Getreidebranche gründet Agrarökologische Praxis Allianz © Atelier Ernährungswende gUG

Praktiker aus der Wertschöpfungskette Getreide und Leguminosen haben am Rande der Öko-Feldtage am 17. Juni die ‚Agrarökologische Praxis Allianz‘ (APA) gegründet. Durch projektbasierte Arbeit wollen die Mitglieder agrarökologische Systeme und Strukturen entwickeln und voranbringen und ein Gegengewicht zur auf die industrielle Land- und Lebensmittelwirtschaft ausgerichteten Forschung schaffen. Zu den Gründern gehören etwa die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), der Verein ‚Die Freien Bäcker‘ und Slow Food Deutschland.

30.06.2025mehr...
Stichwörter: Getreide