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Feine Kost mit Bio

Zurheide Flaggschiff in Düsseldorf baut Bio-Sortiment aus

Zurheide Feine Kost hat sich Genuss auf die Fahne geschrieben. Edeka-Händler Heinz Zurheide hatte schon früh die Vision von Feinkost-Märkten, wie er sie jetzt betreibt. Der Superlativ ist das E-Center in Düsseldorf, eine einzigartige 6.000 Quadratmeter große Feinkost-Welt. In diese Welt ziehen jetzt auch mehr und mehr Bio-Lebensmittel ein. 2.100 Artikel aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) sind es aktuell. Das Sortiment wird weiter ausgebaut.


 

Die Einkaufswelt in Düsseldorf hat Heinz Zurheide 2009 erschaffen und bewies unternehmerischen Mut. Seit 44 Jahren verkauft der Westfale Lebensmittel. Im elterlichen Lebensmittelgeschäft in Gladbeck begann er 1967, den Beruf des Einzelhandelskaufmanns zu erlernen. 1977 wagt er mit einem Edeka-Markt in Bottrop den Sprung zum Selbstständigen Einzelhändler. Die Söhne Marco und Rüdiger sind Mitte der 90er Jahre in den Betrieb eingestiegen. Rüdiger Zurheide ist Inhaber des Frischecenters in Düsseldorf.


Sieben Märkte betreibt das Familien-Unternehmen inzwischen. Sechs davon im Ruhrgebiet. 2009 setzte der Edekaner am Rhein im Düsseldorfer Süden Maßstäbe. „Schon vor der Eröffnung haben Skeptiker den Markt totgesagt. Wir haben alle Lügen gestraft. Das Konzept geht auf. Der Zuwachs ist gut. Wir fragen uns ständig, was wir noch besser machen können. Als Orientierung dient das, was die Kunden sagen und wollen“, konstatiert der Kreativ-Kaufmann. Im ersten Quartal 2011 stieg das Umsatz-Barometer nach oben. Der Markt legt weiter zu.

Marktformat setzt Maßstäbe

Existierende und funktionierende Konzepte nachzuahmen, ist nicht der Weg des Edeka-Unternehmers Zurheide. Mit eigener Herstellung von Antipasti bis Sushi, gehobener Gastronomie, großzügigen Bedienungstheken und Feinkost wird auf hohem Niveau verkauft. Dazu kommt eine riesige Auswahl von 50.000 Artikeln vom Preiseinstieg bis zum Premium-Produkt. Eine ähnliche Auswahl wie sie Hiebers Frischecenter in Südbaden oder Akzenta in Wuppertal bieten.


Schnell den Wocheneinkauf erledigen ist möglich, aber auch verweilen bei einem Fisch aus der Grillstation, bei röstfrischem Kaffee und Kuchen von der Konditorgesellin Lucia Ferma im Markt hergestellt, bei einem Steak im Bistro von der Küchenmannschaft um Chefkoch Jörg Tittel gebraten.

Bio passt in dieses Umfeld. Ist geradezu ein Muss. Zurheide hat auf der Großfläche eine zusammenhängende Bio-Welt geschaffen. In dem Bio-Block steht konzentriert ein Trockensortiment mit rund 1.500 Artikeln bereit. Aber auch außerhalb dieses Blocks ist Bio eingestreut. Der allgemeine Trend zur Sortimentsplatzierung hat den erfahrenen Kaufmann noch nicht überzeugt.

Zurheide vertraut nicht auf Statistiken und Berater. Er glaubt seinen Verkaufszahlen an einem bestimmten Standort. Der Kaufmann ist sein eigener Statistiker. Die Platzierungsvorgaben der Industrie wendet er nicht systematisch an, sondern verlässt sich auf sein Händchen. Bisher ist Zurheide damit gut gefahren. „Wir platzieren so, wie wir es für richtig halten. Erfolg macht stark“, gibt sich Zurheide, der im Edeka-Aufsichtsrat in Hamburg sitzt, selbstsicher. 

Bio-Sortiment im Aufbau


Bei Bio hat Zurheide noch Spielraum nach oben. Bio hat einen Premium-Anspruch auch außerhalb des Feinkost-Sortiments, ob handwerklich oder industriell hergestellt. Für Rohstoffe und Herstellung gelten besondere gesetzliche Richlinien. Natürlich hat Düsseldorf ein bioaffines Publikum. Hier stecken noch Profilierungsmöglichkeiten für Zurheide drin.

Die Frau für das Bio-Sortiment in Zurheides Feiner Welt ist die stellvertretende Marktleiterin Renate Helmus. Messen besuchen, mit Lieferanten verhandeln, die Ware im Markt präsentieren: Die Ex-Tengelmann-Mitarbeiterin kümmert sich um die feine biologische Kost. „Manche Naturkosthersteller tun uns als Aldi ab“ berichtet Bio-Frau Helmus von ihren Messe-Erfahrungen. Da gibt es noch ein paar kleine Unterschiede. In das Zurheide-Flaggschiff in Düsseldorf passen zehn Aldi-Märkte. Die Auswahl ist mit 50.000 Artikeln 50 Mal so groß.

„Im November 2010 haben wir begonnen Bio aufzubauen. Aber wir sind noch nicht da, wo wir hin wollen“, teilt Helmus mit. Düssseldorf ist für das Bio-Sortiment der Pilotmarkt. Auch die anderen Märkte in Oberhausen, Gladbeck und Bottrop werden davon profitieren.

Die Preisempfindlichkeit wird nach wie vor als ein Hemmschuh für den Bio-Kauf genannt. Bei Zurheide stellt das aber kein Hindernis dar. Bei der Vielzahl höherpreisiger Qualitätsprodukte ist der Unterschied zu Bio nivelliert. In der Fleischtheke der Superlative in Düsseldorf gibt es zum Beispiel Kobe-Rind aus Japan, Galloway-Rind von der Insel Sylt, Charolais-Rind aus Frankreich, Iberico-Schwein und das Schwäbische Hällische Landschwein.

2.100 Bio-Artikel werden aktuell bei Zurheide in Düsseldorf vermarktet. Potenzial für die doppelte Sortimentsstär­ke ist an dem Standort gegeben. Allein 80 O+G-Produkte aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) sind zu haben. Weitere 200 kommen von der Edeka Handelsmarke Bio-Wertkost. 1.800 sind Bio-Markenartikel. Die Bio-Dachmarken wie Bio-Zentrale, Verival und Bio-Gourmet werden den Kunden präsentiert. Da wird dann zum Teil viel vom Gleichen geboten. Die Frühstücks- und Feinkost von Yannick + Fee führt das Haus ebenfalls.

Bio ist convenient

Auch das Bio-Trockensortiment ist Convenience orientiert mit Tütensuppen der Natur Compagnie oder Fertigback-Broten von Ecopan. Gluten-Allergiker können auf das Werz-Sortiment zurückgreifen. Bei den Knabber-Artikeln gibt es zum Beispiel Huober-Brezeln.

Ein solider Grundstock ist im Bio-Sortiment gelegt. Dazu zählen Obstkonserven von Odenwald, Gemüse- und Sauerkonserven von Marschland. Das biologische Fair Trade Sortiment der Gepa wird gehandelt. Gewürze in der Eigenmarke Zurheide zieren das Angebot und vieles mehr.


Eine große Auswahl bietet der Feinkost-Markt bei Speiseölen. Die Vivolio-Linie bietet ein gelungenes Öl-Sortiment. Die Rinatura-Öle sind ebenfalls vorhanden. Die Bio-Ölmühle Solling bietet Spezialiäten wie Lein- und Mohnöl an. Bei den Hülsenfrüchten steht die Industriemarke Müller’s Mühle in Bio-Qualität zur Verfügung, bei Desserts und Backzutaten die Bio-Linie von Ruf.

Bio-Marken-Kaffee gibt es nur wenig. Mit 500 Gramm Pulverkaffee von Bio-Wertkost ist das Standardprodukt vorhanden. J.J. Darboven Bio steht als Alternative zur Verfügung. Bei Pads kann auf die Bio-Variante von Douwe Egberts zurückgegriffen werden.

Schwerpunkt bei dem Genussmittel sind die Spitzenkaffees aus der eigenen Rösterei im Markt. Auch vier Bio-Kaffees kreiert Besir Yildrim, der 2009 deutscher Meister der Kaffeeröster-Gilde war. Allerdings werden sie nicht als Bio-Kaffee ausgelobt. Aber Zurheide hat bei Transfair eine Lizenz beantragt und wird Fair Trade künftig ausloben. Das verteuert den Kaffee um 22 Cent/Kilo zugunsten des Kaffee-Bauers im Tropengürtel.

Regionale frische Bio-Teigwaren

Bei den Bio-Teigwaren wird das umfangreiche Alb-Gold Sortiment geboten. Von den Dachmarken wie Bio-Zentrale, Bio-Gourmet und Rila sind ebenfalls Nudeln im Sortiment.

Frische Teigwaren liefert Mosna als regionaler Hersteller. Auch Hilcona aus Lichtenstein ist mit seinen frischen Bio-Teigwaren im Kühlregal.


Im Mopro-Regal sorgt die Bio-Molkerei Söbbeke als regionaler Anbieter in NRW mit ihrer Joghurt-Linie für Qualität. Die Andechser Molkerei als größter Bio-Milchverarbeiter ist mit Bio-Jogurts und -Getränken präsent. Die weiße Linie der Upländer Bauernmolkerei steht ebenfalls im Regal. Beim SB-Käse ist mit dem Bio-Parmesan der Käserei Santa Rita ein Glanzlicht vorhanden. „Der verkauft sich sehr gut“, weiß Helmus. Vom Bioland Schafhof aus Geifertshofen im Kreis Schwäbisch Hall kommt Trinkmilch in der Flasche. Das ist schon eine beachtliche Sortimentstiefe.

Im Kühlregal wird mit den frischen Säften von Nature’s Best vom Niederrhein eine weitere Besonderheit geführt. Frischsaft tut sich in Deutschland nach wie vor schwer und ist nicht flächendeckend zu bekommen.

Die Käsetheke heißt bei Zurheide Düsseldorf Cheese­room, ist 19 Meter lang, und beherbergt 500 Sorten. 15 Bio-Sorten werden im Wechsel angeboten. Aktuell waren fünf vorrätig von den Käserebellen aus Österreich und der Käserei Zurwies aus Baden-Württemberg. Es gibt auch ein großes Angebot an vorverpackter Ware. Das ist praktisch, aber kein Verkauf auf Spitzenniveau. Bio kann bei dem Anspruch noch ausgebaut werden, da hier viele silofreie Rohmilch-Käse hergestellt werden. Das setzt allerdings Schulung des Personals über die Bio-Vorteile voraus.

Bio-Feinkostwurst aus Hessen

In der Wursttheke wird Bio von Rack & Rüther, der hessischen Feinkost-Metzgerei, vertreten. In SB erweitert der Martinshof aus St. Wendel im Saarland das Angebot an Wurst und Fleisch aus biologischer Herstellung. Das Vion-Bio-Fleisch SB-Programm wird zentral von der Edeka geliefert. „Das funktioniert. Das bekommen wir verkauft“, erklärt Renate Helmus.

Das biologische Obst- und Gemüse-Angebot ist mit 80 Artikeln recht umfangreich und anspruchsvoll. Tagesfrische Salate, auch geschnitten, sind erhältlich. In der Beschaffung verlässt sich der Markt nicht allein auf das Edeka-Fruchtkontor. Die Bio-Champignons werden direkt von der Bio-Pilzzucht Moser aus Langenfeld im Rheinland beschafft. Bei Bio-Kartoffeln gibt es mehrere Sorten, wo sonst in den Supermärkten eher Monokultur mit einer festkochenden Sorte herrscht. Bio-O+G ist wie üblich verpackt und erzeugt viel Müll. Rechtlich vorgeschrieben ist die Verpackung nicht. Der lose Verkauf würde den Anspruch der Hochwertigkeit unterstreichen.

13 Bio-Lieferanten versorgen den Vorzeigemarkt. Neben der Edeka ist Naturkost West ein Hauptlieferant. Der Importeur Eco Plus zählt zum Kreis. Fachgroßhändler wie Hamacher aus Köln bestücken die Käsetheke.

Heinz Zurheide ist Reisender in Sachen Lebensmittel. Er besucht Deutschland und den ganzen Globus und findet Ideen und Produkte für die Feine Welt. „Ich habe oft das Wort Genuss-Tempel gelesen im Zusammenhang mit unserem neuesten Markt. Das sehe ich gar nicht so“, ist er bescheiden. Aber in der ersten Liga mitspielen bei Qualität und Service, das will die Familie Zurheide schon. Der Feinkost-Supermarkt lädt zum Verweilen und Genießen ein. Hierher kommt der Feinschmecker.
Anton Großkinsky

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