Start / Ausgaben / BioPress 68 - August 2011 / KarmaKonsum Konferenz erregt wachsendes Interesse

KarmaKonsum Konferenz erregt wachsendes Interesse

Bereits zum fünften Mal fand in der IHK Frankfurt im Juni die KarmaKonsum Konferenz statt. Unter dem Motto „Empowering a new Spirit in Business” trafen sich rund tausend Entscheider und Vordenker, um sich für ein verantwortungsvolles Wirtschaften und nachhaltige Lebensstile inspirieren zu lassen. Es kamen rund 25 Prozent mehr Teilnehmer als im Jahr zuvor.


Fotos: Patrick Stemweden / patspix.de
 

Die vom LOHAS-Experten und Konferenz-Initiator Christoph Harrach gewonnenen Referenten boten ein vielseitiges Vortragsprogramm, das von Achtsamkeit in der Wirtschaft über Regionalwährungen bis zum Mythos als Kraftquelle für starke Marken reichte.

Wie lassen sich Schranken zwischen Kaufmann und Kunden abbauen? Wie dafür sorgen, dass sich letztere mit „ihrem“ Markt identifizieren? Dieser Frage ging zum Beispiel Thomas Gutberlet, Vorstandsvorsitzender von tegut…, in seinem Referat „Konsumenten als Anteilsnehmer“ nach. Der Fuldaer Lebensmittelfilialist hat hier verschiedene ungewöhnliche Marketingaktivitäten ins Leben gerufen.

Unter anderem gibt es seit ein paar Jahren so genannte Kundenräte, bei denen Verbraucher das Sortiment bewerten und gemeinsam mit der Leitung Änderungswünsche besprechen. Das sei jedoch kein Wünsch-dir-was-Weg, so Gutberlet. Vielmehr sollten die Gesprächsrunden auch zu realisierbaren und sinnvollen Ideen führen.

Eine zweite Initiative sind die Saison-Gärten, die das Bewusstsein der Menschen für gesunde, biologische Ernährung schärfen und zugleich die regionale Wirtschaft stärken wollen. tegut… pachtet dabei Land von Bio-Landwirten, das diese mit gängigen Gemüsesorten bestellen, und vermietet sie in einzelnen Parzellen weiter an interessierte Kunden ohne eigenen Garten. Indem die Menschen sich dadurch selber versorgen können, bekommen sie wieder einen realen Bezug zu Lebensmitteln und Erzeugern. Mittlerweile finden sich solche Gärten schon an elf Standorten.

Ebenfalls wachsenden Interesses erfreuen sich die tegut… Lädchen für alles. Ausgangspunkt war ein Dorf bei Göttingen, in dem es kein Lebensmittelgeschäft mehr gab und dessen Bewohner tegut… um eine Filiale in ihrem Ort gebeten hatten. Mit dem Ziel, dörfliche Strukturen zu erhalten, eröffnete das Unternehmen tatsächlich einen kleinen Markt mit einem begrenzten Angebot an regelmäßig benötigten Waren, inklusive von Bio-Produkten. Das Besondere an den Lädchen, deren Zahl in diesem Jahr auf 14 steigen soll, ist, dass tegut… nur das nötige Wissen, den Laden und das Sortiment stellt. Betrieben wird das Geschäft dagegen in Eigenregie von der jeweiligen Gemeinde.

Social Marketing im Hinblick auf die Mitarbeiter stand im Mittelpunkt des Vortrags von Philipp Lettmann von der WALA. Er stellte unter dem Titel „Erfolg, der allen gehört“ die Stiftung als dritten Weg zwischen Privateigentum und Gemeinbesitz vor, einen Weg wie ihn unter anderem auch der Waschmittel-Hersteller SONETT oder der bio verlag gewählt haben.

Bei der 1986 gegründeten WALA Stiftung handelt es sich um eine gewerbliche und damit steuerpflichtige Stiftung. Zu 100 Prozent Eigentümerin der WALA Heilmittel und der WALA Agrikultur, zielt sie darauf ab, den beiden GmbHs eine gedeihliche Entwicklung zu sichern.

Die Stiftungsform garantiert dabei Unabhängigkeit von Aktionärs- oder Eigentümerinteressen sowie von Banken oder anderen Geldgebern. Verkauf oder Übernahme sind ausgeschlossen; orientiert wird sich an den Mitabeitern. Gewinn sei die Garantie, um morgen noch im Geschäft zu sein, doch reiche eine Minimumorientierung aus, betonte Lettmann. Gewinne würden daher zum einen reinvestiert und zum anderen gleichmäßig an die 800 Mitarbeiter ausgeschüttet.

Viel Beachtung fand zudem die Verleihung des Gründer Awards zur Förderung öko-sozialer Existenzgründungen am Abend des ersten Kongresstages. Nach einer Keynote zum Thema „Wirtschaft neu denken“ von Götz Rehn (Alnatura), überreichte die Schauspielerin Ursula Karven den mit 30.000 Euro dotierten Preis an das Online Suchportal Ecosia.

Die Firma habe die Jury mit der Idee überzeugt, die Suche im Internet sinnvoll aufzuladen, indem die gewonnenen Werbegelder zum größten Teil in den Regenwaldschutz fließen. Wie in den Vorjahren wurde die KarmaKonsum am 10. Juni durch das Green Camp abgerundet, einer Ideen- und Networking-Börse im OpenSpace-Format.

Bettina Pabel


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