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Sind die Olivenöle richtig deklariert und ist immer drin, was drauf steht?

Extra native Olivenöle

Der Mittelmeerraum ist die historische Heimat des Ölbaumes. Für Griechen und Römer war die OLEA EUROPAEA die mit Abstand bedeutendste Kulturpflanze, und man räumte ihr den ersten Platz unter den Bäumen zu „olea prima omnium arborum est“.

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bioPress: Top 25 Olivenöle 2011 - 65 Öle kamen zum Test

http://www.biopress.de/Mambo/index.php?option=com_content&task=view&id=3169&Itemid=105


 

 

 

 

Im klassischen Altertum gibt es keinen Baum, der soviel Nutzen brachte, so wertvoll war und von den Völkern des Mittelmeerraumes so verehrt wurde wie der Olivenbaum. Mit Olivenkränzen krönte man die Sieger friedlicher Wettkämpfe und mit seinem Öl salbte man die großen Häupter. Man verwendete es als Duftöl für Massagen und für die Körperpflege, und beim Sport rieben sich die Athleten mit ihm ein.

Im Toten- und Götterkult war es unentbehrlich. Es speiste die Öllampen, die für Jahrtausende die Tempel, Paläste und Häuser beleuchteten. Doch seine größte Bedeutung bestand darin, dass man seine Früchte, die Oliven, essen und mit seinem Öl die Speisen in der heißen wie in der kalten Küche würzen und verfeinern konnte. Zudem sprach man dem Olivenöl auch heilende Kräfte zu.

Der Olivenbaum wird zum Wirtschaftsgut


Die Qualitätsunterschiede beginnen schon bei den Erntemaschinen: Maschinell (o.), Handgepflückt und in Bottichen transportiert (re.).
  

Seit damals hat sich viel verändert. So ist man heute mehr an den Oliven und ganz besonders am Olivenöl in der Küche interessiert. Dies führte zu einem ständig wachsenden enormen Ausbau der Olivenhaine, was wiederum zu gewaltigen Steigerungen in der Produktionsmenge von Olivenöl führte und dies nicht nur im Mittelmeerraum sondern auch in Australien, Süd- und Nordamerika, Neuseeland und Südafrika. Nicht verändert hat sich die Tatsache, dass viele ihren Reichtum und ihr Wohlergehen ausschließlich den Erträgen dieses Baumes verdanken.

Damals wachte Athena, die griechische Göttin der Weisheit und der Gerechtigkeit als Schutzpatronin des Olivenbaumes über die Geschicke des von ihr an uns Menschen geschenkten Ölbaumes, seiner Früchte und seines Öls. Jeder Frevel am Olivenöl wurde unbarmherzig bestraft, oft mit dem Tod. Im alten Rom endete ein Öl-Panscher nicht selten in der Arena.

Wundersame Vermehrung

Die weltweite jährliche Olivenernte in den letzten Jahren ergab eine durchschnittliche Produktionsmenge von knapp 3.000.000 Tonnen Olivenöl. Die EU-Staaten produzierten davon alleine rund 2.300.000 Tonnen. Spitzenreiter ist Spanien im Durchschnitt mit 1.000.000 Tonnen, einmal sogar mit circa 1.410.000 Tonnen, vor Italien mit rund 650.000 Tonnen und Griechenland mit rund 380.000 Tonnen. Es folgen Länder wie Tunesien mit 230.000 Tonnen, die Türkei mit rund 110.000 Tonnen, Syrien mit rund 100.000 Tonnen und Marokko mit rund 80.000 Tonnen.

Die anderen Länder liegen in der Produktionsmenge da schon weit zurück.

Der Anteil der ökologisch gewonnenen Bio-Öle ist noch sehr bescheiden und beläuft sich, wenn auch ständig wachsend, auf nur wenige Prozente.

Das Wachstum aller Oliven ist vom Klima abhängig. So ergeben sich ständig Schwankungen in der jährlichen Produktionsmenge. Diese nimmt, wenn auch bescheiden, ständig zu, bedingt durch den weiteren Anbau von Olivenhainen. Ähnlich verhält es sich mit dem Verbrauch, der ungefähr der gewonnenen Ölmenge entspricht.

Doch der Konsum in den einzelnen Ländern ist sehr unterschiedlich. Die Spanier verbrauchen pro Kopf ca. 13 Liter, die Italiener ca. 15 Liter und die Griechen ca. 25 Liter. Die Deutschen noch nicht mal ein Liter. Ihr Konsum liegt bei zirka 0,7 Liter.

In Deutschland gibt es keine Olivenhaine und dem entsprechend wird auch kein Olivenöl produziert. Der Deutsche muß also Olivenöle importieren. Doch unerfreulicherweise importiert er nicht immer die sauber und ehrlich gewonnenen.
Olivenöl ist nicht gleich Olivenöl. Abgesehen von den über 700 Olivensorten werden daraus auch unterschiedliche Öle gewonnen.

Das sind:

1. Natives Olivenöl Extra  (bis 0,8 Prozent Freie Fettsäuren)

2. Natives Olivenöl (bis 2,0 Prozent Freie Fettsäuren)

3. Lampantöl (mehr als 2 Prozent Freie Fettsäuren)

8. Oliventresteröl

Da einige natürlich gewonnene Öle später einen Raffinierungsprozeß durchmachen, werden alle Olivenöle, die Naturbelassenen wie die Raffinierten, in verschiedene Olivenölkategorien eingeteilt (VO Nr.136/66 EWG vom 22.Sept.1966 und VO (EG) Nr.1513/2001).

Das sind:

1. Natives Olivenöl Extra

2. Natives Olivenöl

3. Lampantöl

4. Raffiniertes Olivenöl

5. Olivenöl – bestehend aus Raffiniertem Olivenöl und Nativem Olivenöl

6. Rohes Oliventresteröl

7. Raffiniertes Oliventresteröl

8. Oliventresteröl

In der VO (EWG) Nr.2568/91 und in der VO (EG) Nr.1019/2002 der Kommission vom 13. Juni 2002, Art.3 ist festgelegt, welche Öle davon an den Endverbraucher verkauft werden dürfen.

Das sind ausschließlich:

1. Natives Olivenöl Extra

2. Natives Olivenöl

5. Olivenöl – bestehend aus Raffiniertem Olivenöl und Nativem Olivenöl

8. Oliventresteröl

Wenn man nun die Produktionsmengen der unterschiedlichen Olivenöle (Kategorien 1., 2., 3. und 8.) mit den Verkaufsmengen vergleicht, ergeben sich außerordentlich befremdende und widersprüchliche Ergebnisse:

Halten wir fest, dass weltweit im Durchschnitt jährlich an Olivenöl 3.000.000 Tonnen produziert wurden. Davon entfallen (geschätzt) anteilmäßig bei starker Hochrechnung rund fünf Prozent auf die 1. Kategorie Natives Olivenöl Extra. Fast 70 Prozent auf die Produktion Lampantöl, der 3. Kategorie und ca. 20 Prozent auf die 2. Kategorie, Natives Olivenöl sowie rund fünf Prozent auf die Kategorien 6-8, das Oliventresteröl.

Was nun folgt, ist die unglaubliche Geschichte der wundersamen Vermehrung der 1. Kategorie, des Nativen Olivenöl Extra und des geheimnisvollen Versickerns der Kategorien 2. und 3., des Nativen Olivenöls und des Lampantöls.
Denn im Handel befinden sich plötzlich erstaunliche 55 Prozent als Natives Olivenöl Extra (Kat.1) und fast 35 Prozent als Olivenöl (Kat.5).

Über 40 Prozent der Öle zeigen Defekte


Solche alten Steinmühlen sind mancherorts noch im Einsatz. Oft dienen sie nur noch als Touristenattaktion.
Etwas positiver, aber trotzdem inakzeptabel, sehen die Ergebnisse von Degustationen seitens von Panel-Gruppen aus. Im Durchschnitt sind es hier immerhin rund 55 bis 60 Prozent aller eingereichten Nativen Olivenöle Extra, die einwandfrei und frei von Defekten übrig bleiben. Trotzdem kann auch dieses Ergebnis nicht befriedigen.

Die für Olivenöle zuständige EWG-Kommission hatte mit VO vom 11. Juli 1991 die Merkmale von Olivenölen und Oliventresterölen sowie die Verfahren zu ihrer Bestimmung festgelegt. Diese VO ist mehrfach ergänzt worden.

Danach gibt es eine bestimmte Anzahl von Analyse-Methoden, die Inhalt jeder Olivenöl-Untersuchung sind. Ihr Hauptziel ist es, zu klären, ob ein Öl noch der 1. Kategorie „Natives Olivenöl Extra“ angehört oder nicht. Denn sie ist für den Hersteller, Vertreiber und Händler die wirtschaftlich wichtigste Einstufung, da sie, und nur sie, für den Handel interessant ist.

Mit den in der VO aufgeführten Analyse-Methoden werden unter anderem die Grenzwerte wie die der Freien Fettsäuren bis maximal 0,8 Prozent bei Nativem Olivenöl Extra oder die Peroxyde und vieles andere bestimmt. Zusätzlich sind auch Sensorische (organoleptische) Untersuchungen im Geruchs- und Geschmacksbereich vorgesehen. Diese allerdings nur bei den Kategorien 1 und 2. Wenn die Ergebnisse nicht weiter negativ auffielen, entsprachen die untersuchten Öle dem Reglement der EU und behielten ihren Status Natives Olivenöl Extra. Scheinbar!

Mit neuer Technik den Fälschungen auf der Spur

Doch inzwischen haben Lebensmittel-Chemiker und -Forscher, allen voran Dr. Christian Gertz vom Chemischen Untersuchungsamt der Stadt Hagen, bahnbrechende Untersuchungs-Methoden entdeckt, die die unerträgliche Situation auf dem Olivenölmarkt auch mit Rücksicht auf die Millionen ehrlicher Olivenölhersteller gründlich verändern können.

Diese Methoden sind inzwischen durch Ringtests weltweit bestätigt und anerkannt worden, aber - aus politischen Gründen - nicht von der EU in Brüssel und dem Internationalen Olivenöl Konzil (C.O.I.) in Madrid, wo alle das Olivenöl betreffenden Fäden zusammen laufen. Erfreulicherweise hat zwar die Zahl der an den neuen Untersuchungsmethoden interessierten Abnehmer und Einkäufer deutlich zugenommen, aber leider noch nicht im gewünschten Umfang.

So erweisen sich bei den Chemischen Analysen zwei Methoden als unfehlbar im Entlarven von gefälschten Nativen Olivenölen Extra.

Hierbei geht es um die

(1) 1,2-Diacylglycerol Content (DAGs) und die

(2) Pyropheophytins (PPP) Analysen.

Bei (1) kann man erkennen, ob die Triagylglycerols durch Wasserzufuhr vermindert wurden, ob das Öl oxydiert und mit Defekten behaftet war und mit raffiniertem Öl gepanscht wurde. Bei (2) zeigt ein erhöhter Wert der Pyropheophytine an, ob es sich um ein oxydiertes Öl handelt und/oder ob das Öl mit raffiniertem Öl gepanscht wurde. So kann man heute erkennen, ob ein Olivenöl schon im Zeitpunkt der Entstehung ein Natives Olivenöl Extra war oder ein Lampantöl, das mittels chemischer Behandlung erst später zu einem Nativen Olivenöl Extra verschönt wurde.

So hat zum Beispiel im Juli 2010 das UC DAVIS OLIVE CENTER der University of California, Davis 50 von Europa und Nordafrika importierte Native Olivenöle Extra (Extra Virgin) chemisch und sensorisch analysiert und bei 30 Ölen Defekte und Panschereien nachgewiesen und sie in die niedrigere Klasse Natives Olivenöl (Virgin) zurückgestuft. Darunter drei Native Olivenöle Extra von der italienischen Händlerfirma BERTOLLI.

a: Lot/L9428VH0003;
b: Lot/L9527RH0021;
c: Lot/ L95329HD733).

Bei a und c waren die PPP-Werte zu hoch (maximal 15 zulässig) und bei a und b waren die DAGs -Werte zu niedrig (mindestens 40 nötig). Außerdem gab es sensorische Mängel. Der Inhalt entsprach damit nicht der Bezeichnung Natives Olivenöl Extra (Extra Virgin). So der Bericht der Prüfer. Die verwendeten und miteinander vermischten Öle stammten aus Spanien, Italien, Griechenland und Tunesien.

Auch Bio-Öle zerfallen in die Kategorien: Echt und gut, fehlerhaft und schlecht oder gefälscht

Unter den Millionen von Öl-Produzenten gibt es neben den seriösen und bemühten Herstellern sehr viele, die meist traditionsbedingt und mittels fehlerhafter Herstellungsmethoden minderwertige Öle fabrizieren und dann auch solche, die bewusst und vorsätzlich Öle fälschen und diese unter dem Namen Natives Olivenöl Extra anbieten.

Sie werden in Flaschen angeboten, auf deren Etikett kein Hersteller genannt wird sondern nur ein Abfüller oder Vertreiber. Diese Öle werden zum Beispiel von der Zeitschrift DER FEINSCHMECKER nicht zur Degustation zugelassen, so wie auch nicht in Italien bei den staatlich geförderten Degustations-Wettbewerben. Mit gravierenden sensorischen Defekten behaftet werden sie in den Anrainerstaaten des Mittelmeerraumes als Massenware eingekauft und uns als Olivenöle der Ersten Güteklasse, als Natives Olivenöl Extra angeboten. Eine enorme Fälschungs- und Korruptionswoge ist die Realität und Panschereien von nie dagewesenen Ausmaßen bringen das kostbare Olivenöl, eingeschlossen das Öl der ehrlichen Hersteller, in Verruf.

Dass das vielfach auch auf die Bio-Öle zutrifft, lässt sich nicht von der Hand weisen. Ihre Herkunft ist auf den Etiketten der Flaschen, auch mit Bio-Siegel, schwer oder gar nicht zu erkennen. Auch wenn Bio-Öle nicht raffiniert werden dürfen und auch ohne (agro-) chemische Rückstände sind, können dieselben Fehler bei der Ernte und der Herstlellung zu schlechten Ölqualitäten führen.

Längst haben den größten Teil - über 80 Prozent - der Vermarktung die Großkonzerne und Multis an sich gezogen und die von ihnen feilgehaltenen sogenannten Nativen Olivenöle Extra, für die kein seriöser Hersteller auf den Flaschenetiketten geradestehen möchte, machen sich in den Verkaufsregalen der Supermärkte breit. Toskanische Landschaften, Zypressen, Olivenpflückerinnen und Ölmühlen auf den Flaschenetiketten täuschen Idylle und eine heile Welt vor.

Angeblich sorgfältig ausgewählte Früch­te, natürlich handgepflückt und mechanisch gewonnen sowie abgefüllt in Italien, importiert von… und vertrieben durch… stellen die üblichen, öligen auf den Etiketten aufgedruckten Phrasen dar, die wegen fehlender Angabe eines Oliven­ölherstellers keiner zu kontrollieren, geschweige denn zu beweisen vermag. Dazu Preise wahrhaft unter Niveau, für die nachweislich kein Tropfen Olivenöl, das nach den Regeln einer sauberen und ehrlichen Verfahrensweise gewonnen wird, in Europa hergestellt werden kann.

Mit den heutigen modernen Ölmühlen, des Typs Ciclo Continuo, können wesentlich fruchtigere und länger haltbare Öle hergestellt werden als früher. Die unterschiedlichen Ausrüstungen, wie zum Beispiel Hammer- oder Scheibensystem, Zwei- oder Dreiphasen-Ausstattung sowie vertikale oder horizontale Zentrifugen etc. erlauben es, auf die unterschiedlichen Olivensorten einzugehen. Im Zusammenspiel mit variablen Erntezeiten und Filterungsvorgängen lassen sich großartige Öle mit herrlichen Duft- und Geschmacksnoten herstellen.

Bei richtiger Lagerung im Kühltank und bei Gaszufuhr sind die Öle unter Wahrung ihrer sensorischen Eigenschaften auch erheblich länger haltbar. Der Einkäufer sollte sich beim Kauf hierüber aufs intensivste unterrichten lassen. Auf traditionelle Art, mittels Mahlsteinen und Presse, gewonnene Öle sind meist instabiler und deshalb meistens nur kurz haltbar, besonders, wenn sie nur leicht fruchtig sind.

Die schwarzen Schafe unter den Herstellern gehen andere Wege

Um Kosten zu sparen wird zunächst auf die Ernte, die rund 60 Prozent der Herstellungskosten ausmacht, verzichtet und stattdessen die überreife vom Baum auf den nackten Erdboden gefallene Olive, also Fallobst, verwendet. Die bereits oxidierten Oliven liegen oft wochenlang unter den Bäumen, wo sie bei der winterlichen Regenzeit anfangen zu gären, zu faulen und zu fermentieren. Mit Hilfe von Kehrmaschinen und Schaufelbaggern werden sie auf Lastwagen verfrachtet und die breiige und ziemlich übelriechende Masse wird zur Ölmühle gebracht. Das daraus gewonnene Öl hat einen Säuregehalt an die drei bis fünf Prozent und muß als Lampantöl eingestuft werden.

Gesetzlich erlaubt sind bei Nativem Olivenöl Extra jedoch maximal 0,8 Prozent. Um von dem hohen Säuregehalt herunterzukommen wird das Öl in Großtanks mit Lauge behandelt. In anderen Großtanks wird das Öl dann im Dampfbad bei 60 bis 80 Grad im Vakuum von dem üblen Gestank befreit. Oft entsteht dabei eine Braunfärbung, die mittels Bleicherde beseitigt wird.

Mit rund 15 Prozent Haselnußöl, aber kein frisches, sondern ein Abfallprodukt aus der Schokoladenindustrie, wird häufig das Öl wegen verwandter Molikularstrukturen gestreckt. Etwas Chlorophyll bringt eine optische Auffrischung ins Grüne und einige Tropfen von echtem Olivenöl bemühen sich um eine, wenn auch vergebliche Verbesserung des Geschmacks. Die Zentren, wo diese geschönten Öle das Licht er Welt erblicken, sind fast immer dieselben: Livorno, Genova, Milano und Lucca in der Toscana.

Schlechte Öle schaffen negative Stimmungen

Unseren Vorfahren in Deutschland war das Olivenöl so gut wie unbekannt. Wir besitzen daher keine traditionellen Kenntnisse über die wahren Öle. Auch haben wir kaum eine Ahnung über die vielen Sorten und ihre Einteilung in leicht, mittel und intensiv fruchtige, noch weniger über Geruch und Geschmack. So kommt es immer wieder vor, dass die Wahrnehmungen bei den „geschönten“ Ölen als arttypisch für Olivenöle angesehen werden.

Ein großer Irrtum! Denn in ihnen finden sich alle negativen Eigenschaften beziehungsweise sensorischen Mängel wie ranzig, stichig, muffig, weinig-sauer, schlammig oder metallisch. Da dies vielen aufstößt, ist der Wunsch, ein geruch- und geschmackloses sowie sehr mildes, am liebsten neutrales Olivenöl zu erstehen, mehr als verständlich. Doch solche farblosen Olivenöle bietet die Natur nicht. Vielmehr sind sie fruchtig – vom Duft her und vom Geschmack.

Wie beim Wein können auch beim Olivenöl die unterschiedlichen Sorten geruchlich und geschmacklich wahrgenommen werden. Auch erkennt man, ob ein Öl sich leicht, mittel oder intensiv fruchtig darstellt und zusätzlich nach reifen Tomaten, grünen Äpfeln, nach Rosmarin, Thymian, Artischocken, Mandeln und süß, edelbitter oder pikant riecht und schmeckt. Ein je nach Sorte mehr oder weniger starkes Prickeln oder Reizgefühl im Rachen (Polyphenole) ist ein Indiz für die Frische des Öls. Alte oder behandelte Öle zeigen nichts dergleichen.

Im gesamten Mittelmeerraum sehen seit Jahrtausenden die dortigen Bewohner im Olivenöl neben den vielen innewohnenden gesundheitlichen Werten vor allem ein herrliches Naturerzeugnis, das ihre Speisen – sei es in der heißen oder in der kalten Küche - verfeinert, würzt und besonders schmackhaft macht.

Die Olivenölverordnung bestimmt die Qualität

Am 13. Juni 2002 hat die Kommission in der VO (EG) Nr. 1019/2002 unter anderem folgendes zum Ausdruck gebracht:

(1) „Olivenöl besitzt Geschmacks- und Ernährungseigenschaften, die ihm - unter Berücksichtigung seiner Produktionskosten – ein Marktsegment mit verhältnismäßig hohen Preisen gegenüber den meisten anderen Pflanzenfetten eröffnen“.

(4) „...es wird angestrebt, die Angabe des Ursprungs bei den Kategorien Natives Olivenöl Extra und Natives Olivenöl verbindlich vorzuschreiben“

Art. 3 „Die Etikettierung der Öle.... muß deutlich und unverwischbar die folgenden Angaben zu der jeweiligen Ölkategorie.... tragen:

• Natives Olivenöl Extra: erste Güteklasse – direkt aus Oliven aus schließ­lich mit mechanischen Verfahren gewonnen

• Natives Olivenöl: – direkt aus Oliven ausschließlich mit mechanischen Verfahren gewonnen

• Olivenöl – bestehend aus Raffiniertem Olivenöl und Nativem Olivenöl: – enthält ausschließlich Raffiniertes Olivenöl und direkt aus Oliven gewonnenes Öl.

Wenn ein Etikett auf einer zum Verkauf anstehenden Olivenölflasche die Bezeichnung Natives Olivenöl Extra führt, darf das darin enthaltene Öl also nur mittels eines mechanischen Verfahrens gewonnen worden sein.

Wenn Öle nicht ausschließlich mechanisch gewonnen werden, können sie nicht mehr der ersten Güteklasse, Kategorie 1 Natives Olivenöl Extra und auch nicht der Kategorie 2 Natives Olivenöl angehören, sondern lediglich der Kategorie 4 Raffiniertes Olivenöl. Um in den Handel zu kommen muß es mit einem Nativen Olivenöl vermischt werden. Daraus entsteht dann das Olivenöl, das der Kategorie 5 angehört. Als solches und nur als solches kann es in den Handel kommen!

Die VO (EWG) Nr. 2568/91 beinhaltet in Anhang XII die sensorische (organoleptische) Untersuchung von Nativen Olivenölen von Prüfergruppen (Panels), die von den Mitgliedstaaten zugelassen sein müssen.

In Deutschland ist bisher nur das Landesuntersuchungsamt in Oberschleißheim staatlicherseits dafür zugelassen. Ihre Aufgabe besteht darin, Fehler im Olivenöl geruchlich und geschmacklich zu entdecken. Sie sind jedoch überfordert, wenn sie in einem Natives Olivenöl Extra ein raffiniertes Lampantöl erkennen sollen, das nach den oben aufgezeigten Methoden entschärft worden ist.

Die Deklaration Natives Olivenöl Extra auf Etiketten von Flaschen, in denen nachweislich kein Natives Oliven Extra enthalten ist, erweist sich damit als eine Täuschung des Kauflustigen und Verbrauchers über den wahren Inhalt der Flaschen.

Diese Vorgänge, die auch geeignet sind, Straftatbestände unterschiedlicher Gesetze und Verordnungen zu erfüllen, sind vom Europäischen Parlament und den Mitgliedstaaten erfasst und geregelt worden.
Text und Fotos: Horst Schäfer-Schuchardt



Verordnung (EG) Nr.178/2002 des Europäischen Parlaments und des Rates

(Lebensmittelrecht, Lebenmittelsicherheit)

Art. 2  Definition von Lebensmittel

Im Sinne dieser VO sind Lebensmittel... Erzeugnisse, .... von denen nach vernünftigem Ermessen erwartet werden kann, dass sie .... von Menschen aufgenommen werden. (Lampantöl gehört wegen seines sehr hohen Säuregehaltes und wegen seines unerträglichen Geruches nicht dazu).

Art. 8 Schutz der Verbraucherinteressen

Das Lebensmittelrecht hat den Schutz der Verbraucherinteressen zum Ziel und muß den Verbrauchern die Möglichkeit bieten, in Bezug auf die Lebensmittel, die sie verzehren, eine sachkundige Wahl zu treffen. Dabei müssen
verhindert werden:

Praktiken des Betrugs oder der Täuschung, die Verfälschung von Lebensmitteln und alle sonstigen Praktiken, die den Verbraucher irreführen können.

Art. 16 Aufmachung

Unbeschadet spezifischer Bestimmungen des Lebensmittelrechts dürfen die Kennzeichnung, Werbung und Aufmachung .... sowie die über sie verbreiteten Informationen .... die Verbraucher nicht irreführen.

Art. 18 Rückverfolgbarkeit

(4) Lebensmittel, die in der Gemeinschaft in Verkehr gebracht werden ...., sind durch sachdienliche Dokumentation .... ausreichend zu kennzeichnen ...., um ihre Rückverfolgbarkeit zu erleichtern.

Art. 19 Verantwortung für Lebensmittel

Erkennt ein Lebensmittelunternehmer ...., dass ein von ihm eingeführtes, vertriebenes ..... Lebensmittel den Anforderungen an die Lebensmittelsicherheit nicht entspricht, so leitet er unverzüglich Verfahren ein, um das betreffende Lebensmittel vom Markt zu nehmen ....


Lebensmittel und Bedarfsgegenständegesetz

§ 17 Verbote zum Schutz vor Täuschung

Es ist verboten, zum Verkehr nicht geeignete Lebensmittel oder Lebensmittel, die entgegen den Vorschriften des § 31 hergestellt oder behandelt worden sind, als Lebensmittel gewerbsmäßig in den Verkehr zu bringen....

§ 52 Straftaten

Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr Gefängnis oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer entgegen § 17 Abs. 1  Lebensmittel....in den Verkehr bringt.


Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG)

§ 1. Zweck dieses Gesetzes

Dieses Gesetz dient dem Schutz der Mitbewerber, der Verbraucherinnen und der Verbraucher sowie der sonstigen Marktteilnehmer vor unlauterem Wettbewerb. Es schützt zugleich das Interesse der Allgemeinheit an einem Unverfälschten Wettbewerb.

§  3  Verbot unlauteren Wettbewerbs

Unlautere Wettbewerbshandlungen, die geeignet sind, den Wettbewerb zum Nachteil der Mitbewerber, der Verbraucher oder sonstigen Marktteilnehmer nicht nur unerheblich zu beeinträchtigen, sind unzulässig.

§ 16   Strafbare Werbung

Wer in der Absicht, den Anschein eines besonders günstigen Angebots hervorzurufen, in öffentlichen Bekanntmachungen
oder in Mitteilungen, die für einen größeren Kreis von Personen bestimmt sind durch unwahre Angaben irreführend wirbt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.


Strafgesetzbuch

§ 263 Betrug

Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, dass er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird wegen Betruges mit Gefängnis bestraft, neben welchem auf Geldstrafe sowie auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden kann ....

 



Dr. Horst Schäfer Schuchardt, Rechtsanwalt und Olivenöl-Spezialist kämpft seit vielen Jahren gegen die unlautere Geschäftemacherei mit gefälschten Olivenölen.

Er ist Jurymitglied bei der Olivenöldegustation der Redaktion Der Feinschmecker mit jährlich rund 900 getesteten Ölen. Der Berater für Olivenölproduzenten und den Handel kennt die meisten Fehlerquellen und Tricks, die dem Ruf der Olivenöle schaden.

Als Autor hat er in seinem Buch „Die Olive“, erschienen im DA Verlag Das Andere, über alle bekannten uralten und neu erkannten guten Eigenschaften des Olivenölbaums sowie den Gebrauch und  der Verarbeitung seiner Früchte berichtet. ISBN 3-922619-26-6


Die bioPress Olivenöldegustation 2011 ermittelt die TOP25:

http://www.biopress.de/Mambo/index.php?option=com_content&task=view&id=3169&Itemid=105


 

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