Start / Ausgaben / BioPress 68 - August 2011 / Pionier für Bio-Brot

Pionier für Bio-Brot

140 Jahre Brotkultur der Marke Mestemacher

1871 gründete Wilhelm Mestemacher eine Bäckerei in Gütersloh. 140 Jahre Brotkultur feierte die Großbäckerei im Jahre 2011. Die Westfalen waren die ersten, die haltbares Bio-Brot herstellten. Im Lebensmitteleinzelhandel ist das Schnitt-Brot ein Standardartikel. Mestemacher steht in 28.000 Verkaufsstellen im Regal und erreicht damit einen enorm hohen Distributionsgrad. Das Familienunternehmen wird von den geschäftsführenden Gesellschaftern Albert und Fritz Detmers und Markenmanagerin Ulrike Detmers geleitet.


Bürgermeisterin Maria Unger, Albert Detmers, Ulrike Detmers, Fritz Detmers und Helma Detmers beim 140. Geburtstag der Großbäckerei Mestemacher in Gütersloh.
 

112 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete Mestemacher im Jahr 2010. Der Bio-Anteil liegt bei 20 Prozent. Das sind 22 Millionen Euro Bio-Umsatz. In der klein strukturierten Bio-Branche ist das ein beachtliches Volumen. „Bio entwickelte sich dieses Jahr positiv. Das ist mit auf den Dioxin-Skandal zurückzuführen“, bemerkte Fritz Detmers, zuständig für Beschaffung, Produktion und Technik. Für 2011 wird ein Wachstum um sieben Prozent auf 120 Millionen Euro Umsatz erwartet. Das Unternehmen ist in dem Nischenmarkt für haltbare Vollkornbrote konventionell wie biologisch Marktführer.

Millionen-Investitionen in Nachhaltigkeit

2011 investiert die Geschäftsleitung 3,4 Millionen in die Energie-Effizienz und die Rationalisierung. Geplant ist der Bau eines Blockheiz-Kraftwerks. Energie sparen um steigende Rohstoffpreise zu kompensieren, ist geboten.

Sorge bereitet der Unternehmensführung die Spekulation und die Bio-Gasherstellung mit Getreide. Mestemacher unterstützt die Forderung der Vereinten Nationen und der Welthandelsorganisation nach einem Ende der Subventionen für Bio-Kraftstoff. Die Verspritung von Getreide treibt die konventionellen Prei­se hoch und zieht den Bio-Markt mit. „Die Verbraucher müssen zum Ende des Jahres mit höheren Preisen rechnen. Das wird wahrscheinlich fünf bis zehn Cent pro Packung Brot ausmachen“, führte Albert Detmers aus.

Die Bio-Rohstoffe, das ist im wesentlichen Roggen, werden möglichst aus Deutschland beschafft. Durch Vertragsanbau sichert sich das Unternehmen die Rohstoff-Basis. Die Westfalen kaufen das ganze Korn und mahlen selbst.

Seit 1985 auch biologisch

Der Back-Betrieb ist seit 1985 in der Hand der Familie Detmers. Seitdem stellt die Bäckerei Bio-Vollkornbrot her. Mestemacher war Pionier bei haltbaren, geschnittenen und verpackten Bio-Broten. „Bio wird auch weiterhin auf eine weltweit wachsende Nachfrage stoßen. Deshalb fordert Mestemacher von der Politik mehr Anreize für die ökologische Produktionsweise zu liefern und mehr Gelder in die Förderung der Bio-Landbau-Forschung zu stecken“, erklärte Albert Detmers. Neben der Marke Mestemacher werden in Bio-Qualität auch Private Labels hergestellt. Mit der Hersteller-Marke plus Private Labels sind die Gütersloher Marktführer bei verpackten Bio-Broten. Die Zahl der Hersteller dieser Spezial-Brote ist verschwindend gering.

Die Marke macht den Wert des Unternehmens aus. Mit Social Marketing beschritt Ulrike Detmers, Leiterin des Markenmanagements, neue Wege in der Firmengeschichte. Mit Preisen für die Spitzenmanagerin des Jahres, Spitzenvater des Jahres und Kita-Preis generierte sie zwischen 2005 und 2010 mehr als 3.500 Presseveröffentlichungen. Soziale Verantwortung gehört zum ganzheitlichen Bio-Gedanken und passt hervorragendend ins Konzept des Unternehmens.

„Wertschaffende Gesundheits-, Gleichstellungs- und Vereinbarkeitsorientierung für Beruf und Familie werden mit Mestemacher in Verbindung gebracht. Der Gewinn an Prestige führt dazu, Motivation und Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten zu steigern und Handelspartner zu überzeugen, Mestemacher Produkte anzubieten“, heißt es im Geschäftsbericht.

Wilhelm Mestemacher begann 1871 als Stadtbäcker in Gütersloh. 1910 gründete er eine Bäckerei für das Spezialbrot Pumpernickel. Eine der Käufergruppen waren die Anhänger der Lebensreform-Bewegung. Zu ihrem Lebensstil gehörte eine vollwertige Kost. Aus dieser Bewegung erwuchsen die Reformhäuser. Der Schritt zu einer Bio-Range 1985 war damit eine konsequente Weiterentwicklung.
Anton Großkinsky

Ticker Anzeigen