Start / Ausgaben / BioPress 68 - August 2011 / Serbien unterstützt Bio

Serbien unterstützt Bio

Agrarministerium fördert eine nachhaltige Landwirtschaft

{mosimage}

Bio ist Bestandteil der Landwirtschaftspolitik Serbiens. Das Parlament hat 2010 ein Gesetz über biologische Landwirtschaft verabschiedet. Das Regelwerk ist konform mit der EU-Ökoverordnung. Nur so haben die Bio-Erzeugnisse Marktchancen in Europa. Einen Aktionsplan für Ökolandbau hat Belgrad ebenfalls entworfen. Das Ziel ist ehrgeizig: Bis 2014 sollen 50.000 Hektar zertifiziert oder in Umstellung sein.

Die Anbaufläche beträgt aktuell erst 8.661 Hektar einschließlich Umstellungsfläche. 4.196 Hektar sind umgestellt. In Umstellung sind 1.255 Hektar. Bei 3.210 Hektar ist der Status nicht bekannt. Die Daten hat die FiBL aus der Schweiz im Auftrag der GIZ erhoben. Befragt wurden die Zertifizierer SGS, Control union, IMO, Evrocert, ETKO, OCS, Bioagricert und OEKOP.

Dauerkulturen wie Apfel, Pflaumen und Beerenobst spielen mit einer Fläche von 2.160 Hektar die Hauptrolle. Als Grünland sind 1.710 Hektar zertifiziert. Der Ackerbau hat mit 325 Hektar noch keine Bedeutung. Für eine Fläche von 2.023 Hektar gibt es keine Angaben über die Nutzung.

Der Staat fördert die Umstellung auf  Bio-Landwirtschaft mit maximal 450 Euro pro Hektar für Gemüseanbau. Für Feldfrüchte gibt es 300 Euro/Hektar. „Das ist eine ordentliche Förderung“, lobt Ecoland-Vorsitzender Rudolf Bühler nach einem Treffen im Belgrader Landwirtschaftsministerium. Die Tochter-Gesellschaft Ecoland.rs© betreibt Bio-Anbau in Serbien. In Baden-Württemberg gab es zuletzt unter der schwarz-gelben Landesregierung keine Förderung mehr.

Mit Serbia Organica existiert seit 2009 ein Dachverband mit Nada Miskovic als Präsidentin. Miskovic betreibt in Belgrad drei Einzelhandelsgeschäfte mit dem Namen Bio Spajz. „Ich besuche die BioFach seit 20 Jahren“, sagt die Händlerin und Funktionärin. Mit einem Gemeinschaftsstand auf der BioFach präsentierte sich das biologische Serbien im Februar in Nürnberg.


Die staatliche deutsche giz (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) unterstützt die biologische Landwirtschaft in Serbien mit ihrem Wirtschaftsförderungsprogramm Access. In Zusammenarbeit mit der Universität Kassel richtete die Uni Novi Sad einen Bachelor-Studiengang für biologische Landwirtschaft und 2011 eine Professur für Biologischen Landbau ein. Forschung und Lehre sind eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Bio-Entwicklung. „Landwirtschaft ist der wichtigste Wirtschaftsfaktor in Serbien mit einem Anteil von 20 Prozent. Das Potenzial, das genutzt werden kann, ist enorm. Der Bio-Sektor wächst und ist profitabel“, erklärte Wolfram Maas, deutscher Botschafter in Belgrad. Deshalb fließt deutsche Entwicklungshilfe auch in die Bio-Landwirtschaft.

Auch Ecoland transferiert Wissen in die Vojvodina. Im Landwirtschaftsinstitut von Sombor gab es zwei Tage Fortbildung für die Landwirte. Ecoland-Geschäftsführer Christoph Zimmer referierte vor den Bauern von Telecka über die Organisation und Aufgaben eines Bio-Verbandes. Geschäftsführer Richard Walter von der Erzeugergemeinschaft Hohenloher Höfe vermittelte die Erfahrung aus 25 Jahren Bio-Landwirtschaft.

Vor den Toren Novi Sads ist das Institut für Feld- und Gemüsekulturen zuhause. Seit fünf Jahren bietet das Institut den Bauern biologisches Saatgut an. 100 Sorten zum Beispiel Weizen, Sojabohnen, Buchweizen, Hirse, Mais, Popcorn umfasst das Angebot des Instituts unter Leitung von Direktor Borislav Kobiljski. Erstmals hielt das Institut dieses Jahr eine Tagung zum biologischen Landbau ab. Eine jährliche Wiederholung ist geplant. Kobiljski will ein Wissenszentrum für Saatgut, Anbau und Weiterbildung etablieren.

Bio ist in Serbien ein Exportartikel. Die Inlandsnachfrage ist gering. Die Verarbeitung steckt in den Kinderschuhen. Endproduk­te gibt es wenige. Zu kaufen gibt es Bio-Produkte zum Beispiel im dm Drogeriemarkt in Sombor. Die Preise entsprechen dem deutschen Niveau. Bei einem Netto-Durchschnittsverdient von 350 Euro sind das keine Produkte für alle. Zwei serbische Bio-Produkte befinden sich im Sortiment. Der Rest ist importiert.

In Novi Sad werden auf dem Bauernmarkt „Mein Hof“ einmal pro Woche biologische Produkte angeboten. Der Umweltverband Grünes Netzwerk Vojvodina rief den Markt 2004 ins Leben. Frisches Obst und Gemüse stehen im Vordergrund des Bio-Angebots. Bis sich in Serbien Bio flächendeckend im Handel ausgebreitet hat, fließt allerdings noch viel Wasser die Donau hinunter.
Anton Großkinsky

Ticker Anzeigen