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Editoral

Editorial Ausgabe 66/Februar 2011

Liebe Leserin, lieber Leser!

Bio will wachsen aus eigener Kraft. Die Erfolgsgeschichte der Skandale konventioneller Landwirtschaft macht dem jedoch immer wieder einen Strich durch die Rechnung.

Es sind die Zeiten höchster Not. Die Politik verwässert den Begriff Bio, setzt den ökologischen Landbau und dessen Anstrengungen mithilfe von Begriffsverwirrung gleich mit Bio-Regionen, hinter denen nichts anderes steckt als die Grüne Gentechnik, die keiner will.

Wer weniger Chemie einsetzt auf dem Acker, soll mitprofitieren vom Ökolandbauprogramm, das nur schwach ausgestattet ist mit Mitteln. Die sich das ausgedacht haben, stehen plötzlich mitten im Skandal der hergebrachten Methoden und Systeme. Ist es ein letztes Zucken oder wieder nur eine neue Runde, und es geht weiter so?

Revolutionen scheinen plötzlich überall möglich, seit die erste 1989 friedlich über die Bühne lief. Menschen dürfen anders sein! Sie müssen nicht der Gleichung „immer weiter wie bisher“ anhaften, um einen erfolgreichen Lebensweg gehen zu können. Anpassung ist ebenso out wie die Fixierung auf Prestige. Sinnmärkte drängen in die Mitte und in allen Lebensbereichen zeigen sich Alternativen! Dynamisieren kurze Informationswege jetzt alles?

Wir ernten plötzlich die Früchte unserer Arbeit von vor zehn Jahren! Heute geht es in keinem Supermarkt mehr ohne Bio-Eier. Bio-Bananen müssen sein, egal ob Bioladen oder Aldi. Und sie sind alle echt! Mehrere hundert Bio-Obst- und -Gemüseanbieter auf der FruitLogistica, das hätten wir im Jahr 2000 nicht zu träumen gewagt. Vor drei Jahren ist auf den Großmärkten der Run auf Bio aufgefallen. Die Umstellung der Strukturen kommt nicht hinter den Konsumentenwünschen her.

Hatte Walmart recht vor zwei Jahren mit der Prognose, dass demnächst die Kunden den Supermarkt für ihren Gesundheitszustand verantwortlich machen würden? Und dass nur breite Bioangebote in den Regalen die Abwanderung zum Wettbewerber verhindern? Jedenfalls spüren heute bereits viele Kaufleute diese Tendenz und reagieren  auf die Nachfrage mit der Ausweitung ihrer Sortimente.

Wir können heute prognostizieren, dass nicht mehr nur das Aufschalten weiterer Märkte das Biowachstum beherrscht. Breitere Angebote bringen mehr Bioumsatz in die Kassen. Das wird dann auch die GfK und Nielsen messen. Wieviel Zeit wird noch nötig sein, bis zehn, elf Milliarden Bio-Umsatz erreicht sind? Wie weit weg sind die 20 Prozent Umsatzanteil für Bio, den die grüne Renate auf ihre Wunschliste geschrieben hatte?

Ehrlich draufgeschaut sehen wir ohne weiteres diesen neuen Marsch durch die Institutionen. Junge Handelsmanager suchen Herausforderungen. Sie haben keine Scheuklappen mehr. Wer sie agieren lässt, hilft sich selbst und einer Zukunftsgestaltung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt und nicht mehr nur den Profit.

Und noch eine Komponente: Die Frauen kommen! Sie drängen an die Bio-Regale und wollen gesunde Lebensmittel ohne Belastung kaufen. Sie drängen auch in die Vorstandsetagen und verändern schnell, was bisher gepriesen wird. Nachhaltigkeit wird heute noch gepredigt und morgen schon umgesetzt? Es würde wahrscheinlich Vielen gefallen, wenn der Weg zum rundum Bioeinkauf im Umkreis von fünf statt 25 Kilometer möglich wäre.

Auslands-Bio-Experten schauen sich um in Deutschland. Bestürzt stellen sie die Frage nach der Konfrontation zwischen Naturkostfachbranche und Bio in den Supermärkten. Im Kopf haben sie die Solidarität aller, die Bio wollen. Sie se­hen die vielen Supermärkte mit ihren Konsumenten und vergleichen das auch mit ihrer Heimat. Dabei verstehen sie nicht, dass Supermärkte hier schlechteres Bio haben sollen oder herkömmliche Kaufleute Bio nicht richtig anbieten und verkaufen könnten.

Nun, sagen sie, dann werden sie es lernen. Sie sollen alle Hilfe kriegen, die sie wollen! Das Ergebnis sind dann volle Bioregale und immer mehr Öko-Landwirtschaft auf der Welt.

Erich Margrander
Herausgeber


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