Start / Ausgaben / BioPress 66 - Februar 2011 / Bio ist selbstverständlich

Bio ist selbstverständlich

Staufers in Göppingen überzeugt mit zwölf Prozent Umsatz-Anteil aus kbA

Staufers Edeka in Göppingen/Baden-Württemberg ist ein noch junger Name in der deutschen Handelslandschaft und hat eine Tradition, die bis ins Jahr 1889 zurückreicht. Die 14 Märkte in Göppingen und um Göppingen herum profilieren sich mit einem hohen Bio-Anteil von zwölf Prozent an einem Umsatz von 50 Millionen Euro. Das sind immerhin gut sechs Millionen Euro, soviel wie zwei gutgehende Bio-Supermärkte machen. Das alles schafft Staufers mit viel weniger Produkten, nämlich gerade mal 1.800 aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA).

„Wir verkaufen immer mehr Bio. Es ist inzwischen eine Selbstverständlichkeit für uns geworden“, erklärt Vorstandsvorsitzender Matthias Füchtner. Seit 2005 stieg der Gesamtumsatz von 30 Millionen auf mittlerweile 50 Millionen Euro. Dazu hat auch ein überproportional wachsendes Bio-Sortiment beigetragen. 14 Standorte betreibt der kleine Lebensmittelfilialist Konsumgenossenschaft Göppingen: Zehn Edeka aktiv Supermärkte und vier nah und gut Kleinflächen.

1889 gründeten Göppinger Verbraucher die Konsumgenossenschaft. 1997 schloss sich der Konsum Göppingen der Edeka Südwest als selbstständiger Einzelhändler an. Seit 2008 firmiert das Handelsunternehmen unter der neu kreierten Marke Staufers.

Als Matthias Füchtner 2006 den Vorsitz der Konsumgenossenschaft übernahm, stellte der Vertriebler mit zwölf Jahren Kaufland-Erfahrung fest: „Keiner kennt die Genossenschaft. Für die Leute sind wir Edeka. Zum Teil wurden wir verwechselt mit Gebauer.“ Der alt  eingesessene Edeka-Kaufmann ist der Maßstab für qualitätsorientierten Handel in der Stauferstadt.

Tradition wird weitergeführt


Vorstandsvorsitzender Matthias Füchtner hat bei der Konsumgenossenschaft Göppingen Bio vorangetrieben.
Bei Füchtner reifte schnell die Einsicht: „Wir müssen uns abheben und profilieren“. Mit einer Göppinger Agentur schuf der Vorstand die Marke Staufers. „Wir haben im Logo die Edeka-Farben blau gelb aufgenommen und in grün die drei Kaiserberge hinzugefügt“.

Die Kreisstadt Göppingen mit heute 57.000 Einwohnern war im Hochmittelalter Stammsitz der Staufer Kaiser. Die Erinnerung daran ist noch lebendig und wird gepflegt. Mit der Marke ist das Unternehmen lokal verwurzelt und kann mit Regionalität punkten.

„Das war ein Treffer ins Schwarze. Ich bin schon als Herr Staufers angesprochen worden. Wir sind wiedererstarkt und mittlerweile fast auf Augenhöhe mit Gebauer.“, schmunzelt Füchtner. Der selbständige Einzelhändler Gebauer ist Kollege und nicht so sehr Konkurrent: „Der Discount ist in der Nahversorgung der Wettbewerber Nummer eins für uns.“

Ein hoher Frische- und Bio-Anteil am Umsatz weisen einen Weg jenseits der Discountisierung. Füchtner führt einen Kommunikationswettbewerb, keinen Produktwettbewerb. In einer Image-Beilage gibt sich das Einzelhandelsunternehmen traditionsbewusst, regional und fortschrittlich. Als Nahversorger appelliert er an das Wir-Gefühl. Die Genossenschaft als Community überzeugt auch die i-phone Generation.


Ingwer gibt es nur aus biologischem Anbau. Bio-Kaffee-Spezialitäten werten das Sortiment auf.
Nach Kaufland-Manier heißt Füchtners Konzept modernisieren, optimieren und expandieren. Dazu muss das Unternehmen investieren. „Geld war vorhanden. Wir haben eine Eigenkapitalquote von 60 Prozent. Das ist fast einmalig“, betont der Vorstandsvorsitzende. Die Genossen eröffneten seit 2007 zwei Filialen und erweiterten einen bestehenden Markt. Für 2011 ist eine Markthalle mit 1.300 Quadratmeter Verkaufsfläche geplant.

750 Bio-Artikel aus dem Ordersatz der Edeka werden vermarktet. Streckenlieferanten kommen hinzu. Bei Randartikeln herrscht das Substitutionsprinzip. Ein herkömmlicher Artikel wird durch ein Bio-Produkt ersetzt, wie beim frischen Ingwer. Regionale Lieferanten wie der Hagenauer Hof mit Bio-Eiern werden gefördert. 6.500 Bio-Artikel stehen Staufers zur Verfügung. Maximal 1.800 werden genutzt. Auf den Kleinflächen sind es entsprechend weniger.


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