Boden ist Leben

Symposium in München zeigt Bedeutung von Dreck

Der Boden ist eine der wichtigsten Lebensgrundlagen auf unserem Planeten. Dies zeigte das Bodensymposium „Quell des Lebens oder wertloser Dreck?“ im Münchner Stadtmuseum am 14. und 15. Oktober ganz deutlich. Veranstaltet wurde die Tagung gemeinsam von Naturland, der Hofpfisterei und dem oekom verlag im Rahmen des 4. Münchner Klimaherbstes. Prof. David R. Montgomery von der Universität Washington warnte in seiner Buchpräsentation von „Dreck - Warum unsere Zivilisation den Boden unter den Füßen verliert“ eindringlich vor der weltweiten Bodenerosion. „Der Verlust dieser wichtigen Lebensgrundlage wird zu einem großen Problem für die Menschheit“, betonte der amerikanische Geologe und Sachbuchautor. Alle Referenten stellten klar, dass der Schutz des Bodens oberste Priorität haben muss.

„Ökologischer Landbau leistet bereits jetzt einen großen Beitrag für gesunde Böden. Das Herzstück für jeden Öko-Landwirt ist es, die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und Humusaufbau durch gezielte Fruchtfolgen zu fördern“, beschreibt Naturland Landwirt Hans Wimberger seinen Arbeitsalltag auf dem Acker. Prof. Kurt-Jürgen Hülsbergen, Leiter des Lehrstuhls für Ökologischen Landbau und Pflanzenbausysteme der TU München, machte deutlich, dass die Landwirtschaft sowohl vom Klimawandel beeinflusst wird als auch ihrerseits klimarelevante Spurengase freisetzt.

Verschiedene Forschungsprojekte, in denen auch Öko-Landwirte beteiligt sind, zeigten, dass die Landwirtschaft mit vielseitigen Strategien dem Klimawandel entgegenwirken kann. „Bereits jetzt leistet der Öko-Landbau durch Humusaufbau, den Einsatz von Leguminosen und durch Fruchtfolgemanagement ei­nen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz. Jedoch müssen seine Kapazitäten noch konsequenter genutzt und ausgebaut werden“, resümierte Hülsbergen.
feste Gegensätze auf, und hierin liegen große Chancen für eine Postwachstumsgesellschaft“, fasste Müller die neue Bewegung zusammen.

Terra Preta – Kohlenstoffsenke und Modell für eine nachhaltige Landnutzung?

Prof. Dr. Bruno Glaser vom Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften der Universität Halle-Wittenberg präsentierte seinen aktuellen Forschungsstand zu den Indianer-Schwarzerden Amazoniens. Die Terra Preta ist anthropogenen Ursprungs: Sie entwickelte sich durch Oxidation verkohlter Biomasse, die sich zusammen mit anderen nährstoffreichen Abfällen durch mikrobielle Umwandlungen (Kompostierung) mit den Tonteilchen des ursprünglichen Bodens verbinden. Die „Schwarze Erde“, wie die Terra Preta auch genannt wird, ist sehr fruchtbar und hat hohe Kohlenstoff-, Nährstoff- und Wasserspeicherkapazitäten.

In seinem Forschungsansatz sollen durch spezielle technische Verfahren aus Biomasse erneuerbare Energie und Holzkohle gewonnen und anschließend die
kompostierte Holzkohle in die Böden eingearbeitet werden, um deren Fruchtbarkeit langfristig zu erhöhen. „Dadurch könnten weltweit stark degradierte Böden nachhaltig aufgewertet werden. Zudem wäre es möglich, Kohlendioxid aus der Luft über Jahrtausende in die Böden einzulagern“, erklärte der Wissenschaftler weiter.

Bodenbewusstsein schaffen

Es gibt viele Ursachen, warum die Öffentlichkeit dem Boden einen zu geringen Stellenwert beimisst: „Die Menschen haben den Bezug zum Boden verloren, und ihnen fehlt die Verbindung von Boden und Lebensmitteln“, so Prof. Dr. Günter Miehlich. „Außerdem habe der Boden keinen Kuschelfaktor, bewege sich nicht und sei nur schwer greifbar. Um dem Schutz der Böden mehr Aufmerksamkeit zu schenken, forderte er, nutzerspezifische Regeln und Informationen zu erstellen und sie über ein international aufgestelltes Netzwerk zu vertreiben.

Christa Müller von der Stiftungsgemeinschaft anstiftung & ertomis stellte an Hand von vier Projekten dar, dass durch die weltweit aufblühende Urban-Gardening-Bewegung mehr Bewusstsein für Landwirtschaft und Lebensmittel geschaffen wird. Zu beobachten sei eine Renaissance des Gärtnerns, des gemeinschaftlichen Anbaus von Nahrungsmitteln und eine Rückkehr der Natur in die Stadt.

Neben dem positiven Effekt, den Stadtbewohner Kontakt zum Boden zu vermitteln, ist auch der soziale Aspekt von großer Bedeutung: Der Anbau von Lebensmitteln und seine ökologischen und sozialen Dimensionen werden erfahrbar. Die Gemeinschaftsgärten in der Stadt helfen den Menschen zu verstehen, wo ihre Lebensmittel herkommen. „Die Grenzen zwischen Stadt und Land lösen sich als feste Gegensätze auf, und hierin liegen große Chancen für eine Postwachstumsgesellschaft“, fasste Müller die neue Bewegung zusammen.


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