Start / Ausgaben / BioPress 66 - Februar 2011 / BESH vergibt Agrarkulturpreis

BESH vergibt Agrarkulturpreis

Biologisch-nachhaltige Landwirtschaft wird gewürdigt

Die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH) hat erstmals den Agrarkulturpreis Hohenlohe vergeben. BESH-Vorsitzender Rudolf Bühler übereichte die Urkunden beim 14. Hohenloher Kochfestival. Dotiert ist der Preis mit 6.000 Euro. Der Gesamtsieger für besondere Verdienste im Bereich nachhaltiger ländlicher Entwicklung erhält 3.000 Euro; die Sieger in den drei Kategorien Ökologie, Biodiversität, Soziales und Kultur je 1.000 Euro.

„Es ist an der Zeit, dass die Kulturleistungen der ländlichen und bäuerlichen Gemeinschaft für unsere Gesellschaft wieder entsprechend gewürdigt werden“, erläutert Rudolf Bühler die Hintergründe, die zur Stiftung des Agrarkulturpreises geführt haben. Die Leistungen drücken sich in sozialer Verantwortung, der Bewahrung der Schöpfung und nachhaltigem Wirtschaften aus.

Die Preisträger werden von einer fünfköpfigen Jury ermittelt: Fürst Phillip zu Hohenlohe-Langenburg, Claus-Peter Hutter als Präsident der Stiftung Nature Life International, Prof. Friedhelm Göltenboth von der Universität Hohenheim, Otto Geisel von Slow Food Hohenlohe-Tauber und Rudolf Bühler, Vorstandsvorsitzender der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft.

Gesamtsieger

Ernst und Birgit Rieger aus Blaufelden-Raboldshausen sind deutschlandweit Pioniere. Sie erzeugen und vermehren das Saatgut von Wildpflanzen aus Hohenlohe. Dieses Wildsaatgut stammt von Pflanzen, die genau in der Region gewachsen sind, in der die Saatmischungen später auch zum Einsatz kommen. Der Fachmann spricht von autochtonen, das heißt alten, einheimischen Arten. Um das Saatgut selbst vermarkten zu können, gründete Ernst Rieger zusammen mit dem Landwirt Rainer Hofmann 1994 die Rieger-Hofmann GmbH. Heute umfasst die Kooperation 70 Anbauer und Sammler mit einer Anbaufläche von 200 Hektar. Mit insgesamt 47 Standardmischungen reicht der Einsatzbereich von der Ufermischung bis zur Dachbegrünung.

Sieger Kultur und Soziales

Helga und Walter Schöll aus Brunzenberg bei Frankenhardt nehmen in vielerlei Hinsicht eine Vorreiterrolle in Hohenlohe ein: Ihr Hof war einer der ersten Bio-Betriebe in der Region. Sie sind deutschlandweit Pioniere im Anbau von Urgetreide wie Emmer und Einkorn und haben als einer der ersten Betriebe in der Region Hohenlohe ein Café als festen Bestandteil in das Hofleben integriert. Zudem arbeiten seit mehr als 25 Jahren seelenpflegebedürftige Menschen mit. Seit mehr als 300 Jahren ist ihr landwirtschaftlicher Betrieb, der „Buchenhof“, in Familienbesitz. „Jegliche Art von Massentierhaltung war und ist gegen unsere Überzeugung“, erklärt Walter Schöll. 1984 haben die Schölls den 40-Hektar-Betrieb auf biologisch-dynamische Wirtschaftsweise umgestellt.

Sieger Biodiversität

Elke und Harald Glasbrenner aus Tüngental setzen sich auf ihrem „Hohwiesenhof“ für den Erhalt der vom Aussterben bedrohten Limpurger Rinder sowie für die Bewahrung alter Obstsorten ein. Durch ihre Überzeugung und ihr Engagement sind sie als Landwirte Vorbild für die Erhaltung der Biodiversität (Artenvielfalt) in Hohenlohe.

Die älteste württembergische Rinderrasse zählt nur noch etwa 320 Tiere. Im Moment besteht die Herde der Glasbrenners aus vier Limpurger Mutterkühen, einem Zuchtbullen, einem Weideochsen und drei Jungtieren. Für das Ehepaar war es selbstverständlich, sich an der Initiative des Landratsamtes für den „Lernort Bauernhof“ zu beteiligen. So wird Schülern das Zusammenwirken von Mensch, Tier und Natur näher gebracht.

Sieger Ökologie

Gerhard Walter aus Mainhardt-Geißelhardt setzt sich seit vielen Jahren für die Erhaltung der Kulturlandschaft in Hohenlohe ein. Walter gründete 1988 zusammen mit sieben weiteren Landwirten die Erzeugergemeinschaft für umweltschonend erzeugte sowie kontrollierte Nahrungsmittel (EUKON). Kartoffeln werden angebaut und naturreiner Apfelsaft erzeugt. Die Äpfel dafür kommen von Streuobstwiesen, die ohne Spritzmittel bewirtschaftet werden. „Wichtig ist, verantwortungsvoll mit dem Boden, dem Wasser und der Luft umzugehen und dementsprechend Landwirtschaft betreiben“, betont Walter. 1991 war er dann Mitbegründer der Erzeugergemeinschaft Hohenloher Höfe.

Anton Großkinsky


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