Start / Ausgaben / BioPress 66 - Februar 2011 / Bio noch besser machen

Bio noch besser machen

Fairverein schafft Mehrwert durch Fairness

Den Verein „Bestes Bio - Fair für alle“ haben neun deutsche Hersteller 2008 auf der BioFach vorgestellt. Die Saat ist aufgegangen, wie sich bei der Mitgliederversammlung in Unterneuses/Oberfranken herausstellte. Die Mitgliederzahl des Vereins ist auf nunmehr 33 angewachsen. Bei den Wahlen wurde der Vorstand mit Karin Artzt-Steinbrink, Siegfried Schedel und Hubert Wall bestätigt. Aktuell wird an einer Satzungsänderung gearbeitet. Neben Herstellern sollen sich auch Erzeuger und Handel zertifizieren lassen können und somit die gesamte Wertschöpfungskette einbezogen werden.

„Wir müssen uns als Bio-Hersteller weiter entwickeln und dürfen nicht stehen bleiben“, betonte Bäckermeister Siegfried Schedel als Gastgeber des Treffens. Die Hersteller schaffen Mehrwert durch Richtlinien, die über die gesetzlichen und Verbandsvorschriften hinausgehen und Regeln zu fairem Wirtschaften und Regionalität enthalten.

Die Zertifizierung kann von jeder anerkannten Kontrollstelle vorgenommen werden. ABCERT macht die Gesamtauswertung. Wer das Verfahren durchlaufen hat, kann das Fair-Logo auf der Verpackung als Verkaufsargument nutzen und von den Aktionen des BioFairVereins profitieren. 2009 und 2010 liefen zum Beispiel gestützte Verkostungen.

Fairness als soziale Verantwortung in der Wirtschaft (CSR), erschöpft sich oft in Spenden. „Ich gebe fünf Cent, und schon bin ich fair“, brachte es Siegfried Schedel auf den Punkt. Diese oberflächliche Praxis reicht nicht für Bestes Bio.

Soziale Verantwortung trägt der Hersteller gegenüber seinen Lieferanten. Die Dorfkäserei Geifertshofen in Baden-Württemberg zahlt den Bauern faire Milchpreise. Die Bauern mussten dazu allerdings die Karten offen auf den Tisch legen. Käserei-Chef Hubert Wall hat in die Bücher schauen lassen und errechnete 53 Cent pro Liter. In der zurückliegenden Krise zahlte die Käserei dann 50 Cent. Das ist über dem Schnitt.

Die Riedenburger Brauerei in Bayern bietet ihren Landwirten fünf Jahres Kontrakte, wie Inhaber Michael Krüger erläuterte. Die Bio-Landwirte haben somit einen gesicherten Absatz, und die extremen Preisschwankungen für Rohware werden verringert.

Faire Bezahlung der Mitarbeiter ist auch im reichen Deutschland nicht selbstverständlich. „Fairer Lohn muss nicht immer Tarifniveau bedeuten. Aldi ist leistungsfähiger als ein kleines Unternehmen in der Startphase“, schränkt Anke Schekahn vom BioFairVerein ein. Der Discount-Riese müsste dann fairer Weise über Tarif zahlen. Das Bio-Kleinunternehmen wäre bei untertariflicher Bezahlung noch fair. Außerdem geht es auch um Zufriedenheit am Arbeitsplatz. Karl Schweisfurth plädierte klar für soziale Verantwortung: „Wenn wir werthaltige faire Produkte verkaufen, können wir unser Mitarbeiter gut bezahlen, und die können wieder einkaufen und sich auch Produkte leisten, die sie selbst verkaufen“.

Regionalität ist ein weiteres Anliegen des Fairvereins. Als Region haben die Mitglieder dabei Deutschland definiert. 60 Prozent der Rohware muss aus Deutschland stammen. „Die Region ist oft Verklärung“, fügt Schekahn an. Fairverein-Gründungsmitglied Schedel bezieht 88 Prozent der Rohware aus 200 Kilometer Umkreis. Die Regionalität hat Grenzen: Gewürze oder Kakao müssen importiert werden. Regionalität im Vertrieb ist auch nur bedingt möglich. Wollte der Bauckhof seine demeter-Getreideprodukte nur regional in der Lüneburger Heide vermarkten, bräuchte er keinen Mühlen-Betrieb, da würde eine Haushaltsmühle reichen.

Die Bio & fair-Zertifizierung können bisher nur Hersteller erwerben. Aktuell diskutiert der Verein die Ausdehnung auf Erzeuger und den Handel. „Der Handel hat eine höhere Hemmschwelle für eine Zertifizierung als die Hersteller. Hier denken wir über ein Partnerschaftsmodell nach, das leichter umsetzbar ist“, berichtet Anke Schekahn.

Welche Vertriebsschienen sich zertifizieren lassen können, ist noch nicht entschieden. Teile des Naturkosthandels hätten das Siegel gerne exklusiv, um sich vor der Konkurrenz zu schützen. Bio-Supermarkt Betreiber Bernhard Neuhoff aus Regensburg plädierte gegen Einschränkungen auf Fachgeschäfte: „Wer die Richtlinien erfüllt, muss das Siegel bekommen“. Den Erfolg eines Kaufmanns bedingen nach seiner Meinung andere Faktoren: „Sauberkeit, ein kompetentes Sortiment und Service sind entscheidend. Auch der Preis ist nur zu einem gewissen Prozentsatz an der Verkaufsentscheidung beteiligt. Wer sein Geschäft gut führt, behauptet sich im Wettbewerb.“

Die Bio-Bauern müssen ebenfalls einbezogen werden. Wenn in der Landwirtschaft unterbezahlte osteuropäische Erntehelfer eingesetzt werden, kann auf dem Produkt aus den Rohstoffen, kein Fair-Siegel aufgedruckt sein, wie Geschäftsführerin Schekahn zu bedenken gibt. Wie die Regeln für Erzeuger aussehen, ist ebenfalls noch offen. An Stelle einer komplizierten Zertifizierung kann ein Kodex stehen. 2011 soll die Diskussion zu Ende sein und Beschlüsse gefasst werden.

Anton Großkinsky


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