Start / Ausgaben / BioPress 66 - Februar 2011 / Kaffee, Kakao und Co.

Kaffee, Kakao und Co.

Eine zielgruppengerechte Sortimentsgestaltung mit Bio-Kaffee ist längst kein Problem mehr. Die Auswahl reicht vom milden Kaffee für jeden Tag bis hin zu Kaffeeraritäten – mit einer entsprechend breiten Preisspanne. Die hohe geschmackliche Qualität spiegelt sich in ansprechenden, aussagekräftigen Verpackungen wieder.

Frisch geerntete Kaffee-Kirschen.{_umbruch_}Foto: Darboven

Der konventionelle Kaffee- und Kakaomarkt leidet schon länger unter starken Preisschwankungen, die durch Börsenspekulanten verstärkt werden. Dabei klafft die Lücke zwischen drastisch steigenden Rohstoffpreisen und sinkenden oder gerade mal gleich bleibenden Verkaufspreisen weit auseinander.

Das durch unerlaubte Preisabsprachen geschürte Misstrauen der Verbraucher wächst durch Meldungen über gestreckte Produkte. Der Handel kann sich mit einer Listung von Bio-Kaffee vom aggressiven Preiskampf der Discounter, der entweder zu Lasten der Kaffeebauern oder der Kaffeequalität gehen muss, abgrenzen.
Auch der Bio-Markt hat mit Kostensteigerungen und einer Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage zu kämpfen. Trotzdem stehen die Markenhersteller für ehrliche und weitgehend stabile Preise, auf Einkaufs- wie auf Verkaufsseite. Dennoch sind im Bio-Kaffeemarkt steigende Preise für das kommende Jahr vorprogrammiert.

Kaffee zählt zugleich zu den Lebensmitteln, bei denen die Kombination Bio & Fair besonders häufig anzutreffen ist und vom Verbraucher auch honoriert wird. Insofern lassen sich gleich zwei Zielgruppen erreichen: Jene Menschen, denen die sozialgerechte Beschaffung besonders am Herzen liegt und jene, die vor allem auf pestizidfreien, umweltschonenden Anbau Wert legen. Kaufleute, die dabei aktuelle Trends berücksichtigen wollen, sollten neben hochwertigen FairTrade-Produkten auch Länderkaffees im Bio-Regal haben.

Unkomplizierte Familienkaffees erreichen breite Kundenschichten

Im normalen Handel gehen Röstkaffees für den täglichen Genuss am häufigsten über den Tisch. Den in Deutschland favorisierten mildaromatischen Geschmack erreichen die Bio-Anbieter durch einen Blend von verschiedenen Bohnen und eine entsprechende Röstung. Im Preiseinstiegsbereich ab vier Euro pro Pfund finden sich zum Beispiel die Bio-Versionen größerer Röstereien wie Minges oder Röstfein sowie die Handelseigenmarken, die unter anderem von der Wertform und Niehoff versorgt werden.


Foto: Darboven
Der Röstkaffee von Alnatura und der Enerbio Kaffee von Rossmann im schlichten 500-Gramm-Vakuumpaket dehnen den Absatzmarkt dabei auf Drogeriemärkte aus. Auch andere reine Bio-Firmen bieten meist eine unkomplizierte, relativ preiswerte Mischung an.

So gehört zum Beispiel der Café Dia aus Arabica- und Robustabohnen zu den gefragtesten Kaffees im Lebensbaum-Sortiment. Etwas höher im Preis liegt die Gepa mit Café AHA, ebenfalls mit Robusta-Anteil. Um reine Arabica-Kaffees handelt es sich dagegen zum Beispiel bei J.J. Darboven mit dem Fair Trade-gesiegelten Café Intención ecológico und Oasis mit Specia Milder Genuss.

Flexibilität ist auch in diesem Segment angesagt. Diesem Verbraucherwunsch lässt sich mit den eigenständigen Produktlinien in diversen unterschiedlichen Abpackungen von Wertform mit der Mar­ke Mount Hagen und von Niehoff mit Coffea Natura entsprechen. Je nach Zielgruppe oder Bedarf gibt es 250-, 500- oder 1000-Gramm-Einheiten, Pulver oder Bohnen, ‚gelernte’ Vakuumpakete oder die wieder beliebten Schlauchbeutel. Bei den nicht-vakuumierten Packungen sind derzeit die griffigen Softbeutel mit mattglänzendem Druck gefragt, primär für hochwertige Qualitäten.

Zwar entfällt im Einzelhandel der weitaus größte Umsatzanteil auf das klassische Pfund, doch sind die Bohnenkaffees im großen Ein-Kilo-Beutel aus dem Regal nicht mehr wegzudenken. Das liegt an der Verbreitung von Kaffeevollautomaten in Büros ebenso wie in den Haushalten des Mittelstands. Wenn jetzt manche Elektronikläden zu den Automaten die Bio-Kaffees gleich mitverkaufen, wirken diese als weitere Multiplikatoren.

Dennoch finden auch die kleinen Einheiten ihre Abnehmer, was vielleicht an den vielen Singles oder älteren Kaffeefreunden liegen könnte. Für die Einzeltasse bieten sich alternativ Kaffeepads oder Instantprodukte an. Vor allem bei löslichem Kaffee im Leichtglas geht der Conveniencegrad mit einem deutlich höheren Preis einher.

Obwohl sich die beiden Alternativen bei Bio-Kunden offensichtlich noch nicht durchgesetzt haben, gehören sie zum Portefolio von Darboven, der gepa, Lebensbaum, Niehoff, Wertform sowie Sonnentor. Darboven, deren Premiumkaffees schon seit Jahren einen festen Platz im LEH haben, fällt insofern aus der Reihe, dass die Beutel sogar 36 statt der üblichen 16 oder 18 Pads enthalten.

Aromafülle und Magenfreundlichkeit sind wichtige Kaufgründe

Durch die typische Langzeitröstung von zwölf bis 18 Minuten bei geringeren Temperaturen zeichnet sich Bio-Kaffee generell durch eine gute Magenbekömmlichkeit aus. Trotzdem greifen man­che Verbraucher lieber zur entcoffeinierten Variante und werden bei vielen der bereits genannten Anbieter bedient.

Dank des speziellen Röstverfahrens zeichnet sich Espresso gleichfalls durch einen geringen Säuregehalt aus.

Zugleich steht der „kleine Schwarze“ mit dem vollen Aroma und der feinen Crema für das Dolce-Vita. Dieses Lebensgefühl lässt sich mittlerweile bei so gut wie allen Bio-Markenherstellern kosten. Hinzu gesellt sich unter anderem die Rewe mit ihrer Gourmet-Marke Rewes Feine Welt, wo der FairTrade Bio-Espresso den Röstkaffee ergänzt.

Pia Niehoff, Marketingleitung der gleichnamigen Firma, sieht dann auch zwei Strömungen im Markt für Bio-Kaffee: Einerseits einen ungebrochenen Trend zu Kaffeevollautomaten und damit Bohnenkaffee. Andererseits steige gerade im Bio-Bereich die Nachfrage nach „Zeremonienkaffees: „Viele Verbraucher entdecken wieder die Liebe zum klassischen kleinen Espressokocher und damit zur Kaffeekultur. Wenn sie so die Basis für Latte Macchiato und andere Mischungen kochen, erleben sie die Nähe zum Produkt schon durch das Handling und den Duft.“

Die 250-Gramm-Packungen mit gemahlenem Espresso sind am häufigsten zu finden, wenngleich es für diese Gebindeinheit durchaus auch Dosen und ganze Bohnen gibt. Unterschiedliche Arten bieten Niehoff bei ihrem vielseitigen Uno e Basta in ferrari-roter Verpackung und Wertform mit dem Mount Hagen-Espresso. Letztere führen sogar den seltenen entcoffeinierten Espresso, den ansonsten auch Altomayo aus Berlin im Programm hat.

Bio + ist gefragt


Foto: Darboven
Mag sich das Angebot der etablierten Bio-Hersteller vielleicht ähneln, so weisen sie doch jeweils ihre Feinheiten auf. Bei Mount Hagen sind das eine klare Markenführung, erstaunliche Vielfalt so­wie Sortenreinheit und Fair Trade.

Fair Trade kommt als ethischer Mehrwert auch bei Darboven, der gepa und anderen dazu. Für zertifizierten Kaffee aus Fairem Handel gibt es eine relativ stabile Käuferschicht, was das zweistellige Wachstum sicher unterstützt haben dürfte.

Eine deutliche CSR-Betonung zeichnet außerdem das Sortiment von Lebensbaum aus. So hatte das Unternehmen den Verkauf von Kaffee aus dem äthiopischen Hochland mit einer Spenden-Aktion für Terres des Hommes verbunden. Die Ende Oktober überreichten 5.000 Euro sollen jetzt bei der Finanzierung eines Permakulturprojektes in Mosambik helfen.

Rückverfolgbarkeit spielt ebenfalls eine Rolle bei der Kaufentscheidung. Während die gepa mit Bild und Text die jeweilige Erzeugerkooperative vorstellt, setzt Niehoff neuerdings auf einen Kaffee-Code. Interessierte können anhand dieser Nummer im Internet Einblick in die Herstellungskette nehmen.

Come back der Kaffeekultur

Der zweite große Trend sind Länder- und Raritätenkaffees. Wie bei einem Wein oder Olivenöl variiert der Geschmack je nach Ursprungsland deutlich. Die Herkunft der Bio-Kaffees spricht dabei für eine positive aromatische Globalisierung. So stammen die Bohnen für den Altomayo von Premium Foods und Rewes Feine Welt aus den peruanischen Anden, von Oasis aus Mexiko und Äthiopien, von Regenwald Biofood aus Kolumbien, Äthiopien oder Sumatra sowie von der Wertform aus Papua Neuguinea.

Individualität und Stil zeichnen auch die Verpackungen aus, unterstützt durch wohlklingende Namen. Bei der Wertform gehört der Papua-Neuguinea-Kaf­fee zu den wichtigsten Artikeln im umfangreichen Sortiment. In auffälliger lackschwarzer Verpackung und mit farbenprächtiger Zeichnung ist das Fair Trade-Produkt ein Blickfang in jedem Regal.

Für das Geschmackserlebnis zahlen die Kunden – oft aus dem Kreis der LOHAS - bereitwillig einen höheren Preis. Wie zu erwarten, dominieren kleinere Packungen. Karsten Suhr, Verkaufsleiter bei Wertform, weist darauf hin, dass es für einen dauerhaften Erfolg solcher Spezialitäten auch auf das Engagement der Händler ankommt.

Tradition ist gleichfalls ein Argument, mit dem einige Hersteller werben. Mal betonen sie wie etwa Bioma die Einhaltung der Kriterien der deutschen Röstergilde oder wie Niehoff die Langzeitröstung, mal steht die Kaffeekultur im Vordergrund.

Das ist besonders bei Sonnentor mit ihrer im Hause Sacher gerösteten Linie Wiener Verführung der Fall. Bioma ergänzt ihren hochwertigen Monte Verde-Röstkaffee durch Ungewöhnliches: einen echten Wildkaffee aus Äthiopien und den Fünf-Elemente-Kaffee mit Gewürzen und Orangenblüten.

Neugierig machen sollen schließlich die aromatisierten Kaffees von Oasis. Mittlerweile stehen neun verschiedene Geschmacksrichtungen zur Auswahl, von Mandel, Vanille bis zu Karamell. Kaufleute können sogar selber kann fündig werden, etwa auf der Suche nach einer Geschenkidee für Geschäftspartner oder besondere Kunden: Die Kieler Firma FairHandeln! bietet exklusive Privatkaffees mit Wunschetikett an.

Für die schnelle Tasse am liebsten Cappuccino

Cappuccinopulver hat sich längst zum Zugpferd unter den löslichen Kaffeegetränken zum Aufgießen entwickelt. Während die Hersteller konventioneller Pulver dem Original aus Espresso und Milchschaum mit Stabilisatoren, gehärteten Fetten und Aromen nahe kommen wollen, halten sich die beiden Bio-Anbieter Wertform und Gepa deutlich zurück.

Das Fair Handelshaus bietet ihren Bio Cappuccino mit Kaffee aus Tansania und den Cappuccino Schoko im Beutel an. Wertform wählt dagegen die Dose. Mit Fair Trade- und Bio Family-Cappuccino hat der Verbraucher wieder zwei Möglichkeiten, wobei es den Fair Trade-gesiegelten Mount Hagen zusätzlich als Portionsbeutel gibt.

Alternativ steht der bewährte Getreidekaffee zur Verfügung, in Bio-Qualität unter anderem von Wertform, gepa, Bauck und Naturata. Fast alle haben zugleich eine Mischung aus Getreide und Kaffee im Angebot.

Bettina Pabel

 


 

Kaffeebarometer

Die tägliche Tasse Kaffee gehört für die meisten Deutschen dazu. So ergab eine aktuelle Forsa-Umfrage für die Techniker Krankenkasse, dass 84 Prozent täglich Kaffee oder Tee trinken. Die Aussage war dabei unabhängig vom Einkommen.

Aufgeschlüsselt nach Haushaltsgröße entfiel der größte Teil auf ein oder zwei-Personen-Haus­halte. Altersmäßig lagen die über 65jährigen klar in Führung.
Wie sich der Konsum in den abgesetzten Mengen widerspiegelt, zeigen die Zahlen des Deutschen Kaffeeverbandes: Insgesamt wurden im Jahr 2009 in Deutschland 407.000 Tonnen Röstkaffee und 12.400 Tonnen löslicher Kaffee abgesetzt. Das entspricht einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 6,4 Kilogramm Rohkaffee.

Espresso und Caffè Crema verzeichneten dabei erneut einen deutlichen Absatzanstieg auf insgesamt 48.000 Tonnen.

 


 

Ideenreichtum und Fingerspitzengefühl

Unter dem Namen Specia, der an das schöne alte Wort Spezereien erinnert, bietet Oasis neben Gewürzen auch Bio-Kaffees an. Verbraucher haben unterschiedliche Vorlieben.

Daher gehören zur vielseitigen Auswahl unter anderem Espresso, der vollmundige, dunkelbraune Specia italiano sowie Länderkaffee aus Äthiopien, aus Mexiko und als Sonderaktion aus Uganda. Aus der Kaffeeheimat Äthiopien stammt zudem ein wertvoller Wildkaffee.

In Zusammenarbeit mit einer kleinen Kaffee-Rösterei hat Oasis daneben eine ausgefallene Linie an aromatisierten Kaffees entwickelt.

Grundlage sind überwiegend Arabica-Bohnen aus Brasilien, die durch Bio-Aromen einen besonderen Pfiff bekommen. Karamell, Vanille und Mandel laufen unter den neun Sorten am besten.

Die eingesetzten Mengen an natürlichen Aromen sind jeweils gering, zumal teilweise die namensgebende Zutat selber zu Tragen kommt. Etwa beim Specia Mandel, wo echte Mandelstückchen mitverarbeitet werden. Die Sorte Lakritze verdankt ihre milde Süße sogar ausschließlich der zugesetzten Süßholzwurzel.

Überlegung und Erfahrung steckt auch hinter der Verpackung in goldenen Standbeuteln mit Aromaschutzventil. Dadurch hat der frisch verpackte Röstkaffee die Möglichkeit auszugasen, nicht jedoch das Aro­ma. Dieses kann vielmehr im feinen Zusammenspiel mit den mehr als 1000 Inhaltsstoffen des Kaffees nachreifen.
Alle Specia-Kaffees sind gemahlen oder als ganze Bohne zu beziehen.
(www.biotee.de)

Kaffeeraritäten in bio & fair sorgen für steigenden Absatz

Aus besonders guten Kaffeegärten in Tansania, Uganda, Mexikos und Bolivien kommen die vier Café Raritäten der Gepa, die den Markt für Länderkaffees ebenfalls entdeckt haben. Im Zusammenspiel von ökologischem Anbau, Bodenqualität, Höhenlage, Klima und Röstung entstehen aromareicher Röstkaffee, Crema und Espresso. Verpackt sind sie in edel wirkenden schwarzen Softpacks mit einem charakteristischen Landschaftsfoto. Ein passendes Standdisplay stellt die Gepa gleichfalls zur Verfügung. Trotz des hohen Preises von knapp sechs Euro für 250 Gramm verzeichnen die Länderkaffees kontinuierliche Umsatzzuwächse. Insgesamt ist der Marktanteil jedoch noch gering. Weitere Produkte der gepa sind Kaffeemischungen, Espressi, Pads, Instantkaffees, TAZ-, Agen­da- und Partnerschaftskaffees, Cappuccino sowie Getreidekaffee und Kakaogetränke. Insgesamt umfasst die Auswahl rund 30 Artikel, wobei 73 Prozent das Bio-Siegel tragen. Viele sind sogar Naturland-zertifiziert.

Weltweit steigt seit Jahren die Nachfrage nach gutem Bio- und fair gehandeltem Kaffee. Gleichzeitig sind die Weltmarktpreise in die Höhe geschnellt – von März bis September um fast 35 Prozent. Auch bei der Gepa, die den Erzeugerkooperativen Preise über Weltmarktniveau sowie einen Bio-Zuschlag zahlt, sind die Einkaufspreise deutlich nach oben gegangen. Um weiterhin den erwarteten Qualitätskaffee bieten zu können, musste das Fair-Handelshaus jetzt bei einigen Produkten die Endverbraucherpreise moderat anheben. Bislang habe der Handel dafür Verständnis gezeigt, heißt es bei dem Unternehmen. (www.gepa.de)


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