Start / Ausgaben / BioPress 66 - Februar 2011 / Biofino führt den Markt an

Biofino führt den Markt an

Nummer eins bei Bio-Geflügel in Deutschland ist Biofino aus Emstek in Niedersachsen mit einem Umsatz von 20 Millionen Euro im Jahr 2010 und einem Marktanteil von rund 50 Prozent. Um den Marktführer gibt es noch eine Reihe andere Bio-Lieferanten für Geflügelfleisch und -Wurst. Der LEH fährt meist eigene SB-Fleischprogramme wie die Rewe mit Biofam oder Tengelmann mit Naturkind ohne eigene Bio-Erzeugung. Die Ware hat den gleichen Ursprung wie das Bio-Marken-Geflügel.

Die häufigste Angebotsform sind frische Teilstücke in Selbstbedienung. Ganze Tiere verlangt der Kunde kaum noch. Thekenware spielt keine große Rolle. Auch Bio-Geflügel-Wurst findet der Verbraucher mittlerweile in den Kühlregalen der Supermärkte. Convenience wie Hackfleisch, gebratene Hackfleisch-Bällchen und mariniertes Fleisch sind Produkte mit wachenden Absatzchancen. Einige Hersteller bieten Tiefkühl-Geflügel an.

Der Bio-Geflügelspezialist Biofino liefert ein komplettes Programm an SB-Produkten, Convenience, Wurst und seit 2009 Tiefkühlkost. Angeboten werden Hähnchen und Pute. Neben dem Bio-Siegel ziert zusätzlich das Naturland-Logo die Verpackungen. Produktsicherheit genießt Priorität durch eine integrierte Kette vom Küken bis zur Verarbeitung.

Das Futter wird durch den Agro-Iso-Code markiert. Die Isotopen aus dem Futter sind im Fleisch nachweisbar und die Herkunft somit rückverfolgbar. Schwerpunkt im Vertrieb ist der LEH, aber auch Großverbraucher, der Naturkostfachhandel und Lebensmittelhersteller werden beliefert. Für die Zukunft ist die Ausdehnung des Vertriebes auf den Discount geplant.

Der Handel verlangt gleichbleibende Qualität, ein vollständiges Sortiment einschließlich saisonaler Artikel und schnelle Lieferung. Beim LEH erkennt Geschäftsführer Christoph Reents teilweise eine Tendenz zur Verbandsware. Den eigenen Marktanteil beziffert Biofino auf 50 Prozent.
Zielgruppe ist die gesundheitsbewusste Mittelschicht, die fettarmes Bio-Geflügel für die schnelle Küche im konventionellen LEH erwerben möchten. Die ausschließlichen Bio-Käufer stehen nicht im Fokus.

Reents blickt optimistisch in die Zukunft: „Wenn die Nicht-Edelteile überproportional forciert werden können, dann wird voraussichtlich zweistelliges prozentuales Wachstum möglich sein“.

Messebeteiligungen auf BioFach, Intermeat, Anuga, Imagebroschüre, Internetauftritt, Aktionen, Medienpräsenz und Öffentlichkeitsarbeit sorgen für Bekanntheit. Auf der BioFach präsentiert Biofino eine „DOM“ Verpackung für das ganze Bio-Hähnchen. Diese ermöglicht eine Verlängerung der Mindesthaltbarkeit bei größerer Qualitätssicherheit gegenüber der üblichen Dehnfolienverpackung.

Das Thema Nachhaltigkeit steht aktuell in Fokus, was die letztjährigen Inter-Messen in Düsseldorf deutlich gemacht haben. „Die Bio-Branche sollte darauf achten dieses Thema selbst auch offensiver in der Öffentlichkeit und in den Medien zu vertreten, um einer Verwässerung mit konventionell erzeugten Lebensmitteln unter teilweiser Berücksichtigung von Nachhaltigkeit entgegen zu wirken“, meint Biofino.

Stiftung Warentest hat in der Ausgabe Oktober 19 Hähnchenbrustfilets in Bio- und konventioneller Qualität getestet, wobei das Bio-Hähnchenbrustfilet der Kaiser´s Tengelmann Eigenmarke „Naturkind“ bei der Bewertung die höchste Punktzahl erreichte. Ebenfalls mit Gesamturteil 1,9 wurde das „biofam“ Hähnchenbrustfilet (Eigenmarke der REWE) beurteilt. Unter vier getesteten Produkten mit der Note 1,9 waren zwei Bio-Produkte waren. Das ist ein Beleg für das hohe Niveau der Bio-Branche.

Seit mehr als zehn Jahren schlachtet, zerlegt und verpackt Bio-Geflügel-Stauß in Ertingen/Baden-Württemberg Hähnchen, Pute, Ente und Gans. Das Geflügel kommt ausschließlich von Naturland-Betrieben. Partner produzieren aus den Rohstoffen Wurst und küchenfertige, frische Bio-Produkte.

Alle Produkte werden nach den individuellen Kundenbedürfnissen zubereitet, bedruckt und abgepackt. Stauß beliefert hauptsächlich den Naturkost-Großhandel und zunehmend Convenience-Hersteller. Der Handel fordert eine Belieferung bis zu drei Mal pro Woche. Geflügel-Stauß organisiert die Kette vom Küken bis zum Schlachtbetrieb.

„Deutsche Verbandsware wird immer ein Nischenprodukt bleiben. Der Lebensmitteleinzelhandel deckt sich bereits jetzt mit billigerer EU-Ware ein. Natürlich wird es eine sehr positive Entwicklung auf dem Bio-Geflügelmarkt mit guten Umsatzzahlen geben. Beim momentanen Verbrauch von 0,5 Prozent Anteil am Gesamtverbrauch dürfte dies nicht schwer fallen“, erklärt das Unternehmen. Auf der BioFach 2011 wird Bio-Geflügel-Stauß als Neuheit Hähnchenrollbraten vorstellen.

Seit 1997 ist Freiland Puten Fahrenzhausen auf dem Markt. 2004 hat Martin Bohn auch die Bio-Hähnchen-Mast eingeführt. Der Geflügelspezialist ist führender Lieferant im Fachhandel für Bio-Pute und Bio-Hähnchen frisch und tiefgekühlt. Wurst und Convenience sind ebenfalls im Sortiment.

Die Mast-Betriebe arbeiten mit der Rasse Kelly-Bronze. Diese Rasse wurde Anfang der 70er Jahre in England von Derek und Paul Kelly gezüchtet. Um ein Gegengewicht zu den herkömmlichen Rassen zu bilden, wurde Wert gelegt auf Robustheit, Genügsamkeit, Freiland-Eignung und langsames Wachstum mit besonderer Fleischqualität.

Freiland Pute Fahrenzhausen arbeitet außer bei der rohen Putensalami ohne Nitritpökelsalz. Alle Betriebe, im Verbund von Freiland Puten sind Mitglied in einem Anbauverband, einschließlich der Futtermüh­le, die vom Biokreis zertifiziert ist.

Der Geflügelspezialist spricht überzeugte Bio-Käufer, Gesundheitsbewusste, Sportler und Senioren an. Das Werbebudget wird fast ausschließlich für Promotions im Fachhandel zur direkten Kundenansprache verwendet. Stefan Mutter von Freiland Puten Fahrenzhausen rechnet mit konstantem weiteren Wachstum. „Besonders interessant wird der Markt für Senioren werden“, wagt Mutter einen Blick in die Zukunft.

2004 wurde Bio Geflügel Mecklenburg gegründet. Durch den Einsatz der langsam wachsenden Kelly-Bronze Pute, schafft das Unternehmen die Voraussetzungen für eine ökologische, artgerechte Geflügelfleisch-Erzeugung. Geschlachtet, zerlegt und verarbeitet wird bei Mecklenburger Landpute.

Die Vion-Tochter Salomon ist bei der Angebotsform TK ein bekannter Bio-Hersteller für den Bio-Fachhandel. Der Bio-Großhändler Ökofrost vertreibt unter seiner Marke Biopolar ebenfalls TK-Geflügel, das von Biofino verarbeitet wird.

Auch Thönes Natur in Wachtendonk führt eine Geflügellinie mit Schlachtung und Verarbeitung. Die Großschlachterei vom Niederrhein bietet ein Fleisch- und Wurst-Vollsortiment.

Der Verbraucher erwartet fettarmes Fleisch aus artgerechter Tierhaltung. Das bietet die Bio-Branche. Den billigen Preis kann sie so wenig bieten wie die Mercedes S-Klasse. Aber bei steigender Menge sind in der Zukunft zumindest stabile Preise zu erwarten.
Anton Großkinsky

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