Start / Ausgaben / BioPress 66 - Februar 2011 / Mit Bio-Fertiggerichten querbeet durchs Geschäft

Mit Bio-Fertiggerichten querbeet durchs Geschäft

Die Marktsituation für Bio-Fertiggerichte ist eindeutig positiv. Nach Einschätzung der Branche gehört Bio-Convenience zu einem Trendsortiment. Schließlich möchten die Verbraucher hochwertige und gesunde Mahlzeiten, auch wenn es mal schnell gehen muss.


Fotos: Bruno Fischer
 

„Zwei Seelen wohnen ach! In meiner Brust“, so schrieb einst Goethe in seinem Faust. Ähnlich scheint es immer mehr Menschen beim Einkauf zu gehen, vor allem wenn es um Fertiggerichte geht. So suchen sie unter anderem nach Produkten, die schnell und einfach zuzubereiten sind. Auf der anderen Seite stellen sie hohe Ansprüche an die Qualität der Inhaltstoffe, deren Herkunft sicher ist und deren ernährungsphysiologische sowie geschmackliche Werte überzeugen.

Die Bio-Hersteller bieten hier mittlerweile eine breite, attraktive Auswahl an, mit der der Kaufmann alle möglichen Kundengruppen nicht nur zufrieden stellen, sondern dauerhaft für Bio überzeugen kann. Es gibt sowohl komplette Mahlzeiten wie Kalbsrücken in Sahnesauce mit Spätzle, als auch den schnellen Imbiss wie Kartoffelpuffer oder Gemüseburger – alles zugleich in ökologisch vertretbaren, sicheren Verpackungen.

Ein äußerst vielfältiges Angebotsspektrum

Dosen-Eintöpfe und Suppen führen zum Beispiel die Fleischwerke Zimmermann und Naba, frische Suppen aus der Kühltheke gibt es von Roggenkamp Organics, Fields of Flavour, Rose Biomanufaktur oder JooTi. Kühlpflichtig sind auch die frischen Mehrkomponentengerichte, Beilagen oder Fleisch-Erzeugnisse von den kurhessischen Fleischwerken, Bio Bühler und Fleischersatzprodukte, wie sie etwa Albert Hess, Soto, Life Food oder Tofutown.com anbieten.

Minusgrade verlangten die wachsende Zahl an Tiefkühl-Fertiggerichten, die dafür äußerst lange absolut frisch bleiben. Nennen kann man hier die Pizzen, Nudelgerichte, Fisch- und Fleischerzeugnisse von demeter Felderzeugnisse, Ökofrost, Wagner, Ökoland oder Salomon. Erfreulich unkompliziert, auch für den Kaufmann, sind schließlich die noch verschiedenen fix und fertig gewürzte Trockenprodukte. Insofern lassen sich je nach Listung leicht Verbraucher aller Altersgruppen erreichen.

Vegetarier und Veganer werden ebenso fündig wie Fleisch-Freunde. Gerade im Hinblick auf den erneuten Dioxin-Fund spricht die nachvollziehbare Herkunft des Fleisches für Bio-Qualität, denn ökologisch gehaltene Tiere bekommen garantiert „sauberes“ Futter.

Ein weiterer wichtiger Grund, der immer mehr Kunden zu Bio-Produkten greifen lässt, liegt in einem wachsenden Gesundheitsbewusstsein. Verzicht auf Konservierungsstoffe üben mittlerweile auch viele konventionelle Hersteller. Die Bio-Betriebe tun aber in der Regel mehr. Sie bieten gluten- oder laktosefreie Alternativen an und arbeiten ohne künstliche Verdickungsmittel und Geschmacksverstärker.

Häufig setzen sie nicht einmal mehr den würzenden Hefeextrakt ein, der aufgrund natürlich enthaltener Glutaminsäure manchmal abgelehnt wird. Ein letzter Hinweis sei zum Thema Salz gegeben. Hier sparen die Bio-Hersteller schon immer bei der Menge, was sie durch ausgewogene und überlegte Rezepturen wettmachen. Außerdem arbeiten viele ohne Jodsalz und geben so den Verbrauchern, die dies ablehnen, eine Alternative.

Attraktive und aromatische Trockenprodukte

Bei dieser Warengruppe zeigt sich der hohe Erfahrungsgrad der Bio-Branche besonders deutlich. Die Verbraucher profitieren zugleich von einer wachsenden, spannenden Auswahl. Unter der Marke Davita kann der Lebensmittelhändler (SEH und LEH) zum Beispiel drei neue bequeme Trend-Menüs beziehen: Bio Orient Wok, Bio Curry India und Bio Original Paella.


Die Zubereitung der vegetarischen Bio-Pfannengerichte, die besonders bio-affine moderne Singles und Paare ansprechen sollen, beschränkt sich auf die Zugabe von etwas Butter sowie Wasser und 20 Minuten Kochen. Dabei ergeben die kompakten Standbeutel jeweils zwei großzügige Portionen.

Die Antersdorfer Mühle, die zum einen Private Label produzieren und zum anderen ihre Herstellermarke erfolgreich vertreiben, und Davert haben schon früher auf die wachsende Nachfrage nach Bio-Fertiggerichten reagiert. Ein Blick auf die Sortimentslisten der beiden Bio-Pioniere verdeutlicht ihren hohen Erfahrungsschatz mit den unterschiedlichsten Getreidesorten.

Die beiden Hersteller fügen jeweils feines getrocknetes Gemüse, in manchen Produkten auch Trockenfrüchte, Sojaschnitzel oder Steinpilze, sowie pfiffige, aromatische Gewürze hinzu. Verbraucher, die Gewürzen zurückhaltend gegenüber stehen, werden bei der Antersdorfer Mühle fündig.

Comeback von Erbse und Co.

Hülsenfrüchte erleben seit einiger Zeit auch in konventionellen Vertriebskanälen eine kleine Renaissance, sei es wegen ihrer hohen Nährwertqualität oder den vielseitigen Geschmackseindrücken. Der Nachteil der langen Kochdauer erübrigt sich mit den Eintopf-Ideen von Davert, welche seit Januar auf dem Markt sind.

Auch in vielen klassischen Suppen und Eintöpfe in Konserven bilden Hülsenfrüchte die Grundlage. So bieten die Fleischwerke Zimmermann neben Fleisch-, Wurst- und Teigwaren Eintöpfe in sechs Geschmacksrichtungen an. Bohnen, Linsen und Erbsen werden bei ihnen mit Gulaschsuppe, Frühlingseintopf und als regionale Spezialität Maultaschensuppe ergänzt. Pünktlich zur BioFach will der Hersteller hier einen Relaunch vorstellen, wobei aus der Marke Biolance jetzt Zimmermann Bio wird. 

Punkten mit frischer Kühlkost

Verbraucher, die ein Faible für fertige Teigwaren haben, werden eher im Kühlregal fündig. Das Angebot an frischen Nudeln ist groß (s. bioPress Nr. 64), wobei einige Anbieter sie aber auch als Beilage in beziehungsweise zu ihren Fertiggerichten einsetzen.

Etwa die kurhessischen Fleischwerke kff aus Fulda. Ihre abwechslungsreiche Range umfasst sowohl vegetarische Bio-Menüs als auch Geflügel, Schwein, Kalb und Rind, mal mit und mal ohne Beilage. Wie der Blick auf die Abverkaufszahlen zeigt, gehören Currywurst mit Reis, Frikadelle mit Kartoffelgemüse, Putengeschnetzeltes in Sahnsauce mit Reis und die vegetarische Reispfanne mit Mungobohnenkeimlingen nach wie vor zu den Rennern im Programm. Aber auch Spaghetti Bolognese und die vegetarischen Maultaschen mit Gemüsesahnesauce stehen auf der Hitliste. Neuheiten will der etablierte Fleischverarbeiter, dessen Produkte sowohl im LEH als auch in der Gastronomie vertreten sind, rechtzeitig zur BioFach fertig haben.

Wichtig für einen emotionalen und erfolgreichen Verkauf ist eine authentische Story im Einklang mit der Unternehmensphilosophie. Bei kff wird das Fleischer-Handwerk noch hoch geachtet. Die nach einem alten Rezept hergestellten Frikadellen werden ausschließlich mit der Hand gebraten, und die Currywurst wird tatsächlich mit der Hand geschnitten.

Snackartige Fertigprodukte runden das Angebot an gekühlten Fertiggerichten ab. Sie zeichnen sich durch Sorgfalt und Detailarbeit aus. Stark vertreten ist Tofu, der zu allen möglichen trendigen Fertigprodukten verarbeitet werden kann. Auch Albert Hess hat sich auf Fleischersatzprodukte spezialisiert.

Der Hersteller zeigt exemplarisch, was alles möglich ist: Lupinen-Produkte wie Schnitzel, Gyros oder Geschnetzeltes, Seitan- und Tofu-Würstchen, Falafel, Hirsekroketten, Grünkernburger, Seitanbolognese und mehr. Mit einem solchen Angebot könnten im Supermarkt neue Kundengruppen erreicht werden, etwa Studenten und Jugendliche. 

Auf das breite TK-Angebot soll hier nicht näher eingegangen werden. Nur der Hinweis auf ein paar interessante Neuheiten zur BioFach sollte nicht fehlen.
So wird demeter Felderzeugnisse unter ihrer Marke Natural Cool ein veganes ‘Chili non Carne’ und eine fleischlose Lasagne Bolognese mitbringen. Ökofrost mit ihrer Marke Biopolar hat die Länderküche für sich entdeckt. Herausgekommen sind zwei indische Fertiggerichte in der Zwei-Kammer-Plastik­schale und zwar Chicken Curry und Lamm Curry, mit Basmati beziehungsweise Vollkornreis als Beilage.

Bettina Pabel


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