Ökologische WPR

Zusatzsortiment mit Potenzial

Das wachsende Bewusstsein für nachhaltigen, umweltfreundlichen Konsum sorgt auch bei Haushaltsprodukten für neues Interesse. Das kann ökologischen Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln (WPR) aus dem Nischendasein helfen.

Die Hersteller von Öko-WPR bieten längst die gesamte Produktpalette an, die auch im konventionellen Bereich zu finden ist. Das Angebot reicht vom Universalwaschpulver über moderne Standardprodukte wie Colorwaschmittel und Spülmaschinentabs bis zu Fleckengel, Backofenspray und anderen Spezialprodukten.

Dabei gelingt ihnen der Spagat zwischen der geforderten guten Reinigungsleistung und dem Schutz der Umwelt bei Herstellung und Verbrauch. Zu den weiteren, von vielen Konsumenten erwünschten Vorteilen gehört, dass die Produkte hautfreundlich sind und klare, verständliche Angaben auf den Verpackungen tragen.
Trotzdem ist der Markt für echte ökologische WPR nach wie vor überschaubar. Zu den erfahrenen und etablierten Unternehmen Alma Win, Ecover, Sodasan sowie Sonett gesellen sich unter anderem W. Ulrich und BioClean. Während die Marke BioClean von BioVLog aus Fulda und Ecover aus Belgien primär beziehungsweise auch für den konventionellen Einzelhandel konzipiert sind, wenden sich die anderen Hersteller mit ihren Marken vor allem an Kunden des Naturkost-Fachhandels.

Diese Zielgruppe hat auch Ecolive aus Frankreich für den geplanten Vertrieb der WPR-Linie Ecodoo in Deutschland zunächst im Visier. Weitere Absatzmärkte sind Drogerien und sogar einige Apotheken. So generiert Ecover den Umsatz in Deutschland zu etwa gleichen Teilen in Naturkost-Fachhandel, LEH und Drogeriemärkten.

Ebenso wie Ecover bieten auch einige andere Hersteller außerdem ein Sortiment für Großverbraucher an und bedienen damit eine Kundschaft, die besonders Wert auf hygienisch einwandfreie Reinigungswirkung legen muss. Das entsprechende Angebot von BioClean wurde beispielsweise speziell weiter entwickelt für C+C Abholmärkte und umfasst einen Gesamt-Service inklusive HACCP-Beachtung für Großküchen, Hotellerie, Kantinen und ähnliche gastronomische Einrichtungen.

Nachwachsende Rohstoffe, ressourcenschonende Herstellung, biologische Abbaubarkeit

Im Gegensatz zu den konventionellen Produkten sorgen in ökologischen WPR keine petrochemischen Stoffe, sondern pflanzliche Tenside, Seifen oder andere Inhaltsstoffe pflanzlichen und mineralischen Ursprungs für die reinigende Wirkung. Dabei stellen die Hersteller sich während der gesamten Wertschöpfungskette von der Rohstoffgewinnung bis zur optimalen biologischen Abbaubarkeit auch selber strengen Nachhaltigkeitsansprüchen.

Dabei zeichnet sich die Branche immer wieder durch Innovationen aus, für die sich mittlerweile auch konventionelle Mitbewerber interessieren. Das trifft nicht zuletzt auf die gut etablierten Zuckertenside und Fettalkoholsulfate zu. Ecover etwa, hat in intensiver Forschungsarbeit gerade wieder neue funktionelle Tenside entwickelt. Diese sogenannten Zellstofftenside werden aus Stroh, Weizenkleie und Abfallprodukten der Alkoholdestillation oder Kokosöl gewonnen.

Das Zellstofftensid schäumt extra wenig und wird deshalb bislang in Spülmaschinentabs eingesetzt. Dagegen wirken die zuvor entwickelten hefe-katalysierten Bio-Tenside primär für die Reinigung von Oberflächen und kommen deshalb zum Beispiel im Allzweckreiniger zum Tragen. Zuckertenside werden je nach Hersteller und Anwendungsbereich teilweise mit pflanzlichen Seifen kombiniert.

Soweit am Rohstoffmarkt verfügbar, stammten die Rohstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau, heißt es bei Alma Win ergänzend dazu. Auch bei der ganzheitlich arbeitenden Firma Sonett wird betont, dass alle Pflanzenöle und 95 Prozent der eingesetzten ätherischen Öle Bio-zertifiziert seien. Der Wirkungsgrad wird dabei nicht beeinflusst, der ökologische Vorteil liegt komplett bei der Landwirtschaft.

Seifenähnlich, aber natürlichen Ursprungs, wirken auch die Saponine aus indischen Waschnüssen. Neben einigen, meist kleineren Unternehmen, die sich auf die hautfreundlichen Nussschalen spezialisiert haben, führen unter anderem BioClean und AlmaWin Produkte mit Waschnuss im Sortiment. Alma Win begründet deren nach wie vor großen Erfolg damit, dass man mit einem Extrakt arbeite und dadurch eine reproduzierbare hohe Effektivität erreiche.

Einige Hersteller setzen zur Unterstützung der Reinigungswirkung manchmal Enzyme ein. Andere Unternehmen verzichten darauf, weil sie ihren Kunden die gentechnikfreie Produktion garantieren wollen.

Ätherische Öle werden generell sparsam eingesetzt. Ein angenehm leichter, frischer Duft ist dadurch typisch für Öko-WPR. Gerade im Waschmittelbereich gibt es aber auch viele Menschen, die überhaupt keine Duftstoffe im Produkt möchten. Hersteller wie Alma Win, Ecover und jetzt auch Sodasan haben auf den Trend mit duftstofffreien Sensitiv-Produkten reagiert. Ecover bietet seit 20 Jahren duftstofffreie Waschpulver an. AlmaWin führt mit der Marke Klar seit 2002 eine eigenständige Linie im Angebot. Bei dieser Marke wird das Unternehmen auf der BioFach einen kompletten Relaunch vorstellen, inklusive einiger Neuprodukte. Zu den wichtigsten Änderungen gehört, dass alle Klar-Produkte fortan dermatologisch getestet sind und die Anforderungen des Deutschen Allergie- und Asthmabundes erfüllen.

Der Lebensform einer modernen Gesellschaft angepasst

Um bei den Waschmitteln zu bleiben – hier erfreuen sich Flüssigwaschmittel großer Beliebtheit. Dass sie inzwischen annähernd so gut waschen wie Pulver, hat unter anderem die Stiftung Warentest im letzten Herbst bestätigt. Öko-Hersteller müssen auch die Kritik nicht fürchten, dass ihre Mittel bedenkliche Konservierungsstoffe enthalten. Schließlich sorgen bei ihnen meist Alkohol für Haltbarkeit, seltener sind es Benzoe- oder Sorbinsäure.

Sodasan identifiziert ihr praktisches Flüssigwaschmittel für 30, 60 und 95 Grad sogar als Topseller unter den Waschmitteln. Neu auf den Markt gebracht hat der Hersteller außerdem ein speziell zusammengesetztes Kaltwaschmittel für die schnelle, leicht verschmutzte Wäsche. Dadurch könnten bis 40 Prozent Energie eingespart werden, betont Sodasan.

Für die beliebten modernen Funktionstextilien sind hohe Waschtemperaturen gleichfalls tabu. Als Antwort auf häufige Anfragen aus dem Handel hat AlmaWin jetzt ein Flüssigwaschmittel für Sport- und Funktionswäsche auf den Markt gebracht, das zugleich die Aufschrift „dermatologisch erfolgreich getestet“ trägt.

Bei der Entwicklung galt es, Schweißgeruch dauerhaft zu entfernen, ohne die Atmungsfähigkeit der Fasern zu beeinträchtigen. Statt Seife setzt AlmaWin Öko-Tenside ein und erreicht mit der speziellen Rezeptur, dass das Produkt schon bei 20 bis 40 Grad wirkt. Seine Feuerprobe hat es bereits bestanden, nämlich beim letzten Frankfurter Stadtmarathon….

Ein anderer Schwerpunkt des Interesses liegt bei Konzentraten. Die bringen allen Seiten Vorteile, wobei sie vor allem mit einem geringeren Gewicht und oft höherer Ergiebigkeit punkten. Bereits auf Herstellerseite schlägt das positiv zu Buche, da Packungsgewicht, Transportaufwand und damit der CO2-Ausstoß sinken. Auch für die Konsumenten machen sie den Transport nach Hause leichter.

Außerdem beanspruchen die ergiebigen Produkte weniger Platz, sei es im Regal des Handels oder in der heimischen Waschküche. Ecover hat im Herbst gleich drei neue Waschmittelkonzentrate vorgestellt: Ein Universalwaschmittelkonzentrat mit integriertem Bleichmittel für Weißes und farbechte Buntwäsche, das seine Reinigungskraft schon ab 30 Grad beweist. Das entsprechende Color-Waschpulver schont besonders die Leuchtkraft der Farben. Nummer Drei ist ein flüssiges Waschmittel in der kompakten 750 Milliliter-Flasche für Buntwäsche und weiße Wäsche, diesmal ohne Bleichmittel.

Alle drei Produkte zeichnen sich dadurch aus, dass durch die erhöhte Effizienz der optimierten Rezepturen trotz weniger Packungsinhalt mehr Waschladungen möglich sind. Das Preis-/Leistungsverhältnis sei so deutlich verbessert worden, meldet Ecover. Zur BioFach komplettiert Ecover die Familie seiner Waschmittelkonzentrate mit einem Sensisitv Waschpulver Konzentrat.

Ebenso wie Ecover bei dem neuen Flüssigkonzentrat darauf hinweist, dass bei Bedarf ein separates Bleichmittel zugegeben werden kann, agieren auch andere Anbieter. Neben Bleichmittel zählen unter anderem Fleckengel, Weichspüler oder Wollwaschmittel zu den vielen erhältlichen praktischen Spezial- oder Zusatzprodukten. Sie spiegeln die Philosophie der Hersteller wieder, dass ihre Produkte keine unnötigen Inhaltsstoffe enthalten sollen. Insofern ist der Gedanke „Waschen im Baukastensystem“ nach wie vor lebendig. Sonett greift das auf, um auf Enzyme verzichten zu können. Für stark verschmutzte Wäsche können die extra angebotenen Bleichsalze hinzugefügt werden. So wird die Natur nicht bei jedem normalen Waschgang unnötig belastet.

Funktionell auch in Küche und Bad

Weniger Neues gibt es bei Geschirrspül- und Putzmitteln, wo die komplette Range zum phosphatfreien Spülen inklusive Klarspüler und Regeneriersalz zur Verfügung steht. Doch auch in diesem Bereich passen sich die Hersteller immer mehr dem modernen Konsumverhalten an. Spülmaschinen-Tabs sind neben dem Pulver Standard im Öko-Programm.

Immer wieder fließen aktuelle Erkenntnisse in die Entwicklung ein. So setzt Ecover für ihre Tabs, die wie die Waschmittel vollständig biologisch abbaubar sind, die erwähnten neuen Zellstoff-Tenside ein. Flexibilität für Händler und Konsumenten bringen zwei verschiedene Packungsgrößen (25 oder 70 Tabs). Bei den Handspülmitteln besteht die Abwechslung dagegen in verschiedenen Rezepturen, beispielsweise Grapefruit und Grüner Tee. Sodasan bietet alternativ auch eine unbeduftete Variante ihres Spülmittels an.

Für Sauberkeit auf Flächen und Böden sorgen diverse Reinigungsmittel in modernen, anwendungsfreundlichen Verpackungen wie Sprüh- oder Schräghalsflaschen. Die heutige Vielfalt an Oberflächenmaterialien, seien es Ceranfelder, Laminatböden oder anderes, erfordert entsprechende Rezepturen. Öko-Hersteller setzen dabei auf schonende Rezepturen aus Zuckertensiden, Fettalkoholsulfaten und Co., die sie durch Essig, Zitronensäure und ähnliche Klassiker unterstützen.

Vielfach sorgen ätherische Öle wie Orangenöl für einen angenehmen Duft, die je nach Herstellerphilosophie teilweise aus ökologischem Anbau stammen. Mit den Produkten der Marke Klar sind aber auch in diesem Segment, wo Verbraucher sonst lange suchen müssen, duftstofffreie Produkte erhältlich.

Dass die Leistung der Öko-Reiniger auch bei umweltschonender Zusammensetzung ausgezeichnet ist, hat vor ein paar Wochen ein Test des NDR bewiesen. In der Sendung konnte der Ecover-Kraftreiniger mit Bio-Tensiden, der sich dabei durch einen hautfreundlichen neutralen ph-Wert auszeichnet, problemlos die konventionellen, stark alkalischen Marktführer schlagen.  

Den Kunden sensibilisieren

Um den Verkauf ihrer Produkte zu unterstützen greifen die Hersteller einerseits auf klassische Werbung zurück, wobei vor allem Ecover in aufmerksamkeitsstarke, professionelle Anzeigen investiert. Auf großes Interesse stoßen auch ihre regelmäßigen Gewinnspiele.

Alle Hersteller versorgen die Händler und Konsumenten zusätzlich mit ausführlichen, verständlichen Informationen zu Inhaltsstoffen und Anwendung oder mit Probiergrößen.

Erfolgreich laufen zum anderen Aktionsangebote, zum Beispiel als thematische Sets, Überfüller mit mehr Inhalt zum gleichen Preis oder Cross-Promotions. Gerade um ökologischen WPR aus der Nische zu helfen, bieten sich letztere auch bei Produkten aus WPR-affinen Sortimenten wie Bio-Textilien an. So vertreibt unter anderem der Anbieter von Kinderbekleidung und Windeln Popolini auch Waschmittel von W. Ulrich.

Bettina Pabel

 


 

Der Gesamtmarkt für Wasch-, Pflege- und Reinigungsmittel (WPR) ist 2010 zum zweiten Mal hintereinander um 3,5 Prozent gewachsen und erreicht damit 4,3 Milliarden Euro. Vor allem Universalwaschmittel, Waschhilfsmittel, Maschinen-Geschirrspülmittel sowie Autopflege- und Spezial-Putzmittel sorgten für dieses Plus. (Quelle: Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e.V., Frankfurt).


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