Bienen haben kein Navi
Trochtelfinger Tafelrunde mit Tatort-Kommissar Kopper
Was passiert, wenn ein Tatort-Kommissar sich auf Spurensuche nach der Herkunft seiner Lebensmittel macht? Ganz einfach: Er entdeckt einige Dinge die ihm nicht „schmecken“ und beschließt darauf hin, sich ein Jahr lang nur noch regional zu ernähren. Diesen Selbstversuch hat Andreas Hoppe, alias Mario Kopper, in seinem Buch „Allein unter Gurken: Mein abenteuerlicher Versuch, mich regional zu ernähren“ zusammen mit Co-Autorin Jacqueline Roussety in unterhaltsamer und informativer Form beschrieben und bei der Trochtelfinger Tafelrunde des Teigewaren-Herstellers ALB-GOLD daraus vorgelesen.
Zur Trochtelfinger Tafelrunde unter dem Motto „Natürliche Artenvielfalt und regionale Lebensmittel“ kamen rund 100 Gäste, die nicht nur gebannt der Lesung der Autoren zuhörten, sondern durch Fachreferenten und im Podiumsgespräch Informationen zum Thema Biodiversität und Agrogentechnik vermittelt bekommen haben. Seit zwei Jahren finden die Tafelrunden in regelmäßigen Abständen mit unterschiedlichen Themen beim Nudelhersteller ALB-GOLD statt. Entstanden ist diese Veranstaltungsreihe durch die Idee des im Sommer verstorbenen Firmenchefs Klaus Freidler.
Sein Sohn Oliver betonte zur Begrüßung der Gäste, dass die Familie diese Tradition mit gleicher Leidenschaft und Engagement fortsetzen wird. Information und Aufklärung sei wichtig für mündige Verbraucher und ein Grundrecht für die Menschen. Zusammen mit seinem Bruder André vertrat er das Familienunternehmen auf dem Podium.
Anhand zahlreicher Beispiele stellt Prof. Roman Lenz, Leiter des Instituts für Landschaftsplanung und Landschaftsinformatik an der Fachhochschule Nürtingen-Geislingen, die aktuelle Situation des rapide zunehmenden Artensterbens dar. Geht das Artensterben mit unverminderter Geschwindigkeit weiter, müsse das System früher oder später zusammenbrechen.
Sein wissenschaftlicher Kollege Andreas Bauer-Panskus vom Wissenschafts- und Projektbüro eipgen wies auf den Zusammenhang von Artensterben und neuen Technologien in der Landwirtschaft hin.Zum Beispiel durch die Aussaat gentechnisch veränderter Pflanzen komme es zur Kreuzung mit verwandten Wild- oder Unkrautpflanzen. Nach einem solchen Artensprung sind gentechnische Konstrukte endgültig nicht mehr aus der Natur rückholbar.
In den beiden Lesungen von Hoppe und Roussety gingen die beiden Autoren auf die Zusammenhänge zwischen Gentech-Pflanzen und dem Lebensmittel Honig ein. So musste in Brandenburg vor einigen Jahren Honig aus dem Verkehr gezogen, in dem Rückstände von gentechnisch veränderten Pflanzen gefunden wurden. Dieser musste anschließend vernichtet werden und der Imker blieb auf dem Schaden sitzen. „Welche Biene hat schon ein Navigationsgerät?“ fragte sich hier der „Honeyman“ Andreas Hoppe.
Beim moderierten Podiumsgespräch erklärte André Freidler, dass im Kundenzentrum des Familienunternehmens das Interesse an der Gläsernen Produktion und an Informationen rund um die gesunde Ernährung ungebrochen sei. Die Leute wollen weg von den anonymen Lebensmitteln und die Gesichter hinter den Produkten sehen. Wer die Ei-Aufschlagmaschine oder die großen Trockner in der Nudelproduktion gesehen hat, der konsumiert die Produkte mit einem anderen Gefühl. Transparenz sei ein Pfeiler der Firmenphilosophie.
Was denn das Unternehmen tun würde, um seine Produkte unter dem Logo „Ohne Gentechnik“ verkaufen zu können, war eine Frage an Bruder Oliver. Zunächst werde versucht möglichst umfangreich regionale Rohstoffe wie Dinkel von der Alb in der Produktion einzusetzen. Hier besteht die direkte Kontrollmöglichkeit der Vertragslandwirte und der Mühlen. Mit der Lesung des Epilogs aus dem Buch „Allein unter Gurken“ wurde die Runde abgeschlossen.
Das Fazit von Andreas Hoppe nach seinem einjährigen Selbstversuch sich regional zu ernähren war einfach und klar: Jeder kann mit seinem eigenen Handeln zu mehr Vielfalt in der Natur und auf dem Teller beitragen. Für ihn haben die Erfahrungen während des Jahres dazu geführt, dass er die Natur, den Genuss und das Leben allgemein bewusster wahrnimmt und genießt.







