Start / Ausgaben / BioPress 59 - Mai 2009 / Dänischer Bio-Genuss

Dänischer Bio-Genuss

Land des Jahres bietet mehr als Milch und Fleisch

Es war ein Fest für alle Fans skandinavischer Gaumenfreuden und dänischer Bio-Produkte. Das Land des Jahres der BioFach 2009 kann mit 46 Ausstellern auf einen erfolgreichen Messeauftritt zurückblicken: „Es war fantastisch, wir haben unsere Ziele erreicht. Die Hersteller sind begeistert“, erklärte Klaus Bentzen, Export Manager beim Branchenverband Organic Denmark.

Die dänischen Stärken liegen im Tierbereich bei Milch und Fleisch, wie Paul Holmbeck, Direktor von Organic Denmark erklärte. Beim Fleisch sind es eher die verarbeiteten Produkte wie Wurst, Säuglingskost und Fertiggerichte, die aktuell Erfolg versprechen. Beim Bio-Frischfleisch zählt Nähe. „Die regionale Identität verändert sich mit der Zeit, dann entstehen Marktchancen“, prognostiziert Holmbeck. Friland, Tochter des Fleischriesen Danish Crown, baut im Moment mit seinem Partner Jürgen Hansen in Norddeutschland eine Lieferkette für Bio-Fleisch auf. „Das ist gut für Bio und freut uns“, lächelt Holmbeck.

Auch beim Geflügel ist Dänemark ein leistungsfähiger Erzeuger: Rose Poultry verarbeitet Hähnchen und anderes Geflügel. Zum Beispiel füttert Martin Daasbjerg von Dansk And für Rose jährlich fast 60.000 Enten. Rose ist bereits punktuell auf dem deutschen Markt vertreten und will seine Präsenz ausbauen.

Im Bio-Milchbereich steht der europäische Molkerei-Riese Arla einsam an der Spitze und ist mit Handelsmarken auf dem deutschen Markt stark vertreten. Sovind ist eine kreative Käserei mit hohen Ansprüchen an ihre Frisch- und Weichkäse aus Kuh- und Ziegenmilch. Geschäftsführer Tom Soling setzt auch auf markantes Design, das seinen Qualitätsanspruch unterstreicht.

Milch ist Grundlage für Eis: Auch hier sind dänische Hersteller unterwegs. Ske Eis hat ein Energie-Eis mit zusätzlichen Proteinen für Senioren entwickelt. Krankenhäuser und Pflegeheime sind begeisterte Abnehmer. Alte Menschen, die wegen Appetit-Losigkeit abmagern, können damit gestärkt werden. Aber auch Sportler nutzen das Bio-Eis als funktionelles Lebensmittel. Die Thise Mejeri liefert Milch und Sahne der Rasse Jersey, die besonders eiweiß- und mineralreiche Milch geben soll.

Naturmilch ist nahe der deutschen Grenze beheimatet und verarbeitet 33 Millionen Liter von 33 Bauern zu einer weißen und gelben Linie, zum Teil in Demeter-Qualität. Meierei-Chef Leif Friis Jörgensen sieht Vertriebsmöglichkeiten im Raum Hamburg und Berlin: „Wir suchen konventionelle Fachgroßhändler mit Bio-Range.“ Käse-Großhändler, Frischdienste und Großverbraucher-Service sieht er als geeignete Partner, die der Gastronomie und Hotellerie ein konventionelles Qualitätsprodukt liefen können, wenn Bio nicht verfügbar ist.

Zu Wurst und Käse braucht es Brot. Das Mehl dazu liefert der Müller. Die Skaertoft Mölle arbeitet mit schonenden Stein-Mahlwerken und ist auch auf ausländischen Märkten präsent. „Allerdings exportieren wir kein Mehl nach Deutschland. Nur unsere Spezialitäten gehen ins Ausland“, erläutert Geschäftsführer Jörgen Bonde. 26 Getreideprodukte wie Dinkelreis werden bis in die Schweiz verkauft. „Wir hatten hier in Nürnberg gute Kontakte“, resümiert Bonde.

Urtekram zählt mit 49 Millionen Euro Umsatz in 2008 zu den leistungsfähigsten dänischen Bio-Unternehmen. Neben der bekannten Naturkosmetik bietet der Lieferant im Trockensortiment 1.500 Artikel aus einer Hand. Auch TK-Fertiggerichte sind dabei. „Wir versuchen die ersten, die besten und anders zu sein: Beim Produkt, im Design und in der Werbung“, verrät Marketingleiter Peder G. Jessen.

Die Rise Bryggeri von der Insel Aero braut exzellente Biere in kleinen Mengen für den Export. Ein dänischer Braumeister von der britischen Insel stellt 500 Hektoliter jährlich her. Darunter sind Sorten wie ein Walnuss-Bier. Die grüne Brauerei will in Dänemark zu den zehn besten Unternehmen in puncto Nachhaltigkeit zählen. Die Exklusivität spiegelt sich auch im Preis. Der Einkaufspreis für die 0,5 Liter Flasche liegt bereits bei drei Euro.

Die dänischen Bio-Aussteller sind Mitglied bei Organic Denmark. Der Bio-Verband bietet Unterstützung. „Wir arbeiten mit dem Handel zusammen und helfen den Ketten ihre Strategie umzusetzen. Wir machen ein offensives Marketing“, erklärt Holmbeck. Die dänischen Unternehmen kommen aus einem entwickelten Markt, haben Supermarkt-Erfahrung und sind Export orientiert.

Anton Großkinsky


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