Start / Ausgaben / BioPress 59 - Mai 2009 / Tradin sichert Qualität

Tradin sichert Qualität

Biologisches Anbau-Projekt für Sesam in Äthiopien gestartet

Tradin Organic Agriculture BV, Amsterdam, hat ein Bio-Sesam-Projekt in Äthiopien ins Leben gerufen. Das Gemeinschaftsunternehmen wird vom niederländischen Staat finanziell unterstützt und Äthiopien hat 300 Hektar Ackerland in der Stadt Humera in der Provinz Tigray zur Verfügung gestellt. Weitere 300 Hektar folgen Ende 2009. Das Projekt startete mit 500 Kleinbauern. Im Laufe der Zeit sollen 1.500 Bauern mindestens 4.000 Hektar biologisch bewirtschaften. Tradin hält 35 Prozent der Anteile am Joint Venture, die Äthiopier 65 Prozent. Ziel ist es, den Bio-Sesam-Markt für Äthiopien weltweit zu öffnen und eine sichere Bio-Qualität zu bieten.

„Sesam ist eine wichtige Backsaat,“ erklärte Heiko Grobecker von Tradin Deutschland bei der Vorstellung des Projekts. Neben dem Einsatz in Backwaren kann die Saat auch Bestandteil von Müsli oder Riegeln sein, und aus der in den tropischen und subtropischen Gebieten Afrikas und Asiens weitverbreiteten Pflanze wird zudem Öl gewonnen.

„Sesam ist ein schwieriges Produkt.“ Dies hat Tradins Qualitätssicherung viele Male feststellen müssen. Neben sogenanntem Fremdbesatz fanden die Labore oft Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Bio-Sesam aus allen Ländern. „Es gibt Sesam zwar bio-zertifiziert, aber er ist trotzdem nicht immer sauber,“ berichtet Grobecker.

Der Einkäufer kann die Ware ablehnen, aber Einfluss auf die Urproduktion, um die Probleme zu beheben, hat er nicht. „Da kam irgendwann die Idee, es selbst zu machen,“ erzählt Grobecker. Der eigene Anbau mit eigenen Kontrollen vor Ort, sichert den ganzen Prozess, so dass eine tadellose Qualität gewährleistet werden kann.

Nach der Ernte muss der Sesam aufbereitet werden. Trocknen, reinigen, schälen und absacken, dafür wird eine eigene Verarbeitung aufgebaut, die Mitte des Jahres in Produktion gehen soll. Das Projekt wird geleitet von zwei niederländischen Agraringenieuren. Tradin hat damit die Lieferkette in eigener Regie, vom Ursprung bis zur Lebensmittelverarbeitung, aufgebaut, um Rückverfolgbarkeit, Transparenz und Sicherheit zu schaffen. Das baut beim Abnehmer zusätzliches Vertrauen auf.

In Äthiopien fördert das Projekt die ländliche Entwicklung, wie Precious Mugazda, Tradin Projektentwicklerin Afrika, betont. Menschen aus den überbevölkerten Bergregionen besiedeln die Ebenen und bewirtschaften das brachliegende Land. „Diese Menschen sind traditionell keine Bauern und können von modernen Anbautechniken profitieren,“ so Mugazda. Die Bio- Bauern sind in Gruppen organisiert. Der Gruppenleiter wird geschult und gibt das Wissen an die anderen Mitglieder weiter. Von der Unkrautbekämpfung bis zur Erntetechnik wird alles vermittelt.

Das Bio-Projekt ist für die Einheimischen lukrativ. „Sie erzielen bessere Preise für den Bio-Sesam und lernen, wie sie darüber hinaus die Erträge steigern.“ Momentan werden 400 Kilo Sesam pro Hektar geerntet. 800 Kilo/Hektar lautet das mittelfristige Ziel. Da gilt es eine Menge Aufbau-Arbeit zu leisten. Außerdem erwartet die Regierung eine Beteiligung am Ausbau des Bildungs- und Gesundheitswesens. „Der Anbau schafft über die Landwirtschaft hinaus Entwicklung,“ fasst Precious Mugazda zusammen. Anfang des Jahres wurde der erste Bo-Sesam geerntet.

„Sesam-Anbau soll so groß werden wie der Kaffee-Anbau,“ berichtet Grobecker. Tradin betreibt mit Trabocca in Äthiopien bereits seit Jahren erfolgreich ein Kaffee-Unternehmen. 30.000 Bauern liefern hier ihre Ernte ab. Das von Wim Rabbie und Gerard Versteegh gegründete Unternehmen Tradin, das inzwischen zur kanadischen Sun Opta-Gruppe gehört, ist der größte europäische Lieferant für Rohstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau. „Tradin handelt nur Bio-Rohstoffe. Das ist unsere Profession,“ erläutert Grobecker.

Anton Großkinsky


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