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Editorial

Editorial Ausgabe 47/Mai 2006

Liebe Leserin, lieber Leser!

Lesen Sie die Artikel über unsere Bio Fach Messe-Recherchen zu den Themen Fleisch + Wurst, Bio-Eis, Sommer-Aktion mit dem Bio-Grill und Bio-Soja, Tofu, Seitan & Co. in der Papierausgabe, die zwischenzeitlich auf Ihrem Tisch liegen müsste. In das Archiv dieser WEBseiten werden die Artikel mit Zeitverzögerung eingestellt, um der Papierausgabe ihre Chance zu lassen. Schliesslich hat sie den Vorteil, auf ihrem Tisch zu liegen. Papier hat nach wie vor (s)einen Wert - sie können das Magazin überall hin mitnehmen, es passt in die Jackentasche und Sie bekommen keinen steifen Hals vom auf den Bildschirm starren! Die virtuelle Ausgabe wiederum ist unschlagbar bei Recherchen und schneller Informationsverbreitung. Die bioPress-Redaktion arbeitet in Zukunft mit einer Kombination beider Vorteile.

 

In Sachen Bio beobachten wir das pralle Leben! Überall, wo Lebensmittel zu Hause sind, wächst Bio in rasantem Tempo. So muss man das schon nennen: Rasant! Und das nicht nur hier bei uns in Deutschland. Auch auf der anderen Seite des Teiches, in Amerika, glänzen die Bio-Wachstumsraten auf vergleichbar hohem Niveau. Nicht überraschend ist, dass dort wie hier die Nachfrage davon läuft und die Politik nicht hinterher kommt, statt dessen Bauern und Bevölkerung mit dem Wunsch nach chemiefreiem Anbau allein lässt. Liegt das an der fehlenden Lobby oder an zuviel falscher Lobby?

Es ist bestimmt nicht leicht in einer Welt des permanenten Produktivitätsfortschritts, mit natürlichen Resourcen auskommen zu müssen. Gibt es neben Chemie-Doping auch intelligentere Methoden, das Wachstum zu beeinflussen und wird daran geforscht? Oder muss ökologischer Anbau fälschlicherweise mit der behaupteten Schwäche der Kargheit leben? In dieser bioPress schreibt Iris Lehmann über die ideelle Orientierung, die Bilder schaffen und den Mythos bewahren soll und den ökonomischen Pragmatismus, mit dem die benötigte Bio-Masse produziert werden kann, die ALLE satt macht!

Bio für ALLE - ein vor Jahren schon von der Biobranche aufgegriffener Slogan - muss ernsthaft gedacht und nicht nur als leere Hülse gebraucht werden. Für alle bedeutet doch, dass für jeden Platz sein sollte. Ob Verbraucher, Handel, Erzeuger oder Hersteller - allen, auch den neu Hinzugekommenen, muss Bio zugänglich gemacht werden dürfen. Daran sollten wir arbeiten.

Der Kulturkampf um Bio artet immer wieder aus in einen harten Kampf um Egoismen. Die einen wollen Bio nur im Naturkostfachgeschäft, der Bauer findet, nur der Hofladen sei geeignet. Dagegen spricht jedoch wieder, dass er viel zukaufen muss, will er ein akzeptables Sortiment anbieten. Die Reformhäuser bestücken sich seit einigen Jahren mit den „Konkurrenzprodukten“ Bio, wollen aber ihren Neuform-Herstellern die Auslastung ihrer Produktion verbieten. Sie sollen nur so viel produzieren, wie die Reformhäuser allein absetzen können. Bleibt nur das Ausland, wo es keinen hier betrifft. Reiswaffel-Produktion für Aldi löst wütende Reaktionen aus und Ängste bei Herstellern. Lobbyhörige Politiker schimpfen auf ausländische Bioware, verhindern aber mit dem Entzug von Beihilfen die dem Markt gerechte Umstellung bei den Bauern. Verbandspolitik darf sich nur um die eigene Klientel kümmern und muss die Produktion anderer, z.B. nur EU-Zertifizierer, klein reden.

Glücklicherweise gibt es die Verbraucher! Und Kaufleute, die schon seit Jahrtausenden immer „gehandelt“ haben. Und zwar die Produkte von Erzeugern,  die Verbraucher kaufen wollen!

Hierzulande existieren unterschiedliche Vertriebslinien. Verschiedene Eigenschaften und Methoden schaffen diese Unterschiede. Auf den Punkt gebracht arbeitet Aldi anders als die Vollsortimenter, die mittelständischen Filialisten anders als selbstständige Einzelhändler und Großfilialisten konkurrieren mit Methoden der Discounter mittels Masse und Preis, führen jedoch ein „qualitätsorientiertes“ Vollsortiment. Dazwischen gibt es noch Fachgeschäfte: Metzger, Bäcker, Käse- oder O+G-Fachgeschäfte und Feinkostgeschäfte. Die unterscheiden wieder 300 „wirkliche“ Feinkostanbieter vom Rest der Truppe. Das sind immerhin über 2.000 Verkaufsstellen.

Sie alle sind die wahren Helden. Fachgeschäfte müssen sich genauso behaupten wie selbstständige Kaufleute. Dabei vefügen sie weder über den (Preis-) Druck mittels Masse noch über Alleinstellungsmerkmale wie der Naturkostfachhandel oder Reformhäuser.

Richtig (schön) wäre doch, alle diese Potenziale ins Auge zu fassen und Bio in Richtung 20 Prozent Anteil zu tragen. Mit ALLEN wäre das zu schaffen. Warum also nicht? Lassen wir doch einmal das gegenseitige Blockieren, das Errichten von Straßensperren und Zollhäusern und orientieren wir uns an den Bedürfnissen der Verbraucher – überall auf der Welt. Damit wäre dann auch das Thema Globalisierung zu integrieren.

Wer kann denn heute sagen, wieviel Müsli wir aus „fremden Ländern“ essen und wieviel Joghurt wir nach Rusland exportieren? Die Wege sind unökologisch? Ja und was ist denn mit den Urlaubsreisen? Weg mit den zweierlei Maßen und schon ist Raum genug für Vernunft, die den (Branchen) Frieden erhalten hilft und Lust macht auf Genuss und Bio den gesünderen Geschmack für ALLE.

Erich Margrander


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