Start / Ausgaben / BioPress 58 - Februar 2009 / Olivenöl der flüssige Schatz Italiens…

Italien

Olivenöl der flüssige Schatz Italiens…

und Bio macht ihn noch wertvoller!

Dank seiner Nahrhaftigkeit ist das „Extra Vergine“ Olivenöl der Clou für eine ausgewogene Ernährung mit Verbesserungspotenzial für die Gesundheit. Es enthält nämlich Fettsäuren, die denen im menschlichen Körper gleichen und eine grosse Menge von ­Vitaminen. Das verteidigt den Körper gegen Ekzeme der Haut, Störungen des Verdauungssystems, beugt dem Phänomen der Zellen-Alterung vor und fördert ganz allgemein das Wohlbefinden des Körpers und
die Lebensqualität.


 

Bio-Olivenöl enthält keine che­mischen Rückstände und die Möglichkeit von Verschmutzungen wird durch präzise Kontrollen erschwert. Oliven­öl darf nur den Zusatz „Bio“ tragen, wenn es aus biologischen Oliven gepresst wird. Aber um es mit dem Qualitäts-Etikett verkaufen zu können, muss es weitere Kriterien erfüllen, d.h. es darf nur „Extra­vergine“ (Säure unter ein Prozent) sein oder „Vergine“ (Säure unter zwei Prozent) frei von Mängeln und negativem Geschmack. Ausserdem wird die Ernte und Lagerung von Oliven, Gewin­nung und Verpackung des Olivenöls genau kontrolliert.

Diese Massnahmen müssen in Übereinstimmung mit der besten Methode der Ölpressung und Arbeits­­phasen stattfinden und sich damit weiter von nicht bio­logischem Öl unterscheiden.

Zur Anerkennung des Bio-Zertifikats ist es notwendig, dass alle Stufen vom Erzeuger, über die Ölpressung und den Abfüller bis zum Inverkehrbringer sich der strengen staat­li­chen Kontrolle unterwerfen, um dann für ihre Region die optimalste Verteilungsart zu wäh­len. Der Käufer kann so­mit die absolute Sicherheit und Qualität des Olivenöls und dessen Preis erkennen und schätzen.

Die EU-Verordnung Nr. 2092/ 91 verlangt für die Umstellung einen Zeitraum von drei Jahren, bevor die Ölivenernte als ökologisch bezeichnet werden darf. Der Landwirt ist zu Informations­kursen verpflich­tet. Damit wird der Bio-Olivenanbau für ihn zu einer kulturellen Berei­cherung. Das Zertifzierungssystem bietet den Kunden ei­ne sichere Garantie.

Olivenanbau in der biologischen Welt

Nach Angaben von Eurostat (Statistischen Amt der Europäischen Union) 2008 wird geschätzt, dass 2006 der Bio Olivenanbau von 370 Tausend Hektar weltweit überschritten wurde; das entspricht etwa 1,22 Prozent des gesamten Anbaus (30,4 Millionen Hektar) und mehr als vier Prozent der Fläche im Anbau von Oliven (8,89 Millionen Hektar). Die Olivenöl-Produktion und die von Extra-nativem Oliven­öl konzentriert sich auf Länder des Mittelmeers. Führend in der konventionellen Produktion sind Italien, Spanien, Tunesien, Griechenland, Portugal und die Türkei.

Derzeit sind 94 Prozent der gesamten Bio-Olivenöl Anbaufläche des Mittelmeerrau­mes in den Ländern Italien, Spanien, Portugal, Griechenland und Tunesien konzentriert.

Bio-Oliven werden auch in ande­ren Ländern des Mittelmeer­raums angebaut: Syrien, Zypern, Frankreich, Kroatien, Slowenien, Albanien, Malta, Libanon, Israel, Palästina, Jordanien, Ägypten, Libyen, Algerien, Marokko. Neue Produzenten gibt es in Lateiname­rika (Argentinien und Chile), Australien und Neuseeland.

Biologischer Olivenanbau in Italien

Nach Spanien ist heute Italien der zweitgrößte Olivenöl­her­steller der Welt, mit ungefähr 1,1 Milionen Hektar herkömm­lichem Olivenanbau, der haupt­­sächlich in den südlichen Regionen konzentriert ist.   

Nach der Statistik von BIOL 2008  ist Italien mit ungefähr 30 Prozent Anbaufläche an der Weltspitze beim bio­logischen Olivenanbau, dicht gefolgt von Spanien (25 Prozent), Tunesien (22 Prozent) und Griechenland (11 Prozent), Länder, die in den letzten Jahren auf diesem Sektor viel investierten. In der Tat haben Spanien und Griechen­land  2005 bis 2006 ihren Bio Olivenanbau beträchtlich erweitert, mit einem Wachstum von +2,13 Prozent auf 53,38 Prozent, während  das Wachstum in Italien bei +0,28 Prozent stagnierte.

Der biologische Olivenan­bau in Italien umfasst rund 107.000 Hektar (9,3 Prozent der gesam­ten Bio-Anbauoberfläche, 9,4 Prozent der italienischen Olivenhaine), mit einem Ausstoß von fast 59.000 Tonnen biolo­gischem Olivenöl. An der Spit­ze steht der Süden  (Apulien, Calabrien, Campanien), gefolgt vom Zentrum (Tosca­na, Lazio, Abruzzo und Molise) und den Inseln (Sizilien und Sardinien). Besonders stark ist der Bio-Olivenanbau in den Hügeln des Apennins. Es handelt sich oft um Zonen, wo Produktionsalternativen fehlen und wo der grösste Feind der Oliven, die Olivenbaumfliege (bactrocera oleae), leichter kontrollierbar ist.

Der biologische Olivenanbau in Italien wird hauptsächlich zur Ölherstellung verwendet, während der Umfang der Ess-Oliven oder Olivencremes eher bescheiden ist. Bio-Olivenöl wird nicht nur als Dressing verwendet oder zum Kochen und Braten. Es wird auch als Zusatz für Gemüse in Glas oder Dose, für Bio-fertig-Sossen und viele anderen Verarbei­tungen eingesetzt.

Die erste Verarbeitung der Oliven entsteht in traditionellen Ölmühlen, diejenigen mit dem Bio-Zertifikat haben sich 2005 bis 2006 von 618 auf 557 verringert. Es gibt weitere an die GDO (Großverteiler) angeschlossene 63 Betriebe. Sie pressen und fül­len auch die Handelsmarken ab. Kleinere und mittlere, auch konventionelle multinationale Ölhersteller haben ihr Angebot um Bio-Öl erweitert.


Alle Fotos: ICE, Italienisches Institut für Außenhandel

Der Weg der Bio-Ölherstellung in Apulien

Apulien und Kalabrien produzieren über 80 Prozent der italienischen Bio-Oliven. Nach Daten der Region von 2007 lagen in Apulien die Anbauflächen 2006 bei 47.000 Hektar, fast 39 Prozent des gesam­ten regionalen Bioanbaus. Von den Bio-Olivenpro­duzen­ten verarbeiten 184 selbst. Weitere 379 Betriebe, ein­schließlich Importeure, und 19 gemischte Betriebe – Herstellere, Züchter, Importeure und Verarbeiter sind mit der Bio-Vermarktung beschäf­tigt.

Zu den größten Betrieben Apuliens zählt SIO s.p.a., der sich mit seinem Bio-Öl „BIO DOP DAUNO GARGANO“, den zweiten Platz im internationalen Wettbewerb BIOL gesichert hat. Der Wettbewerb zeichnet jährlich die besten internationalen Bio-Öle aus, unter anderem auch Produkte der Spitzenqualitäts-Produzenten „Azienda Agricola Ing. Gregorio Minervini“ und „Azienda Agricola Franco Stamerra“, Öle mit fruchtigem und aromatischem Geschmack und dem Zertifikat „Bios“.

Die Verteilung des italienischen Bio Olivenöls

Ungefähr 85 Prozent des gesamten italienischen Bio-Olivenöls wird auf dem nationa­len Markt verteilt: alle wichtigen Supermarkt-Ketten bieten biologisches Olivenöl auch als Handelsmarke an. Über diesen Vertriebskanal wird für zirka 15 Millionen Euro Bio-„Extravergine“ Olivenöl verkauft.

Trotzdem sind sie nicht der wich­tigste Verteilungskanal, an erster Stelle sind nämlich mehr als 1000 spezialisierte Verkaufstellen und viele Hersteller, die direkt an die Konsumenten verkaufen. Der Direkt-Kauf bei Olivenöl-Bauern auf dem Land ist in Italien besonders weit verbreitet (wie auch beim Wein).

Derzeit führt Italien sein Bio-Ölivenöl hauptsächlich in die europäischen Länder Deutsch­­land, Großbritannien und die Schweiz aus. In die Vereinigten Staaten und nach Japan fließen rund 15 Prozent des Angebots. Nach Angaben von Ismea/Nielsen sind USA und Japan die stärksten Exportmärkte für das konventionnelle italienische Olivenöl, Deutschland ist ein wichtiger Bezugsmarkt für italienisches Bio-Olivenöl. Laut Assitol –Verein der italienischen Ölindustrie (Associazione Italiana dell'Industria Olearia), ist der Export am wachsen: Im August stieg die Exportrate der bekannten Olivenölsorten um 3,9 Prozent.

Bio und konventionelles Olivenöl sind der flüssige Schatz Italiens: Um das „Made in Italy“ besser zu schützen, bestimmt seit Januar 2008 ein Gesetz, dass bei Extravergine und Vergine-Olivenöl (und nicht nur das DOP konventionelle Öl) auf dem Etikett der Name des Landes und die Herkunft der Oliven aller Länder  und auch der Produktionsort der Ölmüh­len deutlich ausgewiesen sein muss. So können die Verbrau­cher eine optimale Wahl zwischen verschiedenen Ölange­boten treffen.

Yasmine Ravaglia


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