Bio bei Bungert

Im Shop Salsa Verde bietet das Einkaufszentrum ein frischebetontes und regionales Bio-Sortiment

Bungert im beschaulichen Eifelstädtchen Wittlich ist noch eines der wenigen familieneigenen Einkaufszentren in Deutschland. Am Stadtrand stehen 500 Parkplätze zur Verfügung. Die Kunden nutzen die Möglichkeiten für Großeinkäufe, die Bons sind laut Marktleiter Michael Hübner überdurchschnittlich hoch. Die 18.000 Seelen zählende Kleinstadt allein kann das Kaufhaus nicht tragen. Die Kunden kommen aus einem Radius von 60 Kilometer um Wittlich herum. Gegen die große Konkurrenz der SB-Warenhäuser behauptet sich Bungert mit dem 10.000 Quadratmeter großen Kaufhaus durch eine ungeheure Sortimentsvielfalt von 135.000 Artikeln. Auf zwei Etagen werden Lebensmittel und Non-Food angeboten. Dazu zählt ein Bio-Sortiment, das Shop-in-Shop im Lebensmittelmarkt angeboten wird.

Im Erdgeschoss des Shopping Centers ist der Lebensmittelmarkt zuhause. Im Vorkassenbereich befinden sich ein Bistro, ein Blumengeschäft, eine Lotto-Annahmestelle und ein Reisebüro. Im ersten Obergeschoss sind die Fachabteilungen Bücher, Haushaltswaren, Textilien, Sport und Spielwaren beheimatet.
Für den qualitätsorientierten Lebensmittelhändler bedeutet Bio mehr als die Buchstaben der EU-Öko-Verordnung. "Bio ist eine Lebenseinstellung. Daraus resultieren erhöhte Anforderungen an ein Produkt in der Erzeugung und Verarbeitung", erklärt Marketingleiter Rainer Krings.


Stetiges Bio-Wachstum verzeichnet

Auf der 5.000 Quadratmeter großen Lebensmittelfläche ist auf 160 Quadratmeter ein Bio-Shop-in-Shop mit rund 2.000 Artikeln untergebracht. Zu dem Laden kam Bungert vor zehn Jahren wie mancher zu seinem Haustier: "Wir hatten einen Bio-Laden am Ort. Vor zehn Jahren ging die Inhaberin auf uns zu und fragte, ob sie ihr Geschäft in unsere guten Hände abgegeben könne, weil sie wegziehen wollte", blickt Bungert zurück. Jürgen Bungert hatte damals schon eine Nachfrage nach Bio-Produkten festgestellt, die nicht gedeckt werden konnte. Der Geschäftsmann überlegte nicht lange und griff zu, passte ein Bio-Laden doch in seine Qualitäts- und Regionalstrategie.
Das Naturkostfachgeschäft in der Stadt wurde geschlossen und in das Kaufhaus verlegt. "Sie hat den Laden hier in unserem Haus noch eine zeitlang geführt und die Mitarbeiterinnen eingearbeitet", berichtet Bungert von der Entstehung von "Salsa Verde". So heißt der Bungert-Bio-Shop.  Mit vier Verkäuferinnen  wird die Abteilung beratungsintensiv geführt. "Wir verstehen uns als Naturkostfachgeschäft", klärt Marion Schwind, Kopf der Abteilung auf. Die Auszubildenden machen hier zwei Monate Station und werden mit Bio vertraut gemacht. Bis 2008 verzeichnete die Abteilung stetiges starkes Wachstum. Vergangenes Jahr herrschte erstmals Stillstand in der Umsatzentwicklung. Volumenartikel wie Bio-Bananen den Sortimenten zu zu ordnen, könnte den stockenden Umsatz wieder nach oben klettern lassen.  
2007 wurde der Bio-Shop umgebaut und vergrößert, er ist aber bereits wieder zu eng. Bei den Molkerei-Produkten gibt es wegen Platzmangels kaum Mehrfach-Facings, so dass permanent nachgeräumt werden muss. 2009 steht eine Vergrößerung an. Der Absatz von Naturkosmetik birgt noch ungenutztes Potenzial. Sie wird in gleicher Aufmachung wie die Bio-Lebensmittel präsentiert. Da müsste durch eine edlere Einrichtung der Charakter der Produkte betont werden, dann könnte Naturkosmetik ihre volle Anziehungskraft entfalten.
"Bei Bio sprechen wir über Frische", macht Marion Schwind deutlich. Der Bio-Shop hat eine eigene Bedienungstheke für Käse und Brot, ein SB-Kühlregal und eine Obst- und Gemüse-Abteilung, die allesamt vom konventionellen Sortiment getrennt sind. Drei Bio-Bäcker liefern tagesfrisch Brot, Brötchen, Feingebäck und Kuchen. 25 Sorten Brot, 15 Sorten Brötchen, 12 Sorten Gebäck und acht Kuchen stehen zur Auswahl. 60 Artikel bei frischen Bio-Backwaren sind schon beachtlich. Damit hat Bungert eine Alleinstellung in dem Eifel-Städtchen. Die Vollkorn-Bäckerei Schales aus Völklingen zählt zu den Lieferanten. Der Bioland-Partner vermahlt das Getreide selbst, arbeitet mit eigenem Sauerteig und süßt mit Honig.
Die Käsetheke bietet etwa 40 Sorten an Ziegen-, Schafs- und Kuhmilch-Käse als Weich-, Schnitt- oder Hartkäse aus den europäischen Käse-Ländern. Die Preise reichen von 1,09 Euro für den jungen Gouda bis 2,60 für einen Parmesan. Das mittlere Segment wird damit bedient.^


Bio-Tee in Bedienung wie im Fachgeschäft

Loser Tee von Oasis wird wie in einem Tee-Spezialgeschäft lose in Bedienung verkauft. Zu Weihnachten erlebt der lose Tee seinen Saison-Höhepunkt. Als Besonderheit gibt es noch Herbaria-Gesundheitstees im Beutel. Der Convenience-Gedanke hat sich durchgesetzt.
Im Kühlregal dominieren die Milchprodukte: Andechser ist stark vertreten. Die Molke-Drinks, die ursprünglich eher ein Sommer-Produkt sind, haben sich in Wittlich zum Ganzjahres-Produkt entwickelt. Aber auch Soja-Produkte für die wachsende Vegetarier-Gemeinde gibt es in großer Vielfalt. Spezialitäten wie Ziegen- und Schafsjoghurt von Leeb sorgen für Abwechslung und bringen Kunden, die Kuhmilch nicht vertragen. Das sind nur eine handvoll , aber Bungert bedient die individuelle Nachfrage. "Wir erfüllen jeden Kundenwunsch und bestellen jeden Artikel", erläutert Marktleiter Hübner die Philosophie des Hauses. Das kann ein nationaler Filialist kaum leisten. Dieser Stärke ist sich Bungert auch bewusst. Die Geschäftsleitung denkt nicht daran, das Sortiment zu reduzieren.  
50 biologische Obst- und Gemüse-Artikel sind erhältlich. Zu dieser Jahreszeit dominieren Zitrusfrüchte: Orangen, Mandarinen, Grapefruits und Zitronen sind vorhanden. Wintergemüse wie Rotkraut, Weißkraut, Wirsing, Rosenkohl und Sellerie werden angeboten. Blatt-Salate in Bio-Qualität werden ebenfalls geführt. Das ist mehr als das Standard-Sortiment an Lagergemüse, die einfach zu handhaben sind. Kartoffeln gibt es abgepackt sowie lose und ungewaschen. Die Ware lässt sich zuhause dann länger aufbewahren als die gewaschene Ware. Darüber hinaus gibt es verschiedene Kartoffel-Sorten, die für Salat, Püree oder zum Braten geeignet sind.


Regionalität zählt

Bei Bungert redet man nicht nur über Frische, sondern auch über Regionalität. Bio-Artikel der Regionalmarke Eifel werden ebenfalls vertrieben. Bio-Landwirte in der Eifel haben sich zu einer Erzeugergemeinschaft zusammengeschlossen. Seit 2006 stellt die Landmetzgerei Schares aus Baustert aus Rohstoffen der Eifel-Bauern ein regionales Bio-Sortiment her. Schares verzichtet auf Nitritpökelsalz und spricht damit auch die Puristen an. Leberwurst fein zerkleinert, Rindersalami, Landsalami, Jagdwurst, Krustenschinken, Fleischwürstchen, Leberwurst, Bärlauchstange, Rostbratwurst tragen das Eifel-Zeichen. Die altbekannten Hausmacher Sorten sind beliebt bei den Kunden, die es gerne biologisch-deftig mögen. Neben dem Kunstdarm und Gläsern mit Schraubverschluss bietet er Bio-Wurst im traditionellen Weckglas an. Das sorgt für Impulskäufe. "Die Wurst-Gläser funktionieren prima", weiß Marion Schwind.
Der Honig aus der Imkerei Thomas Körsten stammt ebenfalls von Bienen aus der Eifel. Das Öko-Weingut Zur Römerkelter von der nahen Mosel ist mit Ecovin-Wein vertreten. Die Flaschen werden rustikal in der Holzkiste präsentiert. Mit Weinproben im Haus überzeugt Bungert die Kenner vom sinnlichen Genuss der Bio-Tropfen. Riga's Dinkelmühle aus Hemmersdorf/ Saarland liefert biologische Dinkel-Teigwaren, -Flocken und Müsli sowie Hildegard-Produkte wie Gewürze, Suppen usw.
Bio-Kaffee kommt von Pauli Michels aus Weiskirchen im benachbarten Saarland.  Die handwerkliche Rösterei ist überregional bekannt für ihre Qualität. Die Kilo-Preise für die Spezialitäten liegen bei rund 20 Euro. Natürlich sind auch die nationalen Anbieter wie das  Fairhandelshaus Gepa oder die Rösterei  Wertform aus Hamburg vertreten. Auf einer Aktionsfläche gibt es Sonderplatzierungen, zum Beispiel von Saisonartikeln zu Weihnachten oder Ostern mit Süßwaren oder Backzutaten.
Auch außerhalb des Bio-Shops finden sich zahlreiche Bio-Artikel: So in der TK-Truhe ein Gemüse-Sortiment von Frosta und Wagner-Pizza. Im Müsli Regal sind Kölln, Seitenbacher und Dr. Oetker in Bio-Qualität zu finden. Die Ritter Sport Bio ist bei den Süßwaren platziert. Im Kaffee-Regal wird Darboven und daneben Bio-Kaffee-Sahne von Bärenmarke angeboten. Bei den Knabberartikeln sind zum Beispiel Huober mit Bio-Brezeln und funny frisch mit Bio-Chips vertreten.
Bungert betreibt eine eigene konventionelle Qualitätsmetzgerei mit 40 Beschäftigten in Produktion und Verkauf. Bio-Fleisch wird dazugekauft und abgepackt in einer separaten SB-Truhe angeboten. An der Wursttheke werden einige Sorten von Rack & Rüther geführt. Bio-Fleisch bereichert das konventionelle Angebot von 380 Artikel aus eigener Produktion.


Vom Wohnzimmer zum Kaufhaus

Der Grundstein für das Unternehmen wurde im Jahr 1950 gelegt. Das Ehepaar Magdalena und Karl Bungert eröffnete auf 22 Quadratmeter in ihrem Wohnhaus ein Lebensmittelgeschäft. Bereits 1956 erweitern sie die Fläche auf 60 Quadratmeter und gründen das erste Selbstbedienungsgeschäft der Region. Zu Beginn greifen die Kunden nur zögerlich in die Regale. Unsicherheit prägt die Begegnung mit dem in Deutschland fast unbekannten Ladentyp. Es folgen Ende der 50-er Jahre Filialgründungen in den Wohngebieten von Wittlich, Wengerohr und Lüxem. 1965 eröffnet Bungert in der Friedrichstraße einen C+C Markt. Dem steigenden Platzbedarf begegnet Bungert 1968 mit der nächsten Erweiterung auf 2.500 Quadratmeter.
Deutschland ist im Kaufrausch. Im Kaufhaus Bungert drängen sich die Kunden. 1973 wird die  Verkaufsfläche auf 5.000 Quadratmeter erweitert. 1973 erschließen sich Magdalena und Karl mit einem Selbstbedienungsrestaurant im Obergeschoss einen weiteren, expandierenden Geschäftszweig.
1975 schloss der älteste Sohn Jürgen Bungert sein Jurastudium ab und lenkte den Betrieb mit. 1978 wird die gesamte Grundfläche um eine zweite Etage aufgestockt. Damit erhält das Kaufhaus seine heutige Größe von fast 10.000 Quadratmetern. Auch im Jahre 2009 ist Jürgen Bungert noch Geschäftsführer des Familienunternehmens.
 


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