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Bio-Ukraine – leistungsfähig und lieferbereit

Die ukrainische Biobranche zeigte erneut ihre Leistungen mit einem starken Auftritt auf der Biofach 2026

Bio-Ukraine – leistungsfähig und lieferbereit © National Pavilion of Ukraine at BIOFACH
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Nationalen Pavillons der Ukraine auf der Biofach 2026

Der Nationale Pavillon der Ukraine wurde organisiert von der ‚Ukrainian Berries Association‘ (UBA), dem staatlichen ‚Entrepreneurship and Export Promotion Office‘ (EEPO, Ukraine) und dem nationalen Projekt ‚Diia.Business‘. Der Auftritt stand unter der Schirmherrschaft des Ministeriums für Wirtschaft, Umwelt und Landwirtschaft der Ukraine. Er brachte 26 Bio-Exporteure aus den zwölf Regionen der Ukraine zusammen und demonstrierte damit die große geografische Verbreitung des Bio-Sektors und die Widerstandsfähigkeit der Produktion trotz der Herausforderungen des umfassenden russischen Krieges. 

Die Unternehmen präsentierten eine breite Palette von Bio-Rohstoffen bis hin zu verarbeiteten Erzeugnissen mit hoher Wertschöpfung. Einen eindrücklichen Überblick dazu bietet der Katalog ukrainischer Bio-Exportunternehmen und ihrer Sortimente (siehe Infobox). 

Starke Ukraine-Kooperationen

Die ukrainische Biofach-Präsenz fand wie seit Jahren mit Schweizer Unterstützung statt. Das schweizerisch-ukrainische Programm ‚Higher Value Added Trade from the Organic and Dairy Sector in Ukraine‘ (QFTP) spielt eine wichtige Rolle. Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL, Schweiz) ist in diesem Rahmen seit 2004 engagiert, in Zusammenarbeit mit der Safoso AG (Schweiz). Eine gut vernetzte Kooperation besteht zudem mit der ukrainischen Landesvertretung des Schweizer Importförderungsprogramms (SIPPO), einem Mandat des Schweizer Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO). Zusätzlich zu den erwähnten Partnern wurde der Ukraine-Auftritt 2026 von der Organisation ‚United Nations Industrial Development Organization‘ (UNIDO) im Rahmen des ‚Global Quality and Standards Programme Ukraine‘ (GQSP) unterstützt.

„Trotz der immensen Herausforderungen, die der Krieg mit sich bringt, hat der Bio-Sektor in der Ukraine eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit bewiesen“, weiß Toralf Richter, Senior Markt Expert, QFTP, und ergänzt aus Erfahrung: „Die Unterstützung ukrainischer Bio-Unternehmen ist heute sowohl eine wirtschaftliche Notwendigkeit als auch ein Akt der Solidarität. Das Engagement internationaler Partner trägt dazu bei, die Krise zu überstehen und am nachhaltigen Wiederaufbau mitzuwirken.“

Hohe Leistungsfähigkeit – trotz allem!

Die Kongress-Konferenz ‚Seeds of Peace. Voices from Ukraine Shaping their Future with Organic Agriculture‘ gab einen eindrücklichen Einblick in die reale Situation der ukrainischen Agro-Foodbranche allgemein und speziell des Bio-Sektors. Valentyna Liashenko, Lead Expert in Foreign Economic Activity of the Export Support Department am staatlichen ‚Entrepreneurship and Export Promotion Office‘ (EEPO, Ukraine), gab einen Überblick: „Heute sichern Exporte die nachhaltige Entwicklung des ukrainischen Bio-Sektors, wobei über 90 Prozent der produzierten Bio-Erzeugnisse in ausländische Märkte geliefert werden. In den letzten Jahren gehörte die Ukraine durchweg zu den fünf größten Lieferanten von Bio-Produkten in die EU und im Jahr 2024 belegte sie gemessen am Volumen der Bio-Importe in die Europäische Union den dritten Platz unter 125 Ländern. Der Anteil ukrainischer Bio-Agrar- und Lebensmittelprodukte an den gesamten EU-Importen belief sich auf fast acht Prozent, während das Exportvolumen im Vergleich zu 2023 um 17,5 Prozent stieg.“ 

Als Take-Away insbesondere für die deutschen Bio-Einkaufsverantwortlichen zeigte die Präsentation mit Blick auf die anziehende Nachfrage auf: Die Ukraine ist mit einem vielfältigen Angebot lieferfähig – und dies aus der europäischen Nachbarschaft.

Ukraine in die Verkaufsregale – Skandinavien weist den Weg

Am von bioPress organisierten Meetingpoint BIOimSEH bot eine weitere öffentliche Diskussion unter Beteiligung ukrainischer Vertreter und internationaler Partner die Gelegenheit zum vertieften Austausch. Trotz der extremen Erschwernisse erzielt der ukrainische Bio-Sektor beeindruckende Erfolge – wie beispielsweise die Beerenvermarktung. Der Export wird derzeit erfolgreich ausgebaut und die Verarbeitungs- und Logistikinfrastruktur professionalisiert. Um den Erfolg zu sichern und mit Blick auf die Zukunft weiter auszubauen, sind verlässliche, langfristige und wertschöpfende Partnerschaften erforderlich.

Valentyna Liashenko zeigte auf, wie die ukrainische Exportförderung die Unternehmen dabei unterstützt, internationale Handelspartner zu finden und ihre Präsenz auf ausländischen Märkten auszubauen. Über den traditionellen Export von Rohstoffen hinaus etablieren sich ukrainische Bio-Spezialitäten derzeit in den Verkaufsregalen des westeuropäischen Biofach- und Detailhandels. Als richtungsweisend stellte Valentyna Liashenko die erfolgreiche Etablierung von ukrainischen Sortimenten in den skandinavischen Groß- und Detailhandelskanälen vor. In Schweden legte ein offizieller Regierungsentscheid die Grundlage zur gezielten Stärkung der Zusammenarbeit. 

Vasyl Shukalovych, leitender Zertifizierungsspezialist bei der ukrainischen Zertifizierungsstelle ‚Organic Standard‘, betont die Bedeutung für die Stärkung des Vertrauens in ukrainische Produkte: „Für viele Obst- und Beerenproduzenten ist die Bio-Zertifizierung in diesen für die Ukraine schwierigen Jahren zu einem wichtigen Instrument für die Teilnahme an den Beeren-Lieferketten in die EU geworden. Das mit Bio-Produkten verbundene höhere Kontrollniveau, das Vertrauen bei Importeuren und Verbrauchern in der Europäischen Union schafft, hat die Entwicklung des zertifizierten Beerensektors vorangetrieben. Die Zertifizierung ist auch für viele kleinere Landwirte zu einer wichtigen und rentablen Lösung geworden. All dies wurde dank der gemeinsamen Anstrengungen von schweizerischen und deutschen internationalen Projekten zur technischen Hilfe den Verarbeitungsbetrieben und natürlich den Produzenten selbst ermöglicht.“

Peter Jossi

Nachhaltige Stärkung der Zusammenarbeit in resilientem Netzwerk
 Im Rahmen eines Kick-off-Workshops am 3. und 4. März in Kischinau (Moldau) legte der Deutsch-Ukrainische Agrarpolitische Dialog (APD Ukraine) die Arbeitsschwerpunkte für die neue Projektphase fest: Annäherung der ukrainischen Agrarpolitik an GAP-Standards, integrierte ländliche Entwicklung sowie Intensivierung des agrarwirtschaftlichen Dialogs beider Länder. 
„Die intensive Arbeit in der moldauischen Hauptstadt hat gezeigt, wie entscheidend fachliche und persönliche Verbindungen für unseren gemeinsamen Weg sind. Austausch, voneinander lernen und das Knüpfen neuer Synergien standen dabei klar im Mittelpunkt. Gerade jetzt, da die Ukraine unter schwierigen Bedingungen wichtige EU-Integrationsschritte geht, ist der Agrarpolitische Dialog unverzichtbar“, sagte Dr. Olga Trofimtseva, Projektleiterin des APD Ukraine, ehemalige Agrarministerin der Ukraine und international anerkannte Expertin für Agrarpolitik und EU-Integration.

 

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